Das 75. Pflichtspiel der Löwen gegen den KSC

Am kommenden Samstag trifft 1860 München auf einen alten Bekannten, gegen den die Löwen bereits in der Oberliga Süd (1945-63), in der Bundesliga, in der Regionalliga Süd (1970-74), in der 2. Bundesliga, im DFB-Pokal und nun auch in der 3. Liga angetreten sind. Gegen den Karlsruher Sportclub werden die Löwen am Wochenende das 75. Pflichtspiel bestreiten. Nur gegen den VfB Stuttgart wurde im Rahmen von Liga oder Pokal dreimal öfters angepfiffen. Die Statistik gegen die Badener ist mit 30-16-28 bei 133:126 Toren praktisch ausgeglichen. Bei dieser großen Anzahl an Partien würden sich mehrere denkwürdige Spiele anbieten, aber das Heimspiel gegen den KSC am 22. Spieltag der Saison 1994/95 bot ein ungewöhnliches Spektakel, welches man nur sehr selten im Profifußball sieht.

früheres Vereinswappen (1998-2004)

Die Spielzeit 1994/95 ist in der kollektiven Erinnerung der Fans fest verwurzelt, gleich aus zwei Gründen wurde in dieser Saison Löwengeschichte geschrieben. Zum einen folgte auf das Fußballmärchen vom Durchmarsch in die Bundesliga gleich das nächste Fußballmärchen mit dem nicht für möglich gehaltenen Klassenerhalt am Saisonende. Und zum anderen war dies die letzte Saison, in welcher der TSV 1860 München seine Heimspiele in der Bundesliga im Stadion an der Grünwalder Straße austrug.

Zu Beginn der Runde 1994/95 war das von Werner Lorant zusammengestellte Team nicht konkurrenzfähig. Es hagelte Niederlage um Niederlage, lediglich beim Mitaufsteiger Bayer Uerdingen konnte ein 1:1-Unentschieden errungen werden. Mats Lilienberg erzielte in der Grothenburg Kampfbahn das erste Bundesligator für die Löwen seit dem Jahr 1981.

Doch der sportlichen Führung gelang in der laufenden Hinrunde mit zwei Verpflichtungen das Blatt noch entscheidend zu wenden. Manni Schwabl im Abwehrverbund und vor allem Peter Nowak als klassischer Zehner im offensiven Mittelfeld sorgten für den erfreulichen Umschwung. Im letzten Spiel der Hinrunde gegen Eintracht Frankfurt gelang zum ersten Mal der Sprung auf einen Nichtabstiegsplatz. In der Rückrunde folgten zunächst noch Rückschläge, vor allem eine heftige 2:6-Niederlage auf Schalke ließen wieder Zweifel am Bundesligaverbleib aufkommen. Vor dem Heimspiel gegen den Karlsruher SC war 1860 München erneut auf Tabellenplatz 17 zurückgefallen, die Gäste aus Baden-Württemberg befanden sich vor dem Gastspiel auf Giesings Höhen auf Tabellenplatz 7.

Eminent wichtiger Heimsieg im Grünwalder Stadion

Von Anfang an war die Partie vor 23.100 Zuschauern von Kampf, Härte und Einsatz geprägt. In der 8. Minute sah Elvis Brajkovic die gelbe Karte auf Löwenseite, es war bereits die zweite Verwarnung des Spiels. Der Schiedsrichter und seine Kartenentscheidungen sollten dieses Spiel maßgebend prägen. Guido Erhard, der zum ersten Mal bei einem Bundesligaspiel in der Startelf stand, vergab in der 28. Minute eine gute Kopfmöglichkeit. Nach 34 Spielminuten vertändelten die Abwehrspieler des KSC den Ball höchst fahrlässig in der Vorwärtsbewegung und Bernhard Winkler erzielte mit einem gezirkelten Schlenzer in das linke Kreuzeck die sehenswerte und viel umjubelte Löwenführung.

