Jeder Jahresrückblick könnte mit den Worten starten „Was für ein Jahr“… doch diesmal müsste man einige Ausrufezeichen dahinter setzen, denn was für ein Jahr war das denn?! Ein ungewöhnliches, gewöhnungsbedürftiges, nervenzerreißendes und in jeglicher Hinsicht (heraus)forderndes Jahr. Für jeden einzelnen Menschen. Doch auch wenn 2020 im Zeichen der Pandemie stand und immer noch steht, drehte sich die Erde trotzdem weiter und auch in der Fußballwelt wurde weiter gespielt, auch wenn mit einer Pause und unter dem Ausschluss der Öffentlichkeit bzw. der Zuschauer. Das Jahr 2020 wird jedem in Erinnerung bleiben, doch es soll rückwirkend nicht nur negative Gefühle auslösen, denn es gibt immer etwas positives, das man für sich rausziehen kann, etwas Gutes woran man sich erinnern kann – so auch bei Münchens großer Liebe, dem TSV 1860 München.

Im vierteiligen Jahresrückblick werden wir die Erinnerungen zurückholen und auf das Löwen-Jahr 2020 zurückblicken. Innerhalb eines Monats sind die Ereignisse nicht chronologisch, sondern thematisch dargestellt. Und los geht’s…

JANUAR: Es geht voran

Der Januar war gerade mal einen halben Tag alt und schon erreichte die Löwenfans eine erfreuliche Nachricht: Fußball-Drittligist TSV 1860 München hat sich zum Jahreswechsel über eine hohe Einnahme freuen dürfen. Der Wechsel von Mittelfeldspieler Julian Weigl vom Bundesligisten Borussia Dortmund zu Benfica Lissabon soll den Löwen rund 1,5 Millionen Euro eingebracht haben. Zwei Wochen später kam eine weitere Meldung, in der es hieß, dass Marin Pongracic von RB Salzburg zum VfL Wolfsburg wechselt. Dabei konnte der TSV 1860 München auch profitieren – laut der Süddeutschen Zeitung in etwa mit einer Million Euro.

Sascha Königsberg wurde neuer Vorsitzender des Verwaltungsrates beim TSV München von 1860 e.V. und Manfred Paula, Leiter des NLZ der Löwen, wurde in die DFL-Kommission „Leistungszentren“ gewählt, wo er alle Nachwuchsleistungszentren der 3. Liga und der Regionalligen vertreten soll.

Die Löwen-Traditionsmannschaft nahm am 18. Januar beim 2. Bananenflanker Budenzauber in der Donau-Arena in Regensburg als Titelverteidiger teil und scheiterte in der Gruppenphase. Einige Tage später trat Michi Hofmann als Teamchef der Traditionsmannschaft des TSV 1860 München zurück.

Die Löwen-Mannschaft reiste in ihr Winter-Trainingslager nach La Manga, wo sie im einzigen Test der Vorbereitung die AFE-Auswahl der spanischen Fußballer-Gewerkschaft mit 5:1 besiegten. Alle Treffer fielen vor der Pause. Dreimal traf Noel Niemann (17., 21. und 45.), zweimal Sascha Mölders (20. und 42.). Neben den Langzeitverletzten, Quirin Moll und Nico Karger, feierte auch Stefan Lex sein Comeback. Zurück in Deutschland und zurück in der Rückrunde der Dritten Liga spielte Sechzig gegen Eintracht Braunschweig und gewann mit 4:1. Es war für Cheftrainer Michael Köllner der erste Heimsieg. Efkan Bekiroglu brachte die Sechzger mit einem abgefälschten Kopfball in der 7. Minute in Führung, Dennis Dressel traf zum 2:0 (21.). Marcel Bär konnte vor der Pause noch verkürzen (29.), ehe Sascha Mölders mit einem Doppelpack alles klar machte (67. und 79.). Damit waren die Löwen seit acht Partien unbesiegt.

