Sanktionierung der KGaA – Leserbrief von Reinhard Friedl

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Leserbrief zum Verstoß gegen die Eigenkapitalauflagen der KGaA und Sanktionierung durch den DFB mit Strafzahlungen (für 2018 5%, 2019 10%)


Leserbriefe werden grundsätzlich nicht durch die Redaktion bewertet. Die Redaktion weist darauf hin, dass der Inhalt der Leserbriefe die Ansicht der Einsender wiedergibt, die mit der Meinung der Redaktion nicht unbedingt übereinstimmt.


Mögliche Strafzahlungen der KGaA an den DFB wegen Verstößen der Eigenkapitalauflagen führen immer wieder zu Irritationen. Ich möchte daher aus meiner Sicht die Thematik aufzeigen und rufe jeden Fachmann/-frau auf, eventuelle Ergänzungen oder Anmerkungen hierzu in den Kommentaren einzustellen. Vorab möchte ich anmerken, dass ich kein Steuerberater oder Wirtschaftsprüfer bin, sondern ein Finanzmann, der allerdings auch mit Bilanzen und Gewinn- und Verlustrechnungen Erfahrungen hat. Gott sei Dank jedoch bei eigenen Firmen nie mit negativen Eigenkapital zu tun hatte.

Bei einer Bilanz gibt es Aktiva (Anlagevermögen, Umlaufvermögen, Rechnungsabgrenzungsposten) und Passiva (Eigenkapital, Rückstellungen, Verbindlichkeiten, Rechnungsabgrenzungsposten). Damit Aktiva und Passiva immer ausgeglichen (gleich hoch) sind, gibt es bei der KGaA den Posten „Nicht durch Eigenkapital gedeckter Fehlbetrag“.

In der Bilanz zum 30. Juni 2016 war dieser Fehlbetrag bei 5,82 Mio €. In der Bilanz zum 30. Juni 2017 erhöhte sich dieser Fehlbetrag auf 19,85 Mio €. (Zu ersehen unter Aktiva Punkt D als Plusposition und unter Passiva A beim Eigenkapital als Saldo von Kommanditkapital, Kapitalrücklage, Genussrechtskapital abzüglich aufgelaufener Bilanzverlust.) Entscheidender Faktor für das negative Eigenkapital (nicht durch Eigenkapital gedeckter Fehlbetrag) sind die bisher aufgelaufenen Verluste und der aktuelle Verlust aus der Gewinn- und Verlustrechnung.

Zum 31. Dezember 2017 hat sich der Fehlbetrag von 19,85 Mio € auf 19,46 Mio € verringert. Dies ist wegen Umwandlung von Darlehen in Genussscheine des Hauptanteilseigners geschehen. Da zum 31. Dezember 2018 keine weiteren Darlehen in Genussscheine umgewandelt wurden und die Ausgaben die Einnahmen überstiegen, ist der Fehlbetrag auf 22,2  Mio angewachsen. Die Erhöhung um 2,7 Mio € löste eine Strafzahlung von 5% dieser Summe aus (135 T€).

Welche Rolle spielen nun Darlehen für die Eigenkapitalauflagen des DFB? Werden Darlehen herangezogen, um zum Beispiel Immobilien zu erwerben, dann spielt dies im Wesentlichen keine Rolle. Außer den Zinsen und Abschreibungen, die als Aufwendungen in die Gewinn- und Verlustrechnung fließen. Ebenso dürften Spielerkäufe nicht ins Gewicht fallen, sofern diese in der Aktiva im Anlagevermögen geführt werden können. Jedoch die Gehälter und evtl. Verluste aus den Spielerverkäufen spielen wieder in der Gewinn- und Verlustrechnung eine Rolle.

Wird allerdings ein Darlehen dazu verwendet, um den Verlust aus der Gewinn- und Verlustrechnung des Geschäftsbetriebes auszugleichen, dann besteht eben dieser Zusammenhang, dass dadurch die Eigenkapitalquote weiter negativ wird. Dies kann nur kompensiert werden, wenn weitere Darlehen in Genussscheine umgewandelt werden oder es zu einer Kapitalerhöhung durch Bareinzahlung erfolgt. Eine Umwandlung von Genussscheinen in Kommanditkapital würde keine Entlastung bringen. Jedoch könnte eine Umwandlung von Darlehen (mit entsprechenden Diskont unter Berücksichtigung der derzeitigen Werthaltigkeit der Darlehen) in Kommanditkapital ebenso die Bilanzzahlen entlasten.

