Bis zu 800.000 Euro hätte die TSV München von 1860 GmbH & Co. KGaA als „Coronahilfe Profisport“ vom Bund bekommen können. Zumindest theoretisch. Am Ende bekommen die Löwen keinen Cent aus dem Hilfspaket.

Die Corona-Pandemie und die damit zusammenhängenden Kontaktverbote haben im Profisport zu tiefgreifenden Veränderungen geführt. Auch den Mannschaften der Drittligisten fehlen die Zuschauereinnahmen. Denn während der Geisterspiele sind keine Fans zugelassen. Und damit fallen wertvolle Einnahmen weg.

Für Diskussionen sorgen in der Dritten Liga dabei die Coronahilfen. Bis zum 13. November 2020 konnte die finanzielle Hilfe aus dem Finanzpaket „Coronahilfe Profisport“ beantragt werden. Maximal 800.000 Euro pro Klub wurden aus diesem Programm ausgeschüttet. Der Bund stellte insgesamt 200 Millionen Euro für Mannschaftssportarten wie Hockey, Basketball, Handball oder eben auch für die Dritte Liga des DFB zur Verfügung. Für das Jahr 2021 soll ein weiteres Paket vom Bundesministerium des Innern verabschiedet werden. Der TSV 1860 München hat allerdings keine Gelder bekommen.

Ein Grund könnte das negative Eigenkapital sein. Das antragsstellende Unternehmen darf sich am 31. Dezember 2019 nicht in Schwierigkeiten im Sinne der Allgemeinen Gruppenfreistellungsverordnung befunden haben. Zudem darf es im Zeitpunkt der Antragsstellung weder zahlungsunfähig sein, noch einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt haben oder sich in einem laufenden Insolvenzverfahren befinden. Finanz-Fachmann Reinhard Friedl glaubt daran nicht. „Es gibt eine positive Fortführungsprognose für 2 Jahre. Und da die Überschuldung beim Hauptanteilseigner liegt, wird eine solche Überschuldung anders bewertet.“

Ein anderer Grund könnte bei Gesellschafter HAM International Limited liegen. Dem Unternehmen gehören 60 Prozent der TSV München von 1860 GmbH & Co. KGaA. HAM International befindet sich in Dubai. Und das könnte der Knackpunkt sein. In den Richtlinien für die Coronahilfe gibt es besondere Auflagen hinsichtlich Steueroasen. Steueroasen im Sinne dieser Bedingungen sind alle Länder und Gebiete, die auf der „EU-Liste nicht kooperativer Länder und Gebiete für Steuerzwecke“ gelistet sind, sowie solche Staaten und Gebiete für Steuerzwecke mit einem nominalen Ertragssteuersatz von weniger als neun Prozent. Dubai fällt zweifelsohne unter diese Regelung. „Vereine und Unternehmen im professionellen und semiprofessionellen Wettbewerb, sowie Verbände mit Sitz in Steueroasen können nicht Empfänger der Billigkeitsleistung sein“, steht in den Richtlinien für die „Coronahilfe Profisport“. Zudem verpflichten sich die Empfänger der Finanzspritze, innerhalb der nächsten fünf Jahre keine Lizenz- und Finanzierungsentgelte oder Versicherungsprämien an Unternehmen in Steueroasen zu entrichten. Zweifelsohne gilt HAM International als wirtschaftlich Berechtigter bei der TSV München von 1860 GmbH & Co. KGaA.

Doch ist das tatsächlich der Grund? Die TSV München von 1860 GmbH & Co. KGaA bestätigt dies nicht. Stattdessen antwortet die Geschäftsführung wie folgt:

Grundsätzlich hat der TSV 1860 München für die Saison 2020/21 nach dem Vorsichtsprinzip geplant. Durch die Basis-Absicherung, die von Hasan Ismaik gewährt wurde und die fortwährende Unterstützung beider Gesellschafter können wir sicher, kontinuierlich und langfristig planen sowie fokussiert und mit Ruhe arbeiten.