Das Löwenmagazin startete mit der Vorstellung von Wieland Brede seine Fan-Serie „I bin a Sechzger“, die im Laufe des Jahres 2020 nicht nur viele Löwen-Fans vorstellte und ihre Löwen-Geschichte präsentierte, sondern auch das „Löwentum“ feierte und würdigte.

Während man Ende Januar mit Stefan Lex den Vertrag verlängerte, haben sich Abwehrspieler Marco Raimondo-Metzger und der TSV 1860 München im gegenseitigen Einvernehmen auf eine Auflösung des Vertrags geeinigt. Metzger wechselte zum SV Heimstetten.

Mit Autohimmel Bayern hatte der TSV 1860 München einen neuen Premium Partner und Michael Köllner einen neuen Nissan bekommen.

Das Thema „Ausbau des Grünwalder Stadions“ war weiterhin aktuell und man horchte immer wieder auf. Nachdem am 24. Juli 2019 die Vollversammlung des Stadtrats beschlossen hatte, dass die Erhöhung der Kapazität des Städtischen Stadions an der Grünwalder Straße baurechtlich weiter geprüft werden soll, hatte das Referat für Bildung und Sport die Anwohner, Vereine und die beiden Bezirksausschüsse (Untergiesing-Harlaching und Obergiesing) im Januar zu einer Informationsveranstaltung zum Stand der Planungen zum Umbau des Grünwalder Stadions eingeladen.

Etwas Aufregung gab es Anfang des Jahres auch noch: Die TSV 1860 Merchandising GmbH hatte gegen das Endurteil im Rechtsstreit gegen die „Löwenfans gegen Rechts“ überraschend Berufung eingelegt. Geschäftsführer Anthony Power ging im vergangenen Jahr rechtlich gegen den Verkauf von T-Shirts und Aufklebern unter Nutzung des Löwenwappens vor. Mit dabei auch das jahrelange Logo der Organisation. Ebenfalls Teil des Prozesses war das Shirt „Verdammt ich lieb dich, ich lieb dich nicht.“ Die Fortsetzung des Rechtsstreites ging nun in die zweite Runde.

FEBRUAR: Unschlagbare Ungeschlagen-Serie der unschlagbaren Löwen

Sportlich ging die Ungeschlagen-Serie der Löwen im Februar weiter: Nach einem 2:2 beim FSV Zwickau war Sechzig seit neun Spielen in Folge ungeschlagen. Die Führung von Sascha Mölders (37.) konnte Maurice Hehne kurz vor dem Pausenpfiff ausgleichen (45.). Nach Wiederanpfiff brachte Stefan Lex erneut die Sechzger in Führung (49.). Davy Frick traf zum 2:2-Endstand (58.). Im nächsten Spiel war Waldhof Mannheim zu Gast. Beim 1:1 verpassten die Giesinger in einer überlegen geführten Partie den Sieg. Nach der Führung von Noel Niemann (54.) konterten die Kurpfälzer in der 62. Minute, kamen überraschend durch Mounir Bouziane zum Ausgleich. Auch beim 1:1 beim SV Meppen reichte es nur zu einem Punkt, weil das Team von Michael Köllner die Anfangsphase verschlief. Deniz Undav gelang bereits in der 4. Minute die Führung für die Gastgeber, die Noel Niemann kurz nach der Pause zum Endstand ausglich (50.). Die Weiß-Blauen setzten ihre Ungeschlagen-Serie auch im zwölften Spiel fort, mussten jedoch beim 1:1 gegen den 1. FC Magdeburg am Ende um den Punkt zittern. Aaron Berzel hatte vor der Pause die Führung erzielt (32.), Jürgen Gjasula glich per Foulelfmeter nach einer Stunde aus (60.). Nachdem nun einige Remis für insgesamt wenige Punkte sorgten, gab es gegen Chemnitz endlich drei Punkte und sieben Tore: Die Löwen drehten dabei einen 0:2-Rückstand durch die Tore von Stefan Lex (41.), Timo Gebhart (56., Foulelfmeter an Phillipp Steinhart) und Sascha Mölders (58.) in eine 3:2-Führung, mussten dann aber durch Ex-Löwe Philipp Hosiner den Ausgleich hinnehmen (65.). Doch in der Nachspielzeit war es der eingewechselte Prince Owusu, der zum 4:3-Endstand traf (90.+2).

