Aus Protest gegen Montagsspiele werden die Fans des SV Waldhof Mannheim die ersten 19:07 Minuten schweigen. Der gewählte Zeitrahmen basiert auf dem Gründungsjahr von Waldhof Mannheim im Jahr 1907.

Es ist das erste Montagsspiel der Mannheimer im Profifußball. Wie auch viele Fans in ganz Fußball-Deutschland sehen die Ultras Mannheim den Termin als eher ungünstig. „Für viele Fans gleicht der Spieltag einem Ritual. Man trifft sich mit Freunden, Familie und Kollegen im Stadion und genießt vorher vielleicht noch ein paar Ureich beim Pradt. Oder man entert bereits zur Öffnung der Tore das Stadion, um mit tausenden Gleichgesinnten sich auf den Gegner einzustimmen“, schreibt man in einer offiziellen Stellungnahme. Bei Montagsspielen sehe das anders aus: „Diskussionen mit dem Chef, Ärger mit der Frau oder Freundin, Fehlstunden in der Schule oder Uni. Der nächste Tag, eine einzige Katastrophe. Alle mitgereisten erscheinen übermüdet beim Job. Und alle die, die es doch nicht geschafft haben, dürfen sich die Wiederholung anschauen. Aus einem Festtag wird ein einziger Krampf. Schon Ottmar Hitzfeld stellte fest: Am Samstagnachmittag vergessen Millionen Menschen ihre Alltagssorgen.“

Am 11. April 1907 gründeten 42 junge Männer im Gasthaus „Zum Tannenbaum“ einen neuen Verein mit den Namen SV Waldhof 07. Zum Gedenken an das Gründungsjahr möchte man am Montag 19:07 Minuten schweigen. Es ist ein Protest gegen „die Kommerzspirale im Fußball“. Die Gruppierung Pro Waldhof habe bereits vor Wochen die Thematik aufgegriffen und Kritik formuliert. Dabei wurde auch eine öffentliche Positionierung der GmbH gefordert. Die blieb jedoch bislang aus.

Um ihrem Anliegen Nachdruck zu verleihen wird man gegen Montagsspiele protestieren. Die ersten 19:07 Minuten bleibt es im Block der Mannheimer ruhig. Im Anschluss möchte man noch lauter als sonst auftreten: „Damit wollen wir zeigen: Ohne uns ist der Fußball im TV nichts wert! Natürlich hat sich die Mannschaft die Unterstützung redlich verdient, dennoch müssen wir zeigen, dass es Grenzen gibt. Es gilt sich solidarisch hinter all die treuen Waldhof-Fans zu stellen, welche die kommenden Spiele aufgrund irgendwelcher Kommerziellen TV-Interessen verpassen. Schließt euch uns an und lasst uns gemeinsam ein Zeichen setzen. Für einen Fußball den Fans und nicht den Bonzen!“

Ob die Löwenfans ebenfalls protestieren, ist bislang nicht bekannt. Es ist, anders als im vergangenen Jahr, keine bundesweite Protestaktion. Beim Spiel des TSV 1860 München in Unterhaching blieb es die ersten 20 Minuten lang ruhig im Löwen-Block. Die Unterhachinger beteiligten sich an der bundesweiten Aktion nicht. Auch in Mannheim geht es nun um ein Thema, dass alle Fans betrifft. Mit der Einbindung des Gründungsjahres hat man sich allerdings ein wenig die „Exklusivitäts-Rechte“ am Protest im eigenen Stadion gesichert.

(Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Vervielfältigung, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Löwenmagazins.)

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Aymen1860
Leser

Für Menschen die am Samstag arbeiten wie z.b. Sanitäter, Pfleger, Trainer, Bedienungen, Busfahrer, Lokführer usw. sind Abendspiele eine Möglichkeit auch Mal ins Stadion zu gehn. So ist es oft im Leben, was für den einen ein Nachteil ist, darüber freut sich ein anderer…

Schorsch
Leser

Also gerade bei Sanitätern, Pflegern, Bedienungen, Busfahrern und Lokführern ist jedes spiel schlecht zu erreichen, weil die immer Dienst haben können, wenn ein Spiel ist! Ganz egal ob Freitag, Samstag, Sonntag oder unter der Woche!

Aber die Allgemeinheit hat normalerweise am Wochenende frei.

anteater
Leser

Ich wage mal zu behaupten, dass es für die Meisten eher zum Nachteil ist.

