Du stehst hier vor der großen Bühne mit deinen Freunden und starrst erwartungsvoll auf den Vorhang, ein Stück Stoff zwischen dir und der Bühne, auf der im nächsten Augenblick deine Lieblingsband ihren Auftritt haben wird. Der Vorhang fällt, die Arme gehen nach oben, der erste Akkord ertönt. Und jetzt? Was soll das? Die Musik ist viel zu leise. Wir schauen uns fragend an. Stromausfall? Ist der Tontechniker krank?

So ungefähr kann man sich die ersten Minuten des Auswärtsspiels am Würzburger Dallenberg vorstellen. Die „Münchner Löwen“, die organisierte Fangruppierung des TSV, waren noch nicht im Stadion. Dementsprechend gedämpft war die Stimmung im Gästeblock. Und diese Stimmung schien sich von Anfang an auf die Löwen auf dem grünen Rasen übertragen zu haben.

Schwache Löwen kassieren zwei Tore in der ersten Halbzeit

Wie soll man die erste Halbzeit als Löwenfan beschreiben? Irgendwie lief es nicht für die Löwen aus München am Dallenberg. Die Bierofka-Elf präsentierte sich bemüht, doch die Kontrolle über die Partie konnten sie nicht erlangen. Stattdessen musste Marco Hiller bereits nach wenigen Minuten erstmals eingreifen und den Distanzschuss von Dominic Baumann entschärfen (5.). Auch im Anschluss blieben die Kickers die aktiveren und vor allem feldüberlegene Mannschaft.

Die Quittung für die schwache Anfangsphase bekamen die Sechzger dann in der 20. Minute. Patrick Göbel hatte zu viel Platz im rechten Halbfeld und fand Orhan Ademi freistehend, der in der Box eiskalt das Leder zur verdienten Führung in die kurze Ecke platzierte. Einen Weckruf hat dieses Tor bei den Löwen nicht ausgelöst. Bereits sieben Minuten später kam der nächste Nackenschlag. Einen Konter der Würzburger vollendete Caniggia Elva zur 2:0-Führung für die bis dato überlegenen Kickers (27.).

Kurz nach dem zweiten Gegentreffer zeigte Prince Owusu an der Strafraumgrenze Gegenwehr. Kickers-Keeper Leon Bätge war zwar noch zur Stelle, Sebastian Schuppan bugsierte den Abpraller jedoch unglücklich in die Mitte, wo Stefan Lex den Ball über die Linie grätschen konnte (31.) und den Anschlusstreffer erzielte. Die Partie wurde offener und die Löwen schienen langsam Fuß zu fassen. Efkan Bekiroglu hätte kurz vor dem Pausenpfiff noch den Ausgleich schießen können. Der sehenswerte Lupfer über Bätge hinweg landete jedoch nicht im, sondern auf dem Kasten – was jedoch nicht von Belang war, da der Linienrichter die Fahne hob.

Stets bemüht und doch gescheitert

Ohne Bekiroglu, der keinen guten Tag hatte, ging es in die zweite Halbzeit. Bierofka brachte zu Beginn der zweiten Halbzeit Aaron Berzel in die Partie. Beide Mannschaften wollten nachlegen, das Aufeinandertreffen wurde von Minute zu Minute umkämpfter. Mölders verpasste die erste Chance der Löwen (53.), auf der Gegenseite parierte Hiller stark im Eins-gegen-Eins gegen Baumann (56.).

Bierofka musste handeln und brachte Benjamin Kindsvater für Lex in der 61. Minute, die Löwen agierten aber zu ungenau. Der Gegner immer einen Schritt voraus. Auch der letzte Versuch, das Ruder mit der Einwechslung von Markus Ziereis für Nico Karger (77.) doch nochmal herumzureißen, scheiterte. Es blieb letztlich bei einer knappen Niederlage der Sechzger.

Das war einfach nix. Der Sieg der Kickers vollkommen verdient. Bei den Löwen ging heute nichts zusammen… und dennoch feierte die Kurve ihre Mannschaft.

(TT / SC)

(Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Vervielfältigung, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Löwenmagazins.)

