Das Jahr 2020 neigt sich dem Ende zu. Gerade im Dezember gibt es mannigfaltige Jahresrückblicke. Zur sportlichen Situation bei den Löwen möchte Reinhard Friedl versierteren Kennern der Szene den Vortritt lassen. Er selbst möchte sich auf die wirtschaftliche und finanzielle Situation des Jahres 2020 konzentrieren und einen Ausblick für das erste Halbjahr 2021 geben.

Ein Kommentar von Reinhard Friedl

Trotz der extremen Auswirkungen der weiterhin bestehenden Corona-Pandemie wird für die vergangene Saison (Wirtschaftsjahr 1.7.2019 bis 30.6.2020) für die KGaA kein Verlust entstanden sein. Dies ist zu einem Großteil den Fans zu verdanken, die in der Mehrzahl auf anteilige Rückerstattungen für ihre Jahreskarten verzichtet haben und in großem Stil „Geisterspieltickets“ erworben haben. Des Weiteren konnte die KGaA den ersten Teil vom Bundeszuschuss aus dem Hilfs- und Überbrückungsprogramm (bis zu 800 T€ pro Verein) abrufen. * Ein weiterer Garant für die Aussage, dass das letztjährige Geschäftsjahr mit keinem Verlust abgeschlossen wurde, sind die Transfererlöse von Weigl, Pongracic und Uduokhai, die im Frühjahr in der GuV der KGaA verbucht werden konnten.

Für die neue Saison (Wirtschaftsjahr 1.7.2020 bis 30.6.2021) beginnt nun die Saat aufzugehen, die mit dem Konsolidierungskurs eingeläutet wurde. Der Mehrheitsanteilseigner hat wohl erkannt, dass dieser Weg auch für sein eigenes Investment kein Irrweg ist. Daher gab er zu Beginn der Saison für die nächsten 2 Jahre die Zusicherung, bis zu 6 Mio € auszugleichen, sofern die finanziellen Etatziele aufgrund der Corona-Pandemie nicht erreicht werden können. Dies war der Grundstein für seriöse Planungen seitens des neuen Geschäftsführers Marc-Nicolai Pfeifer. Der Hauptsponsor die Bayerische hat gleich zu Beginn des neuen Wirtschaftsjahres mit einer Verdoppelung (nahezu 2 Mio €) ihres Engagements ein deutliches Zeichen gesetzt, dass die Marke TSV 1860 München auch einem Sponsor großen Mehrwert bringen kann. Zwei weitere, mit dem Versicherer verbundene Unternehmen, konnten als weitere Sponsoren (DOMICIL Real Estate Group und iS2 Beratungssoftware) gewonnen werden.

Marc-Nicolai Pfeifer versteht es, die Erfolge bei der Gewinnung und Verlängerung der Sponsorenverträge werbewirksam in Szene zu setzen. So wurden alleine im November die Verlängerungen der Stadtsparkasse (nunmehr im 14. Jahr Unterstützer der Löwen), Riem Arcaden und Gröbl Drucklösungen verkündet.

Auch der Vize-Präsident des e.V., Herr Hans Sitzberger, hat mit seiner Familie und seinem Unternehmen (AHD Sitzberger) seine großzügige Unterstützung verlängert. Herr Sitzberger ist an allen Ecken und Enden als Sponsor für seinen TSV 1860 München unterwegs. Weitere Kollegen aus dem Bereich der Unternehmer für SECHZIG konnte der Geschäftsführer Pfeifer vorstellen, die ihr Engagement erhöht bzw. neu eingegangen sind. So Weidl Rolladenbau, Maler Dierl, Piercing & Tattoo Tempel und Elektro Ammon.

Aber auch neue Sponsoren, die bisher nur Fans des TSV 1860 München waren, kamen zu den Unterstützerfirmen dazu. So z.B. Schwertfirm Hotel Karlsfeld oder HGV Grundbesitz Verwaltung GmbH Thomas Holzapfel.

Aber letztendlich haben die Fans auch in der neuen Saison gezeigt, dass der TSV 1860 München eine verschworene Truppe ist. Mit dem Kauf von gut 10.000 Jahreskarten, davon rund dreiviertel als Herzkarten (ohne Rückzahlungsanspruch bei Geisterspielen), wurde gezeigt, dass die Löwenfamilie auch in schwierigen Zeiten zusammen hält.

Auch der Staat hat ein weiteres Hilfsprogramm (Coronahilfen Profisport) beschlossen, dass zu den insgesamt 200 Mio € im Jahr 2020, nochmals weitere Millionenbeträge im Jahr 2021 zur Verfügung gestellt werden. Hier wird Herr Pfeifer mit Sicherheit die Hausaufgaben machen und entsprechende Anträge stellen.*

Mit den treuen Fans im Rücken, sowie den Sponsoren, die sich erfreulicher Weise laufend vermehren und den staatlichen Finanzhilfen, sollte es trotz der Corona-Saison 2020/21 gelingen, wieder schwarze Zahlen in der KGaA zu schreiben. Und dies dürfte eine Ausnahmeerscheinung bei den Fußball-Profi-Vereinen in der Saison 2020/21 werden.