Natürlich trifft die Löwen der Wegfall von Zuschauereinnahmen durchaus, insbesondere vor dem Hintergrund, dass bei uns die Zuschauereinnahmen ca. 40% des Gesamtetats ausmachen. Mittels dieser Größenordnung lässt sich direkt erkennen, wie wichtig die Fans für den TSV 1860 München sind. Daher waren und sind wir nicht nur den Gesellschaftern für die Unterstützung dankbar, sondern auch den treuen Löwen-Fans, die uns mit dem Kauf einer Rekordzahl von Dauerkarten großartig unterstützen. Dennoch fehlt im Vergleich zu einem vollausgelasteten Grünwalder Stadion ein signifikanter Betrag, daher ist die Beteiligung der Fans an unserem Gutscheinticket „12. Mann-Ticket“ ebenfalls ein sehr wertvoller Beitrag.

Ebenso dankbar sind wir vielen Sponsoren, die ihr Engagement beim TSV 1860 München verlängern. Zu den im Artikel genannten bedanken wir uns unter anderem auch bei unseren langjährigen Partnern Hacker-Pschorr und MAN.

Abweichend von vielen Vereinen haben wir aufgrund der oben genannten Absicherung mehr Sicherheiten und befinden uns dennoch insgesamt in einer vergleichbaren Situation. Die Corona-bedingten Ausfälle an Zuschauereinnahmen treffen uns alle gleichermaßen heftig, obgleich wir für das Corona-Hilfspaket nicht antragsberechtigt sind. Wir danken der Vereinigung „Teamsport Deutschland“ sowie dem DFB für die sehr wichtigen Anstrengungen und die gute Vorarbeit. Leider stehen regulatorische Gesetzmäßigkeiten und EU-Normen dem TSV 1860 München und vielen anderen Vereinen aktuell bei einer Antragsmöglichkeit entgegen.

Gelder aus der „Coronahilfe Profisport“ gibt es also in jedem Fall nicht. Zumindest das bestätigen die Löwen. Welche regulatorischen Gesetzmäßigkeiten und EU-Normen dabei im Weg stehen, ist nicht bekannt.

Dank der Basis-Absicherung sowie der Unterstützung der Sponsoren und der Fans haben die Löwen jedoch für die aktuelle und auch kommende Saison Handlungssicherheit. Und das ist durchaus ein großer Vorteil gegenüber anderen Klubs der Dritten Liga.

(Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Vervielfältigung, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Löwenmagazins.)
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Walter Rädler
Gast
Walter Rädler (@guest_52280)
1 Monat her

Frage: Bekommt Unterhaching mit seinen Aktien Geld?
Das ist keine Neiddiskussion, sondern einfache Frage nach dem Status.

Serkan
Leser
Serkan (@serkan)
1 Monat her

Danke, das ist interessant. Starke Recherche!

_Flin_
Leser
_Flin_ (@flin)
1 Monat her

Schade. Hätte sehr geholfen.
Aber egal. Ist nicht zu ändern.

Am Samstag Köln. Motto des Spiels: „Stark begonnen, dann stark nachgelassen“. Gilt für beide Mannschaften.

Reinhard Friedl
Reinhard Friedl (@reinhardfriedl)
1 Monat her

Hätte ich nicht gedacht, dass die Richtlinien für Hilfen an Sportvereine wesentlich strenger sind, als Hilfen z.B. an Gaststätten, Fast Food und dergleichen. So erhält z.B. Starbucks Staatshilfen, obwohl diese Gesellschaft es versteht so gut wie keine Steuern in Deutschland zu zahlen, weil die Gewinne in Steueroasen verschoben werden (Quelle Talksendung im ZDF: Bundestagsabgeordneter Linnemann bei „Lanz“ am gestrigen Abend).

Aus den Richtlinien für Hilfen an Profi-Sportvereine:

5.3 Besondere Auflagen hinsichtlich Steueroasen, Gewinnverschiebungen und Steuertransparenz

(1) Vereine und Unternehmen im professionellen und semiprofessionellen Wettbewerb sowie Verbände mit Sitz in Steueroasen können nicht Empfänger der Billigkeitsleistung sein.

