Mitte Mai war der letzte Spieltag in der Regionalliga Bayern, aber für unsere Löwen endet damit noch lange nicht die Saison. In zwei Relegationsspielen gegen den 1. FC Saarbrücken entscheidet sich die mittelfristige Zukunft von 1860 München. Hopp oder Top. Weiterhin Regionalliga oder Rückkehr in den Profibereich.

Es ist nicht das erste Mal, dass 1860 München nach der regulären Saison Entscheidungsspiele bestreitet. Mit dem letzten Teil der Serie gibt das Löwenmagazin einen Ausblick auf die kommende Aufstiegsrelegation.

Teil 1: Das missglückte Experiment mit dem Olympiastadion

Teil 2: Chancenlos im Jahr 1986

Teil 3: Der König von Giesing

Teil 4: Der Abstieg von 1992

Teil 5: Nie mehr Bayernliga

Teil 6: Ein Löwe namens Kai Bülow

Teil 7: Der Doppelabstieg

Teil 8: Die Mutter aller Relegationsspiele

Teil 9: 1. FC Saarbrücken

Nach der verlorenen Relegation gegen Jahn Regensburg erfolgte wenige Tage später, am 2. Juni 2017 um 15:31 Uhr, die Verbannung in die Viertklassigkeit. Die DFL hatte 1860 München wegen nicht hinterlegten 11 Millionen Euro die Spiellizenz für die 3. Liga verweigert. Dieser schicksalhafte Tag ist in die Löwenhistorie als der Schwarze Freitag eingegangen. In den Tagen nach dem 2. Juni 2017 war das weitere Schicksal von 1860 München zunächst unklar und eine ungeordnete Insolvenz schwebte bedrohlich wie ein Damoklesschwert über dem Verein. Sogar das Ende von 1860 München schien auf einmal denkbar.

1860 München : FV Illertissen 5:0

Zurück nach Giesing

Am 13. Juli 2017 begann die Regionalligasaison für die Löwen mit einem Auswärtsspiel beim FC Memmingen und erst am 12. Juli stand endgültig fest, also ein Tag vor Ligabeginn, dass 1860 München die Heimspiele im Städtischen Stadion an der Grünwalder Straße absolvieren kann. Es waren für den neuen Präsidenten Robert Reisinger und seinem Geschäftsführer Markus Fauser harte und sehr mühsame Verhandlungen mit der Stadt München, den Sicherheitsbehörden, dem ungeliebten Nachbarn aus der Säbener Straße und der Allianz-Versicherung vorausgegangen, bis der Stadionumzug offiziell vermeldet werden konnte. Nicht zu vergessen ist hierbei, dass Hasan Ismaik ein fälliges Darlehen in Millionenhöhe für zwei Jahre stundete, sonst wären all die Anstrengungen der neuen Führungsriege wahrscheinlich vergebens gewesen. Dieser Schritt zurück nach Giesing rief viel Kritik hervor, aber auch breite Zustimmung. Binnen kürzester Zeit verbuchte 1860 München nach dem Schwarzen Freitag einen Mitgliederzuwachs von mehr als dreitausend neuen Mitgliedern und es wurden für die Ligaspiele im Sechzgerstadion mehr Dauerkarten verkauft als im Jahr zuvor in der 2. Bundesliga.

1860 München : VfB Eichstätt 5:0
Siegtor gegen TSV Buchbach in der 95.Minute

Am 21. Juli 2017 kehrte 1860 München gegen Wacker Burghausen in das Grünwalder Stadion zurück und alle Bedenken, die gegen diesen Spielort angeführt worden waren, wurden in der laufenden Saison entkräftet. Es gab weder Schwierigkeiten mit den Anwohnern, noch blieb der befürchtete Verkehrsinfarkt aus, es gab kein Müllproblem, alle Spiele verliefen friedlich, die Sicherheit der Stadionbesucher war zu jedem Zeitpunkt gegeben, es gab keine Pyrovorfälle, alle Spiele waren ausverkauft und der wichtigste Punkt von allen: 1860 München fand zu einer beeindruckenden Heimstärke zurück, die ausschlaggebend für das Erreichen der Aufstiegsrelegation war. Von 18 Heimspielen gewannen die Löwen im Grünwalder Stadion 15 Partien und spielten zweimal unentschieden. Es ist das Vertrauen auf diese Heimstärke, welche die Zuversicht auf ein erfolgreiches Weiterkommen in den kommenden zwei Spielen gegen Saarbrücken wachsen lässt. Wie bei den Aufstiegen in den Jahren 1991 und 1993 findet das Rückspiel und somit das alles entscheidende Spiel im Stadion an der Grünwalder Straße mit leidenschaftlichen Löwenfans im Rücken statt.