PS: Über den Online-Ticketshop des TSV 1860 München können zu jedem Heimspiel „12. Mann-Tickets“ zum Preis von 6,00 € erworben werden.


* Nach Informationen der Redaktion ist die TSV München von 1860 GmbH & Co. KGaA bislang nicht berechtigt gewesen, Gelder aus einem „Corona“- Hilfspaket des Bundes zu bekommen.

(Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Vervielfältigung, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Löwenmagazins.)
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Serkan
Leser
Serkan (@serkan)
1 Monat her

Zum letzten Mal schwarze Zahlen dürfte die KGaA zu Bundesligazeiten geschrieben haben? Aber auch dort vermutlich nur eine Saison lang.

Sechzga
Leser
Sechzga (@sechzga)
1 Monat her

Schwarze Zahlen?

Zu schön um wahr zu sein.
Wann hat der TSV 1860 bzw die KGaA das letzte mal schwarze Zahlen geliefert? Bzw. war das überhaupt jemals der Fall?
Wenn dem so wäre, großes Lob an diejenigen Entscheider die das geschafft haben.

Bine1860
Bine1860 (@bine1860)
1 Monat her
Reply to  Sechzga

da is sicher Reisinger schuld 😂

Kranzberg
Leser
Kranzberg (@kranzberg)
1 Monat her

Wie kommst Du drauf, dass 1860 Geld aus dem Hilfsfond bekommen hat? Wo steht das? Meiner Info nach erfüllte man nicht mal die Voraussetzungen, sich darum zu bewerben.

Reinhard Friedl
Reinhard Friedl (@reinhardfriedl)
1 Monat her
Reply to  Kranzberg

Warum die KGaA nicht die Voraussetzungen erfüllen sollte, Hilfen zu beantragen, erschließt sich mir nicht, wenn ich mir die Richtlinie für die Hilfen durchlese.

Text aus der Richtlinie zu den Hilfen:

3. Voraussetzungen, Bemessungsgrundlage und Höhe der Billigkeitsleistung

3.1 Voraussetzungen der Billigkeitsleistung und Bemessungsgrundlage
(1) Das BVA kann auf Antrag Billigkeitsleistungen gewähren, wenn der Antragsteller
a) seine Tätigkeit von einer inländischen Spielstätte oder einem inländischen Sitz der Vereins-, Unternehmens- oder Verbandsführung aus betreibt und bei einem deutschen Finanzamt angemeldet ist,
b) in den Monaten April bis Dezember 2020 aufgrund des Ausbruchs von COVID-19 an Liga- und Pokalveranstaltungen sowie regulären Wettbewerben nicht oder nur partiell teilnehmen, ausrichten oder durchführen konnte,
c) ihm dadurch Ausfälle bei den Ticketeinnahmen von in der Summe wenigstens 2.500 Euro entstanden sind oder entstehen werden und
d) er den Vereins- beziehungsweise Geschäftsbetrieb nicht eingestellt hat. 

3.2 Höhe der Billigkeitsleistung
(1) Die Höhe der Billigkeitsleistung ergibt sich aus der Differenz der tatsächlichen Ticketeinnahmen im Zeitraum vom 1. April bis zum 31. Dezember 2019 und der tatsächlichen Ticketeinnahmen im Zeitraum vom 1. April bis zum 31. Dezember 2020.
(2) Die Billigkeitsleistung ist dabei auf einen Betrag in Höhe von 80 Prozent der Summe der vom Antragsteller nachgewiesenen tatsächlichen Ticketeinnahmen (ohne Umsatzsteuer) aus den Liga- und Pokalveranstaltungen vom 1. April bis zum 31. Dezember 2019 begrenzt.
(3) Darüber hinaus darf die Billigkeitsleistung im Rahmen dieser Richtlinie in der Summe mit anderen Kleinbeihilfen im Sinne der Zweiten Geänderten Bundesregelung Kleinbeihilfen 2020 den Betrag von 800 000 Euro je Unternehmen im Sinne des EUBeihilferechts, oder je Vereins oder je Verbands bis zum 31. Dezember 2020 nicht übersteigen. Die Vorschriften der Ziffer 6 Absatz 3 bleiben unberührt. 

