Am letzten Samstag bestritten die Münchner Löwen erfolgreich das Landespokalfinale gegen die Würzburger Kickers. Das war der offizielle und verspätete Abschluss der Saison 2019/20. Nur eine Woche später tritt 1860 München in der ersten Runde des DFB-Pokals an, was den Auftakt zur Saison 2020/21 einläutet. Die einmaligen Umstände der Corona-Pandemie machen diesen kuriosen Spielplan möglich. Den Löwen wurde als Gegner die Eintracht aus Frankfurt zugelost, die in den letzten Jahren im DFB-Pokal oftmals eine sehr gute Figur abgab. Einmal konnten die Hessen sogar dem ungeliebten Nachbarn aus Harlaching die Trophäe im Finale entreißen konnte.

Startschuss für die Saison 2020/21

Die Faszination des DFB-Pokals liegt darin, dass ein von einem aufgestachelten Publikum angefeuerter Underdog in einem Alles-oder-Nichts-Spiel einem höherklassigen Gegner die Stirn bietet. Es ist immer von der besonderen Pokalspielatomsphäre die Rede, wenn z.B. ein Drittligist einen haushohen Favoriten aus der Bundesliga in die Verlängerung zwingt. Man wird sehen, was sich in den Stadien in der ersten Hauptrunde des diesjährigen DFB-Pokals abspielen wird bzw. ob es unter diesen Rahmenbedingungen überhaupt zu Außenseitersiegen kommt. Im zurückliegenden Halbfinale vor ein paar Wochen war der FC Saarbrücken vor leeren Rängen gegen Bayer Leverkusen chancenlos.

Vereinswappen von Eintracht Frankfurt von 1977 bis 1999

Gegen den kommenden Gegner Eintracht Frankfurt ist 1860 München bereits viermal im Pokal angetreten. Beim ersten Mal gab es einen knappen Auswärtssieg für die Löwen im Jahr 1938, dann das sehr erfolgreiche Pokalfinale 1964, später einen Kantersieg in der zweiten Runde 1995 und zuletzt das Viertelfinale im Januar 2006. In der Saison 2005/06 kam es bei 1860 München zu einem Zeitenwechsel. In Fröttmaning war die Allianz Arena fertiggestellt worden und gegen Hansa Rostock kam es im Spätsommer 2005 an einem Freitagabend vor über 50.000 Zuschauern zum Debüt in der neuen Heimspielstätte. Neben den Pflichtspielen zur 2. Bundesliga, spielte 1860 München in dieser Saison im DFB-Pokal eine für Löwenverhältnisse relativ erfolgreiche Runde.

In der ersten Runde traten die Löwen beim Wuppertaler SV an. Wuppertal ging in der Partie früh in Führung und ein Ausscheiden in der ersten Pokalrunde schwebte wie ein Damoklesschwert über den Köpfen der Münchner. Aber glücklicherweise drehte gegen Ende der Partie mit einem Doppelschlag binnen 5 Minuten Rodrigo Costa und Paul Agostino die Partie. In der zweiten Pokalrunde sorgte dann 1860 München seinerseits für eine kleine Pokalsensation. Die Löwen bezwangen zu Hause in der Allianz Arena den damaligen Bundesligisten MSV Duisburg mit 3:2. In der ersten Halbzeit erzielten Jiayi Shao und Matthias Lehmann eine komfortable 2:0-Führung, aber die Zebras konnten in der zweiten Hälfte den Rückstand ausgleichen. Kurz vor Schluss erzielte Nemanja Vucicevic dann doch noch den Siegtreffer für die Löwen. Im Achtelfinale sorgten die Löwen beim SC Freiburg für das nächste Ausrufezeichen. In einem sehr engen Spiel beim damaligen Zweitligisten gelang mit der letzten Aktion in der regulären Spielzeit Jiayi Shao gerade noch rechtzeitig der Ausgleich zum 1:1. Gepusht vom späten Ausgleich ließ 1860 den Hausherren in der Verlängerung keine Chance. Paul Agostino und Remo Meyer schossen am 20.12.2005 das Team von Reiner Maurer in das Viertelfinale. Es sollte vorerst das letzte Spiel von Cheftrainer Reiner Mauerer bei den Münchner Löwen sein. Die hohen Erwartungen in der ersten Arena-Saison konnten in keinster Weise mit der Tabellensituation mithalten. Platz 9 nach der Hinrunde war eindeutig zu wenig für die hohen Ambitionen.

