Präsident Robert Reisinger hat in der tz München erneut angedeutet, dass die Vorstandschaft des TSV München von 1860 e.V. gegenüber HAM International eine Kapitalerhöhung vorgeschlagen hat. Doch was heißt das? Wir haben Reinhard Friedl gefragt, der sich mit Finanzen sehr gut auskennt und sich Jahre lang mit Wertpapieren beschäftigt hat. Beruflich war er im Bankwesen.

Was würde eine Kapitalerhöhung bei der TSV München von 1860 GmbH & Co. KGaA aus bedeuten?

Es gibt zwei Arten von Kapitalerhöhungen, die bei der KGaA möglich wären.

Zum einen eine sogenannte Bezugsrechtemission. In diesem Fall werden neue Aktien ausgegeben und Altaktionäre erhalten ein Bezugsrecht darauf. Sie können somit neue Aktien in einem bestimmten Bezugsverhältnis zu den Altaktien erwerben. Dies würde bedeuten, dass der e.V. das Recht hätte, 40% der neuen Aktien zu kaufen. Ismaik könnte 60% der neuen Aktien kaufen.

Da jedoch meines Erachtens der e.V. gar keine Vereinsgelder effektiv in die KGaA investieren darf, müsste er seine Bezugsrechte verkaufen und jemand anderes würde das Recht kaufen, neue Aktien der KGaA zu erwerben. Dies könnte eine Dritte Person sein oder aber auch Ismaik, der seine Beteiligung dadurch prozentual erhöhen würde. Fakt wäre jedoch bei dieser Variante, dass der e.V. eine Minderung seiner prozentualen Beteiligung in Kauf nehmen würde und Hasan Ismaik die Möglichkeit hätte, seine Beteiligung zu erhöhen.

Bei der zweiten Möglichkeit eine Kapitalerhöhung durchzuführen wird das Recht über ein Bezugsrecht an der Kapitalerhöhung teilzunehmen ausgeschlossen.

Dies bedeutet, dass die beiden Gesellschafter auf ihr Recht verzichten, neue Aktien zu erwerben und somit einem Dritten die Möglichkeit einräumen, sich an der Gesellschaft zu beteiligen. In diesem Falle verlieren beide Gesellschafter ihren bisherigen prozentuellen Anteil.

Meines Erachtens würde nur diese Variante „unter Ausschluss des Bezugsrechts“ in Frage kommen, denn hierbei verzichten beide bisherigen Anteilseigner an der Kapitalerhöhung teilzunehmen. Es muss allerdings hier klar gesehen werden, dass der e.V. auch hier künftig nicht mehr 40% an der KGaA halten wird.

Derzeit beträgt das Kommanditkapital 6.500.000,00 €. Als Kapitalrücklage sind 9.105.115,90 € in der Bilanz zu ersehen. Für den neuen Teilhaber würde dies bedeuten, dass er einen entsprechenden Aufpreis für seine Beteiligung zahlen müsste. Allerdings stehen in der Bilanz (30.6.2017) aufgelaufene Bilanzverluste in Höhe von 62,7 Mio und ein nicht durch Eigenkapital gedeckter Fehlbetrag in Höhe von 19,8 Mio €. Dies macht es nicht besonders attraktiv, einen hohen Aufpreis für neue Aktien zu zahlen.

Zahlenbeispiel für eine Kapitalerhöhung

Derzeitiges Kommanditkapital

6,5 Mio €

  • 40% (2,6 Mio €): TSV München von 1860 e.V.
  • 60% (3,9 Mio €): HAM International

Erhöhung um 20% durch Dritten um 1,3 Mio auf 7,8 Mio €

Beiteiligungsquoten nach der Kapitalerhöhung

  • 33% (2,6 Mio €): TSV München von 1860 e.V.
  • 50% (3,9 Mio €): HAM International
  • 17% (1,3 Mio €): Dritter

Bei einer angenommenen Erhöhung um 1,3 Mio € könnten aufgrund eines Aufpreises gut 3 Mio € in die Gesellschaft fließen.

  • 1,3 Mio € in das Kommanditkapital
  • 1,7 Mio € in die Kapitalrücklage

Eure Fragen

Wer Fragen hat, kann sie gerne im Kommentarbereich stellen. Reinhard Friedl wird sie dann beantworten.

(Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Vervielfältigung, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Löwenmagazins.)

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DaFranz
Leser

Aber Kapitalerhöhung bedeutet immer, dass „unser Kuchenstück“ kleiner wird, sprich der Einfluß, den der Verein nehmen kann, wird geringer. Jetzt haben wir schon einen „Partner“, mitdem nicht zu reden ist, da macht eine dritte Partei doch jede Entscheidungsfindung noch schwieriger.
Angenommen, man erhöht das Kapital, findet einen Partner, bekommt neues Geld. Was ist dann nächstes Jahr? Für mich ist das eine Abwärtsspirale. Nächstes Jahr wieder Teile veräußern, oder neue Schulden machen, damit wieder ein Jahr sicher ist. Was ist dann im übernächsten? Irgendwann geht es nicht mehr weiter. Und nur drauf zu hoffen, dass wir irgendwann mal aufsteigen und die höheren TV Gelder retten uns dann, ist doch eine klassische Milchmädchenrechnung. Ich blick nimmer durch.

