Mit viel Liebe zum Detail feierten die Münchner Löwen das zehnjährige Jubiläum der Fangruppierung Blue Blood Fanatics. Die Gruppe ist fester Bestandteil der organisierten Fanszene in der Westkurve. Die Jubiläumsdarbietung unterstreicht durchaus spektakulär, wie wichtig das Fankollektiv für Choreo und Stimmung ist.

Das Fankollektiv “Münchner Löwen” wird immer wieder kritisiert. Weil es sich in unregelmäßigen Abständen sowohl zu sport-gesellschaftlichen als auch klubpolitischen Themen äußert. Das ist in einem demokratischen Land zu respektieren. Die Meinungsfreiheit ist ein wichtiges Gut unserer Gesellschaft. Über die Inhalte lässt sich diskutieren – auch das gehört zur Meinungsfreiheit dazu. Allerdings ist der Gegenwind im Internet oft unter der Gürtellinie. Von Lügnern und Ignoranten ist auch heute wieder die Rede. Unruhestifter, Kurvenheinis, Vollpfosten, bildungsfremdes Prekariat, dumm geboren – Grundlage für sinnvolle Diskussionen ist das freilich nicht. Eine Auseinandersetzung mit den Themen, die einige Fans bewegen, scheint von einigen nicht gewollt. Über die Gründe kann man nur spekulieren.

Für andere ist das Fankollektiv wichtiger Bestandteil der gesamten Fanszene und damit auch des TSV 1860 München. Im Block F1 fragte ein junges Mädchen ihren Vater, warum im Block schräg gegenüber Leuchtfackeln gezündet wurden. Der Mann, ein Familienvater, der mit der aktiven Fanszene herzlich wenig zu tun hat, antwortete lächelnd: “Weil´s schön ist.” Das Mädchen lächelt und nickt zustimmend. Und auch sonst zücken viele ihre Handys und sind begeistert. Manchmal erwischt man auch den einen oder anderen Kritiker der Fanszene, wie er dann doch in den sozialen Netzwerken das Stimmungsbild der Kurve zu seinem Profilbild macht.

Keineswegs ist das Fankollektiv der Ultraszene einfältig. Die Botschaften sind oftmals sehr kreativ. Überhaupt scheint es viele kreative Köpfe zu geben. Im Grunde macht das ein Kollektiv aus – die Fanszene ist ein soziales Gebilde mit unterschiedlichen Ideen, Ansichten und auch Aufgaben. Als sich die Giasinga Buam am 25. Juli 2016 auflösten, war keiner froh. Auch nicht die heutigen Kritiker. Damals ging ein Stück Emotion im Stadion verloren. Zumindest bis sich die Münchner Löwen gründeten. Der damalige Präsident Peter Cassalette kommentiere es damals wie folgt: “Erst das Aus der CN und jetzt der Rückzug der Giasinga Buam – das ist ein herber Verlust für 1860. Für mich ist es aktuell nicht vorstellbar, dass der Verein ohne seine Ultra-Bewegung in die Saison startet. Ich hoffe, dass sich schnell wieder eine neue Gruppierung findet, die in der Kurve für zusätzliche Stimmung sorgt.”

Mit einer würdigen Choreographie für das zehnjährige Bestehen der Blue Blood Fanatics zeigten die Münchner Löwen was ein Fankollektiv ausmacht. Die Darbietung war mehr als kreativ und glänzte auch mit Details. So wurde zum Beispiel auch die Anzeigetafel mit eingebunden. Wer glaubt, dass dieses Gesamtbild so einfach zu organisieren ist, der täuscht sich. Ein stimmiges Gesamtbild mit vielen unterschiedlichen Effekten. Den Fans außerhalb der Kurve, die dieses Bild zu sehen bekommen, gefällt es. Wer was anderes behauptet, dem sei seine Meinung zugestanden, den meisten Fans gefällt der Auftritt allerdings. Vor allem aber hat diese Art von Choreographie einen gewissen Charme. Es sind unterschiedliche Fans, die sich gemeinsam Gedanken machen und dieses aufwendige Spektakel organisieren. Da gehen bereits vor dem Spieltag viele Stunden drauf. Müsste ein Klub für eine derartige Darbietung zahlen, es würde weit mehr kosten als die Pyro-Strafen. Da lohnt sich ein Blick in die USA wo solche Spektakel rund um den Sport teuer bezahlt werden

Bilder: imago images

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serkan

Schrift inspieriert von den Sex Pistols? Never Mind the Bollocks, passt immer.

1860solution

Schön das mal als Bild zu sehen. Geniale Choreo. Auch wenn ich so das Tor verpasst habe 😉

Last edited 10 Tage zuvor by 1860Solution
Klingone1860

Sehr schöne Choreo aber später peinliche rote Fackeln und einem sinnbefreiten Spruchband!

arik

Zum Spruchband gibt es einen eigenen Artikel. Bitte dort diese Thematik diskutieren. Hier wollen wir ausschließlich die Choreographie thematisieren, sie ist es wert. Vielen Dank!

Last edited 10 Tage zuvor by arik
tsvmarc

Ich finde es immer wieder bemerkenswert wieviel Zeit, kreativität und Herzblut in die Choreos gesteckt werden.

1860solution

Ja finde ich auch. Da braucht man auch eine Menge Platz um das umzusetzen.

waldloewe

Danke für diese Stellungnahme zur Choreo der Blue Blood Fanatics und generell zum Fankollektiv.
Ja! die Botschaften der Ultraszene sind unverzichtbar, weil sie mit wenigen Worten für eine breite Öffentlichkeit klar und deutlich Mängel und Probleme zur Sprache bringen.
Ja! Danke dem Fankollektiv für die einfallsreichen findigen und imposanten Auftritte.

Bine1860

Ich fand es wieder super klasse, danke.