Beim letzten Auswärtsspiel mussten die Löwenfans fast 800 Kilometer einfache Fahrtstrecke hinter sich bringen, um beim Anstoß im Ostseestadion mit dabei sein zu können. Bei der kommenden Auswärtspartie beträgt die Entfernung dagegen weniger als 8 Kilometer und viele der geschätzten 6.000 Löwenanhänger werden mit der S-Bahn zum Spiel fahren. Es steht ein prestigeträchtiges Derby gegen einen alten Bekannten auf dem Spielplan, der zu Bayernligazeiten der hartnäckigste Konkurrent vom TSV 1860 München gewesen ist. Jahre nach der Bayernliga standen die Hachinger sogar in der Bundesliga den Löwen auf dem Spielfeld gegenüber und ab dem Jahr 2004 auch in der 2. Liga.

In jeder Spielzeit mit Duellen gegen die Spielvereinigung, egal in welcher Liga, erwiesen sich die Bobfahrer stets als harte Nuß für 1860 München. Es gelang den Unterhachingern nicht nur einmal, Münchens große Liebe eine empfindliche Niederlage zuzufügen. Auch unser ungeliebter Nachbar kann ein Lied davon singen, was plötzlich möglich ist, wenn bis in die Haarspitzen motivierte Hachinger in einem Ligaspiel über sich hinauswachsen. Die deprimierendste Niederlage im nachbarschaftlichen Kräftemessen mit den Unterhachingern ereignete sich für die Löwen am 15. Spieltag der 2. Bundesliga in der Saison 2006/07.

Der Start in die Saison 2006/07 war wesentlich besser verlaufen als die meisten anderen in der Allianz Arena und 1860 München hatte sich knapp unterhalb der Aufstiegsränge in der Tabelle einnisten können. Leider setzte mit der ersten Saisonniederlage am 7. Spieltag bei Eintracht Braunschweig eine Schwächeperiode ein. Von nun an war der Wurm im Spiel der Löwen und der Punkteunterschied zur Tabellenspitze wuchs kontinuierlich. Zwar konnte man unmittelbar vor dem Derby in Unterhaching wieder punkten, aber die beiden Führenden in der Tabelle (Karlsruher SC, Hansa Rostock) waren bereits mit deutlichem Vorsprung enteilt. Sechzig stand vor dem Spiel bei der Spielvereinigung Unterhaching auf Platz 5 der Tabelle und hatte auf Platz 3 einen Punkt Rückstand.

Das Derby im ausverkauften Generali-Sportpark am 03.12.2006 begann wegen großem Zuschauerandrang mit einer zehnminütigen Verspätung und als der Schiedsrichter endlich anpfiff, gingen die Hausherren umgehend in die Offensive. Nachdem die Spielvereinigung nach 10 Minuten eine riesen Möglichkeit vergeben hatte, machten die Bobfahrer es bereits eine Minute später besser und gingen mit 1:0 in Führung – nach glänzender Vorlage des ehemaligen Löwenspielers Michal Kolomaznik.

einst ein Löwe, dann ein Bobfahrer: Michal Kolomaznik

Die Sechzger kamen nur schwer ins Spiel. Zwar war der Mannschaft von Walter Schachner der Wille nicht abzusprechen, durchdachte Spielzüge kamen jedoch nicht zu Stande. Lediglich Marcel Schäfer per missglückter Linksflanke (13.), sowie der bei einem Freistoß aufgerückte Torben Hoffmann (21.) beschäftigten den Hachinger Torwart Philipp Heerwagen. Aus dem Spiel heraus passierte bei den Giesingern, die im grün-goldenen Auswärtstrikot aufgelaufen waren, herzlich wenig. Es war sogar glücklich, dass es zur Halbzeit nur 1:0 für die Hausherren stand, es hätte bereits zu diesem Zeitpunkt 3:0 heißen können.

Auch zu Beginn des zweiten Durchgangs zeigte sich Unterhaching wesentlich druckvoller. Fast schon folgerichtig fiel das 2:0 für die Hachinger in der 53. Minute. Walter Schachner, der neben Max Merkel, Franz Binder und Peter Pacult der vierte österreichische Chefcoach bei den Löwen war, wechselte nun. Nemanja Vucicevic und Lars Bender ersetzten Björn Ziegenbein und Danny Schwarz, doch es änderte sich bei der Mannschaft aus der Landeshauptstadt nur wenig. Im Gegenteil, es wurde noch viel schlimmer. In der 65. und 79. Minute war Michi Hofmann erneut machtlos und die Hachinger schraubten den Zwischenstand auf 4:0 hoch. Die Löwen konnten durch den eingewechselten Markus Thorandt wenigstens noch den Ehrentreffer erzielen. Aber im direkten Gegenzug stellten die Unterhachinger mit dem 5:1 das Endergebnis her. Endlich war dieses grausame Spiel zu Ende.

Cheftrainer von Januar 2006 bis März 2007: Walter „Schoko“ Schachner

Diese historisch hohe Niederlage bei der Spielvereinigung Unterhaching war der endgültige Knacks in der Saison 2006/07 und sämtliche Aufstiegshoffnungen waren verflogen. In der Folgezeit rutschte 1860 München in der Tabelle auf Platz 8 ab, was zu dieser Zeit als Misserfolg gewertet wurde, weil man im Umfeld von 1860 München immer noch das Selbstverständnis eines Bundesligisten hatte. Der SpVgg Unterhaching nutzte der Sieg im Derby gar nichts. Zwar standen die Hachinger nach dem 15. Spieltag auf dem 11. Tabellenplatz, am Ende der Saison stand aber trotzdem der Abstieg in die Regionalliga Süd. Ein einziger Punkt mehr im Endklassement und es hätte zum Nichtabstieg gereicht.

Markus Thorandt: Karriereende im Jahr 2015

Rückblicke auf vergangene Spiele des TSV 1860 München haben im Zusammenhang mit diesem desaströsen Spiel aus dem Dezember ’06 einen großen Vorteil. Sie haben zum einen keine Relevanz für das kommende Auswärtsspiel am Mittwoch an der selben Spielstätte. Trotzdem sind die Erfahrungen aus dem damaligen Spiel aber wertvoll, weil sie eindrucksvoll zeigen, dass die Löwen auf einen maximal motivierten Gegner treffen werden, der zwar in der Tabelle vor Sechzig München steht, sich selber aber als Underdog im direkten Duell sieht. Um im Sportpark zu Unterhaching bestehen zu können, bedarf es Können und Konzentration über die gesamte Spieldauer. Wenn beides nicht vorhanden ist, könnte sich ein ähnliches Debakel wie damals wiederholen.

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Tami Tes
Redakteur

Super Rückblick. Ich kann mich an diesen Kader und die Zeit noch gut erinnern. Immer wenn jemand den Schoko Schachner erwähnt, erinnere ich mich wieder an seine Rufe vom Spielfeldrand „raus mit die Bälle!“. Symphytisch war er allemal.

Jedenfalls standen wir gegen Haching oft schlecht da, auch in der Regionalliga mit der 2. Mannschaft. Warum auch immer das so ist. In dieser Saison sind die „Bobfahrer“ auch noch sehr gut unterwegs und sollten unsere Profis meinen, mit der Einstellung oder der Leistung vom Wochenende in das Spiel reinzugehen, wird das unschön enden. Ich freue mich trotzdem auf das Spiel.

Landshuter Löwe
Leser

Wenn wir so spielen wie am Samstag die 2. Halbzeit – no chance sad
Der Mölders sollte halt auch mal wieder was aus seinen Chancen machen…