Laut der Bild-Zeitung möchte der Drittligist Türkgücü München an die Börse. Der direkte Konkurrent des TSV 1860 München wäre damit der dritte Klub in Deutschland, der diesen Gang geht. Nach Borussia Dortmund ging zuletzt die SpVgg Unterhaching an die Börse. Mit mäßigem Erfolg.

Bis zu acht Millionen Euro möchte Türkgücü in der siebenwöchigen Pre-IPO-Zeichnungsphase einnehmen. 12 Euro soll die Aktie in dieser Phase kosten, beim späteren Börsengang bereits über 15 Euro. „Gemeinsam mit unseren Aktionären wollen wir unser ambitioniertes Ziel 2. Bundesliga erreichen“, wird Geschäftsführer Maximilian Kothny zitiert.

Wir werden uns, sobald alle Informationen öffentlich sind, mit diesem Thema noch einmal ausführlich beschäftigen.

Unser Titelbild zeigt Maximilian Kothny, Geschäftsführer von Türkgücü München im Gespräch mit Manfred Schwabl, Präsident der SpVgg Unterhaching.

Mehr Informationen: „Von München über Köln bis Berlin und in ganz Deutschland“: Türkgücü will hoch hinaus

Titelbild: imago images/foto2press

(Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Vervielfältigung, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Löwenmagazins.)
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nofan
nofan (@nofan)
Leser
1 Monat her

Der Börsengang der Türkgücü München Fußball GmbH & Co. KGaA ist ein spannender Vorgang.

Für die laufende Saison 2021/22 plant TG einen Bruttoumsatz von lediglich 1,6 Mio. €, wohl auch, weil kein Hauptsponsor gefunden wurde. Einem Vermögen von spärlichen 1,7 Mio. € stehen Verbindlichkeiten von 4,4 Mio. € gegenüber, somit wird mit einem Eigenkapitalfehlbetrag (bilanzielle Überschuldung) von 2,2 Mio. € gerechnet. Ausgewiesen werden Kennzahlen, die eher einem Dorfklub als einem Profi-Fußball-Unternehmen ähneln.

Die Planrechnung sieht vor, dass nach der Saison 2022/23 die Nettoschulden (Vermögen abzüglich Schulden) auf 13,5 Mio. € angewachsen sein werden und ein Saison-Verlust von 4 Mio. € auszuweisen sein wird. Zu diesem Zeitpunkt wird nach der Unternehmensbewertung ein negativer Eigenkapitalwert von (-) 39,6 Mio. € (!!!) zugrunde gelegt.

Für ein Profi-Fußball-Unternehmen ohne jede Substanz und mit negativen Zahlen sollen die Aktienkäufer jetzt 8 Mio. € auf den Tisch legen? Man hofft dabei, dass TG ab 2023/24 in der 2. Bundesliga spielt und der Wert des Eigenkapitals auf 30,4 Mio. € ansteigen dürfte. Dass, wie die Spielvereinigung Unterhaching und der FC Bayern II bewiesen haben, ein Abstieg im Fußballgeschäft eintreten kann, haben die Akteure von TG ausgeblendet.

Der Emissionswert von 8 Mio. € basiert auf dem zukünftigen Wert des Eigenkapitals nach einem Aufstieg von 30,4 Mio. €. Zugrunde gelegt wurden für die Wertermittlung des Eigenkapitals Bruttoumsatzerlöse von 19,9 Mio. € für die Saison 2024/25, die zu einem Nettoergebnis (Gewinn) von 5,3 Mio. € führen sollen. Nach meiner Einschätzung sind die Ertragswerte nicht das Ergebnis einer Bestcase-Betrachtung, sondern Best-Bestcase. Meiner Ergebniseinschätzung liegt der Vergleich mit den Finanzkennzahlen der Vereine der 2. Bundesliga für die Saison 2018/19 zugrunde. Die zwei Vereine, die ähnlich hohe Umsatzerlöse wie die von TG geplanten erzielt haben, konnten nur Nettoergebnisse von 0,8 bzw. 2,9 Mio. € vereinnahmen. Andere Vereine, die in der absoluten Höhe ähnliche oder höhere Nettoergebnisse wie der Planwert von TG realisieren konnten, weisen wesentlich höhere Umsatzerlöse aus.

Es kann also nicht ausgeschlossen werden, dass der Ermittlung des zukünftigen Wertes des Eigenkapitals bei TG eine ganze Portion (unrealistisches) Wunschdenken eingeflossen ist und somit der Ausgabepreis von 8 Mio. € überteuert sein könnte.

