Ein Kommentar unseres Lesers anteater

Es ist eine kleine Randerscheinung, wohl kaum wahrgenommen, vielleicht für manche nur eine Lappalie, doch es lässt mich nicht los und trübt ein wenig ein erneut tolles Stadionerlebnis vergangenen Dienstag. Und weil es mich nicht los lässt, möchte ich hier darüber berichten und sehr gerne diskutieren, auch um künftig selbst besser auf so etwas reagieren zu können.

Um was geht es? Nun, die Situation war so, dass Prinz Owusu den Ball bekam und irgendwo links von mir (F2) einer meinte „Negerbua, jetzt mach was“. Negerbua? Geht es eigentlich noch? Wir sind im Jahr 2019, nicht 1940. Alexander Gauland oder Björn Höcke waren auch nicht anwesend, denen würde man so einen Spruch durchaus auch zutrauen.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass Prinz Owusu nicht erfreut wäre über so eine Bezeichnung. Nono Koussou, Romuald Lacazette, Johann Ngounou Djayo, Noel Niemann, Cottrell Ezekwem sicherlich auch nicht, um nur einige unserer dunkelhäutigen Spieler zu nennen. Und höchstwahrscheinlich findet der gesamte Trainer- und Spielerstab von Sechzig die verwendete Bezeichnung für vollkommen unangemessen.

Im e.V. wäre der Spruch wohl Grund für einen Ausschluss (8.3 a „Der Ausschluss aus dem Verein kann erfolgen: bei […] rassistischem oder diskriminierendem […] Verhalten innerhalb oder außerhalb des Vereins“).

In England bekommt man dank Sitzplatzstadien und personalisierten Tickets dafür übrigens Stadionverbot, sofern es gemeldet wird. Und so etwas wird gemeldet. Nein, das fände ich jetzt überzogen in dieser Situation, doch wüsste ich gerne von Euch, was Ihr meint, wie man angemessen mit so einer Situation umgeht. Nichts tun, wie ich und andere es am Dienstag taten, das kann nicht die Lösung sein.

Versteht mich bitte nicht falsch. Das Publikum beim Fußball generell, also auch bei Sechzig, ist ein Querschnitt durch die Gesellschaft. Da ist alles dabei, Wähler von rechts außen über die Mitte bis links außen, auch Nichtwähler, Rassisten, Humanisten, Homophobe, Arbeitslose, Reinigungskräfte bis Professoren usw. usf. (jeweils m/w). Es geht im Stadion ja auch nicht um Politik, wir gehen alle dort hin, um Sechzig anzufeuern und ein Fußballspiel anzusehen. Ich kann gut damit leben, dass wir alle privat sicherlich ganz unterschiedliche Vorstellungen von der Welt, der Politik und vom Leben haben. Doch sollte der, wie ich denke, in unserer Gesellschaft anerkannte Konsens gelten, dass offener Rassismus wie z.B. Antisemitismus oder Antiziganismus, Homophobie, Frauenfeindlichkeit, Fremdenfeindlichkeit usw. keinen Platz haben, auch nicht im Stadion, oder? Die Zeiten der Affenlaute von den Rängen zur Diskriminierung sind zum Glück längst vorbei und auch in der 3. Liga sind einige der talentiertesten Spieler dunkelhäutig, z.B. Mamba (Energie Cottbus), Biankadi, Weidlich und Soukou (Hansa Rostock), Kyereh (Wehen) oder Ajani und Manu (Halle).

Im Stadion sehe ich unter den Fans Menschen mit allen möglichen z.B. Migrationshintergründen und das ist absolut gut und richtig so. Schon allein dafür sollte man sich doch mit Äußerungen wie „Negerbua“ zurückhalten, wenn einem sowas schon im Kopf rumgeistert.

Klar ist dabei natürlich, dass wohl einige von uns schon mal einen unbedachten Satz rausgehauen haben, auch Fäkalsprache ist im Stadion allgegenwärtig, da nehme ich mich in keinster Weise heraus. Es geht halt etwas derber zu, für Zartbesaitete ist das alles wohl eher nichts.

Also, wie seht Ihr das? Soll man so einen „Negerbua“-Sager freundlich darauf hinweisen, dass das nicht akzeptabel ist? Fängt man sich dann eine? Sehe ich das alles zu verbissen und stoße nur ich mich an so etwas? Wo ist überhaupt, auch in Bezug auf die Fäkalsprache, eigentlich die Grenze des Erträglichen für Euch im Stadion? „Augsburger Zigeuner“ ist ja mindestens auch grenzwertig und das würde ich nicht mitsingen.


