Mit Michael Köllner kann ich mich gut identifizieren. Mit seinem „katholischen Glauben“ nicht. Für mich ein Anlass für einen Kommentar über einen Mann, der im Sport immer wieder missionale Botschaften sendet.

Mir fällt kein einziges Interview mit Michael Köllner ein, wo der Glaube nicht Thema war. Die Süddeutsche Zeitung setzt Köllners Religiösität im Artikel „Jesus hat sich nicht in den nächsten ICE gesetzt“ bewusst in den Mittelpunkt. Im Artikel wird der Glaube des Trainers in den Vordergrund gerückt. Auch im jüngsten Interview mit der Bild ist es der Glaube, der als Aufmacher dient. „Köllner über Gott und die Löwen-Welt: Nach dem Aufstieg will er zum Dalai Lama„. In beiden Artikeln lenken die Journalisten klar erkennbar auf die Religion. Oder den Glauben.

Wie gut bin ich als Zeuge des Glaubens? Diese Frage gab Papst Franziskus im Jahr 2019 an die Katholiken weiter. Mission sei „keine Propaganda, keine Proselytenmacherei, sondern das respektvolle Geschenk des eigenen Lebens“. Eine Verantwortung, die jeder Christ habe. Als Proselytismus bezeichnet man die „Bekehrung“ von Gläubigen anderer Religionen oder christlichen Konfessionen. Das soll es nicht sein. Michael Köllner lebt diese von Papst Franziskus angesprochene Art von Mission. Das respektvolle Geschenk des eigenen Lebens ohne den Versuch der Bekehrung. Inwiefern er es im außersportlichen Alltag macht, wissen wir nicht. Doch gerade als Cheftrainer des TSV 1860 München setzt er immer wieder in diesem Bereich Akzente. Sicherlich sehr bewusst.

Einerseits begeistert es mich, wenn ein Mensch derart offensiv seinen Glauben lebt. Wer Michael Köllners Tun und Handeln beobachtet, hat ein gutes Gefühl. Seine Ausstrahlung ist positiv. Doch ich frage mich durchaus, ob das nicht auch ohne offensives Religionsbekenntnis so wäre. Vor allem im Hinblick auf den Katholizismus. Es mag durchaus sein, dass Glaube sich positiv auf die eigene Lebenseinstellung auswirken kann. Gute Menschen gibt es jedoch in allen Bereichen. Und auch schlechte Menschen und schlechtes Handeln. Mit der katholischen Kirche verbinde ich spontan erst einmal wenig gute Geschichten.

Dass ich mit Michael Köllners Glauben nichts anfangen kann, ist nicht richtig. Seine Art ermutigt mich durchaus auch mal anders zu denken. Die Sichtweise zu verändern. Ich muss es jedoch losgelöst von der katholischen Kirche sehen. Weil mich der Gedanke an die katholische Kirche durchaus auch erdrückt. Ähnlich geht es mir allerdings auch mit anderen Religionen.

In einem wesentlichen Punkt hat der Profi-Trainer jedenfalls sein Ziel erreicht. Ich mache mir Gedanken über den Glauben. Und vielleicht der eine oder andere Fan auch. Von dem her ist das offensive öffentliche Glaubensbekenntnis vielleicht sogar hilfreich. Ob man dabei den Katholizismus heraushören muss, kann man diskutieren. Ich persönlich wünsche mir mehr Glaube, aber weniger Religion.

Mittlerweile gibt es einen ergänzenden Artikel zu Thema, bei dem auch Michael Köllner selbst zu Wort kommt: Balsam für die Löwenseele – Köllner geht es um Werte und Liebe, nicht um katholischen Glauben

(Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Vervielfältigung, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Löwenmagazins.)
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coeurdelion
Gast
coeurdelion (@guest_53625)
20 Tage her

finde den Kommentar passend, er spiegelt und behandelt einen Fakt, der uns Fans seit der Verpflichtung von MK ja begleitet; ich persönlich finde sein Bekenntnis zu seinem Glauben absolut authentisch und damit ok…mir als Konsument steht es ja frei, das zu bejahen oder kritisch zu sehen…das selbe Recht steht aber auch der Redaktion zu……ich bin mir sicher, dass MK, so er diesen Kommentar läse, ihn nicht als Kritik sondern eher als Denkanstoss nehmen würde

Oberpfalzloewe
Gast
Oberpfalzloewe (@guest_53611)
20 Tage her

Musste diese Kritik unter dem Deckmantel eines Kommentars sein, dass sich Michael Köllner zu seinem Glauben bekennt? Ich bin auch gläubiger Katholik und bin nicht mit allem einverstanden, was die katholische Kirche seit über 2000 Jahren falsch gemacht hat. Aber das ist für mich nur dem sogenannten „Bodenpersonal“ geschuldet.
So ein Kommentar von dir hat meines Erachtens in so einem Forum nichts zu suchen.Sollte derartiges noch einmal geschehen, werde ich mir überlegen, mich hier abzumelden.
Ich erwarte hier nur Berichte über sportliche und vereinspolitische Themen.

Oberpfalzloewe
Gast
Oberpfalzloewe (@guest_53614)
20 Tage her
Reply to  ArikSteen

Ich hatte nicht die Absicht, dich in deiner Meinungsfreiheit einzuschränken. Außerdem dachte ich, dass Kommentare immer nur die Meinung des Verfassers wiedergeben. Da du in deiner Antwort aber von wir schreibst, scheint es die ganze Redaktion zu betreffen. Um so leichter fällt es mir, mich abzumelden.

Etienne Engel
Gast
Etienne Engel (@guest_53604)
21 Tage her

Nunja, die Katholische Kirche war es ja wo den alten Glauben bewahrt hat seit der Urkirche.

Man kann in der RKK natürlich negatives finden. Ob das jetzt unter dem Strich objektiv ist, ist was anderes. Klar wo Menschen sind geschehen Fehler oder eben Sünde.

Eine Misshandlung irgendwo steht sicher sehr schwer zu Buche. Aber wenn tausend Missionare selbstlos in der Dritten Welt dienen, bleibt ohne Medienecho.

Leo
Leser
Leo (@leo1)
21 Tage her

Ich seh jetzt nichts fundamentales an seinem Glauben, somit habe ich kein Problem damit. Leben und leben lassen

Bertl66
Leser
Bertl66 (@bertl66)
21 Tage her

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