Ob nun zum 31. Dezember 2019 eine weitere Strafzahlung (dieses Mal in Höhe von 10%) wegen Erhöhung des negativen Eigenkapitals kommt, hängt davon ab, ob zum 31. Dezember 2019 die Gewinn- und Verlustrechnung einen weiteren Verlust aufzeigen wird. Da HAM wohl mit der Stundung der Darlehen angezeigt hat, dass 500 T€ der Darlehen in Genussscheine umgewandelt werden sollen, wären zumindest 500 T€ Verlust im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2019/20 ohne Auswirkungen für eine entsprechende Strafzahlung.

Ich möchte betonen, dass im e.V. mit dem Schatzmeister (StB) und im Verwaltungsrat des e.V. kompetente Fachleute sitzen und mit Karl-Christian Bay (Wirtschaftsprüfer) ein ausgewiesener Fachmann (bewies dies auf der Mitgliederversammlung ein weiteres Mal) als Vertreter des e.V. in der KGaA sitzt.

Diese Personen haben die genauen Einblicke und Informationen und haben mein vollstes Vertrauen, im Sinne aller Löwenfans zu handeln.

Reinhard Friedl

(Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Vervielfältigung, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Löwenmagazins.)

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Peter Maier
Leser

„Da zum 31.12.2018 keine weiteren Darlehen in Genussscheine umgewandelt wurden und die Ausgaben die Einnahmen überstiegen, ist der Fehlbetrag auf 22,2 Mio angewachsen. Die Erhöhung um 2,7 Mio € löste eine Strafzahlung von 5 % dieser Summe aus (135 T€).“

Danke, Herr Friedl.
Damit ist klar, wer diese erneute Strafzahlung zu verantworten hat.
Diese 2,7 Mio wurden unter Führung des e.V. Geschäftsführers Scharold gemacht.
Da kann der Ismaik garnix für….

Reinhard Friedl
Leser

Das was mir bekannt ist, HAM hatte eine Umwandlung zugesagt, jedoch leider nicht bis zum 31.12.2018 eingehalten. Daher hat wohl Herr Reisinger Herrn Scharold angewiesen, künftig nur mit dem zu planen, was auch tatsächlich schon in den Büchern ist. Herr Gorenzel ist als weiterer Geschäftsführer wohl im Bezug Finanzen nun auch auf der Seite der „betonsicheren“ Planung, wie er selbst ausgeführt hat, da er nun als Geschäftsführer in die Haftung genommen werden könnte. Es wäre in meinen Augen ein schlechter Stiel, jetzt nachträglich Herrn Scharold abzumahnen, weil er dem Wort eines Gesellschafters vertraut hatte. Nach der „Ansage“ von Reisinger (als Vertreter des zweiten Gesellschafters) schaut die Sache für künftige Fälle wohl anders aus.

Peter Maier
Leser

Also dem Gorenzel bleibt doch nix anderes übrig, der kann ja keine Verträge unterschreiben wenn kein Geld da is. Gorenzel aber bekommt den finanziellen Rahmen vom Scharold.
Das Geld, das nun zurückgestellt werden muss, wegen etwaiger kommender Strafzahlungen, gehen zu Lasten der e.V. Führung und deren GF, da jedes Jahr trotz „Konsolidierung“ weitere Verluste gemacht werden….
denn diese Verluste verschlechtern die EK-Quote…

Reinhard Friedl
Leser

@Peter Maier: Das verstehe ich jetzt nicht, ist aber egal, da es nichts mit dem neutralen Aufzeigen der Faktenlage zu tun hat.

Peter Maier
Leser

Naja, ich versuchs nochmal.
Jedwede Verschlechterung des EK seit Juli 2017 gehen auf das Konto von Scharold, der per 50+1 durchgesetzt wurde.
Also hat man auch die erneuten Strafzahlungen zu verantworten.
Was bitte ist daran kein neutraler Fakt?

Reinhard Friedl
Leser

Dies ist eine Subjektive Meinung, die mit neutralen Fakten nicht belegbar ist.

Reinhard Friedl
Leser

Ich stütze mich bei meinen Zahlen aus der Veröffentlichung der letzten Bilanz zum 30.6.2017 (Bundesanzeigen) und den Zahlen, die Herr Bay am Sonntag vorgetragen hat.
Daher bitte mein „gekritzel“ auf dem Auszug der Bilanzzahlen zu entschuldigen.

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Francis Underwood
Leser

Das bedeutet aber auch, dass die Aussage „weitere Darlehen verschlechtern die EK-Quote“ so, zumindest pauschal, nicht stimmt. Wenn die Aufnahme weiterer Darlehen im Gegenzug eine „Wertsteigerung“ zur Folge hat, z. B. durch Spieler oder Immobilien, wäre die Aufnahme, zumindest hinsichtlich der EK-Quote, in Ordnung…!?

Kassenwart
Leser

Du darfst ja maximal zu Anschaffungskosten bilanzieren Das wäre gleich dem Darlehenswert (mal Beraterkosten außen vor gelassen, die würden das schon wieder negativ machen). Also im Prinzip heute ok.

