Quo vadis Konkurrenz? Die SpVgg Unterhaching ist für die Löwen durchaus interessant. Zum einen ist ihr Hauptprotagonist ein ehemaliger Löwe. Manni Schwabl spielte mit dem TSV 1860 München in der Bundesliga. Von 1994 bis 1997 war er bei den Sechzgern unter Vertrag. Interessant sind auch seine Pläne für das Grünwalder Stadion, die nie umgesetzt wurden. Er hatte sie aus eigener Tasche bezahlt. Die Hachinger sind zudem Liga-Konkurrent der Löwen. Sie möchten, wie auch der TSV, in die 2. Bundesliga aufsteigen. Um das Ziel zu erreichen, ist man an diese Woche an die Börse gegangen. Wir haben mit dem Wirtschaftsjournalisten Volker Glaser über unseren Liga-Konkurrenten gesprochen.

Herr Glaser, vielen Dank, dass Sie uns Rede und Antwort stehen. Sie haben mit der Vorstandswoche einen Börseninformationsdienst gegründet. Was ist die Vorstandswoche genau?

Die Vorstandswoche ist eine fokussierte Börsenpublikation auf kleine und mittlere Aktien aus Deutschland. Alles unterhalb des DAX 30 ist für uns interessant. Wir sind investigativ, direkt und schreiben Klartext und kratzen nicht nur an der Oberfläche. Da gehört ein kritischer Bericht zum Börsengang der Hachinger natürlich dazu, weil das ja sonst keiner macht. Ich selbst bin an der Börse seit über 20 Jahren aktiv. Was Ihr Löwenmagazin für Sie ist, ist die Vorstandswoche für mich. Viel Leidenschaft für Börse und Kapitalmarkt – Hobby und Beruf in einem.

Für einige Löwenfans gilt die SpVgg Unterhaching als Vorbild. Während der TSV 1860 München hoch verschuldet ist und aufgrund von Altlasten bei Gesellschafter Hasan Ismaik immer wieder auf dessen Umwandlung von Darlehen in Genussscheine hoffen muss, bekommt Unterhaching neues Kapital. Was passiert da nun genau bei Schwabls Klub?

Manni Schwabls Engagement und Mut, mit einem Verein aus der 3. Liga an die Börse zu gehen und sich Geld von Investoren bzw. Aktionären zu holen, hat sich für den Klub gelohnt. Respekt! Das hätte durchaus als absoluter Rohrkrepierer enden können, auch wenn Unterhaching nicht alle Aktien bei Aktionären platzieren konnte. In der vorbörslichen Runde im Mai und nun zum Börsengang hat Schwabl immerhin frisches Kapital in Höhe von 6,7 Millionen Euro eingesammelt. Das ist für den Verein durchaus viel Geld. In der Runde im Mai hat er 4 Millionen Euro eingesammelt und jetzt nochmals 2,7 Millionen Euro. Insgesamt sollte sich der jetzige Bruttoemissionserlös aus dem Börsengang jedoch auf bis zu 7,7 Millionen Euro belaufen. Davon wurde nur 2,7 Millionen Euro von Aktionären eingesammelt. Ein echter Erfolg sieht schon anders aus. Aber für den Verein zählt sicher jeder Euro und deshalb kann sich Schwabl durchaus ein wenig feiern lassen. Mit anderen Worten: Der Klub hat finanziell erst einmal Luft zum Atmen, da ja eine Finanzspritze auch dringend notwendig war angesichts der zuvor sehr schwachen Bilanz.

Laut Ihrem Bericht in der Vorstandswoche wurden 545.635 Aktien zum Preis von 7,40 Euro an Aufsichtsratsmitglied Andreas Kögl und an Uto Baader über die Baader Beteiligungs GmbH verkauft. 5.500 Aktien wurden an zwei weitere Aktionäre für denselben Preis verkauft. Dann wurde der Preis quasi für die Hachinger Bürger oder sonstige Kleinaktionäre für 8,10 Euro verkauft. Ist das eine normale Vorgehensweise?

Sie meinen hier die vorbörsliche Platzierung, die dem Klub rund 4 Millionen Euro einbrachte. Diese Aktien kosteten im Mai 2019 noch 7,40 Euro, richtig. Die Aktien der Platzierung zum Börsengang lagen nun bei einem Preis von 8,10 Euro. Also schon wesentlich teurer. Es ist nicht wirklich ungewöhnlich. Aber ich bin davon kein Freund, wenn Aktien ohne Grund ein paar Wochen später ans Volk teurer verkauft werden.

Seit Dienstag werden die Aktien der Hachinger nun an der Börse gehandelt. Der 1. Kurs lag bei 8,30 Euro. Was bedeutet denn das für Otto-Normalverbraucher? Mal angenommen, man ist Fan von Haching und kauft sich Aktien. Kann man damit rechnen, dass die an Wert steigen? Ist das denn tatsächlich eine sinnvolle Investition oder eher eine Unterstützung eben des Lieblingsvereins?

