Das Löwenmagazin empfing Eva Modlmayr im Biergarten des Parkcafés. Die 47-jährige Löwin ist seit 2012 Mitglied im e.V. und gehört sowohl der Fußball- als auch der Wassersportabteilung an. Darüber hinaus gehört sie den Freunden des Sechzger-Stadions an, ist Mitglied bei PRO1860 und im Fanclub Blue Power Binatal. Vorgeschlagen wurde sie von Robert Guhr.

Das Interview

Welche Motivation hast Du, für das Amt eines Verwaltungsrates zu kandidieren?

Ich bin ein jahrelanger Löwen-Fan und habe alle Höhen und Tiefen unseres Vereins mitgemacht. Aktuell habe ich das Gefühl, dass wir langsam zurück auf den Weg kommen, der mir persönlich liegt und mit dem ich mich identifizieren kann. Aufgrund dessen will ich den aktuellen Verwaltungsrat und das Präsidium unterstützen, sodass man auf dem jetzigen Weg in ruhiger Weise weitergehen kann. Vor allem mit Planungssicherheit für die Zukunft.

Das heißt, Du lässt Dich aufstellen, um den Kurs weiterzugehen und nicht mit dem Hintergedanken, „wir sollten was ändern“?

Ganz genau. Man kann nicht ausschließen, dass immer wieder Änderungen nötig sind. Aber generell will ich den Kurs weiterverfolgen.

War es Deine persönliche Entscheidung zu kandidieren oder hat Dich jemand gefragt?

Mein Fanclub hat mich dazu gebracht, dass ich kandidiere. Ich wurde gefragt und ich habe es mir gut überlegt. Habe mir einen Monat dafür Zeit gelassen und gut abgewogen.

Der TSV München von 1860 e.V. ist ja ein Mehrspartenverein und es gibt viele Themen. Hast Du ein persönliches Anliegen oder ein spezielles Thema, das Du im Verwaltungsrat gerne im Speziellen umsetzen möchtest?

Für mich ist ganz wichtig weiterhin die Eigenständigkeit des Vereins zu bewahren. Es ist wichtig, dass man mitmischen kann, um den Weg weiter zu gehen. Die 50+1-Regelung gibt es zwar, aber auch im Verein müssen Leute sein, die diese Regelung und die Grundsätze mittragen. Sonst wird das Ganze ad absurdum geführt.

Welche Abteilungen liegen Dir besonders am Herzen, für die Du Dich engagieren möchtest?

Ich selbst bin eigentlich Schwimmerin, aber das gibt es als Abteilung leider nicht. Aufgrund dessen bin ich beim Wassersport mit dabei. Ich selbst bin Fan unserer Profimannschaft. Aber mein Interesse liegt nicht nur bei der Fußballabteilung, sondern beim gesamten Verein und allen Sparten. Neulich war ich bei einer Veranstaltung bei den Boxern, das war sehr interessant. Man muss alle Abteilungen unterstützen und fördern. Wir sind ein Turn- und Sportverein und nicht der FC 1860 München. Das muss man sich als Kandidat für den Verwaltungsrat klar machen.

Was sind denn aus Deiner Sicht Probleme im e.V., die man schnellstmöglich anpacken muss?

Die Hallenfrage ist enorm wichtig. Ich weiß, dass die Boxer und Turner irgendwann aus ihrer Halle raus müssen. Wie weit die Verhandlungen sind, weiß ich nicht. Aber das ist ein wichtiges Thema.

Hast Du den e.V. bereits in der Vergangenheit durch ein Amt unterstützt oder hast Du aktuell ein Amt?

Bisher hatte ich kein Amt und war auch nicht als Trainer aktiv. Nur als Mitglied und als Fan.

Da stellt sich die Frage, was ist, wenn Du nicht gewählt wirst. Machst Du dann einen Haken unter das Ehrenamt? Oder kannst Du Dir vorstellen, den e.V. in anderer Weise zu unterstützen?

Seit ich mich mit der Wahl beschäftige, bin ich mehr unterwegs. Ich bin dadurch jetzt schon mehr informiert, was so läuft und habe definitiv vor, mich mehr einzubringen, auch wenn ich nicht gewählt werde.

Als Mitglied im e.V. und mögliches zukünftiges Mitglied im Verwaltungsrat: Wie wichtig ist Dir die 50+1-Regelung?

Für mich ist der Erhalt der 50+1 wichtig und zwar ohne Wenn und Aber.

Du wirst Dich sicherlich auch mit dem Investor beschäftigt haben. Wie siehst Du das Verhältnis der beiden Gesellschafter zueinander?

Ich kann es schlecht beurteilen, weil mein Wissen aus der Presse ist, im Hintergrund werden da sicherlich sehr viele Dinge abgelaufen sein. Für mich ist jedoch ganz klar, dass wir wegen ihm in die Regionalliga abgestürzt sind. Was ihn dazu bewogen hat und wieso er so agiert hat wie im vergangenen Jahr, das weiß ich nicht. Es muss jedoch eine Zukunft mit ihm möglich sein, weil er ja da ist. Ich hoffe, dass mit Saki Stimoniaris und mit Peter Cassalette bessere Gespräche möglich sind, da Herr Ismaik ja sagt, dass er ihnen vertraut. Beide sind von e.V.-Seite zwar meines Erachtens vorbelastet, aber zumindest sehe ich eine Chance. Zuletzt wurde ja eine gemeinsame Übereinkunft getroffen, die wäre ohne die beiden nicht möglich gewesen, das muss man ihnen zugestehen. Um es kurz zu sagen: Hasan Ismaik ist im Moment als Gesellschafter Teil von uns und wir müssen das Beste daraus machen. Aber immer unter der Prämisse, dass es die 50+1-Regel gibt.

