Beim 34. DOK.fest München, einem der größten europäischen Dokumentarfilm-Festivals, fand am gestrigen Samstag die Premiere des Dokumentarfilms „Lionhearted – aus der Deckung“ von Antje Drinnenberg statt. Eine Doku über den Boxtrainer des TSV 1860 München, Ali Cukur, der mit seinen jungen Sportlern eine abenteuerliche und lehrreiche Reise nach Ghana in Westafrika unternimmt.

Weltpremiere mit kleiner Panne

Nachdem unsere Fußball-Löwen gegen Fortuna Köln den Klassenerhalt geschafft hatten, freuten wir uns auf unser Nachmittagsprogramm und die Vorführung der Dokumentation im Kino Rio Filmpalast am Rosenheimer Platz. Natürlich waren Ali Cukur und seine Boxer anwesend, genauso wie Vertreter vom TSV 1860 München e.V. samt des Präsidiums.

Foto: U. Hoppen

Die Vorstellung war fast ausverkauft und nach der Begrüßung und Ankündigung des Veranstalters freuten sich alle auf den Film. Als es dann losging und eine italienische Fotografin ihre Geschichte erzählte, staunte man etwas. „Ich glaub, ich bin im falschen Film“ hatte hier die richtige Bedeutung, denn so war es auch. Der Veranstalter unterbrach die Vorführung und erklärte auf sympathische Weise, dass „Lionhearted“ vermisst wird und sie ihn schleunigst finden wollen. Daraufhin änderte man den Plan und rollte die Veranstaltung von hinten auf. Nun holte man die Regisseurin und die Protagonisten auf die Bühne, die man vorstellte und mit ihnen über die Entstehung der Doku sprach. Auch das Präsidium vom TSV 1860 und das Produktionsteam gesellte sich dazu.

Der Applaus, der am Ende hätte kommen sollen, fand nun bereits vor dem Film statt. Die kleine Panne tat dem Ganzen jedoch keinen Abbruch – im Gegenteil. Nun war man noch gespannter auf den Film.

„Ich kämpfe, um nie wieder kämpfen zu müssen“

Der Inhalt der Dokumentation ist schnell erzählt. Ali Cukur, der Boxtrainer und Abteilungsleiter beim TSV München von 1860 e.V., reist mit einigen auserwählten jugendlichen Boxern ins alljährige Boxcamp nach Ghana. Seine Sportler und Schützlinge, die teilweise aus schwierigen Verhältnissen kommen und ihre Probleme früher auf der Straße mit den Fäusten klärten, sollen lernen, ihr Leben in Deutschland aus einer anderen Perspektive zu sehen. In den Slums von Accra, einer Hochburg des Boxens, sind die Lebensumstände weit schwieriger, die Trainingseinheiten viel härter. Die Reise wird zu einem Kulturschock, denn was sie dort vorfinden sind Armut und Perspektivlosigkeit. Doch durch die harten Trainingsbedingungen und durch die intensiven und herzlichen Begegnungen blicken sie auf ihre eigene Lebenssituation und setzen sich damit auseinander. Freundschaften entstehen, Kampfgeist und Gemeinschaftsgefühl. Die Protagonisten geben den Zuschauern ehrliche Einblicke in ihr Leben und erklären, welche Rolle das Boxen und ihr Trainer dabei spielen. Zurück nach Deutschland kamen nachdenkliche, mutige und dankbare Boxer mit einem noch größeren Löwenherz.

Man muss kein Freund des Boxens sein oder gar Fan des TSV 1860 München, um diesen Film zu mögen oder zu verstehen. Antje Drinnenberg und ihr Team verstanden es, wie sie die Zuschauer in den Bann ziehen und die Geschichten der Jugendlichen und ihres Trainers unaufdringlich und schonend ehrlich rüberbringen. Das Zusammenspiel der Bilder und des Gesprochenen verleiht zum Nachdenken, Mitfühlen aber auch zum Lachen. Wie das Leben nun mal ist. Wer sich harte und abgebrühte Boxer vorstellt wird überrascht, wie viel Herz und Tiefgang sich hinter jedem von ihnen verbirgt. Am Ende empfindet man den höchsten Respekt. Denn keiner der Protagonisten hat sich seinen Problemen ergeben. Sie haben den Kampf angenommen – wie im Leben, so auch im Box-Ring. Es ist nicht nur eine Sportgeschichte, sondern auch eine Hommage an das Ehrenamt und das soziale Engagement. Es zeigt, wie viel Aufopferung nötig ist und wie viel Liebe und Leidenschaft zu dem Sport und auch dem Verein dahintersteckt – denn der Löwe war auch in Ghana stets dabei.

Die nächste Vorstellung ist am Dienstag, 14. Mai um 9.30 Uhr im City Kino 3 (Sonnenstraße 12).

Und wer die Boxer live kämpfen sehen will, hat die Möglichkeit, dies am 30. Mai beim jährlichen Vergleichskampf der Löwen gegen die London-Auswahl im Truderinger Festzelt zu tun. Tickets können bei Ali Cukur (ali_cukur@hotmail.com) erworben werden. Regulärer Preis: 18,60€

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SerkanTami Tesblau91 Recent comment authors

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Serkan
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Klingt großartig. Im Rahmen des Festivals ist ausverkauft. Wie kann man den als Fan danach noch sehen?

blau91
Redakteur

Wow, was für ein toller Bericht. Respekt. Der Film muss wirklich beeindruckend sein. Macht mich neugierig.
An alle, die meinen 1860 sei nur ein Fußballverein. Auch das ist Sechzig. heart