Nach der unglaublichen 5:1-Gala gegen den VfL Sportfreunde Lotte bei hochsommerlichen Temperaturen kommt es am kommenden Sonntag bereits zum nächsten Heimspiel im Grünwalder Stadion. Am 4. Spieltag gastiert der im Krefelder Stadtteil Uerdingen beheimatete Fußballclub auf Giesings Höhen. Bis zum Sommer 1995 hieß der Verein FC Bayer 05 Uerdingen, aufgrund des Rückzuges der Bayer AG aus dem Sponsoring der Fußballabteilung agiert diese unter dem heutigen Namen KFC Uerdingen 05. Bei den Krefeldern stehen derzeit mehrere Ex-Löwen unter Vertrag. Neben Maximilian Beister verstärkt auch Ur-Löwe Stefan Aigner den Kader, dem das Löwenmagazin alles Gute in Krefeld wünscht, aber nicht am 4. Spieltag gegen Sechzig. Ein weiteres bekanntes Gesicht in Reihen des KFC Uerdingen ist Co-Trainer Stefan Reisinger. Stefan Reisinger ist bei 1860 München als glückloser Stürmer in Erinnerung geblieben. Einst blockierte er in der Allianz Arena gegen Energie Cottbus in der Nachspielzeit unabsichtlich den Ball auf der Torlinie für den bereits geschlagenen Torhüter Tomislav Piplica. Cottbus gewann das Spiel mit 2:3.

Stefan Aigner im Trikot des KFC Uerdingen

Gemeinsamer Begleiter in Liga 1 und 2

Mitte der 90er Jahre war Bayer 05 Uerdingen / KFC Uerdingen 05 ein hartnäckiger Konkurrent von 1860 München. Als die Löwen in der Saison 1993/94 Fußballgeschichte schrieben und als erster Verein überhaupt den Durchmarsch von der Amateurklasse in die 1. Bundesliga schafften, konnten die Krefelder gemeinsam mit Sechzig in das Oberhaus aufsteigen. In der Saison 1994/95 endeten beide Punktspiele zwischen den Löwen und Uerdingen 1:1-Unentschieden und beim Auswärtsspiel in Krefeld erzielte Mats Lilienberg das erste Bundesligator nach 13 Jahren Abstinenz. Sechzig (Tabellenplatz 14) und Bayer 05 Uerdingen (Tabellenplatz 15) konnten die Konkurrenz aus Bochum, Duisburg und Dresden erfolgreich auf die Abstiegsränge verweisen. Unvergessen sind die Szenen nach dem Abpfiff gegen den 1.FC Köln im Grünwalder Stadion, als der Klassenerhalt feststand. Der gemeinsame Weg beider Teams endete dann jedoch in der Saison 1995/96 und es dauerte 22 Jahre, bis Löwen und Krefelder nun wieder im Ligabetrieb gegeneinander antreten.

Die Saison 1995/96 begann für 1860 München in der Bundesliga alles andere als gut. Nach dem 5. Spieltag fand sich Sechzig sogar am Tabellenende wieder und reiste am 11. Spieltag mit Abstiegssorgen zum Auswärtsspiel nach Krefeld. Ohne den verletzten Angreifer Bernhard Winkler, dafür mit Daniel Borimirov im Sturm, konnten die Löwen kaum Druck nach vorne entwickeln. Stephan Paßlack, der Jahre später selber 34-Mal das Löwentrikot anziehen sollte, überwand Bernd Meier in der 11. Minute mit einem Freistoß und schon in der 25. Minute erhöhte der KFC völlig verdient auf 2:0. Nach dem Wechsel ließ der Uerdinger Druck etwas nach, die Löwen hatten jetzt Vorteile, aber die große Chance zum Anschlusstreffer hatte Peter Nowak erst in der 75. Minute. Es blieb vor 14.600 Zuschauer in der Grotenburger Kampfbahn beim Erfolg für die Heimmannschaft. Sechzig fiel auf einen Abstiegsplatz zurück und der KFC Uerdingen stand mit 12 Punkten auf Platz 11 der Tabelle. Dieser 11. Spieltag sollte aber zum Wendepunkt für beide Mannschaften werden. 1860 München ließ in der Folgezeit die Abstiegsränge hinter sich und qualifizierte sich nach dem 34. Spieltag gar für den UI-Cup. Für den KFC Uerdingen 05 ging es dagegen fast schon dramatisch bergab.