Der ausgeloste Gegner: 1. FC Saarbrücken

Die Auslosung zur Relegation ergab mit dem 1. FC Saarbrücken einen Gegner, der die Regionalliga Südwest von Anfang an dominierte und der als sehr spielstarker Kontrahent angesehen wird. Alles andere als ein knappes Ergebnis im direkten Duell der beiden Gründungsmitglieder der Bundesliga würde überraschen. In solchen Momenten vor großen Spielen wird immer die Statistik bemüht. Laut Statistik dürften die Saarländer den Löwen liegen, weil die Bilanz mit 9 Siegen, 7 Unentschieden und 3 Niederlagen eindeutig auf Seiten von 1860 München ist (31:18 Toren). Als besonderes Spiel sticht das Punktspiel am 33. Spieltag der Saison 2005/06 hervor, als Patrick Milchraum vor 60.000 Zuschauern in der Allianz-Arena bereits in der 7. Minute das Siegtor gegen Saarbrücken erzielte und die Löwen somit vor dem Abstieg rettete. Als Hintergrundinformation sind solche Angaben zur Statistik immer interessant, aber als Vorhersage für den Ausgang der beiden Relegationsspiele ohne Belang.

Mannschaftsfoto des 1. FC Saarbrücken

Die Saarländer holten in der abgeschlossenen Spielrunde insgesamt 82 Punkte bei 92:32-Toren. Zum Vergleich, die Löwen holten bei der gleichen Anzahl an Punktspielen 83 Punkte bei 87:27-Toren. Sowohl Saarbrücken als auch die Löwen haben eine Tordifferenz von + 60. Man sieht, dass die Mannschaften ebenbürtig sind und es dürfte die Tagesform, das Glück und der eine oder andere Geniestreich die Relegation entscheiden. Egal, wie es ausgehen wird, es ist zu hoffen, dass keine missglückte Schiedsrichterentscheidung diese Aufeinandertreffen beeinflusst, weil das hätten beide Beteiligten wahrlich nicht verdient. Als besonders gefährlich gilt beim 1. FC Saarbrücken das Angriffsduo mit den Stürmern Kevin Behrens und Patrick Schmidt, die gemeinsam 38 Tore für die Saarländer erzielt haben plus etliche Vorlagen. Es wird wohl mitentscheidend werden, wie die Mannen um Abwehrchef Jan Mauersberger mit diesem Angriff fertig werden und auch ob Torwart Marco Hiller den ausgezeichneten Eindruck aus der Rückrunde in der Relegation abrufen kann.

Jetzt gilt es in zwei nervenaufreibenden, Geschichte schreibenden und hochemotionalen Spielen gegen den Vertreter aus der Regionalliga Südwest zu bestehen. Der Run auf die Tickets für Hin-und Rückspiel haben gezeigt, wie hoch die Verbundenheit der Fans mit 1860 München ist und wie groß der Wunsch nach dem Aufstieg in die 3. Liga. Möge der Bessere gewinnen und hoffentlich sind es die Löwen. Mit Leib und Seele aus voller Kehle: Auf geht’s Löwen, kämpfen und siegen!

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SechzgeMax
Redakteur

Brandl Tom Servus deine Artikel sind echt super! Das Relegationsspiel von der U21 könnte man vielleicht auch noch erwähnen. Das war ja legendär weil es glaub ich das erste Spiel in der AA war was wegen Regen abgesagt werden musste 😀

Stepanek
Leser

Ja, das Spiel wurde in der AA wegen “Unbespielbarkeit des Platzes” abgesagt (die erste und einzige Absage in der AA übrigens).

Dieser erste Spieltermin wird mir aber in sehr schlechter Erinnerung bleiben, haben doch ein Teil der Löwenfans wieder einmal gedacht, dass es für sie keine Regeln (und Anstand oder Benehmen) gibt. Ein normaler Block (Sitzplätze) wurde völlig überfüllt, von den Hooligans, Ultras oder wie sie sich auch immer nennen, in Besitz genommen. Alle anderen Fans hatten keine Chance auf ihren Platz. Der Ordnungsdienst war dabei völlig überfordert. Und von der Pyro und den Wurfgeschossen möchte ich gar nicht mehr reden.

Landshuter Löwe
Leser

“Patrick Milchraum vor 60.000 Zuschauern in der Allianz-Arena bereits in der 7. Minute das Siegtor gegen Saarbrücken erzielte und die Löwen somit vor dem Abstieg rettete. ”

… und Saarbrücken zum Absteiger machte.