3und6zger
3und6zger (@3und6zger)
Leser
1 Monat her

Kothy:“Och Manni, jetzt sag halt, wenigstens eine von meine 5 Fragen könntst du mir beantworten!“
Schwabl:“I sog nix.Hätst besser bei Deim Studium aufbasst, oder frog doch den Kivran.“

nofan
nofan (@nofan)
Leser
1 Monat her

Es wäre schön, wenn wie angekündigt zu dem Börsengang demnächst ein weiterer Bericht erfolgte. An anderer Stelle wurde folgendes angegeben:

„Übrigens wurde der Klubwert von TürkGücü von der unabhängigen
Research-Agentur „Sphene Capital“ mit 30,4 Millionen Euro bewertet.“

Wie kann es sein, dass ein Unternehmen, dessen wesentliches Vermögen vermutlich die Spielerwerte (lt. Transfermarkt 6 Mio. €) sind, auf solch einen Firmenwert kommt? Kann bei der Wertermittlung unterstellt werden, TG sei bereits in die 2. BL aufgestiegen und dementsprechend das Vermögen höher bewerten?

Rolandoz
Rolandoz (@rolandoz)
Leser
1 Monat her

Übrigens ein gutes Bild ausgewählt!
Der Gesichtsausdruck von Schwabl lässt finde ich ein wenig durchblicken was er von Kothny denkt.
Wäre es ein Comic würde wohl so eine Gedanken-Sprechblase mit „Oh mein Gott… Halt doch endlich deine dumme Fresse“ über Manni‘s Kopf schweben 😜😂

Rolandoz
Rolandoz (@rolandoz)
Leser
1 Monat her

Die Fragen die sich mir stellen sind
1. Wieso sollte ich mir Aktien kaufen wenn ich weiß, dass ich keine Mitbestimmungsrechte habe weil eh alles Kivran entscheidet
2. Bekommt man für 8 Mio ein Trainingsgelände und ein NLZ?
Was wäre wenn TG wirklich aufsteigen würde – die dürften doch Stand heute keine Lizenz bekommen.

Ich hoffe es wird ein genau so erfolgreicher Börsengang wie der von Haching.
Wenngleich die Wahrscheinlichkeit dass dieser Verein wieder von der Bildschirmfläche verschwindet wenn der Investor keine Lust mehr hat, bei einer AG schwindet.
Außer Chemielöwe hat recht und denen steht das Wasser schon bis zum Hals

Chemieloewe
Chemieloewe (@chemieloewe)
Bekannter Leser
1 Monat her

Wenn die Türkgücü-Bosse es unbedingt wissen wollen u. denken, damit den großen Wurf zu landen, nur zu u. rein in das nächste Finanzabenteuer im Profifußballroulette…denke aber, das es sich eher als das berühmte Russischroulette für TG erweist u. sie sich damit selber die Kugel geben u. abschießen!? Oder wer soll bitteschön die nächste Fußballclubschrottaktie kaufen, eines Fußballclubs mit vorhandenen Vermögensedelsteinen, wie dem eines Luftschlossstadions… in Form einer Fata Morgana???😖🤪👎😉🤣😂🤣🎲
…oder steht denen das Wasser schon bis zum Hals o. knapp darüber…???

Last edited 1 Monat her by Chemieloewe
Snoopy.
Snoopy. (@snoopy)
Redakteur
1 Monat her

Den Spruch mit den Aktionären und den Zielen kenne ich doch. Hatte Schwabl nicht so ähnlich gesprochen? Und was hat es Unterhaching gebracht? Sie mussten den Torwart (zugegeben überteuert) ziehen lassen, durften sich trotzdem nicht im Winter verstärken und sind schlussendlich eine AG in der Regionalliga.

Reinhard Friedl
Reinhard Friedl (@reinhardfriedl)
Bekannter Leser
1 Monat her

Da fällt mir gerade eine Sendung von Eduard Zimmermann aus den 60er-Jahren ein. Der Titel war „Vorsicht Falle“ und der Untertitel „Nepper, Schlepper, Bauernfänger“. Jedenfalls bin ich sehr gespannt, was alles im Börsenzulassungsprospekt stehen wird. Morgen soll es ja eine Pressekonferenz dazu geben. Hier müssten ja schon einmal Zahlen genannt werden, wenn sofort mit dem Geld einsammeln begonnen werden soll.