Verwaltungsratskandidat Karl Sochurek wollte bereits Löwen-Präsident werden und trat vor einigen Jahren sowohl gegen Gerhard Mayrhofer als auch gegen Peter Cassalette an. Er ist 66 Jahre alt und Zahnarzt in eigener Praxis. Mitglied ist er seit 1995 als Lebensmitglied in der Fußballabteilung.

Eine Brief- und Onlinewahl befürwortet er ausdrücklich nicht. “Eine aktive Teilnahme an der Mitgliederversammlung ist nicht zu ersetzen”, erklärt er. Er selbst sieht sich als stressresistent, verhandlungssicher und als ein schneller Denker an. Bei der Veranstaltung von PRO1860 wird er auftreten. Ein Besuch einer ARGE-Veranstaltung ist nicht geplant.

Wir trafen Karl Sochurek persönlich und haben ihm einige Fragen gestellt.

Das Interview

Was uns bei allen Kandidaten interessiert, ist natürlich die Frage nach der Motivation. Was sind Deine Beweggründe, dass Du gerne kandidieren möchtest?

Da muss ich etwas zu meiner Herkunft vorab sagen. Ich habe einen Migrationshintergrund. Ich komme aus dem Sudetenland und bin 1962 im Alter von 10 Jahren nach Deutschland gekommen. Und das Grünwalder Stadion bzw. die Sechziger waren damals in der 1. Gymnasialklasse die erste Sozialisierungs-Gruppe, die ich hatte. Und das hat mich in der Gestalt geprägt, dass ich seither reflexionslos Löwe bin. Auch wenn ich in der Leichtathletik war, war der Profifußball immer meine Anlaufstation. Weil ich nun sehr viel Ehrenamt-Erfahrung habe, will ich den Löwen was zurückgeben. Sie haben mir im Leben viel gebracht und mir über viele Hürden geholfen und deshalb will ich was zurückgeben.

War es denn Deine persönliche Entscheidung zu kandidieren oder hat Dich jemand angesprochen und gefragt, ob Du gerne kandidieren möchtest?

Ich war schon im Casting für den Präsidenten-Posten sowohl gegen Mayrhofer und Cassalette. Weil ich aufgrund meiner Tätigkeit sehr viele Verbindungen habe, mich zeitlich leicht organisieren kann und eben viel ehrenamtlich in Berufsverbänden gearbeitet habe.
Da ich aber keine entsprechende Lobby hinter mir habe – ich bin zwar Mitglied in einem Fanclub der ARGE, aber der Dachverband ist schwer zu motivieren und zu organisieren – war ich da mehr oder minder diesbezüglich ein Einzelkämpfer.

Hast Du spezielle Themen oder persönliche Anliegen, die Du im Verwaltungsrat umsetzen willst?

Mein Thema ist Mediation, Zusammenführung und Versöhnung. Ich finde es zum Kotzen, was in den Blogs oder in der Gesamtkonstellation im Moment abgeht. Wenn man für sich selber die Entscheidung gefällt hat, ich bin mehr e.V.-orientiert, dann muss ich doch den Profifußball tolerieren, oder wenn ich wieder Profifußball will, muss ich den e.V. genauso tolerieren. Und das möchte ich einfach wieder zusammenführen.

Gibt es bestimmte Abteilungen in unserem Mehrspartenverein, die Dir besonders am Herzen liegen?

Komplett alle. Ich rede nicht nur vom Fußball, ich habe guten Draht zur Golfabteilung, könnte mich genau so in der Golf- oder Tennis-Abteilung einschreiben. Bin seit 1995 Lebensmitglied und dadurch automatisch in der Fußballabteilung.

Hast Du für Dich irgendwelche Schwachstellen im Verein entdecken können?