Quelle: https://www.bmi.bund.de/SharedDocs/downloads/DE/veroeffentlichungen/2020/corona/billigkeitsrichtlinie-sport-coronahilfe.pdf?__blob=publicationFile&v=4

Francis Underwood
Leser
Francis Underwood (@francis-underwood)
1 Monat her

Konnte jetzt im Schnelldurchlauf auch keinen Hinweis finden, warum die KGaA nicht anspruchsberechtigt sein sollte..
Anspruchsberechtigt sind Vereine UND Unternehmen für Mannschaften die in der 3. Liga spielen. Und mehr als 249 Mitarbeiter*innen haben wir auch nicht..
@Arik: würdest du Deine Infos teilen, damit ich (wir) nicht die gesamte Richtlinie im Detail zerpflücken müssen..

Reinhard Friedl
Reinhard Friedl (@reinhardfriedl)
1 Monat her

Es könnte für das vergangene Geschäftsjahr evtl. daran gelegen haben, dass durch die Transfererlöse ein entsprechender Gewinn für das GJ 19/20 entstanden ist, dass für die „Geisterspiele“ in der Rückrunde 2019/2020 kein Antrag auf „Staatszuschuss“ möglich war.
Siehe hierzu aus den Richtlinien:
„(5) Die Gewährung der Billigkeitsleistung dient dem Erhalt der Vereine, Unternehmen und Verbände sowie der Arbeitsplätze. Deshalb sind Anträge abzulehnen sowie bereits bewilligte Billigkeitsleistungen im Rahmen des Nachweis- und Prüfungsverfahrens zurückzufordern und vom Antragsteller zurückzuerstatten, soweit in dem Wirtschaftsjahr 2020 Gewinne erzielt werden. Im Falle eines vom Kalenderjahr 2020 abweichenden Wirtschaftsjahres sind die Gewinne des Wirtschaftsjahres 2019/2020 und des Wirtschaftsjahres 2020/2021 entsprechend dem zeitlichen Anteil aufzuteilen oder es kann eine Gewinn- und Verlustrechnung für das Kalenderjahr 2020 zugrunde gelegt werden. Entsprechendes gilt, sofern neue Rücklagen gebildet werden.“
Dies würde allerdings meine These untermauern, dass für das letzte Geschäftsjahr „schwarze Zahlen“ geschrieben wurden.
Was für die Saison 2020/2021, also z.B. Vorrunde im Herbst mit lauter Geisterspielen eine Antragstellung wohl nicht ausschließen wird.
Natürlich ist noch viel zu tun in der neuen Saison, damit die Etatziele „= ausgeglichener Haushalt“ eingehalten werden kann.

Last edited 1 Monat her by Reinhard Friedl
Francis Underwood
Leser
Francis Underwood (@francis-underwood)
1 Monat her

Dann hätte das Negative (Nicht-Erhalt der Staatshilfe) tatsächlich einen erfreulichen Grund (schwarze Zahl im GJ 2019/2020). Vielleicht gibt es hierzu demnächst ja eine Stellungnahme des GF..
Danke für deine Antwort!

Blue Power
Leser
Blue Power (@blue-power)
1 Monat her

Ich glaube eher dies ist der Grund.
Ein Unterehmen mit einem Minus von über 20 Mio. Minus im Eigenkapitel, kann wie in Punkt 4 ausgeführt nicht mit einer Zuwendung rechnen.

„3. Voraussetzungen, Bemessungsgrundlage und Höhe der Billigkeitsleistung
3.1 Voraussetzungen der Billigkeitsleistung und Bemessungsgrundlage

(4) Der Antragsteller darf sich am 31. Dezember 2019 nicht bereits in Schwierigkeiten im
Sinne der Allgemeinen Gruppenfreistellungsverordnung3 befunden haben. Zudem darf er
im Zeitpunkt der Antragstellung und bis zur Bewilligung der Billigkeitsleistung keinen
Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt haben oder sich in einem
laufenden Insolvenzverfahren befinden. Abweichend von Satz 1 können Beihilfen für
kleine und Kleinstunternehmen im Sinne des Anhangs I der Allgemeinen
Gruppenfreistellungsverordnung gewährt werden, die sich am 31. Dezember 2019 bereits
in Schwierigkeiten befanden, sofern diese Unternehmen nicht Gegenstand eines
Insolvenzverfahrens nach nationalem Recht sind und sie weder Rettungsbeihilfen4 noch
Umstrukturierungsbeihilfen5 erhalten haben. Satz 1 gilt nicht, wenn sich der Antragsteller
zwar am 31. Dezember 2019 vorübergehend in Schwierigkeiten befand, danach diesen
Status vor der Antragstellung jedoch wieder verloren hat“

Last edited 1 Monat her by Blue Power
Francis Underwood
Leser
Francis Underwood (@francis-underwood)
1 Monat her
Reply to  ArikSteen

Danke für Deine Antwort.. Wie ich auch schon Reinhard Friedl geantwortet habe, vlt gibt es hierzu ja mal eine Aussage des GF…