Am Dienstag war der 1. Handelstag an der Börse. Der erste Kurs wurde zu einem Preis von 8,30 Euro festgestellt. 20 Cent höher als der Ausgabepreis von 8,10 Euro. Das ist natürlich erfreulich. Im weiteren Tagesverlauf kletterte die Aktie sogar auf einen Kurs von über 12 Euro und notierte damit sehr deutlich im Plus. In der Spitze des gestrigen Tages waren es sogar mehr als 14 Euro. Hut ab! Auf dem Papier sieht das natürlich super aus. Das bedeutet nichts anderes, als dass die Käufer der Aktien aus dem Börsengang nun ein schönes Plus ihrer Aktien im Depot verbuchen können. Allerdings ist einzuschränken, dass der Handel der Aktie, also das Handelsvolumen an der Börse, doch schon sehr gering ist. Mit wenigen Aktienkäufen, die auf wenig Verkaufsinteresse stoßen, kann der Aktienkurs durchaus schon mal deutlich ansteigen. Den Erfolg oder Misserfolg dieses Börsengangs können wir seriös erst in etwa 12 bis 24 Monaten bewerten. Die Entscheidung fällt auf dem Fußballplatz. Wer davon ausgeht, dass der Klub in die 2. Bundesliga aufsteigt und sich dort nachhaltig etabliert, der setzt auf die Aktie. Ich habe da aber meine Zweifel. Ich sehe die Aktie daher eher Fanartikel denn als ernstes Investment.

Mit welcher Finanzspritze kann denn die Spielvereinigung in diesem Jahr oder auch in den Folgejahren rechnen? Haching plant für die kommenden 3 Jahre …

Akute Geldsorgen hat Schwabl erst einmal nicht, da er durch den Verkauf der Aktien brutto 6,7 Millionen Euro eingenommen hat. Weil aus dieser Kapitalrunde nicht alle Aktien an neue Aktionäre verkauft wurden, kann es durchaus sein, dass in einer weiteren Platzierung der Aktien noch weitere Mittel hinzukommen. Werden diese Aktien alle verkauft, dann kommen theoretisch nochmals mindestens 5 Millionen Euro dazu. Das sollte dann wenigstens 2 Jahre, vielleicht auch 3 Jahre, ausreichen. Reicht es nicht, ist die Notierung an der Börse sicher eine Option, um erneut Geld einzusammeln durch die Ausgabe neuer Aktien.

Was passiert mit den rund 622.000 Aktien, die laut Mitteilung der Spielvereinigung jetzt zum Börsengang nicht verkauft wurden?

Genau um diese Aktien geht es, wenn der Verein nochmals frisches Geld erhält. Es gibt schon Gerüchte an der Börse, dass diese Aktien zum Preis von 10 oder sogar 11 Euro verkauft werden sollen, weil die Kursentwicklung an den ersten beiden Handelstagen erfolgreich war. Aber wie gesagt: Bei sehr dünnem Handelsvolumen. Böswillig gesagt: Die Aktie wurde etwas künstlich nach oben getrieben. Gelingt es nun, die rund 622.000 Aktien zu einem höheren Kurs zu verkaufen, dann würde Schwabl nicht mindestens nochmals 5 Millionen Euro erhalten, sondern zwischen 6 und 7 Millionen Euro. Lassen wir uns überraschen, ob das gelingt. Aktuell notiert die Aktie bei 12,45 Euro.

Auch die Hachinger haben Darlehen in den vergangenen Jahren aufgenommen. Sie sprachen in Ihrem Bericht davon, dass es sinnvoller wäre, einen Schuldenschnitt zu machen. Oder auch Darlehen in Aktien zu tauschen. Was meinen Sie damit?

Das Darlehen war offensichtlich notwendig, weil der Ofen mehr oder weniger aus war. Aufsichtsratsmitglied Christian Näther hat dem Klub mit einem Darlehen ausgeholfen. Per Ende März lag das Volumen inklusive auflaufender Zinsen bei über 2,5 Millionen Euro. Ohne Zinsen: 2,3 Millionen Euro. Wegen der dünnen Bilanz und schlechter Zahlen hätten wir uns gewünscht, dass er auf einen Teil seines Darlehens verzichtet oder den Anteil des Darlehens wenigstens in neue Aktien tauscht. Aus dem Wertpapierprospekt ist zu entnehmen, dass Näther Rückzahlungen auf das Darlehen von fast 1,6 Millionen Euro erhalten soll. Die zur Verfügung gestellte Liquidität aus dem Börsengang reduziert sich dann schon mal um diesen Betrag. Im Falle eines Tauschs von Darlehen in Aktien, also Umwandlung in Eigenkapital, wäre dem Verein besser geholfen gewesen als nun Schulden zurückzuzahlen. Es wäre ein großer Vertrauensbeweis gewesen, wenn Näther zum IPO-Preis von 8,10 Euro das Darlehen in Aktien gewandelt hätte. Das wollte er aber offenbar nicht. Glaubt er denn an die Story?