Nein, weil ich keinen Einblick in die Internas habe. Du bist als Außenstehender immer abhängig von den Informationen, die du bekommst, und diese sind immer nur gefiltert. Sei es in einem Blog, in der Tageszeitung, wo auch immer. Und das ist für mich eins der größten Probleme überhaupt, so dass die Kommunikation nach außen besser werden muss. Und damit meine ich beide Seiten – e.V. wie KGaA. Wer hindert den Geschäftsführer, z. B. alle 14 Tage eine Pressekonferenz zu geben mit dem letzten Stand der Entwicklungen? Dann haben alle die gleiche Info aus erster Hand.

Damit greifst Du bereits einer Frage von uns vor. Nämlich die der Transparenz. Also scheinst Du unzufrieden mit der Transparenz (in dem Fall die des Präsidiums vom e.V.) zu sein?

Definitiv. Zum Beispiel: Vor der letzten Mitgliederversammlung habe ich relativ viele Veranstaltungen besucht, die der ARGE oder PRO1860, und habe unterschiedliche Antworten vom Präsidenten bekommen. Das geht nicht. Und ich mache das nicht an der Person des Präsidenten fest, nur, es muss geradeaus kommuniziert werden. Und das wird es nicht.

Findest Du, dass das Präsidium nicht nur transparenter die Politik gestalten sollte, sondern vor allem auch medienwirksamer?

Ich bin grundsätzlich mit der Darstellung total unzufrieden. Ich finde, dass ein Großstadtverein einer Großstadt in Bayern, möglicherweise emotional der größte Verein in der Stadt, sich nach außen hin definitiv anders präsentieren muss. Und da bin ich beim Beispiel Aufstiegsspiel: Es geht in meinen Augen nicht, und ich bin wirklich kein Bayern-Fan, auf den Bus hinauf zu steigen und „Scheiß FC Bayern“ zu rufen. Geht in meinen Augen nicht, zumal wir alle nicht wissen, was der FC Bayern beim Arena-Auszug oder beim Caterer für uns gemacht hat.

Soll sich der Verwaltungsrat und das Präsidium des e.V. in das Tagesgeschäft der KGaA einmischen?

Einmischen nein – nur was die Satzung vorsieht. Das ist klar definiert und vorgeschrieben. Präsentation und Darstellung hat in meinen Augen mit Einmischung relativ wenig zu tun. Für die Allermeisten definiert sich Sechzig über Fußball. Damit hat der Präsident des e.V. – er ist ja in bestimmten Strukturen eingebunden – auch eine Präsentationsverantwortung einer KGaA.

Als Mitglied im e.V. und mögliches zukünftiges Mitglied im Verwaltungsrat: Wie wichtig ist Dir die 50+1-Regelung?

Die ist total wichtig. Und zwar deshalb, weil wenn sie konkret und korrekt angewandt wird, nicht ein oder zwei Personen entscheiden, sondern ein Gremium. Das Präsidium ist ja weisungsgebunden an den Verwaltungsrat und wenn im Verwaltungsrat kompetente Leute sitzen, dann bilden die 9 Leute im Meinungsentstehungsprozess eine Meinung und sie läuft dann über die 50+1-Regelung in die KGaA ein. Ganz abgesehen davon, ist die 50+1-Regel ein Urbestand, was heißt, wenn der 2. Gesellschafter sich damals ordentlich erkundigt hätte, hätte er das Problem heute nicht und wir vielleicht auch nicht.

Gutes Stichwort. Wie siehst Du die Situation um/mit Hasan Ismaik bzw. findest Du, er ist der richtige Partner für die Zukunft?

Ein ganz heißes Eisen. Wenn wir als Verein oder KGaA die Entscheidung fällen, wir wollen in der Zukunft nicht mehr Regionalliga, sondern eher 2. oder auch 1. Liga spielen, brauchen wir Geldgeber. Ob das jetzt nun ein fremdländischer Geldgeber sein muss, wo wir immer soziologische und ethnisch-kulturelle Probleme haben werden und dadurch Reibungspunkte? Wir brauchen einen Investor, aber keinen Investor, wie den Herrn May, sondern einen Investor, der sowohl investiert als auch sponsert. Da es im Moment der Herr Ismaik ist – bleed glaffa. Und zwar nicht nur 2011, sondern auch die Jahre danach. Ich habe viele Gespräche mit Dieter Schneider geführt und ich bin überzeugt, wenn man rechtzeitig alles in die richtigen Bahnen gelenkt hätte, hätten wir die Probleme der letzten Jahre nicht. Da bin ich mir sicher.