Die von Dir genannten Personengruppen müssen auch an einem Freitag- oder Montagabend arbeiten. Und wenn das Spiel noch auswärts ist, brauchen auch diese Leute mindestens einen Tag Urlaub oder erbringen einen Tag ihre Tätigkeit komplett übermüdet.

Ich kenne Leute, die in der Altenpflege tätig sind. Da ist es durchaus üblich, dass man Dienste tauscht. Das mag für Lokführer und Busfahrer schwieriger sein, ich weiß es nicht, aber Busse und Züge fahren auch abends und nachts, Sanitäter haben auch abends und nachts Dienst/Bereitschaft.

Allen kann man es sowieso nicht recht machen, das ist schier unmöglich. Die überwiegende Mehrheit der Berufstätigen dürfte allerdings (mehr oder weniger) Montag bis Freitag, nine to five arbeiten. Und jemand, der auf Montage (no pun intended) ist, kann auch eher am Wochenende ins Stadion gehen. Als Bedienung in der Gastronomie dürfte jede Anstoßzeit ungünstig sein.

Tami Tes
Redakteur

Auch wenn es Montag ist, werden viele bekloppte Löwenfans (mich eingeschlossen) in Mannheim dabei sein. Und sollten die Heimfans schweigen und wir nicht, dann gibt es im TV trotzdem was zu hören.

Ich bin auch kein Freund der Montagsspiele. Der einzige Protest, der funktionieren würde, wäre aber der der Vereine und Mannschaften selber. Stellt euch vor, man schaltet den Fernseher an und die Spieler sitzen auf dem Rasen und spielen Karten oder Mensch ärgere dich nicht 😂

tomandcherry
Leser

@ Tami Tes

Die Vorstellung von ein paar Schafkopf-Runden mitten auf dem Rasen hat schon was Erheiterndes, muss ich zugeben. lol

anteater
Leser

Ich glaube ja, dass es ein wirksamer Protest wäre, wenn konsequent alle Fans diesen Spielen fern bleiben würden. Ja, komplett unrealistisch.

tomandcherry
Leser

anteater

So ist es, werter Kollege.

Nur wird kein „echter Fan“ jemals einem Heimspiel fernbleiben, um dadurch gegen Irgendwas (z.B. Montagsspiele, Spieltagszerstückelung etc.) zu protestieren.

Und genau deshalb wird sich auch rein gar Nichts an dieser „Salami-Taktik“ der immer weiteren Spieltagszerstückelung ändern.

Die TV-Sender bzw. DFB/DFL interessiert doch ein paar ruhige Minuten in irgendeinem Drittliga-Spiel einen feuchten Dreck.

Selbst wenn der Kommentator mal kurz darauf eingeht, ist es ab dem Moment, an dem die Fans ihre lautstarke Unterstützung wieder aufnehmen, schon vergessen.

tomandcherry
Leser

Ob das wirklich irgendjemanden interessiert? Zweifel dürfen angemeldet werden.

Wenn schon Proteste gegen u.a. Montagsspiele in der 3. Liga, wäre es wesentlich wirkungsvoller das Spiel komplett zu boykottieren.

Ja, ich weiß, das wird kein halbwegs an seiner Mannschaft interessierter Fan auch nur ansatzweise in Betracht ziehen. Vor allem dann nicht, wenn es sich um ein Heimspiel handelt und man vielleicht sogar eine Saisonkarte gekauft hat, bei der das „Boykott-Spiel“ bereits bezahlt wurde.

Nur glaube ich nicht an irgendwelche nachhaltigen Protest-Aktionen, bei denen man ein paar Minuten geschwiegen hat.

Leere Ränge – das wäre ein richtiges Zeichen für einen Protest gegen die sich ständig weiterdrehende Kommerzialisierungs-Spirale im Profi-Sport.

Wenn in diesem – oder auch irgendeinem anderen – Spiel die Fans zwanzig oder dreißig Minuten keinen Mucks von sich geben, wird das bei DFB/DFL wahrscheinlich nicht einmal ein gelangweiltes Gähnen hervorrufen.

anteater
Leser

Von mir aus können die Mannheimer 1.907:00 Minuten schweigen, also über 31 Stunden. #Heimspiel

Loewen1860
Leser

Ich weiß ja net wie die Mannheimer so spielen, aber bei der Spielweise unserer Mannschaft wäre des schlichtweg unmöglich

Loewen1860
Leser

Das schreit nach 18:60 Min Protest….