Allerdings verliert das bilanziell aktivierte Recht ja mit der Laufteit des Vertrages an Wert (und der Spieler kann anköderten wechseln, stellt also keinen Wert mehr dar), bei einem 2 Jahresvertrag sind nach einem Jahr demnach nur noch 50 Prozent Wert vorhanden. Dies schmälert (belastet) das EK dann genau um diesen Betrag.

Daher kein Spieler auf Kredit kaufen.

anteater
Leser

Danke für diese Information. Genau das wollte ich wissen.

Francis Underwood
Leser

Danke für die Ausführung!

Reinhard Friedl
Leser

Kassenwart : Kann ich Dir absolut zustimmen.

Reinhard Friedl
Leser

Es gibt in der Bilanz unter Aktiva unter A: Anlagevermögen den Punkt Spielerwerte. Dieser war zu Zeiten der 1. und 2. Bundesliga mit Pluswerten belegt. Da mit dem Zwangsabstieg aller Spieler ablösefrei gehen konnten, mussten demzufolge entsprechende Abschreibungen vorgenommen werden, die zu 22 Mio € Verluste verführte. In der letzten Veröffentlichten Bilanz zum 30.6.2017 steht der Wert mit Null in der Bilanz. Im Vorjahr waren es noch 3.970.255,00 €.

Reinhard Friedl
Leser

Auszug aus der Bilanz zum 30.6.2017 (veröffentlicht im Bundesanzeiger)

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anteater
Leser

Danke dafür (und generell für Deine Mühen, Licht ins finanzielle Dunkel bei uns zu bringen). Jetzt sehe ich auch, dass Spielerwerte tatsächlich in die Bilanz fließen.

Francis Underwood
Leser

Danke für die Erläuterung. Mal angenommen, wir nehmen 2 Mio Darlehen, kaufen für 1,5 Mio Spieler und 500.000 gehen für Gehälter und Co drauf, dann verschlechtert sich die EK-Quote um 500.000, richtig verstanden?

Reinhard Friedl
Leser

@Francis Underwood: Wie Kassenwart oben bereits beschrieben hat, erst einmal ja. Aber wenn Abschreibungen anfallen, dann belasten diese eben wieder die Gewinn- und Verlustrechnung. Auf der anderen Seite könnte sich ein Spieler, der sich gut entwickelt, bei einem Verkauf auch positiv auf die Gewinn- und Verlustrechnung ausschlagen. Aber dies wäre in der jetzigen Lage der KGaA wohl nicht ratsam, mit Kredite Spieler zu kaufen und dann zu spekulieren. Lieber eigene Talente entwickeln und wenn dann diese Spieler verkauft werden müssen oder sollen, dann Einnahmen produzieren, die positiv auf die Gewinn- und Verlustrechnung Einfluss haben.

Francis Underwood
Leser

Das (Wertsteigerung eines Spielers) wäre meine nächste Frage gewesen… danke für Deine Antwort!

anteater
Leser

Spieler werden in der Bilanz als EK gerechnet? Das fände ich höchst seltsam.

Uraltloewe
Leser

Vereinfacht gesagt ist der Wert des Spieler (Ablöse + Kosten z. B. für Spielervermittler) Anlagevermögen, ähnlich wir z. B. Grundvermögen oder Immobilien. Der Wert steht in der Bilanz auf der Aktivseite. Auf der Passivseite stehen die „Schulden“.
Der Unterschied zwischen Aktiv- und Passivseite nennt man Eigenkapital.
Sind die Schulden (Passivseite) höher als die Werte des Anlagevermögens usw. (Aktivseite) spricht man von negativen Eigenkapital /Fehlbetrag.
Steigen die Werte auf der Aktivseite erhöht sich das Eigenkapital bzw. verringert sich das negative Eigenkapitalverringert.
Bei uns waren 2017 die Spielerwerte bei 0.- weil sie ablösefrei waren und abgeschrieben werden mussten. Folge: Erhöhung des negativen Eigenkapitals.

anteater
Leser

Habs jetzt auch schon gesehen mir sen Spielerwerten. Meint „Ablöse“ hier die von uns gezahlte Ablösesumme, oder jene, die man theoretisch erzielen könnte. All unsere Spieler sind ja ablösefrei gekommen.

Uraltloewe
Leser

Der Wert von „Anlagevermögen“ beziffert sich nach den Anschaffungskosten , hier also gezahlte Ablösesummen und sonstige Kosten, z. B. Für Spielervermittler.

Francis Underwood
Leser

Ich weiß es nicht. Habe mich auf die Aussage „Ebenso dürften Spielerkäufe nicht ins Gewicht fallen, sofern diese in der Aktiva im Anlagevermögen geführt werden können.“ bezogen…