Würdest Du hier Alternativen sehen?

Ich würde Klinken putzen.

Also eher Sponsoren?

Ja. Und ich würde Tag und Nacht Klinken putzen. Das ist etwas, was beim e.V. nicht rüberkommt, als Gesellschafter der KGaA. Natürlich haben wir Verträge mit Infront, die dies erbringen müssen, aber wer hindert mich daran, in München Klinken zu putzen und Geld für das Nachwuchsleistungszentrum oder ähnliches heranzuschaffen?

Kann es nicht möglich sein, dass die Tatsache, dass Hasan Ismaik im Boot ist, die größeren potenziellen Sponsoren von einem Sponsoring abschreckt?

Da wäre für mich eine der wichtigeren Aufgaben, dass man den Ismaik einfängt, wie auch immer. So einfängt, dass er sich selbst für die Löwen neutralisiert und dass damit Sechzig gesellschaftsfähig für weitere Sponsoren wird. Nur, das ist Arbeit, das ist Kommunikation und Reden miteinander.

Welchen Weg würdest Du dann gehen? Wir hatten auf einer Seite den Peter Cassalette, der sehr investorenfreundlich agiert hat und auf der anderen den Robert Reisinger, der versucht, ohne Investor auszukommen.

Beide Wege sind in meinen Augen falsch. Man hätte von Anfang an sich Leute mit Landesverstand ins Boot holen müssen. Nicht nur Dolmetscher, sondern solche, die Hasan Ismaik in seiner Seele verstehen. Solche hätte man von Anfang an als Beraten einbinden müssen. Das habe ich immer vermisst – bei allen. Das muss man auf völlig andere Füße stellen.

Eine der Aufgaben des Verwaltungsrates ist ja auch einen Kandidaten für das Amt des Präsidenten vorzuschlagen. Hast Du da einen Vorschlag?

Mich selber. Ich habe zwei Mal kandidiert. Bin beim ersten Mal gegen Mayrhofer nur knapp gescheitert. Weil ich glaube, dass ich sehr verhandlungssicher bin, sehr gut auf Leute eingehen kann, da dies anhand meines Berufs erforderlich ist und dass ich ein gescheiter Bua bin. Ich bin das Führen gewöhnt, habe seit 1981 einen eigenen Laden. Ich bin auch in der Standespolitik tätig, immer in irgendwelchen Vorständen und Entscheidungspositionen und bin es auch gewöhnt, für die Entscheidungen die Verantwortung zu übernehmen.

In welcher Form hast Du den e.V. bis jetzt unterstützt?

Als Dauerkarteninhaber und Lebensmitglied habe ich immer wieder Kohle rüber gelassen.

Wirst Du bei den Wahlveranstaltungen von ARGE und PRO1860 teilnehmen?

Ja, bei PRO1860 bin ich dabei, bei ARGE nicht, weil die Veranstaltung von PRO1860 die bessere Plattform bietet. Ich bin das letzte Mal vor der Verwaltungsratswahl auf die ARGE-Veranstaltungen getingelt, war völlig umsonst, nur Zeit rausgeschmissen.

Welche Bedeutung hätte für Dich als potenzieller Verwaltungsrat die Stadionfrage?