Reinhard Friedl
Leser

Der Artikel sollte neutral informieren. Du hast die gleichen Schlüsse daraus gezogen, die auch ich persönlich für mich gezogen habe.

tomandcherry
Leser

DaFranz

Kann Dir nur beipflichten.

Es ist eine sich immer weiterdrehende Abwärtsspirale und die e.V.-Seite hängt schon lange am Fliegenfänger (damit ist kein Torwart gemeint! wink ).

Alleine die Gedankenspiele, dass sich zusätzliche Geldgeber mit ihren finanziellen Zuwendungen gewisse Mitspracherechte zusichern lassen möchten, und dann ggfs. „zwischen die Fronten geraten“ könnten…

Davon abgesehen, wer wäre so „blauäugig“ und würde in einen mittelmäßigen Drittligisten investieren, dessen wirtschaftliche und sportliche Zukunft mehr als fragwürdig ist?

Da könnte man sein Geld auch in einer Spielbank beim Roulette oder Black Jack „investieren“, da wären die Erfolgsaussichten m.E. keinesfalls geringer.

3und6zger
Leser

Wer bei Sechzig investiert, muß „blauaugig“ sein, rein von der Farbe. Wir ärgern uns auch schon seit langer Zeit grün und blau!!! wink

Christian Resch
Leser

Bin dafür das man die Kapitalerhöhung über eine Art Genossenschaft macht(LMG), so wie es bei den VR Banken läuft mit Jährlicher Rendite. Die jährliche Renditehöhe wird bei der Mitgliederversammlung abgestimmt. Der Anteil wird auf eine bestimmte Höhe begrenzt. Bei der Höhe von 1,3 Mio € z.B. max. Anlegebetrag bei 1300€ sind es auch nur 1000 Anleger wink

Anderl
Gast
Anderl

Kann man denn irgendwie rausfinden / rauslesen was an zinsen gezahlt werden momentan???
Ausserdem würde mich interressieren, wie das verhältnis gesamtbudget zu spielerbudget bei uns und bei anderen Vereinen ist…

Ansonsten bitte so weitermachen – wieder einmal ein interressanter artikel…

Reinhard Friedl
Gast
Reinhard Friedl

Wenn die Bilanz und Gewinn/Verlustrechnung per 30.6.2018 im Bundesanzeiger veröffentlicht wird, kann man zumindest aus der 4. Liga näheres erfahren. Die Veröffentlichung sollte zumindest vor der Mitgliederversammlung erfolgt sein. Ebenso wird der Anhang zur Bilanz von äußerten Interesse sein.

Klothilde
Leser

Letzendlich geht es um die Frage kann die KGaA dauerhaft ihr strukturelles Defizit überwinden?
Fauser meinte „Wir haben eine positive Fortführungsprognose“, „Wir haben aber auch strukturelle Probleme, die gelöst werden müssen.“
Dabei soll ein so genannter Wirtschaftsarbeitskreis helfen, den der Hauptsponsor ins Leben rufen will.
@all
Gibt es diesen Arbeitskreis des Hauptsponsors und wenn ja zu welchem Ergebniss kommt er?

Fränkischerlöwe78
Gast
Fränkischerlöwe78

wie soll das gehen wen in finanziellen Sachen für alles es ok von Hasan benötigt wird somit hat sich die frage eines Arbeitskreis erledigt

anteater
Leser

Vielleicht arbeiten die an alternativen Szenarien.

Blue planet
Gast
Blue planet

Vielen Dank für die aufschlussreichen Erläuterungen! Jetzt kann ich mir etwas mehr darunter vorstellen. Mein Gefühl, dass es sich nicht um eine Lösung unseres Problems handeln kann, hat mich nicht getrogen.

Klothilde
Leser

ArikSteen
Weißt du ob Scharolds Vertrag verlängert wird/wurde?
Meines Wissens läuft er im Juni aus.

United Sixties
Leser

Der bessere Ausweg für beide Seiten ist meines Erachtens der Verkauf der HAM-Anteile samt Merchandising GmbH im Paket an neuen solventen Mehrheitsgesellschafter ( Konsortium mit Sitz in München) , dem es gelingt bei den Verhandlungen sowohl einen realistischen Übernahmepreis zu fixieren ( samt späterer „Bonuszahlungen“ bei Rückkehr in 2. oder gar erste Liga, Transferbereiligungen etc. ) als auch das Gesicht von HI wahren zu lassen. Denn zwei Jahre ohne einen einzigen Stadionbesuch beweisen doch inzwischen deutlich sein Desinteresse am Spielzeug 1860. Geschäftsfördernd für HAM oder seine MARAYA Group waren doch weder seine sportlichen noch die medientechnischen Entscheidungen seit 2011.

tomandcherry
Leser

@United Sixties

Wer könnte das Deiner Meinung nach sein?