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Alexander Schlegel
Leser

Der Derbysieg gegen Unterhaching hat doch seine Spuren hinterlassen. Da war heute nicht mehr viel im Tank. Gerade Bekiroglu, aber auch Wein liefen oft hinter der Musik her und brachten nach vorne hin kaum einen vernünftigen Pass an. Dadurch waren auch die Außen zu sehr vom Spiel abgeschnitten, wobei für meinen Geschmack Lex ruhig mal etwas mehr machen dürfte. Wenn ich sehe wie Kindsvater, aber auch Karger immer wieder mit hinten aushelfen, ist mir das manchmal zu wenig Beteiligung bei Lex.

Gut, sonderlich herausheben kann man heute eigentlich keinen groß. Sie waren, vor allem in der zweiten Halbzeit, alle bemüht, aber ein Unentschieden wäre eigentlich heute nicht verdient gewesen. Würzburg war einfach gedankenschneller und kombinationssicherer, auch wenn der Unterschied in der zweiten Halbzeit nicht mehr groß war.

Lothar Wollenweber
Redakteur

Die Ausrede mit „nicht mehr viel im tank nach dem Derby“ lass ich nicht gelten. Wenn ich mich nicht täusche hatte WÜ jetzt 2 sehr weite Auswärtsspiele mit langen Busfahrten und die waren wesentlich frischer.

Alexander Schlegel
Leser

Doch, ich denke schon, dass das heute eine Rolle gespielt hat. Würzburg hat heute z. B. 4 Veränderungen zum letzten Spiel (teilweise auch durch Verletzungen bedingt) vorgenommen. Gerade die neue und auch frische Mittelfeldachse war der unsrigen heute haushoch überlegen. Bekiroglu und Wein, gegen Unterhaching noch mit sehr guten Leistungen, waren heute wirklich neben der Spur. Das hat man doch gesehen. So was ist auch weniger ein Problem der Physis, sondern der Anspannung im Kopf. Am Mittwoch wollte die Mannschaft unbedingt gewinnen, das hast Du richtig gemerkt. Heute war das anders. Gewollt haben sie natürlich schon, das hat man ja vor allem in der zweiten Halbzeit gesehen, aber es hat einfach die Frische gefehlt. Mölders hat ja auch kaum teilgenommen. Die Spiele in der dritten Liga sind ja alle verdammt knapp. Da reichen schon ein paar Prozentpunkte und schon kippt das Spiel in die andere Richtung. Sie verlieren ja auch nie hoch.

Bierofka hatte ja übrigens in den letzten Tagen auch damit geliebäugelt einige Wechsel vorzunehmen, ist dann aber – für mich etwas überraschend – davon abgekommen. Er setzte wohl eher darauf, dass die Siege für so viel Schwung sorgen, dass man eventuelle Substanzverluste damit kompensieren kann. Die Rechnung ist aber nicht so ganz aufgegangen.

United Sixties
Gast
United Sixties

Stellt sich doch die Frage warum unser Trainer dann den „Tank“ nicht durch frischer Kräfte von Beginn auflädt und rotiert . Kossou, Kindsvater, Ziereis hätten starten sollen. Aber auf ein Neues und weiter hart um jeden Punktfür den Klassenverbleib erkämpfen.

Löwe50
Gast
Löwe50

In der zweiten Halbzeit wär die Möglichkeit da gewesen, das Spiel noch umzubiegen.
Die Kickers haben sich in Halbzeit eins total verausgabt.

Ich versteh da die Taktik des Trainers nicht.
War Bekiroglu angeschlagen? Bei Rückstand einen Defensiven einzuwechseln war wenig mutig. Wenn dann müsste man eben mal den Abruscia in den Kader berufen. Der wäre ein Ersatz gewesen.
Berzel hat eine höhere Niederlage verhindert, zum Aufholen des Rückstandes hätte es einen anderen gebraucht.
Wenig Mut vom Trainer und das nach zwei Siegen.
Ich persönlich versteh das nicht.
Wer es versteht, erkläre es mir!

anteater
Leser

Bekiroglu hat(te) was mit dem Knie, schon von Beginn an. So stand es jedenfalls im Fupa-Ticker.

Ja, Abruscia wäre da wohl die Alternative gewesen, auch von Anfang an, guter Punkt. Den hab ich ja schon fast wieder vergessen.