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3und6zger
Leser

Wäre in der gleichen Situation Mölders oder Karger am Ball gewesen, hätte der Kollege wohl „Sascha oder Nico, jetzt mach was!“ gerufen. Warum kann er nicht den Namen von Prince Osei Owusu nehmen? Ich denke, weil eine Bezeichnung braucht, mit dem er Prince herabwürdigen kann. Er muß also seine vermeindliche Überlegenheit gegenüber einem Menschen anderer Hautfarbe demonstrieren. Und genau das ist ja üblich, dass man sich als Bayer/Oberbayer/Münchener als überlegen gegenüber allen möglichen anderen Zeitgenossen wie z.B (Sau)Preißn/Ossis/Kanaken fühlt. Und das war schon die Einstellung, die die Nazis ursprünglich salonfähig gemacht haben. Es ist meiner Meinung nach kein Zufall, das München als „Hauptstadt der Bewegung“ der Ausgangspunkt des düstersten deutschen Geschichtskapitel war.
Insofern sollte man nicht schweigen und versuchen solche Plärrer zum Nachdenken zu bringen. Wenn er nächstens dann den Namen nimmt, hat man schon was erreicht.

noigez fichtenelch
Leser

Finde es gut und richtig das Thema hier aufzuwerfen: Und die Kommentare zeigen, dass es hier auch durchaus Diskussionsbedarf gibt.
Ich bin auch öfter schon im Stadion vor der Situation gewesen, dass was gerufen wurde, was meine persönliche Schmerzgrenze übersteigt. Die ist allerdings bei fast allen unterschiedlich. Offen bösartig/beleidigend rassistisch oder homophob ist es wohl bei mir. „Negerbua“ noch irgendwas verniedlichendes (in der eigenen Mannschaft), ich möchte aber nicht hören, wie er von der selben Person genannt würde, wenn der gute Prince das Trikot des Gegners tragen würde…
In der Regel sage ich dann in solchen Situationen schon was.
Erst in der Hinrunde hatte ich einen Nachbarn (geschätzt mein Alter Anfang/Mitte 40), der in der ersten Halbzeit das bei vielen (mir nicht!) so beliebte „A****loch, W****ser, H*****sohn, H***ness*“ noch jedes mal um ein (erfreulicherweise mittlerweile seltener hörbares) „und schwul!“ lautstark ergänzt hat.
In der Halbzeit hab ich ihn dann darauf angesprochen, welche Aussage er damit tätigen möchte. Seine Argumente waren recht dünn („das wäre halt früher so üblich gewesen“) und es entstand ein ganz gutes Gespräch. Zumindest in dieser zweiten Halbzeit hat er dann auf den Zusatz dankenswerterweise verzichtet.
Natürlich habe ich aber auch schon ganz andere Erfahrungen gemacht mit echten Volltrotteln. Allerdings habe ich immer mein Maul aufgemacht, wenn es über meine Schmerzgrenze hinaus ging. Und Gottseidank (noch?) nie dafür eine auf ebendieses bekommen.
Das gute ist nämlich: sobald einer was sagt, sind in der Regel immer genügend Leute in der Nähe, denen so ein Mist auch nicht passt. Und die sagen dann auch was.
Das löst natürlich keine Knoten in den Hirnen der Betroffenen, aber macht den Stadionbesuch dann doch angenehmer…
In diesem Sinne: Maul auf gegen Nazis!

Personix
Leser

Der Beitrag ist je eigentlich nicht schlecht!…

Aber was soll das mit „In diesem Sinne: Maul auf gegen Nazis!“??
Ist man Nazi wenn man Arschloch, Wichser, Hurensohn usw sagt??
Oder im Dialekt „Negerbua“?
Wie kommt „Schwarzer Junge“ an?
Was ist dann mit der Wertung anderer als „Volltrottel“?
Bist du dann nur ein kleiner Nazi?
Meiner Meinung nach übertreiben wir es komplett mit dieser ‚Political Correctness‘

noigez fichtenelch
Gast
noigez fichtenelch

Ich gebe Dir recht, dass es (auch mir) vor allem auf den Kontext ankommt. Und um Political Correctness geht es mir persönlich auch überhaupt nicht.
Mit „Maul auf gegen Nazis“ möchte ich nur sagen, dass man nicht schweigen soll, wenn einem selber was auf den Zeiger geht.
Oft (wie in meinem Beispiel oben) kommt dabei was halbwegs sinnvolles raus. Manchmal eben auch nicht.
Und was mir sowieso fern liegt, ist mit der PC-Brille durchs Stadion zu gehen um „Nazis zu suchen“. Oder irgendjemanden vorschnell als solchen zu verurteilen…

Und jetzt: Anpfiff!

