Am gestrigen Freitagabend war es soweit. Die Premiere des Hubert Pöllmann Löwen-Films „Ein Leben ohne 60 ist möglich – aber wozu?“ fand im Gabriel Filmtheater statt und Löwenfans wie auch Vertreter vom TSV München von 1860 e.V. kamen zu der Vorführung.

Hubert Pöllmann wandte sich vor der Vorführung an die Zuschauer und erklärte die Hintergründe zur Entstehung des Filmes. Als er nach dem Doppelabstieg im Sommer-Trainingslager in Obertraun Daniel Bierofka und seine notdürftig verstärkte U21 sah, wusste er, dass er was tun müsse. Pöllmann betonte ausdrücklich, wie wichtig die Nachwuchsarbeit des Vereins ist, dass das NLZ die drei Sterne behalten muss und unterstützt werden soll. Deshalb gehen auch alle Einnahmen vom Film an das NLZ, in der Hoffnung, dass ein fünfstelliger Betrag zusammenkommt. Er appelliert an die Fans, sich wieder zu vereinen und gemeinsam an einem Strang zu ziehen.

Jogi und Laurenz über den Abstieg und wie es weiter geht

Der Dokumentarfilm ist durchflochten mit Gesprächen unter zwei alten Löwenfans – dem Jogi (gespielt von Jürgen Gsantner) und dem Laurenz (Hubert Pöllmann), Gesprächen mit bekannten Personen aus der Löwengemeinde sowie Szenen aus dem Grünwalder Stadion bis hin zum Aufstieg. Da der Film unmittelbar nach dem Zwangsabstieg 2017 zu entstehen begann, ist die damalige Stimmung sofort zu spüren.

Laurenz und Jogi zweifeln an der Zukunft und an das eigene Durchhaltevermögen. Man hat ja schon so viel mit den Löwen erlebt und die Aussicht macht keine Hoffnung. Grundsätzlich hat man das Gefühl bei den beiden, als säße man bei der Christl im „Löwenstüberl“ oder am Spielfeldrand eines U19-Spiels und lauscht den alten Löwen-Fans. Man hört die Sorgen, man spürt die Ratlosigkeit und Skepsis, aber auch das Suchen nach Ursachen. So bekommen auch vergangene Präsidenten von den beiden ihr Fett weg. Aber es wird auch nach Lösungen gesucht und man bemerkt ein dezentes Aufflackern von Hoffnung. Die Vergangenheit spielt immer mit, denn man hat doch schon so vieles erfahren und erlebt. Sechzig halt. Und obwohl weder Laurenz noch Jogi je einen Lächeln zeigten, kommt es zu urkomischen Szenen. Aber auch das ist Sechzig – Sarkasmus und Selbstironie. Ohne Humor ist doch Sechzig nicht zu verdauen. Und egal was passiert, eines zeigen die beiden deutlich – Einmal Löwe, immer Löwe oder wie es Jogi sagte „Die Wenigsten kennen uns, aber die Meisten können uns.“

Was den Film zu einer Dokumentation macht, sind eher die Gespräche mit weiteren Protagonisten und bekannten Löwenanhängern. So wird das Thema Stadion mit dem damaligen Verwaltungsratsvorsitzenden Dr. Markus Drees besprochen und diverse Standorte durchleuchtet. Der Allesfahrer Franz Hell blickt auf den „schwarzen Freitag“ zurück und Claus Melchior, der Co-Autor der Löwenhistorien „Die Löwen“ und „Der Triumph der Löwen“, spricht über die Zeit der Präsidenten Wetzel, Riedl und Wildmoser. Da konnte Siegfried Nagelstutz natürlich nicht fehlen, der die Tür zu seinem privaten Löwen-Museum öffnete und die vielen Wimpel, Pokale und Bilder zeigte.

Was in dem Film etwas unterging, ist die Aufbruchstimmung, die in der Regionalliga erwachte. Zwar zeigten die eingeblendeten Szenen aus dem Stadion, der Fanmarsch oder der Platzsturm beim Aufstieg die starke Fanunterstützung, aber als Außenstehender würde man die Energie nicht erkennen. Der Film ist eher eine Art Vergangenheitsbewältigung, was ein Löwe sicherlich immer wieder nötig hat … Und mal ganz ehrlich – wer kann uns Löwen schon verstehen?

Die nächste Vorführung ist am Sonntag, 18. November, im Gabriel Filmtheater um 18.00 Uhr. Anfang nächsten Jahres soll der Film auf DVD rauskommen. Alle Einnahmen kommen dem Nachwuchsleistungszentrum des TSV zugute. 

(Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Vervielfältigung, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Löwenmagazins.)

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United Sixties
Leser

Werde die dvd kaufen und zur Sammlung hinzugeben. Für das NLZ und unsere Jugendförderung eine super Sache. Im Kino allen auch heute ausreichend Spaß mitm Hell Franzl u.a.

Serkan
Leser

Danke für die Kritik. Weil ich nicht wusste, ob man überhaupt reinkommt, hab ich mir die Anfahrt geschenkt. Beim Kino anrufen hatte keinen Sinn, die wussten gar nichts. Der Beast war dort und hat erzählt, der Film wäre so unfassbar schlecht, dass er irgendwie schon wieder gut ist. Das macht mich neugierig. Ich stehe auf dilettantisch. Vielleicht fahre ich morgen doch hin.

blau91
Redakteur

„Ich stehe auf dilettantisch“ 😂😂😂…Ich hoffe du bist nicht deshalb Löwenfan.😜
Wahrlich ein toller Bericht. Ein Film über Sechzig, von Fans für Fans und die Einnahmen werden fürs NLZ gespendet. Alleine das ist ein Grund sich den Film anzuschauen. Ich habe den Film bis dato nicht gesehen, aber ich denke meine Entäuschung wäre groß gewesen. Wenn ich sehe was für eine geile Saison das in dieser Regionalliga Bayern war. Die Stimmung im GW auf Giesings Höhen auf dem Siedepunkt. Und dann kommt im Film kaum was davon rüber. Schade, aber egal. Der Aufwand der Macher ist aller Ehren wert. Leute rein gehen und anschauen.