Alexander Schlegel
Leser

Ich konnte die Entscheidung schon verstehen Berzel zu bringen. Die Würzburger sind in der ersten Halbzeit durchs Mittelfeld wie sie wollten. Da musste was passieren und jemand Robustes rein, der dagegen hält. Und normalerweise hat der Berzel schon auch ein passables Passspiel, aber er war gestern mehr mit dem Stopfen von Löchern beschäftigt. Nur hätte man den Wein auch auswechseln können, der stand ja genauso neben der Spur.
Aber was bringt es, wenn du wieder einen offensiven Mittelfeldakteur bringst und du hinten weiter ein offenes Scheunentor hast. Da hätten wir uns gestern eher noch ein paar gefangen. So hatten wir wenigstens noch die Chance uns zu stabilisieren und eventuell noch den Ausgleich zu schaffen. Das war ja vom Spielverlauf nicht ganz unmöglich.

anteater
Leser

Auf 4-4-2 (4-4-1-1) umstellen. Das klingt zwar altbacken, aber ist manchmal echt eine gute Wahl.

Löwe50
Gast
Löwe50

Seh ich komplett anders.
90 Minuten haben die Würzburger das Tempo nicht durchgehalten.
Mehr Mut brauchts da, von Mannschaft und Trainer.
Noch defensiver bei Rückstand ist völlig daneben.

tomandcherry
Leser

Schon bei der Anmoderation durch Markus Othmer, als man den „englischen Rasen“ in Würzburg bewundern durfte, war mir klar, dass mit schönem Spiel kein Blumentopf zu gewinnen sein wird.

Dazu kam ein scheinbar böiger Wind, der manchen Pass oder einige Flanken ziemlich doof aussehen ließ.

Aber diese Voraussetzungen galten logischerweise für beide Mannschaften.

Die Kickers waren präsenter, giftiger, schneller mit den Füßen und im Kopf.

In dieser Liga eigentlich keine Überraschung, dass man in Würzburg auch verlieren kann.

Allerdings ist es eine Frage des „Wie“ und das muss Biero in seiner Spielanalyse ganz deutlich ansprechen. So geht‘s nicht. Und die Einstellung wird auch in den restlichen Saisonspielen sehr entscheidend sein, wie schnell die 46 Punkte für den Klassenerhalt geholt werden.

blau91
Redakteur

tomandcherry
„Die Kickers waren präsenter, giftiger, schneller mit den Füßen und im Kopf.“

Genau das macht den Unterschied in dieser Liga.
Um so unverständlicher war das Auftreten unserer Mannschaft. Ich bin mir trotzdem sicher, dass das im kommenden Heimspiel gegen Meppen wieder besser aussehen wird.

anteater
Leser

Meppen ist fast schon DIE Mannschaft der Rückrunde. Ein sehr gefährlicher Gegner, finde ich. Ohne sehr deutliche Leistungssteigerung gehen wir da unter.

Wolf
Leser

Eine kleine Anmerkung zum Spielbericht:
Der Lupfer von Bekiroglu kurz vor der Halbzeit hätte den Ausgleich nicht bringen können, da auf Abseits entschieden worden war.

jürgen (jr1860)
Leser

So ein schwaches Spiel haben wir schon lange nicht mehr gesehen.

War aber trotzdem sehr schön, mal an ner Auswärtsfahrt teilzunehmen und viele nette Leute kennenzulernen

Und alles OHNE Hasan!

Danke für Alles

Jürgen & Alex

Bertl66
Leser

Möchte mich dem Jürgen anschliessen !
War unsere erste Tour mit dem Löwenmagazin-Bus und möchten uns nochmal beim ganzen Orga-Team dafür bedanken . Und beim Sascha , dem schnellsten Busfahrer von Deutschland ! lol beer

Banana Joe
Leser

Nein das war heute echt nix! Allerdings war nach 5 Minuten schon abzusehen, wo das enden wird: wieder mal NULL Taktik vom Trainer! Ich kann doch auswärts gegen Würzburg NICHT SO in ein Spiel gehen! Bereiten die sich nicht vor? Würzburg war nicht stark und dann keinen Stich machen ist erbärmlich!

Das Argument, das Haching Spuren hinterlassen hat, lasse ich so nicht gelten. Ich kann von Leuten, die für ihren Sport bezahlt werden, nach 3 Tagen „Regeneration“ erwarten, dass sie wieder für volle 90 Minuten im Saft stehen. Was läuft so ein Fußballer? Zwischen 9 und 12 km pro Spiel. Ich kenne Freizeitsportler, die laufen das nach einem 8-Stunden Arbeitstag täglich… in WENIGER als 90 Minuten mit 15-Minuten-Päuschen!