(2) Die Empfänger verpflichten sich, dass für die Laufzeit der Hilfen beziehungsweise die nächsten fünf Jahre bei kürzerer Laufzeit keine Lizenz- und Finanzierungsentgelte sowie Versicherungsprämien an Unternehmen oder Betriebsstätten in Steueroasen entrichtet werden.

(3) Steueroasen im Sinne dieser Bedingungen sind alle Länder und Gebiete, die auf der „EU-Liste nicht kooperativer Länder und Gebiete für Steuerzwecke“ gelistet sind, sowie solche Staaten und Gebiete für Steuerzwecke mit einem nominalen Ertragssteuersatz von weniger als neun Prozent. Das Bundesministerium der Finanzen wird zu diesem Zweck eine halbjährlich aktualisierte Länderliste veröffentlichen (die zum Zeitpunkt des Erlasses dieser Richtlinie geltende Version findet sich in der Anlage).

(4) Die Unternehmen, Sportvereine und Verbände sind verpflichtet, ihre tatsächlichen Eigentümerverhältnisse durch Eintragung ihrer wirtschaftlich Berechtigten in das Transparenzregister (www.transparenzregister.de) im Sinne von § 20 Absatz 1 Geldwäschegesetz (GwG) offenzulegen………….

Anmerkung:
Der Punkt 4 wird wohl die Krux an der Sache sein: denn mit 60 Prozent ist die HAM International Ltd. in Dubai der wirtschaftliche Berechtigte an der KGaA.

Last edited 1 Monat her by Reinhard Friedl
...
Gast
... (@guest_52273)
1 Monat her

Es liegt an der UiS Richtlinie der EU…
Ob dieses Thema noch erschwerend hinzukommt vermag ich nicht zu beurteilen.

Reinhard Friedl
Reinhard Friedl (@reinhardfriedl)
1 Monat her
Reply to  ...

Du hast Recht, auch diese aus dem Jahr 2014 stammende Leitlinie der EU für staatliche Beihilfen zur Rettung und Umstrukturierung nichtfinanzieller Unternehmen in Schwierigkeiten könnte der Grund sein, dass keine Beihilfe beantragt werden kann. EU-Recht ist allerdings so kompliziert, dass ich mir diese Leitlinie nicht durchgelesen habe und auch nicht durchlesen werde. Dafür gibt es Juristen, die mit Sicherheit vom DFB schon eingeschaltet wurden und die Ergebnisse den Vereinen mitgeteilt wurde.
Falls dies jemand lesen möchte, hier der Link zum Amtsblatt der Europäischen Union:
https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/HTML/?uri=CELEX:52014XC0731(01)&from=DE

Last edited 1 Monat her by Reinhard Friedl
Blue Power
Leser
Blue Power (@blue-power)
1 Monat her

Hatte ich hier bei der letzten Diskussion bereits erwähnt.
Ein Unterehmen mit einem Minus von über 20 Mio. Minus im Eigenkapitel, kann wie in Punkt 4 ausgeführt nicht mit einer Zuwendung rechnen.

„3. Voraussetzungen, Bemessungsgrundlage und Höhe der Billigkeitsleistung

(4) Der Antragsteller darf sich am 31. Dezember 2019 nicht bereits in Schwierigkeiten im
Sinne der Allgemeinen Gruppenfreistellungsverordnung3 befunden haben. Zudem darf er
im Zeitpunkt der Antragstellung und bis zur Bewilligung der Billigkeitsleistung keinen
Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt haben oder sich in einem
laufenden Insolvenzverfahren befinden. Abweichend von Satz 1 können Beihilfen für
kleine und Kleinstunternehmen im Sinne des Anhangs I der Allgemeinen
Gruppenfreistellungsverordnung gewährt werden, die sich am 31. Dezember 2019 bereits
in Schwierigkeiten befanden, sofern diese Unternehmen nicht Gegenstand eines
Insolvenzverfahrens nach nationalem Recht sind und sie weder Rettungsbeihilfen4 noch
Umstrukturierungsbeihilfen5 erhalten haben. Satz 1 gilt nicht, wenn sich der Antragsteller
zwar am 31. Dezember 2019 vorübergehend in Schwierigkeiten befand, danach diesen
Status vor der Antragstellung jedoch wieder verloren hat“