Jetzt ist die Frage mega wichtig. Das war in der Amateurliga mit einer Profimannschaft lebenswichtig. Das Grünwalder Stadion ist genauso meine fußballerische Heimat, wie für viele andere. Aber wenn ich die Entscheidung fälle, ich will Profifußball haben, dann sollten zwei Dinge passieren. Erstens: Grünwalder wird auf 30.000 aufgepeppt. Geht nicht, weil zu viele Anwohner da sind. Da gibt es zu viele rechtliche Hürden, das wird nicht funktionieren. Das heißt, erste Saison in der 2. Liga bekommt man vielleicht mit der Sondergenehmigung hin und dann wird es richtig eng.
Wenn ich in den Verwaltungsrat gewählt werden würde, wäre das eins meiner Hauptanliegen, mich um die Stadionfrage zu kümmern. Sponsoren, Stadion. Das hängt meiner Meinung nach eng zusammen. Und du kannst hier, so geil die Kiste ist, kein Geld damit verdienen. Nicht so viel wie du bräuchtest.

Was wünschst Du Dir für die Versammlung am 22. Juli 2018 im Zenith?

Ich wünsche mir, dass die Versammlung in etwas geordneteren Bahnen abläuft, als die letzte. Das war nämlich eine Katastrophe. Und dass wir einen Verwaltungsrat mit einer guten Durchmischung bekommen. Die Mischung macht’s, denn nur aus Reibung entsteht Wärme und nur aus Wärme entsteht Feuer und nur Feuer bewirkt was.

Unsere Löwenmagazin-Übersicht: Die Kandidaten auf einem Blick

(Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Vervielfältigung, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Löwenmagazins.)
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lionspack

Er weiß was er will, ist sehr von sich überzeugt. Mir gefällt, dass er klar heraussagt, welche Vorstellungen er hat. Dadurch wird auch erkennbar, dass er eigentlich kein Verwaltungsrat werden möchte, sondern es als Übergangslösung für die Präsidentenwahl 2019 sieht. Meine Stimme hat er nicht.

baum

Ja du liebes Lieschen. Sind wir hier bei “Wünsch dir was”? Ich meine, in manchen Sachen hat er ja durchaus recht, aber für den Verwaltungsrat ist der gute Herr doch wohl eher nicht geeignet. Den treibt wohl zu sehr das eigene Ego an. Bei Frau Modlmayr fand ich es durchaus charmant das sie sich hier auch zu den Kommentaren geäußert hat. Wie schauts da mit Herrn Sochurek aus? Eigentlich wollen Sie ja für den Präsidentenposten kandidieren, oder verstehe ich das falsch? Was wollen Sie dann im Verwaltungsrat? Als Sprungbrett benutzen?

da-bianga

Satzungsfest ist er ja nicht wirklich. Wo er den Punkt, dass das Präsidium weisungsgebunden gegenüber dem Verwaltungsrat ist, gefunden hat entzieht sich meiner Kenntnis.
Da er sich ja nächstes Jahr dann selber als Präsident aufstellt, sollten wir gleich jetzt im Vorfeld einen Nachrücker wählen.

Eigentlich ist er ja ein netter Kerl, aber er ist m.E. unwählbar.

serkan

Rätselhafter Auftritt. Was dem Mann an Selbstbewusstsein zu viel, scheint ihm an Realitätsnähe zu fehlen. Zum wievielten Mal bewirbt der sich?

da-bianga

Für den VR jetzt zum 3. Mal, und er wird auch in 3 Jahren oder ggf. früher wieder auf der Matte stehen.

hheinz

Steckt dahinter jetzt Martin Sonneborn, ist hier irgendwo versteckte Kamera?
Ich bin echt sprachlos und gehe mich jetzt mal bei der Eva entschuldigen.

da-bianga

Hat dir die Eva erzählt dass er ein Freak ist, und du hast ihr nicht geglaubt?

hheinz

Nein aber ich war bei ihrem Interview noch sehr kritisch aber wenn man dann solche Egotrips liest relativiert sich doch manches.

Ich kann manche Kritik s von Karl Sochurek sogar nachvollziehen aber Vereinsarbeit ist immer Teamarbeit.
An Selbstbewusstsein mangelt es ihm jedenfalls nicht.