Im März 2019 stellte 1860-Gesellschafter Hasan Ismaik klar, dass es von seiner Seite nie den Auftrag geben hätte, ein Foto zu bearbeiten. Damals hatte die KGaA eines ihrer Bilder zensiert, dass Kritik an Ismaik zeigte (siehe Artikel). Ismaik distanzierte sich sogar davon und betonte, dass er für Meinungsfreiheit stehe. Das Präsidium schließt sich dem Mitgesellschafter an und positioniert sich klar für Meinungsfreiheit.

Beim Heimspiel gegen den SV Meppen hatte man vom Hausrecht Gebrauch gemacht und einzelne Fanutensilien eingesammelt, die ismaik-kritischen Inhalt zeigten. Von diesem Vorgehen distanziert sich das Präsidium.

Die Stellungnahme im Wortlaut

Verehrte Mitglieder, liebe Löwinnen und Löwen,

aktuell erhalten wir zahlreiche Zuschriften, die sich um Debattenkultur und Fanproteste beim TSV 1860 München sowie deren Ausdruck im Stadion drehen. Einige Nachrichten konnten wir persönlich beantworten, doch mittlerweile sind es zu viele, weshalb wir nun vereinfacht allen Mitgliedern kurz unsere Sicht als Gesellschaftervertreter darlegen.

Die uns zugegangenen Meinungsäußerungen stehen sich häufig in ihrem Denken diametral entgegen, rufen aber beide nicht minder scharf nach Sanktionen. Es geht dabei um von Fans aus Protest geschaffene Darstellungen mit dem Konterfei unseres Mitgesellschafters, das mit einem blauen Halteverbotszeichen belegt ist, um strittige Fragen von Nutzungsrechten im Zusammenhang mit Fanartikeln und einzelnen Designs sowie das Verhalten des Geschäftsführers der sich in Besitz unseres Mitgesellschafters befindlichen TSV 1860 Merchandising GmbH. Sie merken schon, die Sache ist kompliziert und nicht in der Eindeutigkeit zu beantworten, die sich manche wünschen.

Jeder Konflikt hat eine Vorgeschichte. Der hier zugrunde liegende sogar eine ausgesprochen lange und viele Aspekte umfassende. Die Vorstellung, eine mitunter unschöne Auseinandersetzung könnte durch ein paar Verbote für die Fankurve gelöst werden, ist so verführerisch wie falsch. Nach unserer Überzeugung führt die dadurch entstehende Spirale von Aktion und Reaktion zu nichts. Losgelöst von Inhalten ist eine Auseinandersetzung um Symbole zwecklos. Wir werden uns also alle zwangsläufig mit den Ursprüngen für den Konflikt und seinen Wechselbeziehungen beschäftigen müssen. Das tun wir im Verein und bemühen uns Lösungen für die bestehenden Probleme zu finden! Ein nicht immer einfaches Unterfangen. Aber es lohnt sich.

Unser persönlicher Wunsch ist es, dass alle in und um unseren Verein eine Debattenkultur pflegen, die auch im sachlichen Streit den anderen wertschätzt. Ob dazu die durchstrichene Silhouette eines Menschen gehört, erhitzt die Gemüter. Für den Betroffenen ist die Darstellung sicher ein Affront. Justiziabel ist sie nicht.

Wer die Facebook-Postings unseres Mitgesellschafters unter dem Account Ismaik1860 verfolgt, stellt fest, dass am 13. März 2019 zu dieser Causa eine Wortmeldung veröffentlicht wurde. Anlass war die in vorauseilendem Gehorsam erfolgte Photoshop-Retusche eines im Motiv ähnlichen Banners aus der Westkurve auf der Website tsv1860.de. Ismaik1860 schreibt dazu: „Es gab von meiner Seite nie den Auftrag, ein Foto auf der Website (…) zu bearbeiten. Davon distanziere ich mich. Ich stehe für Meinungsfreiheit in der Löwenfamilie…“

Erst im Nachgang entspann sein Münchner Vertreter Anthony Power auf eigene Faust daraus eine juristische Auseinandersetzung mit Fans, die ihn bis vor das Oberlandesgericht Nürnberg führte und die er in allen Punkten verlor. Der alleinige Blick auf das Banner oder eine Fahne verengt aber die Perspektive zu stark. Wir müssen uns fragen, wie wollen wir miteinander umgehen?

Wir als Präsidium stehen in dieser Frage an Hasan Ismaiks Seite und plädieren ohne Wenn und Aber für Meinungsfreiheit. Diese gilt für die freie Rede ebenso wie für die Verbreitung einer subjektiven Haltung in Wort, Schrift und Bild. Auch dann, wenn diese von herrschenden Ansichten abweicht. Aber – und das ist wichtig zu verstehen! – sie umfasst nicht die Äußerung von nachprüfbaren Unwahrheiten. Unwahre Tatsachenbehauptungen und Hetze im Internet sind rechtlich nicht vom Schutz der Meinungsfreiheit gedeckt.

Während unseres letzten Heimspiels kam es Berichten nach an verschiedenen Kontrollstellen beim Stadioneinlass zum Versuch, das Hausrecht als Veranstalter dahingehend zu nutzen, Anhängern einzelne Gegenstände wie Fanzines oder Textilien, die das umstrittene Motiv zeigen, abzunehmen. Wir halten ein solches Vorgehen für in keiner Weise hilfreich, um den bestehenden Konflikt zu entschärfen. Als Gesellschaftervertreter wünschen wir uns, dass diese Fahne nicht mehr weht. Dafür bedarf es Überzeugungskraft. Verbote sind der falsche Weg.

Sie als Mitglieder unseres Vereins können ein besseres Miteinander fördern, indem Sie mit Ihren Meinungsäußerungen in Foren, sozialen Medien und Kommentarbereichen von Blogs als Vorbilder und Brückenbauer agieren. Wenn Sie sich mit Ihren Beiträgen zum Vereinsgeschehen um bestmögliche Recherche, um zuverlässige Quellen, einen sachlichen Tonfall und um größtmögliche Differenzierung bemühen, helfen Sie dem TSV 1860 München und tragen zur Vermeidung von Feindseligkeiten bei.

München, den 10. August 2022,

Robert Reisinger, Präsident

Heinz Schmidt, Vizepräsident

Hans Sitzberger, Vizepräsident

Die Stellungnahme auf der Seite des TSV München von 1860 e.V.: Debattenkultur und Fanproteste – TSV 1860 München e.V.

(Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Vervielfältigung, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Löwenmagazins.)
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