Am kommenden Samstag gastiert auf Giesings Höhen der Krefelder Fußballclub aus dem Stadtteil Uerdingen. Nach 11 Spieltagen ist 1860 München das einzige Team der 3. Liga, das zu Hause noch unbesiegt ist. Es ist zu hoffen, dass diese Heimstärke im Grünwalder Stadion auch gegen die Krefelder anhält, um die eklatante Auswärtsschwäche auszugleichen. Im Mai des Jahres 1982 absolvierten die Löwen ein Heimspiel gegen den Vorgängerverein Bayer 05 Uerdingen. Dieses Spiel schrieb wegen einer gruseligen Minuskulisse im Olympiastadion Vereinsgeschichte.

Fast 77.000 Plätze blieben im Olympiastadion frei

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Das Frühjahr 1982 markierte mit der Verbannung aus dem Profifußball eine Zeitenwende beim TSV 1860 München. Aufgrund von Verbindlichkeiten in Höhe von 8 Millionen DM statuierte der DFB am Saisonende ein Exempel an den Löwen und verweigerte die Spiellizenz für die 2. Bundesliga. Es folgte mit dem Sturz in den Amateurfußball eine lange und entbehrungsreiche Zeit in der Bayernliga.

Die Saison 1981/82 stand von Beginn an unter keinem guten Stern. Nach dem Bundesligaabstieg im Jahr 1981 waren an der Grünwalder Straße aufgrund des hohen Schuldenstandes bereits im Sommer 1981 Zwangsmaßnahmen seitens des DFB ein Thema gewesen. Die Spiellizenz für die Saison 1981/82 hatte der Traditionsverein aus Giesing nur unter der Bedingung erhalten, dass die Hypovereinsbank ihr Darlehen in Höhe von 3,5 Millionen Mark nicht in der Saison 1981/82 zurückfordern würde. Peter Englert, Sepp Hilz und Franz Bickel bürgten für diese Summe und nur wegen dieser Bürgschaft konnten die Löwen überhaupt am Spielbetrieb der 2. Bundesliga teilnehmen.

Die Marschrichtung für die Saison 1981/82 war somit vorgegeben. Es musste der sofortige Wiederaufstieg erzwungen werden, um wieder an die finanziellen Fleischtöpfe im Fußballoberhaus zu gelangen. 1860 München hatte in dieser Saison mit Spielern wie Horst Wohlers, Wolfgang Sidka, Rudi Völler und Erich Beer ohne Zweifel ein ambitioniertes Team, aber auch ein sehr kostspieliges. Zunächst schien das riskante Vabanquespiel aufzugehen. Die Mannschaft von Vaclav Halama erwies sich als wahre Tormaschine. 1860 München erzielte in 38 Punktspielen 87 Treffer, was den Topwert in der Liga darstellen sollte. Nicht nur gegen Kickers Offenbach oder den Freiburger FC wurden hohe Kantersiege erzielt. Doch immer wieder zeigten sich auch Risse in der Löwenfassade. Nach einem 2:0-Sieg im Februar 1982 gegen den FC Schalke 04 standen die Löwen auf einen Aufstiegsplatz, aber schnell verflog die Freude darüber. Das Finanzamt beanspruchte nach dem Schalke-Spiel das Eintrittsgeld der 34.000 Zuschauer, um Steuerschulden des Vereins auszugleichen.

Am Ende der Saison stand der Absturz in die Bayernliga

In der Folgezeit konnte das Team um Rudi Völler und Wolfgang Sidka dem hohen Erwartungsdruck nicht mehr standhalten. Im letzten Drittel der Saison kam es zu vielen unnötigen Punktverlusten, wie etwa einer 1:2-Heimniederlage gegen die SpVgg Bayreuth, die am Saisonende sportlich als Tabellenletzter in die Bayernliga abstiegen sollte.