Und als hätten die Löwen nicht schon genung Punktspiele im Februar gehabt, gab es auch ein Testspiel zu bestreiten – gegen den Bayernligisten TSV 1865 Dachau, bei dem alle Feldspieler aus dem Profi-Kader zum Einsatz kamen, die tags zuvor bei der Drittliga-Partie beim SV Meppen nicht gespielt hatten. Standesgemäß gewannen die Löwen mit 5:0. Die Tore erzielten zweimal Markus Ziereis (12 und 18.), zweimal Nico Karger (41. und 47.) sowie Timo Gebhart (13.).

Mittendrin, genauer gesagt bei dem Spiel gegen Mannheim, hat das Löwenmagazin seine Senioren-Aktion gestartet und bei den Heimspielen Münchner Rentnern eine Abwechslung und schöne Momente im Stadion und im Kreise der Löwenfamilie beschert.

Der kaufmännische Geschäftsführer des TSV 1860 München, Michael Scharold, gab im Februar bekannt, dass er zum Saisonende aus der Geschäftsführung ausscheiden wird. Kurz darauf wurde von ihm öffentlich ein Fazit zu der finanziellen Lage von Sechzig München gezogen, das positiv ausfiel: Im ersten Jahr nach dem Abstieg waren das „trotz vieler treuer Partner, vorweg die Bayerische“ nur sieben Millionen Euro Einnahmen im Wesentlichen aus Sponsoring, Ticketverkauf und medialer Verwertung. Die Kosten, die gleich geblieben sind, betrugen sechs Millionen Euro.“ Im zweiten Jahr waren es dann schon neuneinhalb Millionen Euro und in der Saison 2019/20 lag die Einnahmenseite bei zehneinhalb Millionen Euro. „Es ist schon eine riesengroße Entwicklung“, fand Scharold. „Angefangen von einer Million Euro, die wir nach Abzug der Kosten im ersten Jahr aus den wiederkehrenden Einnahmen und Ausgaben für den Sport erwirtschaftet haben, über dreieinhalb Millionen Euro im zweiten Jahr, sind wir jetzt bei viereinhalb Millionen Euro angekommen. Das ist eine gute Entwicklung, aber wir sind noch nicht da, wo wir stehen wollen.“ Sechs Millionen Euro Gesamtbudget aus eigener Wirtschaftskraft für den Sport (inklusive Staff, medizinischer Versorgung, Reisekosten, NLZ) sei das Ziel des „Gesundungskurses“. „Wir müssen den Weg konsequent weitergehen. Aktuell haben wir noch ein Defizit von eineinhalb Millionen Euro“, rechnete Scharold vor. Diese Lücke müsse aktuell noch durch Sondereffekte wie Transfereinnahmen oder Finanzierungs-/Kapitalmaßnahmen geschlossen werden. „Mit der positiven Entwicklung können wir in zwei, drei Jahren unser Ziel erreichen, diese Lücke ohne Sondereffekte zu schließen.“

Die sportliche Planung ging ebenfalls weiter und es wurde bekannt gegeben, dass der TSV 1860 München in Zukunft mit Marius Willsch plane. Der gebürtige Passauer hatte seinen Vertrag verlängert. Ebenfalls mit Marco Hiller konnte eine Vertragsverlängerung erwirkt werden.

Auch beim Nachwuchs gab es Positives zu berichten. Die U19 der Löwen hatte das Halbfinale des Verbandspokals durch einen 4:1-Sieg gegen den FC Deisenhofen erreicht. Aus dem Verein gab es ebenfalls positive Entwicklung: Der TSV München von 1860 e.V. hat eine neue Abteilung für Vereinsgeschichte gegründet, die sich mit der Historie der Löwen beschäftigen soll.