Hubertus Holzinger
Gast
Hubertus Holzinger

Ganz ehrlich, das ist für mich scheinheilig und passt in die Gutmenschenschiene! Als ich klein war, sammelte man in der Kirche für die armen Negerkinder, man sang „Zehn kleine Negerlein“ und ein „Neger“ war ein schwarzer Mensch ohne jeglichen rassistischen Hintergedanke. Ihr schreit im Stadion „Hachinger Arschlöcher“, „Schwarze Sau“ und „Scheiß FC Bayern“, aber der „Negerbua“ soll beleidigend sein – geht’s Euch noch gut?

DaBianga
Leser

Erst mal vorne weg, wie alt bist du?
Ich sehe das wie manch Anderer hier doch etwas überzogen.
Ich bin mit 52 auch Ein älteres Semester, und ich empfinde es gerade mit dem Zusatz „Bua“ in keinster Weise diskriminierend.
Durch das Ächten des Wortes Neger ändert sich rein garnichts, auf die Gesinnung kommt es an. Du kannst es durch jedes x-beliebigen Wort ersetzen, wenn es diskriminierend gemeint sein soll wird es auch so rüberkommen.
Wenn du geboren wirst bist du weiß,
wenn du in die Sonne gehst wirst du braun,
wenn du betrunken bist wirst du blau,
wenn du verlegen bist wirst du rot,
wenn du krank bist wirst du grün,
wenn du stirbst wirst du grau.
Ich bleibe immer schwarz, und du nennst mich Farbiger?

Ich für mich beurteile einen Menschen selbst, und nicht nach seiner Hautfarbe oder Herkunft.

anteater
Leser

Nicht wesentlich jünger als Du. Und meine Gesinnung ist so, dass ich es nicht wirklich ertrage, wenn ein Schwarzer oder natürlich eine Schwarze als Neger, egal ob Bua oder Madl, tituliert wird.

Ja, stimmt schon. Wahrscheinlich ändert es an der Gesinnung nichts, wenn man jemanden darauf hinweist, dass das ein abwertender Begriff ist. Eher aber, als wenn man es unkommentiert stehen lässt.

Loewen1860
Leser

Traurig. Aber das spiegelt unsere Gesellschafft.

Für mi is des da Prinze. Des is net abwertend, sondern liab gmoant.

Die andere Gschicht, die mir hinsichtlich Rassismus einfällt, lass i euch morgen im Bus wissen.

anteater
Leser

Und mir erzählst es dann im Block.

Loewen1860
Leser

Do muass i unser Mannschafts oh feiern…

anteater
Leser

Halbzeitpause und mal das Handy weg…

Baum
Leser

Ich möchte ja nicht Düpferlscheissen aber heutzutage heisst das korrekt (jeweils m/w/d) und nicht (jeweils m/w). Allein das zeigt schon, wie kompliziert es mittlerweile ist, immer „politisch korrekt“ zu sein. Im Alltag, bei ganz simplen Dingen. Egal ob im Internet oder im echten Leben. Und natürlich geht „Negerbua“ überhaupt gar nicht. Es gibt ja die gleiche Diskussion über Negerkopf oder Zigeunerschnitzel. In meiner Jugend war sowas absolut normal, aber die Zeiten ändern sich. Und man sollte schon in solchen Dingen mit der Zeit gehen. Just my 2 cents. wink

Löwe
Leser

Find „Negerbua“ völlig daneben!! Man hätte diese Person durchaus darauf hinweisen sollen, dass dies nicht in Ordnung ist.

Die Ziffer 8.3a der Satzung oder ein Stadionverbot ins Gespräch zu bringen halte ich aber für überzogen. Dann müsste auch jeder rausfliegen, der den gegnerischen Torwart als „Arschloch, Wixxer, Hurensohn“ beschimpft.

anteater
Leser

Wie ich ja schrieb, fände ich das auch überzogen mit dem Stadionverbot. Das habe ich nur erwähnt, um mal einen offiziellen Rahmen zu setzen.