Vor dem Heimspiel gegen Bayer 05 Uerdingen war 1860 München nach einer Auswärtsniederlage bei den Stuttgarter Kickers auf Tabellenplatz 6 zurückgefallen. Der Abstand auf den „rettenden“ Relegationsplatz betrug 4 Punkte, welcher bei drei ausstehenden Partien mit der damaligen Zwei-Punkte-Regel nicht mehr realistisch erschien. Noch war der kommende Zwangsabstieg kein Thema in den Medien, auch wenn hinter vorgehaltener Hand über massive finanzielle Probleme gemunkelt wurde. Der Wetterbericht für dieses Wochenende im Mai 1982 attestierte ein bewölktes, aber trockenes Wetter bei 15 bis 19 Grad Celsius. Am Wetter lag es also nicht, warum die Löwen am 36. Spieltag der Saison 1981/82 einen Negativrekord aufstellten, der in Zukunft hoffentlich nie mehr unterschritten wird.

Ehemalige Heimspielstätte der Löwen am Oberwiesenfeld: Das Olympiastadion
Quelle: Wikipedia (c) Amrei-Marie

Zu einem Heimspiel von 1860 München im Profifußball hatten sich lediglich 1.200 Zuschauer auf den Weg ins Olympiastadion gemacht. Die Fans hatten sich aus sportlicher Enttäuschung verbittert von ihrem Verein abgewandt. An diesem Tag blieben beim Heimspiel gegen Bayer 05 Uerdingen im weiten Rund des Leichtathletikstadions am Oberwiesenfeld knapp 77.000 Plätze unbesetzt. Die wenigen, die an diesem Tag ins Olympiastadion gekommen waren, dürften ihr Kommen allerdings nicht bereut haben. Uwe Schreml erzielte in der 7. Spielminute die Führung und noch in der gleichen Minute erhöhte Rudi Völler auf 2:0.

Rudi Völler, Herbert Waas, Wolfgang Sidka, Erich Beer – Eine gute Mannschaft zerbrach

Begann seine Weltkarriere in Giesing: Rudi Völler
(c) Fuguito

Rudi Völler, der 8 Jahre später im Olympiastadion von Rom Fußballweltmeister werden sollte, deutete in dieser Saison bereits sein Extraklasse an. Völler erzielte in dieser Zweitligasaison 37 Tore für 1860 München. Lediglich Frank Mill in der Saison 1980/81 (40 Treffer für Rot-Weiß Essen) und Horst Hubresch in der Saison 1977/78 (41 Treffer ebenfalls für Rot-Weiß Essen) konnten diesen Wert übertreffen. Nach 11 Minuten traf dann wieder Schreml im gähnend leeren Olympiastadion zur 3:0-Führung. Die weiteren Tore fielen dann nach der Halbzeit. Das 4:0 markierte Ivica Senzen und in der 83. Minute erhöhte Herbert Waas auf 5:1. Herbert Waas, UEFA-Cup-Gewinner mit Bayer Leverkusen im Jahr 1988, war der zweite Stürmer neben Rudi Völler und kam in dieser Saison auf 11 Treffer. Völler und Waas erzielten somit gemeinsam 48 Treffer. Zum Vergleich, in der zurückliegenden Drittligasaison erzielte 1860 München in 38 Punktspielen insgesamt 48 Tore.

Den Schlusspunkt zum 6:1-Endstand nach 88 Minuten setzte dann erneut Rudi Völler per Elfmeter. Das nächste und letzte Heimspiel im Profifußball für längere Zeit gewannen die Löwen gegen Kickers Offenbach mit 5:1 vor 3.000 Zuschauern im Olympiastadion. In der Endabrechnung fehlte dann ein einziger Punkt auf den Relegationsplatz.

(Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Vervielfältigung, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Löwenmagazins.)
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twchris
twchris (@twchris)
9 Monate her

Da war ich auch im Stadion. Vor dem Spiel haben wir zeitweise gedacht, wir sind im falschen Stadion, oder das Spiel findet heute nicht statt!