Aus Löwensicht haben wir immer unseren Zwangsabstieg 2015/16 im Hinterkopf. 21,9 Millionen Euro wurden beim TSV 1860 München in nur einer Saison verbrannt. Durch den Zwangsabstieg waren Spieler ablösefrei. Haching möchte in die Infrastruktur investieren. Sicherlich der bessere Weg, oder?

Ja. Da besteht natürlich kein Zweifel. Allerdings dürfte Unterhaching weiter Verluste schreiben. Von Gewinnen ist das „Unternehmen“ doch eher entfernt. Aber Schwabl hat per heute erst einmal keine Geldsorgen und kann den Verein in Ruhe entwickeln. Das ist ein großer Vorteil, wenn die Finanzierung erst einmal gesichert ist und Investitionen in Infrastruktur und Spieler möglich sind, wenngleich es mit den paar Millionen aus dem Börsengang doch überschaubar ist, weil der Klub ohne Transferlöse ein paar Millionen Euro pro Jahr versenkt.

Wenn Haching nicht in die 2. Bundesliga aufsteigt, wird man wohl auch weiterhin mit Verlusten rechnen. Besteht nicht auch bei Haching die Gefahr, dass man eben nicht aufsteigt und dann das eingesetzte Kapital weg ist? Was hat das zur Folge für die Aktionäre, aber auch für den Verein?

Gelingt kein Aufstieg in die 2. Liga und sind auch keine nennenswerte Transfererlöse möglich, wird der Klub ein paar Millionen Euro pro Jahr vernichten. Da habe ich gar keinen Zweifel. Das Geld aus dem Börsengang wird dann auch schnell weg sein. Die Aktie wird abstürzen. Der Verein wird dann schauen müssen, wie er sich weiter finanziert. Mit etwas Glück kann er dann den Kapitalmarkt anzapfen und den Bittsteller bei den Investoren spielen oder natürlich auch andere Geldquellen aufmachen. Wieder neue Darlehen aufnehmen oder auch andere Arten der Finanzierung prüfen. In jedem Fall wäre das dann aber ein Spießrutenlauf für den Verein.

Der TSV 1860 München möchte konsolidieren. Man nimmt keine weiteren Darlehen an. Kritiker meinen, dass man damit auch keinen Kader zusammenbekommt, der aufsteigen könnte. Die Folge – man wird ewig rote Zahlen in der Dritten Liga schreiben. Bei der Führung hofft man auf höheres Sponsoring, auf den Ausbau des Grünwalder Stadions durch die Stadt und damit Mehreinnahmen. Der richtige Weg aus Ihrer Finanz-Sicht?

Es gab durchaus auch schon andere Vereine, die ohne Millionen, von wem auch immer, einen anständigen Kader aufgebaut haben. Das ist natürlich mühsam. Es gibt aber auch keine Garantie, dass mit vielen Millionen der Aufstieg garantiert ist. Eine Ausweitung von Sponsoring-Geldern ist sicherlich der Traum vieler Vereine. Ob das gelingen kann? Ausnahmen wird’s geben. Sponsoren stehen bekanntlich nirgends Schlange, außer vielleicht bei Bayern München. Ich bin der Meinung, dass die Regel 50 + 1 schlichtweg nicht mehr zeitgemäß ist. Die Welt verändert sich dramatisch. Warum auch nicht hier? Das wäre der durchaus spannende Weg – ob es der richtige Weg ist, kann natürlich eifrig diskutiert werden.

Vorstandswoche: http://www.vorstandswoche.de

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Sportfan

Sorry aber gerade der letzte Absatz bezgl. 50+1 ist für mich Unsinn. Was ist ohne 50+1 gewonnen ? Die Einnahmen ändern sich dadurch nicht. Die Vereine mögen leichter Geld aufnehmen können aber wo bleibt die Rendite für die Investoren ? Ohne 50+1 wird es deswegen keine 18 mal Bayern München oder Dortmund geben. Sprich die Großen bleiben groß und die Kleinen eben klein.

anteater
Leser

Eben! Es gibt ja nicht mehr gute Spieler durch mehr Geld im System. Die guten Spieler werden nur teurer (Ablöse und Gehälter), weil zumindest theoretisch mehr Vereine zu viel Geld für zu hohe Gehälter und Ablösen haben. Wer die Abschaffung von 50+1 fordert, um dadurch die Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Fußballs zu steigern, hat meiner Meinung nach einfach zu kurz gedacht.