Alexander Schlegel
Leser

Es wäre noch interessant gewesen zu erfahren, wie alt der Zuschauer war, der das reingerufen hat. Ich war nämlich letztens sehr erstaunt als ich eine Dokumentation zum Tode Martin Luther Kings gesehen hatte. Da kamen auch einige Ausschnitte aus der damaligen Tagesschau, wo der Reporter vor Ort in Amerika die versammelten schwarzen Protestierenden für ihn ganz normal als „Neger“ bezeichnete und das mehrfach. Und auch meinen Opa musste ich vor vielen Jahren bei einer Boxübertragung dezent darauf aufmerksam machen, dass man „Neger“ heute nicht mehr sagt, was er mit keineswegs gespielter Überraschung zur Kenntnis nahm. Das war in den 80er-Jahren. Der Mann war immerhin Akademiker und keineswegs im rechten Spektrum angesiedelt. Was ich damit sagen will: der Begriff war früher noch absolut normal und ich kenne eigentlich auch bis heute keinen so richtig passenden Begriff für Menschen mit dunkler Hautfarbe. Denn nicht jeder „Schwarze“ ist schwarz. Das Wort „Dunkelhäutiger“ finde ich auch oberbescheuert, da so viele Menschen einen dunkleren Teint haben und ich da auch keineswegs klar ist was und wen man damit bezeichnen möchte. Menschen aus dem arabischen Raum haben auch öfters eine etwas dunklere Hautfarbe, werden aber auch nicht als „Dunkelhäutige“ bezeichnet, ganz zu schweigen von Menschen aus Brasilien. Das Gleiche gilt für das Wort „Farbiger“. Was das bedeuten soll, habe ich bis heute nicht verstanden. Welche Farbe soll damit gemeint sein und warum? Abgesehen davon war das eh mehr ein Begriff dümmlicher Rassentheoretiker und geht genauso wenig.

Natürlich ist der Begriff „Neger“ heutzutage ein „No-Go“, aber nicht jeder, der den Begriff verwendet ist gleich ein Rassist, manchmal einfach nur ein Angehöriger „bildungsferner Schichten“. Denn im Prinzip sollte man im Jahre 2019 schon mitbekommen haben, dass man das Wort „Neger“ nicht mehr verwenden sollte, auch wenn man es selber nicht böse damit meint. Würde der Betreffende mich dann zurückfragen, wie er den Spieler dann bezeichnen soll, würde ich wahrscheinlich nur antworten: der Mann hat einen Namen, nenn ihn einfach „Owusu“ oder meinetwegen in der bayrischen Form „Owusu-Bua“.

anteater
Leser

Der Mann war etwa Mitte 50. Und ich würde auch eher keinen akademischen Hintergrund vermuten, der bekanntlich aber auch nicht immer vor rassistischem Gedankengut schützt.

Alexander Schlegel
Leser

Klar, kann jemand mit einem akademischen Hintergrund rassistisch sein, das ist ja keine Frage. Ich wollte damit auch nur verdeutlichen, dass das Wort bis in die 80er-Jahre selbst noch im etwas gesetzteren, älteren Bürgertum noch völlig normal benutzt wurde. Aber es ist heute ganz klar ein Schimpfwort. Aber nicht jeder, der es benutzt, ist von seinem Verhalten und Einstellung her automatisch ein Rassist. Da muss man aufpassen, dass man nicht eine Beleidigung mit der nächsten Beleidigung beantwortet.

anteater
Leser

So ist es!

Wolf
Leser

„Aber es ist heute ganz klar ein Schimpfwort.“
Worauf stützt sich diese Behauptung ? Wird das Wort wirklich inzwischen mit einem deutlich anderen Tenor verwendet?
Von mir, 57 Jahre alt, zumindest nicht.

Alexander Schlegel
Leser

Ich bin 55 Jahre alt und verwende das Wort seit Jahrzehnten nicht mehr. Unter meinen Bekannten und Freunden käme auch keiner auf die Idee das Wort zu verwenden. Gut, ich bin natürlich kein Maßstab, aber die Website der Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus erklärt das ganz gut: https://gra.ch/bildung/gra-glossar/begriffe/diskriminierung-und-verfolgung-von-minderheiten/neger/

Lohhofer Löwe
Gast
Lohhofer Löwe

Solange keine Person direkt damit angesprochen wird, ist es für mich in Ordnung. Aus der Emotion heraus passiert sowas schon mal, aber wie gesagt, Personen dürfen so nicht angesprochen oder Bezeichnet werden.

