Das Jahr fing gut an. Sportlich befanden sich die Löwen auf einem guten Weg und auch finanziell hatte sich die Lage entspannt. Es hätte gerne so weiter gehen können, doch dann kam COVID-19 und stellte alles auf den Kopf.

Der erste Teil: Löwen-Jahresrückblick 2020 – Teil 1/4

APRIL: Stillstand, Solidarität, Sehnsucht

Der Monat April bedeutete Stillstand – in der Wirtschaft, im Privatleben und ebenfalls im Sport.

In Zeiten der Corona-Pandemie waren außergewöhnliche Lösungen gefragt. Und so gab es beim TSV 1860 München digitale Pressekonferenzen mit Trainer Michael Köllner und Sport-Geschäftsführer Günther Gorenzel, bei denen die Medienvertreter zugeschaltet waren und online ihre Fragen stellen konnten. Wöchentlich wurden die Fans über die Entwicklungen, die weiteren Schritte und den aktuellen Stand informiert.

Mannschaftssport war immer noch untersagt, doch zumindest konnten die Spieler ab dem 6. April den Trainingsbetrieb in Kleingruppen wieder aufnehmen. Eine entsprechende Sondergenehmigung für den Profifußball wurde dem TSV 1860 durch die Behörden erteilt. Die Durchführung erfolgte unter Einhaltung aller rechtlicher und hygienischer Vorgaben.

Wenn sich die Löwen auf etwas schon immer haben verlassen können, dann waren und sind es die Fans. In Zeiten wie diesen zeigt sich immer, wer ein wahrer Freund ist. Und der TSV 1860 München hatte nicht nur von den eigenen Fans eine starke Solidarität erfahren, sondern auch von den Sponsoren. Unter dem Hashtag #GemeinsamFürSechzig erklärte der Hauptsponsor die Bayerische, dass er weiterhin an der Seite der Löwen stehen wird. Die Bayerische entschied sich, ihren vereinbarten Sponsoring-Beitrag weiter zu entrichten. „In dieser existentiellen Krise stehen wir fest an der Seite der Löwen“, sagte Martin Gräfer, Vorstand der Versicherungsgruppe die Bayerische. „Obwohl wir als Haupt- und Trikotsponsor aufgrund der Aussetzung des Ligabetriebs kaum Werbeleistungen erhalten, unterstützen wir den TSV 1860 München weiterhin in vollem Umfang. Gemeinsam werden wir diese Situation bewältigen und in Zukunft zusammen Erfolge feiern.“
Aus #GemeinsamFürSechzig wurde #MachtDasSechzgerVoll: Unterschiedlichste Fangruppierungen, Medienvertreter, Partner und Sponsoren hatten dazu aufgerufen, auf die Rückgabe der Tickets bzw. Dauerkarten zu verzichten und/oder Geistertickets zu kaufen. Dafür bedankte sich der TSV mit einem großen Banner, auf dem die Fotos der Fans abgebildet wurden und das an den Spieltagen ohne Zuschauer deutlich sichtbar im Grünwalder Stadion die Tribünen zieren sollte. Die Fans spendeten ihre Dauerkarten, kauften Geistertickets und luden ihre Fotos für den Banner hoch. Die Aktion wurde ein voller Erfolg.

Währenddessen arbeitete der Deutsche Fußball-Bund (DFB) fieberhaft an Lösungen für einen Re-Start der Dritten Liga und gegen einen Abbruch. Die DFB-Spielordnung und DFB-Jugendordnung wurde angepasst, genau wie das Zulassungsverfahren für die Saison 2020/21. Über unterschiedliche Szenarien wurde diskutiert und mit den Klubs beraten, vor allem über die Organisation, Durchführung und Sicherstellung des Spielbetriebs – aber auch über finanzielle Stützen. Im Zuge einer Wiederaufnahme des Spielbetriebs standen den Klubs der 3. Liga, gemeinsam mit der FLYERALARM Frauen-Bundesliga, insgesamt 7,5 Millionen Euro als Unterstützung durch die Deutsche Fußball-Liga (DFL) zur Verfügung. Aus diesem Topf sollten zunächst die ansonsten durch die Klubs unmittelbar zu tragenden Kosten für die Testungen in der 3. Liga und FLYERALARM Frauen-Bundesliga zentral gezahlt werden. Die großen deutschen Klubs halfen mit und gaben finanzielle Unterstützung. DFB-Präsident Fritz Keller hatte die zugesagte finanzielle Hilfe durch die DFL als „starken Akt der Solidarität“ gewürdigt und allen 36 Bundesligaklubs gedankt. Die Unterstützungsleistung wurde aus einem DFL-Solidarfond bestritten, für den die Champions-League-Teilnehmer FC Bayern München, Borussia Dortmund, RB Leipzig und Bayer 04 Leverkusen zusammen 20 Millionen Euro zur Verfügung gestellt hatten.