Soll sich der Verwaltungsrat und das Präsidium des e.V. in das Tagesgeschäft der KGaA einmischen?

In das Tagesgeschäft nicht. Für die KGaA gibt es einen Aufsichtsrat. Der e.V. soll sich primär um den e.V. kümmern und der KGaA den Geschäftsbetrieb überlassen.

Sollte sich der Präsident medienwirksamer als Gesellschafter des Profifußballes äußern?

Ich finde die Zurückhaltung von Robert Reisinger gut und auch, dass wieder mehr der Fokus auf andere Abteilungen da ist. Mehr Medienpräsenz ist nicht nötig und von mir hat er die hundertprozentige Zustimmung, so wie er mit der Gesamtsituation umgeht. Einen neuen Spieler o.ä. muss ja der Geschäftsführer der KGaA präsentieren und nicht der Präsident vom e.V.

Nehmen wir mal an, Du wirst in den Verwaltungsrat gewählt. Damit kommt auch die Aufgabe auf Dich zu, im kommenden Jahr einen Präsidenten zu nominieren. Was wäre da für Dich Deine Wahl?

Nachdem die Wahlen erst in einem Jahr anstehen, kann man das heute noch nicht beurteilen. Man muss sehen, was in dem einen Jahr noch passiert, man muss sich die Fakten ansehen und muss dann bewerten, wie die Aufgaben gelöst werden. Ansonsten unterstütze ich jedoch den aktuellen Kurs und sehe keinen Bedarf, am aktuellen Präsidium zu zweifeln.

Du bist ja selber in einem Fanclub. Nun gibt es den Antrag, damit die Fanbetreuung im e.V. angesiedelt werden sollte. Wie siehst Du das?

Ich würde mir eine Fanvertretung wünschen, die für alle Fans da ist, ob Mitglied oder nicht. Ganz egal aus welchem „Lager“ sie sind. Man muss alle Fans ins Boot holen. Dann würde es eine bessere Transparenz geben und das Kartenproblem könnte ggf. anders angegangen werden. Also einen eigenständigen Fan-Dachverband, der für organisierte und nichtorganisierte Fans gleichermaßen zuständig ist.

Gut, aber das haben wir ja mit der ARGE als Dachverband bereits.

Na ja, dadurch, dass die ARGE nur eine Seite vertritt, ist es schon wieder lastig. Ich wünschte mir, dass alle eingebunden sind. Auch unabhängig, ob man nun in einem Fanclub ist oder nicht. Ich war jahrelang in keinem Fanclub und niemand hat es interessiert, was ich als Fan möchte.

Eine ARGE also für alle Fans, unabhängig ob sie in einem Fanclub sind?

Fanclubs können ja die Basis sein. Aber man muss für alle Fans gleichermaßen da sein. Nicht jeder will sich organisieren. Wichtig ist es jedoch, dass es ein Dachverband ist, der sich rein um die Fankultur kümmert und sich komplett aus der Vereinspolitik heraushält.

Macht es aus Deiner Sicht Sinn als Interessens-Gruppe gemeinsam zur Wahl anzutreten?

Eigentlich wurden unsere Statuten so geändert, dass dies nicht mehr der Fall ist, sondern dass Einzelpersonen gewählt werden. Und nur das macht für mich Sinn.

Welche Bedeutung hätte für Dich als Verwaltungsrätin die Stadionfrage?

Da es eher ein Thema der KGaA und des Präsidiums ist, würde es mich nicht direkt treffen. Als Fan bin ich für einen schrittweisen Ausbau des Grünwalder, denke, da sind auch noch nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft. Manchmal hört man vom Umbau des Olympia-Stadions, aber das Geld, das man da dafür reinstecken müsste, kann man auch fürs Grünwalder verwenden.

Wirst Du bei den Wahlveranstaltungen von PRO1860 und der ARGE dabei sein?

Bei der Veranstaltung von PRO1860 bin ich gerne dabei. Wie ich gehört habe, wurden alle Kandidaten gleichermaßen eingeladen. Von der ARGE wurde ich zu keiner Veranstaltung eingeladen. Da man nicht weiß, wo und wann sie stattfinden, kann man auch nicht teilnehmen. Ich gehe also nicht davon aus, dass ich auf einer ARGE-Veranstaltung auftreten werde.

Zuletzt die Frage nach der Mitgliederversammlung am 22. Juli. Was wünschst Du Dir für diese Veranstaltung?

Ich wünsche mir, dass es friedlich abläuft und nicht aus dem Ruder läuft. Es werden Wahlen auf dem demokratischen Wege sein und ich wünsche mir, dass jeder das Ergebnis respektiert und dass alle respektvoll miteinander umgehen, denn am Ende sind wir alle Sechziger und sind Blau im Herzen.

 

(Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Vervielfältigung, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Löwenmagazins.)
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