Stefan Reisinger: Foto (c) Fuguito

Am 25.01.2006 im Viertelfinale gegen Eintracht Frankfurt saß Interimstrainer Bernhard Trares auf der Trainerbank. Mit der Eintracht kam ein Gegner in die Allianz Arena, mit dem sich 1860 München in der Vorsaison bis zum letzten Spieltag um den dritten Aufstiegsplatz in die Bundesliga duelliert hatte. Vor 24.000 Zuschauer starteten die Löwen angetrieben von Daniel Baier sehr druckvoll in das Pokalmatch. Von einem Klassenunterschied war nichts zu sehen und nach 11 Minuten stand es bereits 1:0 für Sechzig München. Nicht nur die Führung war überraschend, fast noch überraschender war der Torschütze Stefan Reisinger. Ein Sinnbild für die ernüchternde Platzierung im Mittelfeld der Tabelle war u.a. der Mittelstürmer, der vor der Saison von Wacker Burghausen an die Grünwalder Straße gewechselt war. Reisinger war bei den Fans durchaus wegen seines unermüdlichen Einsatzes und seiner hohen Laufbereitschaft beliebt, aber es wollte dem Mittelstürmer trotz einer Vielzahl bester Möglichkeiten einfach kein Tor gelingen. Bezeichnend dafür war eine besonders haarsträubende Situation im letzten Heimspiel vor der Winterpause gegen Energie Cottbus. Stefan Reisinger blockierte in der Nachspielzeit unabsichtlich den Ball auf der Torlinie für den bereits geschlagenen Torhüter Tomislav Piplica. Cottbus gewann das Spiel mit 2:3.  

Die Türe zum Halbfinale stand offen

Man traute an diesem Abend in der Arena seinen Augen nicht. Stefan Reisinger hatte endlich getroffen und die Türe zum Pokalhalbfinale stand offen. Doch bereits 10 Minuten später gelang der von Friedhelm Funkel trainierte Mannschaft aus Hessen der Ausgleich. In einem weiterhin sehr temporeichen und offenem Spiel konnten die Löwen mit dem Bundesligisten erstaunlich gut mithalten. In der zweiten Hälfte hätte Stefan Reisinger gar sein zweites Tor erzielen können, aber der Frankfurter Torwart Nikolov verhinderte dies spektakulär. Leider ging Frankfurt dann nach 77 Minuten in Führung und den Löwen fehlte schließlich die Kraft, diesen Rückstand noch einmal umzubiegen. Sekunden vor dem Abpfiff fiel schließlich noch das 1:3.

1860 München blieb im sechsten Heimspiel in Folge ohne Sieg und die Eintracht zog in das Halbfinale ein. Dort besiegten die Hessen auch noch Arminia Bielefeld, aber im späteren Finale unterlagen sie dem Rekordpokalsieger aus Harlaching.   

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Alexander Schlegel
Alexander Schlegel (@a-schlegel)
1 Monat her

Ich hoffe auf ein gutes Spiel der Köllner-Jungs, denke aber, dass Frankfurt schon noch eine Nummer zu groß ist, auch wenn die nicht mehr die Qualität von vor zwei Jahren haben und vom Training wohl auch noch nicht so weit sind wie die unsrigen.

Aber mal was anderes: Ich wäre ja sogar bereit für dieses Sky Ticket ein paar Möhren zu investieren, aber ich sehe nirgendwo, dass das Spiel direkt übertragen wird. Anscheinend nur im Rahmen einer Konferenz oder bin ich blind?

Landshuter Löwe
Leser
Landshuter Löwe (@landshuter-loewe)
1 Monat her

https://www.t-online.de/sport/fussball/dfb-pokal/id_88547356/dfb-pokal-hier-verfolgen-sie-die-1-pokalrunde-im-tv-und-livestream.html

Hier heißt es, alle Spiele live.

Der Bezahlsender Sky zeigt alle Pokalspiele auf seinen Sky-Sport-Kanälen.“!

Tami Tes
Tami Tes (@tamites)
1 Monat her

Danke für das Erfrischen der Erinnerung. Das Ergebnis kann am Samstag gerne gedreht werden. Gegen einen 3:1 hätte ich nichts 😉.

An das verhinderte Tor von Reisinger kann ich mich gut erinnern… seitdem hatte er bei uns den Spitznamen „Torverhinderer“. Irgendwie konnte er bei uns keinen Fuß fassen, aber das Schicksal hatten schon viele Löwen vor und nach ihm. Bei uns Flop bei anderen Top.

Blue Power
Leser
Blue Power (@blue-power)
1 Monat her

Wir sollten uns bis ins Elmeterschießen retten und dann haben wir Hiller den Penaltykiller 😉

Auf geht’s Löwen, kämpfen und siegen!

Snoopy.
Leser
Snoopy. (@snoopy)
1 Monat her
Reply to  Blue Power

Ich hab den gleichen Gedanken im Kopf gehabt.

Schade, dass ich das Spiel nicht sehen werde, aber ich lass mich dann gerne vom Ergebniss hoffentlich positiv überraschen.