Der Bayerische Fußball-Verband (BFV) ging andere Wege. Der komplette Spielbetrieb (von der Bayernliga abwärts) bei Frauen und Männern, Juniorinnen und Junioren im Freistaat Bayern wurde generell bis zum 31. August 2020 ausgesetzt. Die Saison 2019/20 sollte im September fortgesetzt und in jedem Fall regulär beendet werden. „Wir wollen keine Geisterspiele, wir wollen keine juristischen Streitigkeiten, wir wollen den fairen Wettbewerb und Entscheidungen auf dem Platz – nicht am grünen Tisch!“, sagte dazu BFV-Präsident Rainer Koch.

MAI: Das Warten hat ein Ende

Obwohl es am Anfang hieß, dass die Ligen bis zum 30. April ausgesetzt werden, tat sich auch Anfang Mai noch nichts konkretes, was den Fans Grund zur Freude hätte geben können. Im Hintergrund wurde jedoch fieberhaft an Hygienekonzepten und neuen Regelungen gearbeitet. Die erste konkrete Meldung kam Mitte Mai und besagte, dass dem DFB-Spielausschuss weiterhin keine politische und übergeordnete behördliche Freigabe für die Wiederaufnahme des Spielbetriebs der 3. Liga vorliegt. Vor diesem Hintergrund war der DFB-Spielausschuss zum Ergebnis gekommen, dass der in der Zwischenzeit im Raum stehende 26. Mai als angedachter Termin für den Wiedereinstieg in die laufende Saison nicht mehr möglich sei, da den Drittligisten eine vergleichbar lange Vorbereitungszeit wie den Klubs der Bundesliga und 2. Bundesliga ermöglicht werden soll. Im außerordentlichen DFB-Bundestag am 25. Mai konnte man sich dann endlich einigen und hatte den 30. Mai als Re-Start der Dritten Liga festgelegt. Das positive Votum von 222 Delegierten sorgte für eine klare Mehrheit und bestätigte damit das Vorgehen des DFB-Präsidiums. Gegen den Antrag stimmten zwölf Delegierte.

In das normale Mannschaftstraining waren die Löwen bereits am 14. Mai eingestiegen und waren dadurch bereit, den Re-Start anzupacken. Leider hatte sich Aaron Berzel im Training eine Verletzung am linken Sprunggelenk zugezogen, wodurch er mehrere Wochen lang nicht zur Verfügung stand.

Bei der Fußballabteilung des TSV München von 1860 e.V. gab es in der Zwischenzeit einen Wechsel in der Führungsspitze. Kurt Renner übernahm als Nachfolger von Reinhold Mader das Amt als Kassenwart und der TSV 1860 München feierte am 17. Mai 2020 sein 160-jähriges Jubiläum. Na gut, feiern ist übertrieben dargestellt, denn eine Feier war einfach nicht möglich. Dafür brachte das Fanzine „Da Brunnenmiller“ zum 160. Vereinsjubiläum des TSV 1860 München eine Sonderausgabe heraus, die sich inhaltlich auf die Historie des Vereins konzentrierte.

Die Aktion #MachtDasSechzgerVoll ging weiter und fand bei den Löwenfans einen starken Anklang. Bis Ende Mai waren bereits weit über 30.000 „Geistertickets“ verkauft worden. Und das sollte nicht alles gewesen sein.