Bernhard Winkler war mit seinen vielen Toren für 1860 München die Lebensversicherung in den Jahren nach dem Durchmarsch. In der Bundesliga erzielte Winkler bis 1999 in jeder Saison mindestens 10 Tore. Die meisten Treffer gelangen ihm in der Spielzeit 1996/97, als er 17-Mal für die Löwen einnetzte. Nur 2 Treffer mehr und Bernhard Winkler hätte sogar mit Clubikone Rudi Brunnenmeier in der vereinsinternen Statistik gleichziehen können. Trotz dieser außergewöhnlich konstanten Leistung über viele Jahre hinweg wurde Bernhard Winkler kein einziges Mal zur Nationalmannschaft berufen.

Zur Pause führten die Löwen in einem äußerst kampfbetonten Spiel mit 1:0 und in der zweiten Hälfte nahm der Wahnsinn dann seinen Lauf. Den Anfang machte Abwehrspieler Burkhard Reich, der Guido Erhard mit einer klassischen Notbremse am Weiterlaufen hinderte. Die rote Karte für den KSC-Spieler war die einzig mögliche Ahndung von Schiedsrichter Wolf-Günter Wiesel. In der 70. Minute schickte der Schiedsrichter mit Slaven Bilic nach überhartem Einsteigen gegen Alexander Kutschera den nächsten KSC-Spieler mit Rot vom Feld. Nur vier Minuten später senste in rücksichtsloser Holzfällermanier Manfred Bender von hinten kommend Manni Schwabl gnadenlos um. Auch hier gab es keine zwei Meinungen. Schiedsrichter Wiesel zeigte in der zweiten Spielhälfte 3 Feldspielern des Karlsruher SC die rote Karte und das binnen 20 Minuten.

Denkwürdige zweite Spielhälfte: 3 x Rot für den KSC

Schiedsrichter Wiesel – keine Gnade mit dem KSC

Wer aber jetzt geglaubt hatte, dass die Löwen in deutlich numerischer Überzahl den Heimsieg locker nach Hause bringen und vielleicht noch etwas für das Torverhältnis tun würden, sah sich getäuscht. Mit Entsetzen sahen die Fans im Grünwalder Stadion, dass die Heimmannschaft durch die drei roten Karten für den Gegner völlig aus dem Konzept geworfen war. Lediglich Guido Erhard konnte gegen Ende des Spiels eine Großchance für die Löwen generieren. Bis zum Schlusspfiff hatte man in dieser seltsamen Schlussphase das mulmige Gefühl, dass der KSC durchaus noch zum Ausgleich kommen könnte. Es wäre eine Riesenblamage gewesen, wenn der Gegner mit drei Feldspieler weniger das Spiel noch gedreht hätte. Nicht nur einmal segelte in den letzten Minuten der Ball durch den Strafraum der Löwen und die Zuschauer hielten jedes Mal ungläubig den Atmen an.

Beim Abpfiff wurde dann nicht nur erleichtert über die eminent wichtigen Punkte im Abstiegskampf gejubelt, es mischten sich auch ungehaltene Pfiffe hinzu wegen des völlig unsouveränen Auftretens der Löwen in Überzahl. Manni Schwabl sagte nach dem Spiel, dass er nie mehr gegen einen solch dezimierten Gegner spielen möchte. Er könne sich nicht erklären, warum nicht weiter nach vorne gespielt worden sei.
KSC-Trainer Winnie Schäfer hingegen wertete das Spielgeschehen komplett anders und tobte nach dem Schlusspfiff. Er sprach nach der Pressekonferenz in einem Interview der Mannschaft von 1860 München spielerische Fähigkeiten ab und bezeichnete Trainer Werner Lorant als einen Wilden.

Diskussion und Liveticker zum kommenden Spiel

TSV 1860 München vs. Karlsruher SC

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ShadowAngel
Leser

„1860 ist eine blinde Truppe mit einem wilden Trainer“ sagte Schäfer damals. Ich glaub was die Mannschaft noch mehr zerwarf, war die Verletzung von Peter Nowak, der dann raus musste. Ohne den lief halt leider nicht viel.
Aber definitiv ein Spiel, an das man sich auch heute (Ist das echt schon so lang her?) erinnert.

Richard
Gast
Richard

Das bleibt tatsächlich unvergesslichen. Live dabei und eine Blamage drohte gegen 7 KSC- Feldspieler, aber Ende gut Alles gut und der Nichtabstieg in dieser Saison Dank der 13 Heimspiele auf Giesings Höhen darf nie hoch genug bewertet werden.