Dr. Klothilde Rumpelschtilz
Leser

Ich finde JEDER sollte JEDEN mit Respekt behandeln, ich möchte zB in UK auch nicht als Nazi-Bua bezeichnet werden.
Den Rufer darf man schon gern mal laut, deutlich und wenns geht noch witzig drauf aufmerksam machen.

Banana Joe
Leser

Auf der Insel kannst froh sein, wenn sie dich nur als Kraut bezeichnen! grin

anteater
Leser

Das ist seit den 1980ern aber sehr deutlich besser geworden.

Blaublut
Leser

Anteater, was hast Du? Negerbua, das ist doch ein liebevoller Name und per se bestimmt kein Schimpfwort. Wieso verbindest Du damit eigentlich eine rassistische Beleidigung? Das war bestimmt nicht so gemeint, wie Du es aufgenommen hast. Ich finde Du könntest etwas gelassener sein. Wenn es nicht liebevoll gemeint gewesen wäre, hatte der Rufer bestimmt nicht —bua sondern ein ganz anderes Wort hinten dran gehängt. Aber – um auch das für mich klarzustellen: grundsätzlich bin ich bei Dir, dass Rassismus null Toleranz verdient, egal ob im Stadion oder sonst wo. Vielleicht ist die Sicht dieses „Vorfalls“ auch eine Generationenfrage. Ich bin 60er mit 60 Jahren und von Kindheit an zu Toleranz und Antidiskriminierung erzogen worden. Aber in meiner Kindheit gab es kein anderes Wort für Schwarzafrikaner als „Neger“ und es ist deshalb auch für mich nicht prinzipiell negativ.

anteater
Leser

Ich verbinde damit ein Schimpfwort und eine Beleidigung, weil „Neger“ als solche gilt.

Wie es gemeint war, das kann ich nicht beurteilen, ich hab es ja nicht gesagt. Wie gesagt, ich bin mir doch recht sicher, dass Prinz Owusu nicht erfreut über diese Bezeichnung gewesen wäre.

Ja, das mit dem Alter, das ist sicher ein guter Punkt. Ich meine schon, dass es da zu einer Art Generationenwechsel kommt. Das wächst sich sozusagen aus der Gesellschaft raus.

Wolf
Leser

Ich würde Owusu jetzt nicht als Negerbua bezeichnen, habe aber doch meine Schwierigkeiten mit Deiner Ausssage, „weil „Neger“ als solche gilt“.
Wer ist befugt, das absolut festzulegen?
Sicherlich wird dieser Begriff mitunter abwertend im Sinne von „einfache Hilfsperson“ verwendet, allerdings genauso auch als Synonym für eine Person mit dunkler Hautfarbe.

Josef Wagner
Leser

Das denkst Du nur, denn per se ist „Neger“ keine Beleidigung. „Neger“ kommt vom lateinischen „niger“ und heißt nichts Anderes als dunkel, schwarz. Wenn Neger eine Beleidigung ist, dann ist Weißer ebenso Eine.

Was ich allerdings ebenfalls als Beleidigung sehe ist „Nigger“ oder auf baierisch „Negabeil“.

Alexander Schlegel
Leser

Du gehst anscheinend davon aus, dass Begriffe keinem Bedeutungswandel unterliegen. Aber auch Begriffe haben ihre Entwicklung. Du sagst ja heute auch nicht mehr zu (D)einer Frau „Weib“ (oder wenn, dann allenfalls ironisch), auch wenn es im 18. und 19. Jahrhundert noch als Synonym für das weibliche Geschlecht gebraucht wurde. Und das Problem beim Begriff „Neger“ sind ja auch seine Wurzeln. Denn der Begriff wurde von spanischen und portugiesischen Kolonisten als Synonym für Sklave verwendet und der mitgedachte Kontext wurde erst im 20. Jahrhundert problematisiert. Und diese wachsende Sprachsensibilität finde ich auch absolut richtig und wichtig, mag es auch manchmal über das Ziel hinausschießen. Aber eine sensiblere Handhabung des Wortes ist in diesem Fall absolut wichtig. Im Zweifelsfall kann man ja mit einem Betroffenen auch mal darüber reden. Ich glaube, dann wird es sehr schnell klar, dass das Wort nicht mehr gebraucht werden sollte.

anteater
Leser

Ich habe es extra vorher nochmal nachgeschlagen und das Wort Neger wird tatsächlich als rassistisch eingestuft.

