Nach dem stimmungsvollen Heimdebüt gegen Preußen Münster steht nun für die Löwen mit der Fahrt nach Braunschweig die erste Auswärtspartie auf dem Spielplan. Die als spielstark eingeschätzte Mannschaft aus Niedersachsen gewann am ersten Spieltag auswärts beim Aufstiegsaspiranten 1. FC Magdeburg. 1860 München steht am Samstag somit vor einem richtigen Härtetest. Vor 13 Jahren duellierten sich beide Mannschaften in der 2. Bundesliga und es entwickelte sich ein torreiches Spiel.

Beginn einer Zeitrechnung in der Allianz Arena

Vor Beginn der Saison 2005/06 stand 1860 München vor einem Zeitenwechsel. Nach einjährigem Intermezzo im Grünwalder Stadion wurden die Heimspiele nun erstmals in der fertiggestellten Allianz Arena ausgetragen. An einem Freitagabend am 2. Spieltag wurde vor 51.200 Zuschauer gegen Hansa Rostock Heimpremiere gefeiert. Nach einem 4:1-Sieg über die Gäste von der Ostsee standen die Löwen mit 6 Punkten aus zwei Spielen an der Spitze der 2. Bundesliga. Die Süddeutsche Zeitung ging in ihrem Spielbericht am nächsten Tag auf den goldenen Sonnenuntergang zu Spielbeginn ein und verglich das goldene Licht mit den wirtschaftlichen Aussichten des Miteigentümers vom neuen Fußballtempel. Beim zweiten Heimspiel gegen Dynamo Dresden wurden in der Arena gar 66.000 Zuschauer begrüßt, aber das Spiel wurde verloren und 1860 München verließ die Aufstiegsränge zur Bundesliga.

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Allianz Arena – Heimspielstätte von 2005 bis 2017

Die in den Himmel schießende Erwartungshaltung konnte in der Folgezeit mit der Realität nicht Schritt halten. Vor dem Gastspiel bei Eintracht Braunschweig am 24. Spieltag standen die Löwen auf Tabellenplatz 13. Seit 9 Punktspielen hatte das Team von Trainer Walter Schachner kein Spiel mehr gewonnen und das ungeduldige Löwenumfeld raufte sich die Haare. Der Abstand auf den ersten Abstiegsplatz betrug zu diesem Zeitpunkt der Saison 5 Punkte, der Rückstand auf den dritten Aufstiegsplatz 11 Punkte. 20.100 Zuschauer sahen an diesem Spieltag im Städtischen Stadion an der Hamburger Straße in Braunschweig ein Spiel, das typisch für den Saisonverlauf der Löwen war.

Paul Agostino, Bild: (c) Robertscriva

Nach druckvoller Anfangsphase der Löwen konnte der bei den Fans sehr beliebte Paul Agostino bereits nach fünf Minuten die Führung nach Vorlage von Jiayi Shao erzielen. Im Jahr 1997 war Paul Agostino von Bristol City nach Giesing gewechselt und sollte für 10 Jahre bleiben. Bei Adelaide United in seiner australischen Heimat ließ Agostino seine Karriere anschließend ausklingen. Paul Agostino traf für 1860 München in allen Wettbewerben, in denen er sich das Löwentrikot übergezogen hatte. Das waren im Einzelnen die Regionalliga Süd (1x), der DFB-Pokal (6x), die 2. Bundesliga (16x), die Bundesliga (30x), der UI-Cup (1x), der UEFA-Cup (1x) und die Champions League-Qualifikation (1x). Paul Agostino ist wegen seiner sympathischen Art, seines unermüdlichen Einsatzes auf dem Platz und den vielen Toren unvergessen bei den Fans.

Negativlauf in der Saison 2005/06

Die frühe Führung in Braunschweig verlieh den Löwen paradoxerweise keine Sicherheit. Ganz im Gegenteil waren die ansehnlichen Kombinationen nach dem Tor wie weggewischt und keine zehn Minuten später hatten die Braunschweiger die Partie mit zwei Toren bereits gedreht. Nach 35 Minuten bot sich jedoch nach einem Foul an Agostino im Strafraum die unverhoffte Gelegenheit zum Ausgleich. Kapitän Matthias Lehmann trat zum Elfmeter an, scheiterte zunächst am Braunschweiger Torwart und verwandelte den Nachschuss dennoch zum Ausgleich. Auch Matze Lehmann genoss beim Löwenanhang große Sympathien und der im Jahr 1983 in Ulm geborene Lehmann wurde früh mit der Kapitänsbinde bedacht. Matthias Lehmann ist zu seinem Karriereende in der abgelaufenen Saison mit dem 1. FC Köln noch einmal in die Bundesliga aufgestiegen und war auch bei den Geißböcken seit Jahren Spielführer. Nach seinem Weggang aus Giesing im Jahr 2006 spielte Lehmann zunächst bei Alemannia Aachen, FC St. Pauli und Eintracht Frankfurt, bevor er im Jahr 2012 beim 1. FC Köln seine sportliche Heimat fand.

Agostino, Lehmann, Gebhardt – auswärts drei Tore

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Matthias Lehmann im Löwentrikot

Bei der Auswärtspartie in Braunschweig fanden die Löwen in der zweiten Spielhälfte erneut besser ins Spiel und gingen in der 57. Minute durch Marco Gebhardt ein zweites Mal in Führung. Marco Gebhardt spielte mehrere Jahre Bundesliga bei Eintracht Frankfurt und Energie Cottbus, bevor er sich im Jahr 2004 den abgestiegenen Löwen anschloss. Aktuell ist Marco Gebhardt in der Oberliga Nord Trainer vom Nachfolgeverein des ehemaligen Bundesligisten Blau Weiß 90 Berlin.

Nach der neuerlichen Führung stellten die Löwen wie in der ersten Hälfte das Spielen wieder ein. Das Team von Walter Schachner beschränkte sich auf Ergebnisverwaltung und Braunschweig erspielte sich ein deutliches Übergewicht. Fast wäre diese Taktik aufgegangen, aber in der 86. Minute erhielt auch Braunschweig vom Schiedsrichter einen Foulelfmeter zugesprochen, was den 3:3-Endstand bedeuten sollte.

Unerwarteter Abstiegskampf im ersten Jahr der Arena

1860 München hatte somit das zehnte Spiel in Folge nicht gewinnen können und auch das nächste Spiel in der Allianz Arena gegen den VfL Bochum sollte eine Enttäuschung werden. Am Ende dieser ernüchternden Saison, die für den Aufbruch in eine bessere Zukunft stehen sollte, hatten die Löwen vor Absteiger Dynamo Dresden lediglich einen Punkt Vorsprung.

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Tami Tes
Redakteur

Danke für die Rückblenden. Immer wieder schön an die alten Löwen erinnert zu werden. Ago war wohl jederman Liebling. Hätte ihn gerne auch nach seiner Karriere im Verein gewusst. Immer wenn ich Schachner höre, muss ich an seinen Österreichischen Schmäh denken und seine lauten Rufe bei einem Spiel „raus mit die Bälle“…

Jedenfalls wäre ich morgen mit einem Unentschieden zufrieden. Gerne kann auch Timo Gebhart ein Tor machen smile