MÄRZ: Und dann kam Corona

Im Testspiel gegen den TSV Rain am Lech gab es ähnlich wie im Punktspiel gegen Chemnitz ein schnelles Gegentor und das 0:2. Noch vor der Pause kamen die Löwen wieder heran und drehten in der zweiten Hälfte das Spiel. Prince Owusu machte dabei den Siegtreffer. Die Partie endete 3:2. Danach ging es für Sechzig in die Fremde, wo sie einen 3:0-Arbeitssieg bei Schlusslicht FC Carl Zeiss Jena feierten. Nach einer 13-minütigen Unterbrechung brachte Timo Gebhart die Sechzger in Führung (16.). Efkan Bekiroglu erhöhte auf 2:0 (32.). Nach Wiederbeginn war es Stefan Lex, der zum Endstand traf (55.). Damit blieben die Löwen zum 14. Mal in Folge ungeschlagen. Dass dies das letzte Spiel im Jahr 2020 sein sollte, bei dem die Löwen-Anhängerschaft live dabei sein durfte, ahnte zu dem Zeitpunkt niemand.

Maxim Gresler und die Münchner Löwen machten einen großen Schritt in eine gemeinsame Zukunft. Der Verteidiger aus der U17 hat einen Profi-Vertrag beim TSV 1860 München unterschrieben.

Tja – und dann war es soweit. COVID-19 übernahm die Regie und legte das Land und die Welt lahm, den Sport natürlich gleich mit dazu. Der Bayerische Fußball-Verband (BFV) setzte, als Vorsorgemaßnahme hinsichtlich der steigenden Zahl von Corona-Infizierten und der dynamischen Lageentwicklung, im ersten Schritt den kompletten Spielbetrieb für zwei Wochen bis einschließlich 23. März 2020 im ganzen Freistaat aus. Die 3. Liga unterbrach ihren Spielbetrieb zunächst bis 30. April. Darauf hatte sich die Spielleitung der 3. Liga mit dem Ausschuss 3. Liga und den Vertretern der 20 Drittligisten im Rahmen einer außerordentlichen Managertagung verständigt. Betroffen waren die Spieltage 30 bis 35. Und der Freistaat Bayern mischte hier auch mit, der alle Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Gästen untersagte. Ende des Liedes war: Kein Training, keine Testspiele, Nichts. Pause. Und was machten unsere Löwen-Spieler? Aus purer Langeweile starteten sie eine Klopapier-Challenge.

Die nachfolgenden Wochen waren eine enorme Herausforderung für alle. Günther Gorenzel bangte um die Zukunft, denn was das alles für die Finanzen und den Sport zu bedeuten hatte, war zuerst nicht abzusehen. 17 Spieler-Verträge liefen aus, doch eine Kaderplanung war nicht möglich und wurde erst auf Eis gelegt. „Aktuell ist ja noch nicht einmal abzusehen, welche Auswirkungen Corona auf den Spielbetrieb in der laufenden Saison hat. Unser ganzer Fokus liegt darauf, diese Saison mit dem geringsten finanziellen Schaden für 1860 zu Ende zu bringen und unsere Chance beim Schopf zu packen, noch ganz vorne angreifen zu können“, sagte Günther Gorenzel der AZ über die Situation. „Ein Abbruch ist für 1860 auf alle Fälle keine Option. Wir müssen zu einem Modus kommen, wie die Meisterschaft zu Ende gespielt werden kann. Egal ob mit stetigen Englischen Wochen oder in Turnierform“. Es hieß wohl, alle Kräfte zu bündeln und an einem Strang zu ziehen.

(Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Vervielfältigung, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Löwenmagazins.)
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jürgen
Leser
jürgen (@jr1860)
27 Tage her

kommt das einem lange her vor 😌

blau91
blau91 (@blau91)
26 Tage her
Reply to  jürgen

Ging mir beim Lesen genauso, Jürgen. Und irgendwie hatte ich mind. die Hälfte auch schon wieder vergessen. 😉