Wolf
Leser

Die Frage ist doch, von wem und mit welcher Befugnis.

Wolf
Leser

Das denkt nicht nur er, sondern viele zumindest mit jüngerem Alter. Grundsätzlich sehe ich es aber ähnlich wie Du. Ich verwende den Begriff „Neger“ zwar fast nicht mehr, aber wenn doch, dann zumindest gedanklich als Synonym für eine Person mit dunkler Hautfarbe. Meine Umwelt kritisiert mich dann meist und dann antworte ich im Regelfall ähnlich wie Du es oben beschrieben hast.

Bluemuckl
Leser

Per se ist „Arschloch“ auch keine Beleidigung, denn es beschreibt lediglich die Öffnung am Ende des Enddarmes. Trotzdem wird es ausschließlich als Schimpfwort benutzt.

DaBianga
Leser

…und Neger wird auch ausschließlich als Beleidigung benutzt? Deinen Kommentar halte ich für grenzwertig.
Durch „Sprachbereinigung“ änderst du Probleme nicht.

Bluemuckl
Leser

Ich denke nicht, dass es grundsätzlich beleidigend gemeint ist, das ändert aber nix daran, dass der Bezeichnete sich wahrscheinlich beleidigt und diskriminiert fühlt. Ich bin aber auch a Eckerl jünger und mir wurde das so beigebracht. Im Übrigen bin ich schon der Meinung, dass der Sprachgebrauch sich durchaus auf die Gesinnung auswirkt und umgekehrt.

Selbstverständlich möchte und kann ich niemandem vorschreiben, wie er sich zu äußern hat, aber ich habe eine klare Meinung und die bringe ich zum Ausdruck.

Kevin
Leser

Ich hätte warscheinlich mit „Oida?!“ reagiert.

Ich verstehe das Problem schon, einerseits kann man solche Aussagen nicht unkommentiert stehen lassen, andererseits nicht den Oberlehrer/Moralapostel spielen, und sich selber den Stadionbesuch versauen, weil man mit irgendwelchen Deppen diskutiert.

Nico
Gast
Nico

Ich stand auch in F2, und einmal ist laut vernehmbar sogar der Begriff „Quotenneger“ gefallen, als der Owusu am Ball war. Leider konnte ich den Typen nicht ausmachen. Ob jetzt von derselben Person, lasse ich mal dahingestellt. Das ist unterste Stammtischmentalität! Und bei aller Liebe zur Tradition, rassistische Äußerungen gehen gar nicht, und dementsprechend haben Rassisten auch nichts im Stadion verloren! Genauso lächerlich & schlimm finde ich übrigens die Typen, die solche Äußerungen auch noch mit anerkennendem Gelächter honorieren.

anteater
Leser

Danke erstmal für die Veröffentlichung.

Und danke für die ganzen Kommentare, für alle davon, auch die mit anderer Sichtweise. Ich werde versuchen, auf alle einzugehen, fahre aber auch gleich los nach Würzburg.

Wolf
Leser

Fast hätte ich das wichtigste vergessen: bring´3 Punkte aus Würzburg mit!

anteater
Leser

Mit den anderen Reisenden zusammen tue ich alles was ich kann.

Serkan
Leser
Loewen1860
Leser

Danke für den Link. Muss ich mir mal holen des Buch

anteater
Leser

Schätzungsweise Mitte 50. Also deutlich zu jung, um noch zu ganz anderen Zeiten aufgewachsen zu sein. Und alt genug, um Zeit genug gehabt zu haben, um zu bemerken, dass so etwas, gelinde gesagt, nicht sehr nett ist.

MalikShabazz
Leser

sobald ich das Wort „Neger“ höre, weiße ich denjenigen drauf hin, dieses Wort doch bitte nicht mehr zu verwenden, da ich es als herabwürdigend und rassistisch empfinde. Den meisten ist es dann tatsächlich peinlich und entschuldigen sich. Hab aber auch schon andere Reaktionen bekommen.

