Ein Gastbeitrag von Stephan Tempel


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…hättest Du nur geschwiegen, Du wärst ein Philosoph geblieben…

..möchte man voller Mitgefühl Peter Pacult zurufen, ob des Blödsinns den er im Interview bei einem bekannten 1860-Blog von sich gibt. Er beschwert sich über die Grünwalder-Stadion-Fraktion die schon zu seinen Zeiten da war (aber klein), denen angeblich das Stadion wichtiger wäre als der Sport – und natürlich fordert er die Mitglieder auf, zur Wahl zu gehen und im Interesse von 1860 zu handeln. Ein Ansinnen, das ich im übrigen voll und ganz unterstütze – aber das war es dann schon mit den Gemeinsamkeiten.

Peter Pacult, einer der Helden meiner Kindheit bzw. Jugend – zusammen mit Rainer Berg und Bernhard Winkler…. und K.I.T.T. – dem Auto von Michael Knight in Knightrider. Doch ebenso wie ich lernen musste dass es keinen Weihnachtsmann gibt, ein Pontiac Firebird im Regelfalle weder sprechen noch fliegen kann und serienmäßig keinen Turboboost hat – genau so habe ich irgendwann erkannt, dass Fußballer keine Helden sind, sondern eben Fußballer – und im Regelfalle genau eine Begabung haben: Fußball spielen.

Dadurch, dass diese Begabung oftmals massiv gefördert wurde, blieb leider oftmals zu wenig Zeit für andere wichtige Dinge des Lebens. Ausnahmen bestätigten die Regel und sind dann erfolgreiche Manager oder Sportdirektoren – aber gemessen an der Masse der Fußballer der letzten Jahrzehnte ist das dann eine doch überschaubare Anzahl.

Das ist im übrigen der Grund, warum ich gar kein großer Fan davon bin, ehemalige Fußballspieler ob ihrer Verdienste in wichtige Positionen zu befördern: für Management, Vermarktung & Co. gibt es Leute, die deutlich länger auf der Schule waren und einen ganz anderen Bildungshorizont haben. Ist nichts Schlimmes, dafür können diese ja auch nicht Fußball spielen.

Zurück zum Peter Pacult & Bernhard Winkler: der letztgenannte hat sich ja leider mit dem „Team Profifußball“ (weiß eigentlich irgendjemand, was für ein Konzept die hatten? Ich hab´s nicht verstanden…) selber demontiert – und der Peter: der hat für acht Vereine und die Österreichische Nationalmannschaft gespielt – und war bei elf Vereinen Trainer. Gut, bei zwei Vereinen war er Spieler und Trainer – bleiben immer noch 18 verschiedene Stationen… und da hat er bei allen den Durchblick? Respekt.

Die letzten Jahre scheint der leider ohnehin etwas abhanden gekommen zu sein: in Dresden beurlaubt, dann über ein Jahr Arbeitslos, in der zweiten österreichischen Liga bei Florisdorf nach elf verlorenen Spielen in Folge (!) zurückgetreten, in Slowenien nach zwei Wochen entlassen, ebenso nach zwei Monaten in Kroatien, drei Monaten in Serbien oder einem halben Jahr in Albanien. Seit März ist er jetzt Trainer beim montenegrinischen Fußball-Erstligisten OFK Titograd Podgoric – und das schon über drei Monate und als vierter sogar für die Euro-League qualifiziert. Es geht aufwärts…

Lieber Peter,

weißt Du, warum Dir die „Grünwalder Fraktion“ so gut im Gedächtnis geblieben ist? Weil sie besonders laut in Deinen letzten Jahren bei 1860 war – damals ging es den Leuten nämlich nicht nur um das Grünwalder, sondern darum dass kein gemeinsames Stadion mit dem FC Bayern gebaut wird. Du warst damals für den Stadionbau, erinnerst Du Dich?

Ich war dagegen.

Die Geschichte ist bekannt: Argumente dagegen wie z.B. „was passiert wenn wir absteigen“ wurden von Wildmoser mit einem „wir steigen nicht ab – und wenn doch, dagegen lass ich uns versichern“ zur Seite gewischt… und dummerweise sind wir dann abgestiegen:

Wir konnten uns das Stadion nicht mehr leisten, haben Stadionanteile im Wert von hunderten Millionen Euro für ein Butterbrot an den FC Bayern verscherbelt – und dafür dann noch eine horrende Miete an den FC Bayern gezahlt… bis hin zur beinahe Insolvenz, vor der uns – unbestritten – dann Hasan Ismaik bewahrt hat. Vom Regen in die Traufe…. bis hin zu Liga vier bzw. zur heutigen Situation.

Also, noch einmal zum mitschreiben:

Du warst dafür. Ich war dagegen.