31.05.2020. Endlich. Der Ball rollte wieder und auch wenn keiner ins Stadion durfte, war man einfach wieder froh, die geliebten Löwen spielen zu sehen. Man war froh, wieder über Fußball und Sport reden zu können und nicht nur über Corona-Zahlen und -Maßnahmen. Ein kleines Stück Normalität… Und die Löwen belohnten die Fans auch noch. Denn beim Re-Start drehte Sechzig gegen Tabellenführer MSV Duisburg einen 0:2-Rückstand in einen 3:2-Erfolg und setzte damit die Ungeschlagen-Serie fort. Marvin Compper hatte die Zebras in Führung gebracht (33.), Vincent Vermeij erhöhte nach der Pause (49.). In einem starken Finish trafen Dennis Dressel (68.), Efkan Bekiroglu (73.) und Prince Owusu (86.) zum Sieg. Damit kletterten die Sechzger auf den 3. Tabellenplatz.

JUNI: Aus Englischer Woche mach Englischen Monat

Der Juni war ein brutaler Monat. Für die Drittligisten standen nach dem Re-Start in der 3. Liga nur Englische Wochen auf dem Programm. Acht Spiele gab es zu absolvieren. Drei Tage nach dem turbulenten Heimsieg gegen den MSV Duisburg ging es für die Löwen am 3. Juni bereits auf dem Betzenberg gegen den 1. FC Kaiserslautern weiter: Beim 1:1 am Betze machten die Löwen erneut einen Rückstand wett und blieben im 16. Spiel in Folge ungeschlagen. Lucas Röser hatte die Pfälzer mit der ersten Chance in Führung gebracht (13.), Stefan Lex glich vor der Pause aus (31.). Trotz 1860-Überlegenheit wollte der Siegtreffer nicht fallen. Der TSV 1860 rutschte durch das Remis auf Platz sechs ab, einen Punkt hinter dem Zweiten. Drei Tage später war die Löwen-Serie von 16 ungeschlagenen Spielen beendet. Die Würzburger Kickers gewannen im Grünwalder Stadion mit 2:1. Die Führung von Fabio Kaufmann nach einem Fehler von Marco Hiller (14.) glich Efkan Bekiroglu aus (51.). Erneut war es Kaufmann, der in der 62. Minute zum Siegtreffer für die Unterfranken traf. Es war auch gleichzeitig die erste Niederlage von Michael Köllner in seinem 15. Spiel als Löwen-Coach. Beim KFC Uerdingen drehten die Löwen dann erneut einen Rückstand und siegten am Ende mit 3:1. Ausgerechnet Ex-Löwe Adriano Grimaldi hatte mit seinem ersten Saisontor die Krefelder in Führung gebracht (36.). Doch Kristian Böhnlein (57.), Leon Klassen (66.) und Efkan Bekiroglu (90.+3) drehten die Partie. Mit dem Dreier haben die Sechzger die erste Niederlage nach 16 ungeschlagenen Spielen bestens verdaut. Danach verlor Sechzig ein hart umkämpftes, intensives Spiel gegen Hansa Rostock mit 0:1. Zum fünften Mal geriet Sechzig seit dem Re-Start in Rückstand. Der eingewechselte Pascal Breier hatte nach einem Konter getroffen (60.). Der Treffer zeigte Wirkung. Die kompakt stehenden Hanseaten brachten die Führung souverän über die Zeit. Nach neun Auswärtsspielen ohne Niederlage beendete ausgerechnet der abstiegsbedrohte FC Viktoria Köln die Serie der Löwen. Der 36-jährige Albert Bunjaku hatte die Gastgeber mit seinem 18. Saisontreffer in der 56. Minute in Führung gebracht, Kevin Holzweiler verpasste den Sechzgern in der 81. Minute den endgültigen Knock out. Gegen den Halleschen FC mussten die Löwen bis zur letzten Sekunde zittern, bis der 2:1-Sieg unter Dach und Fach war. Stefan Lex hatte sein Team früh in Führung gebracht (8.), doch Anthony Syhre glich nach einem Standard aus (33.). Mit seinem ersten Treffer nach dem Re-Start sorgte Sascha Mölders in der 50. Minute für den Dreier. Das Derby gegen die kleinen Bayern fing gut an. Sascha Mölders brachte sein Team in Führung (34.), aber mit dem Halbzeitpfiff konnte Okyere Wriedt eine Nachlässigkeit in der 1860-Abwehr nutzen (45.+1). Den Siegtreffer erzielten die Roten nach einem Konter durch den eingewechselten Malik Tillmann (79.) und die Löwen verloren mit 1:2. Im nachfolgenden S-Bahn-Derby gegen die SpVgg Unterhaching war es der Tag des Dennis Dressel, der beim 3:0-Erfolg der Löwen den Gegner fast im Alleingang abfertigte. Dem 1:0 vor der Pause per Kopf (39.) ließ er im zweiten Durchgang in Überzahl – Alexander Winkler hatte bei den Vorstädtern Gelb-Rot gesehen (47.) – Tor Nummer zwei (58.) und drei (73.) folgen. Damit hatten die Sechzger die theoretische Chance auf den Relegationsrang gewahrt.

