Reinhard Friedl ist Fan des TSV 1860 München und Mitglied im Verein. Er sieht viele Dinge weitaus weniger emotional als andere Befürworter des aktuellen Kurses. Erfahrungen hat er im Bankgeschäft, dort vor allem mit Wertpapieren. Sein Blick ist deshalb durchaus interessant.

Du verfolgst das Duell zwischen Reisinger und Stimoniaris sicherlich sehr aufmerksam. Hast Du beide Interviews gelesen?

Da ich selbst eine klare Meinung habe und den Kampf um die Präsidentschaft aus dem „Wirtschaftsaspekt“ sehe, habe ich natürlich zweimal 1,99 € investiert und mir jeweils ein Tagesabo der SZ gekauft, damit ich mir aus den ganzen Interviews deren Meinungen mit meiner abgleichen kann.

Unabhängig vom Inhalt – wer schneidet für Dich medial besser ab?

Bei Stimoniars’ Interview am 7. März dachte ich mir: „Um Gottes Willen, was wird wohl die Belegschaft von MAN zu ihrem Arbeitnehmervertreter sagen, geschweige denn der Arbeitgeber.“ Das gestrige Interview von Reisinger war für mich sehr professionell.

Und inhaltlich? Wäre tatsächlich Wahlkampf. Wer überzeugt mit seinen Argumenten?

Hat Stimoniars Argumente? Außer “ich kann´s besser”?

Du bist für einige Fans ein Fachmann für Finanzen. Warum? Was hast Du mit Finanzen zu tun?

Ich war seit 1970 im Finanzbereich tätig. War in verschiedenen Bankfunktionen, hauptsächlich im Wertpapiergeschäft tätig. Vor zwölf Jahren bekam ich eine Abfindung und habe anschließend 2 Firmen gegründet. Die erste Firma ging dann in die 2. über. Mit einem Partner hatte ich vor jetzt genau 10 Jahren zu zweit eine Vermögensverwaltung gegründet. Mittlerweile sind wir 16 Leute in der Firma. Nun bin ich schon Rentner. Aber trotzdem decke ich in der Firma noch den Compliancebereich ab und bin für die Bilanzen zuständig.

Es gibt ja die klaren Befürworter diverser Lager. Ordnest Du Dich einem Lager zu oder siehst Du die Vereinspolitik eher aus einer neutralen Brille?

Ich bin ja schon seit 1965 Fan der Löwen. Aber Mitglied bin ich erst geworden, als Reisinger kurz Präsident war. Ich sah im ersten halben Jahr seiner Amtszeit, dass er das macht, was ich als Präsident des TSV 1860 München e.V. auch machen würde. Allerdings würde ich niemals Präsident von 1860 werden wollen. Somit ist klar, dass ich einem Lager zugeordnet werden kann.

Einige Hardliner unter den Mitgliedern des TSV München von 1860 e.V. wünschen sich einen härteren und kompromissloseren Kurs für die KGaA. Das heißt: Überhaupt keine finanziellen Mittel von HAM International oder Ismaik. Reisinger wird diesen Wunsch nicht erfüllen. Er wäre durchaus bereit, Genussscheine zu akzeptieren, wenn die Bedingungen passen. Das heißt zum Beispiel Sofortkasse. Wie siehst Du das?

Ich bin ein absoluter Fan von Genussscheinen. Denn Genussscheine können sehr individuell vereinbart werden. Die bisherigen Genussscheine, die die HAM International bisher aus Darlehen umgewandelt hatten, sind alle so konzipiert, dass sie als Eigenkapital eingestuft werden. Dies bedeutet, dass diese auch am Verlust beteiligt werden. Wer in die Gewinn- und Verlustrechnung für den Zeitraum vom 1.7.2016 bis 30.6.2017 der KGaA schaut, wird unter Punkt 13 einen Betrag von 550.701,88 € als Ertrag aus der Verlustzuweisung Genussrechtskapital finden. Daher würde ich es als gute Lösung ansehen, wenn HAM International (also Hasan Ismaik) die fälligen Darlehen (ca.14,6 Mio €) alle in Genussscheine umwandeln würde. Dann wäre der durch nicht Eigenkapital gedeckte Fehlbetrag in Höhe von 19,8 Mio € aus der Bilanz verschwunden und die KGaA würde als nicht mehr „überschuldet“ gelten. Wenn dann noch Ismaik, wie Reisinger vorgeschlagen, 1 Mio € als Genussschein und 1 Mio € als Sponsoring zur Verfügung stellen würde, dann wäre ein gemeinsamer Weg mit Ismaik für die Zukunft möglich. Dann hätte nachträglich Stimoniaris tatsächlich Recht, indem er sagte, Hasan Ismaik hat 1860 München das Geld geschenkt. Denn vorerst würden auf die Genussscheine keine Zinsen zu zahlen sein und aufgrund noch einiger anstehender Verlustjahre für die KGaA würden die Genussscheine langsam abschmelzen.

Wenn Du Berater von Hasan Ismaik wärst und vor allem dessen Interessen vertreten müsstest. Würdest Du ihm das so empfehlen? Oder ist das eine Sicht als reiner e.V.ler?

Ich würde tatsächlich auch als Berater diesen Weg mit Genussscheinen Herrn Ismaik empfehlen. Denn eines ist klar: Zum jetzigen Zeitpunkt sind alle seine bisher investierten Millionen „verbrannt“. Will er noch etwas retten, muss versucht werden, aus der Asche wieder etwas aufzubauen. Mit seiner Beteiligung von 60 % (an einem derzeitigen „wertlosen“ Unternehmen) und den Genussscheinen könnte er, wenn die Gesundung klappt, bestimmt zu einem späteren Zeitpunkt einen Käufer finden, der einen auch für ihn akzeptablen Preis zahlen würde. Ismaik muss klar sein, geht die KGaA jetzt in Konkurs, ist alles eingesetzte Kapital weg. Geht er den Weg der Gesundung mit dem e.V. gemeinsam, sind die Chancen groß, dass er wieder Teile seines Einsatzes zurück erhält. Die Gesundung ginge jedoch leichter, wenn er noch, wie von Reisinger vorgeschlagen, etwas Geld nachschießen würde. Auch Reisinger muss ein Interesse haben, einen Konkurs der KGaA zu vermeiden, denn die Folgen für den e.V. sind einfach nicht seriös abzuschätzen. Möchte allerdings Hasan Ismaik den Weg nicht mehr gemeinsam mit dem e.V. und Reisinger gehen, würde ich ihm raten, seine Beteiligung an einen anderen Investor für ca. 15 – 17 Mio € zu verkaufen. Dann hätte er zumindest seinen Einstandspreis aus dem Jahre 2011 fast wieder erzielt. Die weiteren Millionen sind tatsächlich verbrannt und daran ist er halt nicht schuldlos.

Herzlichen Dank für das Interview!


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