Faktenchecker
Leser
Faktenchecker (@faktenchecker)
9 Monate her
Reply to  twchris

Du hast dich nicht geirrt. Ich war auch dort und WUSSTE das wir im FALSCHEN STADION SIND!

Das änderte sich ja dann für über ein Jahrzehnt im richtigen Stadion.

Bis der – Zitat: „Wir-sind-wie-der-FC-Bayern-heißen-nur-anders-Präsident“ -das Ruder übernahm. 1995 wurde der von der Stadt avisierte GWS Bundesliga Ausbau von KHW eigenmächtig zurückgewiesen. Noch heute ernten wir die vergiftete Saat des KHW in Form der seither herrschenden Fanspaltung!

jürgen (@jr1860)
Leser
jürgen (@jr1860) (@jr1860)
9 Monate her
Reply to  Faktenchecker

stimmt !

#OHNE HASAN!

United Sixties
Gast
United Sixties (@guest_34830)
9 Monate her

Genau heute vor 38 Jahren durfte ich in derselben Zweitligasaison ebenfalls als 13jähriger mein erstes Pflichtspiel auf Giesings Höhen bewundern..die Initialzündung für viele unvergessliche Momente, Freundschaften, Fanclubgründung u.v.m.
4:0 über Fortuna Köln ( damals aktueller Tabellenführer) vor 16 000 :

https://www.dfb.de/datencenter/2-bundesliga/1981-1982/12-spieltag/tsv-1860-muenchen-fortuna-koeln-204594

anteater
Leser
anteater (@anteater)
9 Monate her

Das liest sich ja fürchterlich. Also, guter, interessanter Artikel! 1.200 Zuschauer, das ist in bald jedem Stadion traurig, aber im Oly…

Zum Glück haben wir ja aus der Vergangenheit gelernt. Ach so, haben wir ja gar nicht, es fordern ja jetzt schon wieder manche den Umzug ins Oly, nicht nur übergangsweise.

Und das Sechzgerstadion hat uns ja auch mal gehört, aber dank schlechtem Wirtschaften mussten wir es verkaufen.

Es will nicht in meinen Kopf rein, warum manche einfach nach der x-ten Wiederholung eines Fehlers exakt diesen Fehler gleich wieder machen wollen. 81/82 hat es ja offenbar nicht geklappt, auf Pump mit einer Startruppe aufzusteigen. Ergebnis bekannt. 16/17 der nächste, diesmal der tiefste Abstieg jemals. Heute alles vergessen von manch Medienvertreter und sogar manchen Fans.

tomandcherry
Leser
tomandcherry (@tomandcherry)
9 Monate her

Damals war ich 13 Jahre alt…

An dieses Spiel kann ich mich offen gestanden nicht erinnern. Ich war wohl keiner der 1.200 Zuschauer in der 78.000 Zuschauer fassenden Betonschüssel.

Interessant, wenn man diesen Rückblick auf die damalige sportliche Situation tätigt und mit der aktuellen Situation vergleicht.

Seinerzeit 2. Liga, Spielort Olympiastadion, Zuschauerinteresse kaum noch vorhanden.

Heutzutage 3. Liga, Spielort GWS, Zuschauerinteresse immens, wenngleich aufgrund der Kapazitätsobergrenze auf max. 15.000 Zuschauer beschränkt.

Seinerzeit Rudi Völler im Löwendress, aktuell Sascha Mölders.

Apropos Sascha M.: Seit gestern steht seine Aussage im Raum, dass er am Saisonende seine Karriere als Profi beenden möchte.

Weiß das Löwenmagazin evtl. schon mehr?

Kranzberg
Leser
Kranzberg (@kranzberg)
9 Monate her
Reply to  tomandcherry

Sascha möchte noch ein Jahr als Spielertrainer in der Regionalliga dranhängen.