Löwen gegen Löwen vor 55 Jahren bei der Bundesligapremiere

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Die 3. Liga besitzt in dieser Saison aufgrund von namhaften Traditionsvereinen, die viele Jahre in der Bundesliga gespielt haben, oder sogar zu deren Gründungsmitgliedern zählen, große Aufmerksamkeit und Attraktivität.

Eine von diesen ganz besonderen Partien findet am kommenden Samstag im Grünwalder Stadion statt, wenn Löwen auf Löwen treffen. Oder anders formuliert: Der Deutsche Meister aus dem Jahr 1966 trifft auf seinen Nachfolger aus dem Jahr 1967. Bei den bisherigen Duellen beider Mannschaften im Laufe der Jahrzehnte ist eine Partie von besonderer Bedeutung. Vor 55 Jahren, am 1. Spieltag der allerersten Bundesligasaison im Jahr 1963, empfingen die Münchner Löwen die Eintracht aus Braunschweig auf dem selben Platz, auf welchem auch am Samstag um 14 Uhr die neuerliche Auflage angepfiffen wird.

Bundesligapremiere im Grünwalder Stadion

altes Vereinswappen von Eintracht Braunschweig

Am 24. August 1963 wurde die Bundesliga mit zunächst 16 Mannschaften eröffnet und 35.000 Zuschauer strömten zur Premiere auf den Giesinger Berg. Die Einführung einer „zentralen Spielklasse mit Lizenzspielern“ wurde am 28. Juli 1962 auf dem Bundestag des Deutschen Fußball-Bundes in Dortmund beschlossen. Mitausschlaggebend für die Einführung der Bundesliga war das schlechte Abschneiden der deutschen Nationalmannschaft bei der Fußballweltmeisterschaft 1962 in Chile. Aber auch in den frühen europäischen Wettbewerben wurden die deutschen Vereinsmannschaften von spanischen oder italienischen Vereinen dominiert. Ziel der Bundesliga war somit die Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Fußballs im internationalen Vergleich. Vor Einführung der Bundesliga wurde in mehreren Landesverbänden mit zum Teil großen Unterschieden im Spielniveau ein Meister ermittelt, der anschließend an der Endrunde zur Deutschen Fußballmeisterschaft teilnehmen durfte.

FC Bayern zunächst nur zweitklassig

altes Vereinswappen von 1860 München

Von den 74 Oberligavereinen bewarben sich 46 für die erste Bundesligasaison. 15 Bewerber wurden umgehend abgelehnt, darunter Borussia Mönchengladbach, Hessen Kassel und Bayer 04 Leverkusen. In der ersten Runde der Lizenzierung bekamen die bedeutendsten Vereine der damaligen Zeit (1. FC Köln, Borussia Dortmund, HSV) ihren Startplatz zugewiesen, ebenso die frühen Serienmeister aus Gelsenkirchen und Nürnberg. In einer zweiten Runde wurden die restlichen sieben Lizenzen verteilt und eine von diesen Spiellizenzen erhielt der süddeutsche Bereich. Um diesen verbleibenden Startplatz konkurrierten neben 1860 München auch der ungeliebte Nachbar und Kickers Offenbach. Die Ausgangslage für die Löwen war denkbar schlecht, weil der DFB sich für die Lizenzverteilung an einer 12-Jahres-Wertung orientierte und in dieser waren sowohl der FC Bayern als auch Kickers Offenbach vor den Münchner Löwen. Der große Pluspunkt für 1860 München war jedoch, dass sie in der letzten Oberliga-Saison Süddeutscher Meister geworden waren und in der Endrunde zur Deutschen Meisterschaft nur knapp das Endspiel gegen den 1. FC Köln verpasst hatten. Die Auswahl der 16 an der ersten Bundesligasaison teilnehmenden Vereine war teilweise stark umstritten und man kann von einer glücklichen Fügung sprechen, dass die Löwen eine Starterlaubnis vom DFB erhalten haben. Leer ausgegangene Mannschaften wie Alemannia Aachen oder Kickers Offenbach klagten sogar gegen die Festlegung der Mannschaften, was jedoch keine Änderung mehr bewirken sollte. Somit war eine Situation eingetreten, die aus heutiger Sicht völlig unvorstellbar ist. Unser ungeliebter Nachbar war bei der Startplatzvergabe der Bundesliga nicht berücksichtigt worden und blieb somit unterklassig. Für die kommenden zwei Jahre spielte 1860 München eine Liga über dem FC Bayern.

Vereinsikone: Rudi Brunnenmeier

Am 1. Spieltag der Bundesliga liefen am 24. August 1963 folgende Spieler für den TSV 1860 München vor 35.000 Zuschauern im Grünwalder Stadion auf, welches an diesem Tag nicht ausverkauft war: Radenkovic, Zeiser, Wagner, Stemmer, Steiner, Luttrop, Küppers, Grosser, Heiß, Brunnenmeier, Thommes. Im Duell der Löwen waren die Münchner favorisiert und dementsprechend offensiv und dominant begannen sie auch das Spiel. Die logische Konsequenz aus dieser Überlegenheit war das 1:0 in der 17. Spielminute durch den besten Stürmer, der jemals für 1860 München in der Bundesliga aufgelaufen ist. Der unvergessene Rudi Brunnenmeier erzielte an diesem Tag sein erstes Bundesligator für die Löwen, 65 weitere sollten in den nächsten Jahren folgen. Diese Bestmarke sollte für seine Nachfolger bis zum heutigen Tag unerreichbar bleiben. Selbst Bernhard Winkler konnte mit seinen 64 Bundesligatreffern für Sechzig München diesen Wert nicht überbieten. Auch wenn sich seit damals vieles im Fußball grundlegend verändert hat, eines hat sich nicht geändert. 1860 München verpasste es in diesem Spiel, frühzeitig für klare Verhältnisse zu sorgen. Die Chancen für das 2:0 waren vorhanden, aber niemand von den Spielern in den weißen Trikots brachte den Ball mehr über die Linie. Und so kam es, wie es kommen musste – damals wie heute. Eintracht Braunschweig wurde im Laufe der 2. Halbzeit selbstsicherer, traute sich in der Offensive mehr zu und erzielte in der 74. Minute schließlich den Ausgleich. Aufgrund der Erfahrungen aus den letzten Spielen in der 3. Liga ist man 55 Jahre später geneigt zu sagen: Some things never change.

(Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Vervielfältigung, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Löwenmagazins.)

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