Dieser Begriff hat bereits in Zeiten des Kolonialismus begonnen, negativ behaftet zu sein. Der Kontext des Sklavenhandels hat sich im 18. Jahrhundert mit der fragwürdigen Rassenlehre vermischt. Damals wurde gelehrt, dass Menschen mit dunkler Hautfarbe „anders“ sind. Spätestens im 19. Jahrhundert wurde „Neger“ als Begriff abwertend verwendet. Es war ja gewissermaßen Lehrmeinung, dass Menschen dunkler Hautfarbe „anders“ – oft im Sinne von zweitklassig – sind. Spätestens mit der Bürgerrechtsbewegung der 1960er Jahre in den USA und der Emanzipation der schwarzen Menschen war jedoch klar, dass es sich tatsächlich um ein Schimpfwort handelt und dass die überkommenen Rassentheorien nicht haltbar sind. Von da an hätte ein Umdenken passieren müssen. Das Wort „Neger“ hat eine fragwürdige Geschichte. Für uns ist heute klar, dass man es nicht verwendet. Und mit „uns“ meine ich informierte Menschen beziehungsweise Menschen mit einem Zugang zu diesen Informationen.

Josef Wagner
Leser

Auch für Dich: „Neger“ ist per se eben keine Beleidigung, da es vom latinischen „niger“, dunkel schwarz kommt, sonst wäre auch „Weißer“ eine Beleidigung.

Was eine Beleidigung wäre, wäre „Nigger“ oder „Negabeil“.

MalikShabazz
Leser

Franz Josef Wagner, bist du es?

Und wie oben beschrieben, machst du es dir zu einfach.

anteater
Leser

Und für Dich:
„Neger gilt heute als Schimpfwort und als abwertende, rassistische Bezeichnung für schwarze Menschen.“ Quelle: https://de.m.wikipedia.org/wiki/Neger

„Die Bezeichnung Neger gilt im öffentlichen Sprachgebrauch als stark diskriminierend und wird deshalb vermieden. Als alternative Bezeichnungen fungieren Farbiger, Farbige sowie Schwarzer, Schwarze;“ Quelle: https://www.duden.de/rechtschreibung/Neger

anteater
Leser

Danke für diese tolle Ergänzung, gerade in Hinblick auf die sprachliche Entwicklung und Hintergründe.

Gunther Percher
Gast
Gunther Percher

Vollste Zustimmung. Außer: der Typ heißt natürlich Bernd Höcke

anteater
Leser

Ja, stimmt auch wieder. Und noch ein Fehler in meinem Text. Kevin Weidlich spielt in Cottbus, nicht in Rostock.

Kranzberg
Leser

Zu dem Thema kann ich nur das Buch „Ein Neger darf nicht neben mir sitzen“ von David Mayonga, besser bekannt als Roger Rekless, empfehlen.

BruckbergerLoewe
Leser

„Negerbua“ ist für mich im Bayerischen kein Schimpfwort,genauso wenig wie „Saupreiß“ oder „Schwabenbeidl“.
Aber wahrscheinlich muss man sich Anno 2019 für alles entschuldigen, sei es ein Negerkuss, Zigeunerschnitzel oder Führerschein.

anteater
Leser

Okay, danke für Deine Sichtweise.

Vor einigen Jahren war es mal in der Jugendsprache ziemlich angesagt, andere als Spasti zu bezeichnen. Ich habe irgendwann mal jemanden kennengelernt, der Spastiker ist. Der fand das mal so gar nicht witzig und empfand das durchaus als Schimpfwort. Es liegt also häufig im Auge bzw. Ohr des Betrachters, wie es ankommt.

Heute sagen bestimmte Leute so Dinge wie „Ich fick deine Mutter.“. Da bleibt mir dann als Antwort stets nur „Okay, die Frau ist 67, wenn das Deine Zielgruppe ist, ich werte da nicht.“. Dann ist auch gleich Ruhe.

Banana Joe
Leser

Na fährste mal mit Bus oder U-Bahn, da hörst heute von den Kids auch noch Beleidigungen wie „Spast“, „behindert“ oder „schwul“. Wird noch ’ne ganze Ewigkeit dauern, bis solche Beleidigungen verschwinden, wie beim Neger! Di jungen Leute wissen es, dass man das nicht mehr verwenden darf, irgendwann ist das quasi ausgestorben… und hoffentlich Rassismus auch.

Wenn ich irgendwie mal in eine derartige Diskussion hineingezogen werde, was Gottseidank sehr selten der Fall ist, versuche ich, den Leuten beizubringen, dass es nur 2 Arten von Menschen gibt: Arschlöcher und Nicht-Arschlöcher. Dann haben sie erstmal was zum Nachdenken, vielleicht hilft’s ja.