Der TSV 1860 München gab bekannt, dass der Mittelfeldspieler Efkan Bekiroglu nach Saisonende Sechzig verlassen und zu Alanyaspor Kulübü in die türkische Süper Lig wechseln wird. Dies war im Juni jedoch nicht die einzige Meldung. So wurde der Vertrag von Markus Ziereis nicht verlängert, wodurch er zur SpVgg Bayreuth wechselte und Noel Niemann ging ablösefrei zu Zweitliga-Tabellenführer Arminia Bielefeld. Von den Junglöwen holte sich FC Pipinsried die 19-jährigen Abwehrspieler Peter Guinari und Marc Koch.

Apropos Junglöwen: Der Vorstand des Bayerischen Fußball-Verbandes (BFV) hatte beschlossen, die laufende und ausgesetzte Saison 2019/20 bei den Junioren abzubrechen. Damit stieg die U17 der Junglöwen ab der Saison 2020/21 wieder in der B-Junioren-Bundesliga Süd/Südwest auf. Beim Abbruch führte das Team von Trainer Jonas Schittenhelm mit zehn Punkten Vorsprung auf den FC Ingolstadt 04 souverän die Tabelle der U17-Bayernliga an. Dagegen hatten die U19-Löwen den Aufstieg verpasst. Ohnehin hatten sie nur noch theoretische Chancen. Das Team von Benjamin Götz belegte Platz drei und muss somit ein weiteres Jahr in der Bayernliga spielen.

Bezüglich eines Nachfolgers für Michael Scharold, gab es erfreuliches zu vermelden: Der Beirat der TSV München von 1860 Geschäftsführungs-GmbH hatte sich ausführlich über die Nachfolge des kaufmännischen Geschäftsführers in der TSV München von 1860 GmbH & Co. KGaA beraten. In der Sitzung haben die Vertreter der beiden Gesellschafter der TSV München von 1860 GmbH & Co. KGaA einstimmig beschlossen, Marc-Nicolai Pfeifer zum Geschäftsführer zu bestellen. Der gebürtige Ludwigsburger war seit Juni 2016 kaufmännischer Leiter und seit September 2017 Geschäftsführer der Stuttgarter Kickers. Dort hatte er das Präsidium um die Auflösung seines Vertrages gebeten, um die neue Aufgabe beim TSV 1860 München antreten zu können. Für den aus dem Amt scheidenden Michael Scharold wurde Marc-Nicolai Pfeifer formal zum 1. Juli 2020 zum neuen kaufmännischen Geschäftsführer bestellt.

(Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Vervielfältigung, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Löwenmagazins.)
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Chemiemoeve
Gast
Chemiemoeve (@guest_52775)
24 Tage her

Frohe Weihnachten Euch allen aus Leipzsch

Löwin
Leser
Löwin (@lini)
25 Tage her

An Alle 🎄☃️🎁🍀
Ich wünsche euch von Herzen, wunderschöne Weihnachten! 💙Besinnliche Stunden, gutes Essen und viele Geschenke.
🎄🎁☃️🍀
Genießt es und erholsame Feiertage.
Es ist immer eine Freude die Berichte, genauso aber jeden Kommentar zu lesen. 👍👍👍
Alles Gute für Euch… 🍀🍀🍀

💙🦁💙

Tami Tes
Gast
Tami Tes (@guest_52774)
25 Tage her
Reply to  Löwin

Danke liebe Löwin. Frohes, gutes und besinnliches Weihnachtsfest auch für Dich und Deine Liebsten. Lass es dir gut gehen!

DaBrain1860
Leser
DaBrain1860 (@dabrain1860)
24 Tage her
Reply to  Löwin

Wünsche ich dir, deiner Familie und allen anderen Löwinnen und Löwen auch!
Genießt noch die Ruhe, bald geht der Nervenkitzel wieder los 😀👍