Als Zwölfjähriger 1965 beim Derby

Reinhard Friedl ist langjähriger Fan des TSV 1860 München. Bereits vor dem Deutschen Meistertitel 1966 war er als Zwölfjähriger im Stadion. Zusammen mit seinem siebzehnjährigen Bruder machte er sich 1965 nach München auf. Vom Ammersee nach Giesing zum Derby zwischen den Löwen und dem FC Bayern. 43.000 Zuschauer waren dort. Die Löwen haben mit 1:0 gewonnen. Mit dem Zug waren sie gefahren, in einer überfüllten Straßenbahn am Nockherberg vorbei zum Stadion. Ohne Eltern und auf sich alleine gestellt. Das Erlebnis wird er nie vergessen.

Nun ist er ein wenig älter. Lebt mittlerweile in München. Er engagiert sich beim SC München im Amateurfußball. Und ist immer noch ein Löwe. Das wird sich auch nicht ändern.

Reinhard Friedl ist Mitglied im TSV München von 1860 e.v. und auch in der Löwenheimat Giesing e.V. – das Löwenmagazin.

Fachmann für Bilanzen

Friedl kennt sich vor allem mit Zahlen aus. Seit Jahren beschäftigt er sich mit Bilanzen. Sein Blick als Fan gilt natürlich vor allem auch den Finanzen bei der TSV München von 1860 GmbHJ & Co. KGaA.

Die nächsten drei Monate hält er für sehr entscheidend für die Zukunft des Klubs. Das Gutachten für die Fortführungsprognose, die der temporäre Geschäftsführer Markus Fauser erstellt hat, läuft zum Ende der Saison 2018/19 aus. Zudem sollen laut Friedl 14,6 Millionen Euro an Darlehen fällig werden. Diese sind bis zum 30. Juni 2019 gestundet.

Besteht Gefahr für einen Konkurs der KGaA? Es muss eine Lösung her. Ansonsten droht über der Geschäftsführung das Damoklesschwert der Insolvenzverschleppung, so Friedl gegenüber dem Löwenmagazin. Friedl sieht daher die Gefahr eines Konkurses der KGaA zum 30. Juni 2019 als durchaus möglich an. Und nennt drei Varianten.

Variante 1

Kein klar definierter Plan für die TSV München von 1860 GmbH & Co. KgaA

Eine Option: Man “wurstelt” weiterhin vor sich hin. Allerdings sieht Friedl dann durchaus die Möglichkeit, dass irgendwann die Behörden einschreiten könnten. Wegen Konkursverschleppung. Das wäre ein denkbar schlechter Weg.

Variante 2

Konkurs der TSV München von 1860 GmbH & Co. KGaA

Friedl sieht die Gefahr eines Konkurses der KGaA zum 30. Juni 2019 als durchaus möglich an. Das wäre eine der möglichen Konsequenzen oder Optionen. Je nachdem wie man es sieht. Dem Klub würde man mit sofortiger Wirkung 9 Punkte abziehen. Den Konkurs müsste die aktuelle Geschäftsführung beantragen.

Dazu: 1860-Vize-Präsident Heinz Schmidt äußert sich zur Insolvenzgefahr

Variante 3

HAM International verkauft die Anteile an der KGaA an andere Investoren

Abgewendet werden könnten die beiden ersten Varianten seiner Meinung nach, wenn Ismaik seine Beteiligung und die Genussscheine, sowie Forderungen an andere Investoren für 12 – 17 Mio € verkaufen würde.

Wie er zu dieser Summe kommt?

Ismaik hatte bei seinem Einstieg bei der KGaA im Jahr 2011 ca. 18 Mio investiert. Dies waren für 60% Anteil am gezeichneten Kapital 4 Mio € und für eine Kapitalrücklage nochmals 9,1 Mio €. Weitere Darlehen wurden von 5 Mio € gewährt. Zu diesen Anfangsinvestitionen kamen weitere Millionen im Laufe der Jahre hinzu. Und diese 70 – 80 Mio € möchte Ismaik, sofern ein neuer Investor ihn ablösen würde. Doch dies wird niemand bereit sein zu zahlen.

Ein realistischer Preis wären wohl zwischen 12 – 17 Mio €, die ein Investor oder eine Investorengruppe bereit wäre für ein überschuldetes Unternehmen zu zahlen. Das Einzige, was wohl noch etwas werthaltig (ca. 5 Mio €) in der Bilanz steht, sind die Gebäude an der Grünwalder Straße, die allerdings auf einem Erbpachtgrundstück stehen. Ansonsten weist die Bilanz zum 30. Juni 2017 einen Fehlbetrag von 19,8 Mio € aus. Dies bedeutet, dass trotz der bisherigen Genussscheine (in Höhe von 27,2 Mio €) ein Fehlbetrag von 19,8 Mio € besteht, der nicht durch Eigenkapital gedeckt ist.

Die Bilanz zum 30. Juni 2018 wird wohl noch einen höheren Fehlbetrag ausweisen. Sie ist noch nicht veröffentlicht.

Variante 4

Alle Forderung von HAM International in Genussscheine umwandeln

Der vierte Ausweg wäre für Friedl, wenn HAM International seine gesamten Forderungen in Genussscheine umwandeln würde. Die würden dann als Eigenkapital zählen und damit auch am Verlust beteiligt sein.

Hasan Ismaik sollte zudem die TSV 1860 Merchandising GmbH in die KGaA zurück geben. “Damit diese dann eine weitere Möglichkeit hat, Einnahmen zu generieren. Das wäre für die Gesundung von enormer Bedeutung.”

Für Friedl wäre diese 4. Variante die Wünschenswerteste, damit 1860 mit Ismaik den Profibereich wieder auf gesunde Füße stellen könnte.

Bisher war das Problem bei 1860 für ihn, dass immer Verträge in höchster Not abgeschlossen wurden und dabei jemand 1860 die Pistole auf die Brust setzte. Heute sieht er mit dem derzeitigen Präsidium um Robert Reisinger eine Truppe, die sich nicht treiben lässt. Er ist zuversichtlich, dass dieses Präsidium die möglichen Szenarien schon längst ausgelotet hat und entsprechend für den 30. Juni 2019 gerüstet ist.

Anmerkung des Löwenmagazins:

Wir stellen die Aussagen und die Varianten lediglich zur Diskussion. Eine weitere Recherche für diese Varianten gibt es bislang nicht. Wir werden aber sicherlich einige Punkte noch näher erörtern.

(Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Vervielfältigung, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Löwenmagazins.)
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