Ich spare mir Kritik an einzelnen Spielern, bis auf den bemühten Prince war heute irgendwie keiner anwesend. Im Zeugnis würde stehen: Sie waren stets bemüht. Was das heißt, weiß jeder. Aber vielleicht kam die Niederlage gerade recht, nicht dass noch sowas wie Überheblichkeit bei einigen aufkommt. Das Gefühl hatte ich nämlich heute durchaus bei einigen.

Wieso konnte man eigentlich nicht – nachdem 3/4 der Saison vorbei sind – immer noch nicht diese eklatanten Abspielfehler, Fehlpässe und leichte Ballverluste abstellen? Auch diese Frage sollte sich das Trainerteam so langsam mal stellen. Es ist ja durchaus bekannt, dass es bei einigen nicht für die 3. Liga reicht, aber ein bisschen ein Bemühen kann man schon erwarten. Wenn ich dann sehe, dass einer nur die Augen am Boden hat und dann den Ball irgendwohin spielt, wo weit und breit kein Löwe ist, und das dann mehrfach hintereinander, dann frage ich mich schon! Oder gleich direkt dem Gegner in den Fuß, obwohl der sich gar nicht bewegt und sich natürlich über diese Unfähigkeit freut.

Hoffentlich wird’s beim nächsten Mal wieder besser!

blau91
Redakteur

@Banana Joe
„Wenn ich dann sehe, dass einer nur die Augen am Boden hat und dann den Ball irgendwohin spielt, wo weit und breit kein Löwe ist, und das dann mehrfach hintereinander, dann frage ich mich schon! “

Ja, da hast du leider recht. Wenn mann die letzten Spiele gesehen hat, ist diese Leistung einfach nicht zu erklären. Da gibt es nichts zu beschönigen. Is hoid so, huivd ja nix.

Im nächsten Heimspiel gegen Meppen muss das besser aussehen.

Loewen1860
Leser

Danke nochmals. Es war trotzdem eine super Auswärtsfahrt! Danke Bine dafür … 😊 Topp organisiert 👍👍👍

Ich freu mich schon auf das nächste Event mit euch.

Kommentar von meiner Frau…. : du bist ja schon da, und a no halbwegs nüchtern…. Ich kann mich dann doch ganz gut verstellen😂😂😂😂😂😂😂😂🍺

Und das ganze ohne Hassan…. (Insider vom Bus wissen was ich meine!!!)

Loewen1860
Gast
Loewen1860

Achso… trotz Niederlage immer noch Überhaching und Überdingen aber leider Unterzburg u -lautern

anteater
Leser

Eine wirklich schwer zu verdauende Niederlage, denn wirklich gut war der Gegner nicht, wir aber oft einfach schlecht mit sehr schlechtem Auge für freistehende Mitspieler.

Besondere Erwähnung hat sich allerdings auch der sehr schwache Schiedsrichter verdient. Ellenbogen ins Gesicht schlagen ist eigentlich eine rote Karte, er gab nichts. Und in den Torwart, der den Ball schon hat, reintreten ist sicherlich gelbwürdig. Die Würzburger, allen voran deren Nummer 7, haben die einseitige Blindheit des angeblich Unparteiischen mit viel sehr schmutzigem Spiel perfekt ausgenutzt. Dennoch kann man durchaus daran zweifeln, dass uns ein besserer Schiedsrichter heute zu wenigstens einem Punkt verholfen hätte.

Und Tami muss jetzt leider, wie angekündigt, so lange in Würzburg bleiben, bis wir drei Punkte von dort mitnehmen.

Alexander Schlegel
Leser

Stimmt, der Schiedsrichter war nicht gut. In vielen Dingen viel zu kleinlich, die hässlichen Sachen übersah er zum Teil. Aber ganz ehrlich, davon haben wir auch mal profitiert: Kurz nach seiner gelben hat Berzel wieder ein saudummes Foul gemacht, da hätte er ohne Weiteres eine Rote verdient gehabt.

@ Tami: Würzburg ist sicherlich mal einen Tagesausflug wert, aber warum will sie da jetzt unbedingt alt werden? wink

anteater
Leser

Die Gelbe für Berzel sah für mich extrem fragwürdig aus.

Bezüglich Tami: vielleicht hat Würzburg einen nicht spielberechtigten Spieler eingesetzt und wir bekommen die drei Punkte zugesprochen. Dann darf Tami sofort wieder nach München.

blau91
Redakteur

Die Tami wird nicht alt. Die bleibt für Sechzig immer jung.😉👍