Denk an Deine Worte von damals, schau was aus 1860 geworden ist – und halte bitte doch zukünftig wenn es um Vereinspolitik bei 1860 geht einfach den Mund. Dann bleibst Du  auch für viele weiterhin ein Held – auch wenn der Knight Rider schon lange nicht mehr über deutsche Bildschirme fliegt.

Stephan Tempel

(Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Vervielfältigung, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Löwenmagazins.)

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Kai aus der Kiste
Leser

Ich ertappe mich gelegentlich mal beim Griss im Blog vorbei zu schauen, schreiben darf ich dort eh nimmer, der hat mich schon vor langer Zeit zweimal gesperrt bzw. gebannt.

Aber was musste ich jetzt dort sehen, dieser Eintrag (unter Bierofka macht weiter – weil er Neuzugänge bekommt?) steht seit mehr als sechzig Minuten online, ohne dass eine Konsequenz erfolgte!

Ich kenne den Stephan Tempel nicht persönlich, aber dass ist ein persönlicher Angriff, den er sich so nicht gefallen lassen darf!

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Kai aus der Kiste
Leser

Edit (21:25 Uhr):
Der Beitrag wurde mittlerweile von den Administratoren entfernt, nach Hinweis eines Benutzers: „…lässt Du solche namentlichen Beleidigungen hier echt stehen? Geht schon hart Richtung strafrechtlich relevant?!“

3und6zger
Leser

Es ist ja schon langsam nicht mehr erträglich. Jeder der vor 25 Jahren bei Sechzig Fußball gespielt hat, ist automatisch ein guter Funktionär. Was hat den der Winkler als Teammanager 16/17 gemacht um den Abstieg zu verhindern? Wäre er vom Pereira rausgeschmissen worden, weil er anderer Meinung war, ich hätt‘ in letztes Jahr gewählt. Aber 5 Jahr lang duckmäusern und dann so tun, als hätte man die Weisheit mit Löffeln gefressen ist halt wenig glaubwürdig. Und der Pacult war ein Super-Stürmer! Wär‘ er mit dem Kopf beim Denken so gut wie beim Köpfen oder mit dem Fuß, würd‘ ich das Interview vielleicht lesen. Aber so…

DrLoewenkralle
Gast
DrLoewenkralle

Am meisten genervt hat mich an diesem Interview, dass hier wieder Fans in zwei Kategorien eingeteilt werden. Die Grünwalder-Anhäger im Gegensatz zu den „echten Fans“. So etwas spaltet.

3und6zger
Leser

Sind die „echten Fans“ dann die FdrK – Freunde der roten Kloschüssel?

bluelady
Leser

Danke Stephan! Ich bin schon lang der Meinung, dass ein guter Fußballer gewesen zu sein noch lange nicht gewährleistet, auch eine fundierte Meinung zu haben. Das haben andere und ich leibhaftig bei einer Diskussionsrunde mit unserem ehemaligen Torschützenkönig erleben müssen … Klar gibt es Ausnahmen, Gui Vallori ist einer, Jan Mauersberger würde ich es zutrauen und natürlich gehören meine ehemaligen Lieblingsspieler Horst Heldt und Marcel Schäfer auch dazu, aber sonst …? Mir fällt ebenso auf, dass es bei den Präsidiums-Gegnern und den ‚ehemalige-Spieler-müssen-mehr-eingebunden-werden-Fraktion‘ eine große Schnittmenge gibt. Woran liegt’s? Am mangelnden Durchblick? An einer ‚football-first‘-Einstellung? An PP gerichtet, möchte ich deshalb sagen: ‚Peter, bleib bei deinen Fußballschuhen!‘ bzw. ‚Si tacuisses, philisophus mansisses!‘

Konterhoibe
Leser

Prinzipiell finde ich es ja schön wenn ehemalige Spieler sich noch mit unserem Verein beschäftigen. Da ist zum Beispiel der Gui Vallori der immer noch sehr an uns hängt und auch nicht den Blick für das wesentliche Verloren hat, besonder schön fand ich wie er mal O.G. auf Facebook angepflaumt hat nach einem besonders dämlichen Artikel, ein Traum.

Jetzt kommt aber das große Aber. Es zeichnet sich ein Muster ab bei dem ehemalige Spieler die entweder keine Stelle im Verein bekommen, also der KGaA, oder mehrere hatten aber Aufgrund von Inkompetenz nicht wieder eine bekommen (Winkler) Beleidigt sind und gerne draufhauen sobald sie ein Micro vor die Nase gehalten bekommen.