Hatten die Krefelder nach dem 11. Spieltag immerhin 12 Punkte auf dem Konto, wurden lediglich weitere 5 Punkte bis zum Rückspiel am 28. Spieltag im Olympiastadion erzielt. Der KFC Uerdingen fand sich deswegen abgeschlagen am Tabellenende wieder. Vor 24.100 Zuschauer am Oberwiesenfeld entpuppte sich der vermeintliche Absteiger aus Uerdingen aber als harte Nuss. Als Eric Meijer in der 38. Minute die Gäste mit einem Foulelfmeter in Führung gebrachte hatte, gingen die Löwen gefrustet in die Pause. Sie kehrten jedoch wild entschlossen zurück und drehten binnen 10 Minuten das Spiel. Olaf Bodden erzielte sowohl in der 46. Minute als auch in der 54. Minute nach Zuspiel von Borimirov beide Tore für die Löwen. Daniel Borimirov musste kurz nach der Führung mit Gelb-Rot den Platz verlassen und der verbliebenen Mannschaft vom TSV 1860 München stand eine halbstündige Abwehrschlacht bevor. Der Ausgleich war für die Krefelder öfters als nur einmal zum Greifen nahe, aber es bewahrheitete sich an diesem Abend die Binsenweisheit, wenn man im Tabellenkeller steht, hat man im Fußball einfach kein Glück. Die Löwen kletterten durch diesen eher glücklichen Heimsieg auf Platz 8 der Tabelle und behielten diese hervorragende Platzierung bis zum Abschluss der Saison, der KFC Uerdingen dagegen stieg ab.

Kultmaskottchen “Grotifant”

Der Ur-Grotifant (Quelle: kfc-uerdingen.de)

Die altehrwürdige Grotenburg Kampfbahn (heutiger Name: Grotenburg Stadion) grenzt unmittelbar an das Elefantengehege vom Krefelder Zoo. Von daher ist es naheliegend, dass ein Elefant zum Vereinsmaskottchen wurde. Zur Saison 1994/95 wurde der Grotifant ins Leben gerufen und es wurde ein entsprechendes Kostüm organisiert. Jedoch sorgte das sehr schwere Premierenkostüm für den Träger bei jedem Auftritt für Rückenschmerzen und Abschürfungen an den Beinen. Bereits ein Jahr später wurde daher ein neues Kostüm entwickelt, allerdings erkannten viele im neuen Kostüm eher einen Ameisenbären als einen Elefanten. Im Heimspiel im März 1996 gegen den 1. FC Köln sollte sich die neue Mobilität des Grotifanten rächen. Nach einer der etlichen umstrittenen Entscheidungen des Schiedsrichtergespanns sprang der Grotifant einfach über die Bande und rannte auf den Linienrichter los, um diesem lautstark die Meinung zu geigen. Die Presse dramatisierte die Situation damals und schrieb fälschlicherweise von einem körperlichen Angriff, den es aber nicht gegeben hatte.

Der Grotifant sorgte immer wieder für herrliche, überregionale Schlagzeilen. Im Jahr 2015 sprang der Grotifant nach einer 1:0-Führung jubelnd auf den Zaun. Ein Fan sprang ebenfalls auf den Zaun, packte den Grotifanten am Rüssel und zog ihm den Kopf ab. Der wütende Grotifant kletterte daraufhin über die Absperrung und lieferte sich mit dem Fan aus den eigenen Reihen eine zünftige Schlägerei. Im März 2017 platzte dem Grotifanten bei einem Heimspiel erneut der Rüssel. Nach einer Roten Karte für einen KFC-Spieler stürmte der Grotifant den Rasen, riss sich den Kopf herunter und schrie den Unparteiischen wie von Sinnen an. Der Grotifant unterhält auf Facebook eine eigene Seite.

Der aktuelle Grotifant (Quelle:kfc-uerdingen.de)

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Tami Tes
Redakteur

Sehr cooler Bericht. Danke dafür.