Banana Joe
Leser

Gelöscht! Politische Diskussion gehört hier nicht hin!

anteater
Leser

Schade. Ich fand den Ansatz ganz interessant. Wir hatten in München auch GIs und natürlich auch schwarze Soldaten. Ich weiß nicht, wie alt Du bist, aber ich kenne es nicht mehr, dass man da „Neger“ sagt.

Banana Joe
Leser

Bin 44 und bei uns war das wirklich eine gängiges Wort rund um Grafenwöhr/Vilseck. Ältere so ab 60 oder 70+ sagen das heute noch. Ich war aber noch auf der Schule Anfang der 90er, als – auch durch fremdenfeindliche Vorkommnisse im Östn der Repüblik– die Diskussion allmählich aufkam. Negerkuss ist tatsächlich noch das einzige bei mir im Sprachgebrauch. Hatte später zu meiner Studienzeit auch einen Kumpel aus Afrika, der sich selbst als „Neger“ bezeichnet hat, immer mit viel Humor (war eh ne coole Socke). Ist freilich was anderes, als wenn das ein Weißbrot sagen würde.

Und wenn jemand den großartigen Simon Pearce kennt (ein Vollblutlöwe, grüß dich falls du hier mitliest), er hat’s im Comedy-Programm („Ich bin hier der einzige Neger unter lauter Kanacken“ – Stand Up Migranten) grin

Egal, ohne die Situation im Stadion und das evtl. Alter des Herren zu kennen, muss nicht immer alles gleich rassistisch oder beleidigend gewertet sein, wenn’s der herr halt nie anders gelernt hat. Ich jedenfalls sag’s schon eeeewig nicht mehr.

anteater
Leser

Simon Pearce behauptete neulich, er sei der erste oder einzige Schwarze in Puchheim gewesen. Das stimmt so nicht. Ich kannte schon zwei, die auch älter sind als er. Wenn ich ihn mal treffen sollte, werde ich ihm das erzählen…

Serkan
Leser

Wie steht es mit einer Türkensau? Einem Kameltreiber? Einem Katzelmacher? Einem Tschuschn? Einem Jud? Einem Schlitzauge? Deinen Negerkuss-Zigeunerschnitzel-Führerschein-Humor kann ich nicht teilen. Obwohl ich mich im Bayerischen gut auskenne.

jürgen (jr1860)
Leser

das erste ist diskriminierend und geht gar nicht (Kümmeltürke usw)

Negerkuss, Zigeunerschnitzel sind für mich Bezeichnungen aus der Umgangssprache, die weder diskriminierend gemeint sind, sondern Dinge darstellen… nen Schwabenpfandl derf man ja auch sagen

anteater
Leser

Das mit dem Begriff „Kümmeltürke“ ist ganz interessant, also rein sprachwissenschaftlich. Man bezeichnete damit in Halle/Saale Studenten, die aus dem Umland kamen, welches man Kümmeltürkei nannte.

Bluemuckl
Leser

In dem Moment wo sich jemand beleidigt oder herabgesetzt fühlt, ist es eine Beleidigung. Dunkelhäutige Menschen fühlen sich nun mal vom Wort „Neger/Nigger“ diskriminiert, das gilt es zu respektieren, egal welche sprachhistorische oder „kulturelle“ Rechtfertigung man für die Verwendung solcher Worte heranführt.

Kein Mensch möchte beleidigt, herabgewürdigt oder diskriminiert werden.

bertl
Gast
bertl

morgen also ich steh jeden tag mit einer schwarzen am bahnhof man kennt sich mitlerweile und hat jeden tag in der früh am bahnhof und die eine station echt spaß in der gruppe die da zusammen ist und ob ihr es glaubt oder auch nicht die redet auch immer von negern .
und gerade im bayrischen is die zweideutigkeit sehr oft gegeben z.b arschloch und arschloch würde es nicht so hoch hängen wenns so im spiel als anfeuerung kommt ABER wenns dann richtung rechts weiter gehen sollte muß man einschreiten so seh ich das

wir haben im f2 auch schonmal einen gehabt der hat letztes jahr auch mal gemeint so anzufangen da gabs den einen oder anderen „freundlichen“ hinweis und seitdem kam da nichts mehr

jürgen (jr1860)
Leser

Sollte man auf jeden Fall ansprechen…

„Nichts Sagen heißt zustimmen …“

Das sagt sich aber leichter als es ist. Meist warte ich zumindest ein bissl, obs nur nen kurzer „Ausrutscher“ war. Schließlich will man ja im Stadion seine Ruhe und den Flair und Spiel genießen und keinen Ärger.