Eines muss man Winkler lassen, immerhin hat er sich für ein Ehrenamt zur Verfügung gestellt (die Beweggründe mal beiseite gelassen). Für ihn natürlich Blöd das er mit seinem Arroganten Auftritt bei der MV einen nachhaltig schlechten Eindruck hinterlassen hat, nur weil man mal Profi war ist man halt kein Experte.

Peter Pacult hat, unbestritten, viel geleistet für den Verein. Nur war das eben in einer komplett anderen Zeit und unter komplett anderen Bedingungen. Wenn er nun meint sich mit dieser Meinung einbringen zu müssen, dann ist dies sein gutes Recht, sie ist halt nur komplett an der Realität und der Wahrheit vorbei.

Abschließend bleibt halt wirklich nur zu sagen: Reden ist Silber, Schweigen ist Gold.

Dr. Klothilde Rumpelschtilz
Leser

Wow, echt gut geschrieben, kann alles genau so unterstreichen und hab nochmal alles mitgefühlt.
Kann sich jemand noch daran erinnern, dass wir vor einem Heimspiel (entlang vom Wienerwald) demonstriert haben?
Die Euphorie vom Erfolg hat viele blind gemacht, hoffe das passiert nie wieder.

Kranzberg
Leser

Ja, das war am 01.04. vor dem Spiel gegen Dynamo Dresden.

United Sixties
Gast
United Sixties

Gut geschrieben Stephan, bleibt nur hinzuzufügen, dass der Peter PaKULT halt a Ösi ist
und für Red Bull tätig war. Mehr sog i nimma dazu.

Tami Tes
Redakteur

Ich halte nichts davon, immer wieder Leute vors Mikro oder Feder zu zerren und nach deren Meinung zu fragen. Leute, die zwar mal vom großen Wert für den Verein waren, aber nun doch zu weit vom Geschehen sind und ihre Infos von ein paar Zeitungsartikeln ziehen. Insbesondere wenn sie aus einer anderen 1860-Zeit stammen, wo die Bedingungen und die Lage anders waren.
Aber gut. Die Namen ziehen, die Klickzahlen stimmen und die gewollte Botschaft kommt auch raus.

anteater
Leser

Im Prinzip ist das sogenannter Dummenfang. Funktioniert leider auf vielen gesellschaftlichen Ebenen.

tomandcherry
Leser

@Tami Tes

Diese „ehemaligen Helden“ tun sich m.M. nach alle keinen Gefallen, wenn sie sich zu derartigen Themen äußern, von denen sie entweder schlicht und ergreifend keine Ahnung (mehr) haben oder prinzipiell viel zu weit weg sind, um sich eine halbwegs fundierte Meinung dazu erlauben zu können.

Ansonsten gehe ich inhaltlich mit Stefan Tempel konform.

Oder frei nach Dieter Nuhr in Bezug auf Peter P.: „Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die… halten.“

Rainer Löwe
Gast
Rainer Löwe

Super geschrieben 😊👍😎 darauf trink ich jetzt ein selbstgebrühten Kaffee☕vielen Dank

Alexander Schlegel
Leser

Wenn ich mir diese ganze Aussagen so Revue passieren lasse, kann ich die ganzen Stimmen, die eine stärkere Einbindung unserer Ehemaligen fordert, noch weniger verstehen. Ich habe das Interview zwar nicht gelesen, aber was dazu geschrieben wird, deckt sich schon auch mit meiner Einschätzung zu den Herren Pacult und Winkler. Mehr möchte ich darüber gar nicht sagen. Einfach enttäuschend, dass wir kaum kluge Köpfe unter den Ehemaligen haben. Benni Lauth wäre vielleicht noch einer, aber das ist in meinen Augen auch jemand, der sich eher so durchlaviert statt klare Kante zu zeigen. Aber ihm würde ich es noch am Ehesten zutrauen. Allerdings nicht unserer jetzigen Konstellation mit diesem merkwürdigen Kreditverkäufer (Investor kann ich den beim besten Willen nicht bezeichnen). Da würde man nur jeden guten Mann verbrennen.

...
Gast
...

Ja was erwartest du denn? Die meisten waren unter Lorant gute Spieler…und bei dem zählte nur laufen und spuren und nicht denken… wink

Baum
Leser

Hervorragend geschrieben! Vielen Dank dafür.

Serkan
Leser

Gute Antwort! Leute wie Pacult werden im genannten Blog wie Statisten in einem Rollenspiel benutzt. Einem wie Pacult das Gewünschte aus der Nase zu ziehen, ist bestimmt kein Hexenwerk. Die heißesten Gerüchte, die entstelltesten Zitate, die schrägsten Behauptungen. Damit kann man Geld verdienen. Solange das Publikum mitspielt.

Kranzberg
Leser

Sehr gut. Pacult war als Trainer (zuerst Amateure, dann Profis) schon kaum zu ertragen.