Glaubst Du wirklich, dass HAM-Anteile „einfach so“ weiterverkauft werden?

Unabhängig davon, dass Du m.E. Recht hast, dass die zweijährige Abwesenheit von Herrn Ismaik bei einem Löwen-(Heim-)Spiel wenig Interesse an „seinem Spielzeug 1860“ beweist, heißt das doch im Umkehrschluss noch lange nicht, dass er (weiter-)verkaufen möchte/wird?

Wenn er nicht in arge finanzielle Nöte geraten ist, wird er es weiter aussitzen und darauf hoffen, dass sich irgendwann eine Gelegenheit bietet, die ihm unliebsamen e.V.-Vertreter „kalt zu stellen“ und stattdessen ihm genehme „Marionetten“ an deren Stelle zu platzieren.

Glaub‘ doch nicht, dass Ismaik leichtfertig 70 (oder mehr?) Mio. € „zum Fenster rauswirft“, solange er die theoretische Chance sieht, weiterhin die Macht im Verein zu übernehmen. Ein Herr Ponomarev hat’s beim KFC Uerdingen schließlich auch geschafft.

anteater
Leser

Der Vergleich mit Uerdingen hinkt ein bisschen. Die waren ja quasi von der Fußballlandkarte verschwunden, fünftklassig, und haben sicher auch nicht sonderlich viele Mitglieder. Da war eine Übernahme einfacher.

Was in Herrn Ismaik vorgeht, das ist unergründlich. Spaß kann ihm das nur machen, wenn er Sadist ist. Dass die Chancen dafür, dass er einen nennenswerten Teil seines Spekulationskapitals zurück bekommt eher sehr gering sind, diese Erkenntnis traue ich ihm schon zu. Und was meint er passiert, wenn wir, auch dank amateurhafter Planung und Kaderzusammenstellung im Sommer mit der U21 in die 3. Liga starten. Bringt das einen Mehrwert für sein Investment. Also, entweder ist er sehr schlecht beraten, unglaublich einfältig, komplett ignorant oder halt ein Sadist. Weitblick hat er keinen, sonst wäre er wohl auch nie bei uns eingestiegen.

Fränkischerlöwe78
Gast
Fränkischerlöwe78

Er will es nicht aufgeben erst wen er uns ausgeschlachtet hat dann ist er bereit

anteater
Leser

Das befürchte ich inzwischen auch. Es geht ihm gefühlt um so etwas wie Rache, komplett destruktiv. Gerne lasse ich mich aber vom Gegenteil überzeugen.

anteater
Leser

Alle Verbindlichkeiten gegenüber dem Investor müssten dann aber auch gestrichen werden, wie gerade bei Fortuna Köln.

Reinhard Friedl
Leser

100 Prozent Zustimmung!!!!!!

HHeinz
Leser

Ist es unter den gegebenen Voraussetzungen nicht legitim zu diskutieren ob eine Fortführung der aktuellen Gesellschaft überhaupt sinnvoll erscheint?

Letztendlich besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit dass dieses Spiel in regelmäßigen Abständen wiederholt werden muss, ohne dass die Kapitalgesellschaft dadurch maßgeblich entschuldet wird.
Und die Problematik dass Herr Ismaik die Geschäftsführung GmbH bei einem Fall von 50+1 mehrheitlich übernehmen kann besteht nach wie vor.

Dabei will ich nicht dagegenreden sondern nur besser verstehen. Ansonsten Danke für die Erläuterung. Sie ist sicherlich für viele Fans hilfreich diese komplizierte Materie besser zu verstehen.

Reinhard Friedl
Leser

Das Problem sind wohl die sogenannten „Knebelverträge“ die mit Ismaik (HAM)zum Nachteil des e.V. abgeschlossen wurden. z.B. darf der e.V. selbst keine Lizenzspielermannschaft melden, selbst in einem Konkursfall der KGaA. Daher müsste man genügend Verstöße von HAM gegenüber den Verträgen zusammentragen, damit evtl. ein Insolvenzverwalter einige Punkte der Verträge als nicht bindend ansehen würde. Nur dies wird dann wohl langandauernde Gerichtsverfahren mit sich ziehen. Was meine Person angeht, ich würde einen Bruch mit HAM wagen. Aber Gott sei Dank bin ich nicht in der Verantwortung des e.V.

anteater
Leser

Ich weiß nicht mehr wo ich es kürzlich las, aber einige der Knebelpunkte dürften mit dem hiesigen Recht nicht vereinbar sein. In welcher Tiefe das alles durch das Gutachten überprüft wurde, ist als Außenstehender natürlich nicht zu sagen.