In der sechsten Folge von “Inside 1860 – Die Löwen, die Arena und das Geld” der Süddeutschen Zeitung geht es um Gerhard Mayrhofer. Er war von Juli 2013 bis Juni 2015 Präsident beim TSV 1860 München. Wir hören rein in die sechste Podcast-Folge.

Wildmoser 2.0 nennen die beiden Journalisten Philipp Schneider und Markus Schäflein die sechste Folge ihres Podcasts. Es geht um Gerhard Mayerhofer. Der Präsident, der noch vor Peter Cassalette den Schulterschluß mit Ismaik suchte und daran scheiterte. Ein Löwenfan aufgrund seiner Mutter, die ebenfalls eine Anhängerin der Sechzger war. Anders als sein Vater. Auf die Bildfläche der Löwen tritt Mayrhofer allerdings erst 2013.

Das erste Treffen mit Robert Schäfer

Alles begann, so der Podcast der Süddeutschen Zeitung auf FYEO, mit einem Treffen von Mayrhofer mit dem damaligen 1860-Geschäftsführer Robert Schäfer. Es ging um die Vermarktung von 1860 und es sei “ein ganz nettes Gespräch” gewesen, so Mayerhofer. Schäfer hatte ihn dann allerdings gefragt, ob er sich vorstellen könne, Präsident bei 1860 zu werden. “Ich hab lachend abgelehnt”, meinte Mayrhofer. Der Gedanke habe aber in seinem Gehirn “immer irgendwie gearbeitet”, gibt er zu. Er geht in sich. Und trifft dann die Entscheidung.

Mayerhofer wäre damals der Präsidenten-Kandidat, den sich Hasan Ismaik immer gewünscht habe, meint Journalist Schneider. Weil er mit den Klüngeleien der damaligen Zeit nicht zu tun hatte. Er war Löwenfan, aber noch nicht in der Welt der Löwenfamilie aufgefallen. Nicht im System. Mayrhofer sieht die Löwen als Unternehmen, in das kräftig investiert werden soll. Und tatsächlich: nach einer Woche steht die Entscheidung fest. Mayrhofer will das Amt übernehmen. Das Problem: weil die Satzung bei den Löwen geändert wurde, muss sich Mayerhofer bei den Mitgliedern durchsetzen und einen Wahlkampf beginnen, erklärt Journalist Schäflein im Podcast. Als Kandidat für das Amt des Präsidenten reist er durch ganz Bayern zu den Fanclubs. “Irgendwas stimmt hier nicht so ganz”, stellt Mayrhofer fest. Denn nicht nur bei Fanclubs soll er sich vorstellen, sondern auch bei Herbert Bergmaier, dem Herausgeber des Wochenanzeigers.

Rock n´Roll statt Lowenblues

Sechzig sei lange genug ein Ausbildungscamp für Funktionäre gewesen, sagt Mayrhofer im Sommer 2013 auf der damaligen Mitgliederversammlung bei seiner Rede. Sein Versprechen: er möchte gut mit dem Investor zusammenarbeiten. Er stellt den Bau eines eigenen Stadions in Aussicht und setzt sich ein klares Ziel: die Löwen gehören wieder ganz nach oben. Mayrhofer wird mit großer Mehrheit gewählt. Rock n´Roll statt Löwenblues ist sein Motto. Die Theorie der SZ-Journalisten: der nun neue Präsident erinnert viele an Karl-Heinz Wildmoser. Deshalb auch der Titel der sechsten Folge des Podcasts Inside 1860. Die SZ fragt Mayrhofer im Podcast, ob sein Ziel damals gewesen sei, die Zeit von Wildmoser wieder aufleben zu lassen. “Ja, ja, ja”, erwidert Mayrhofer. “1. Bundesliga, das war das Ziel”, meint er.

Professionalisierung von 1860, das war das Augenmerk des neuen Präsidenten. Doch die Methoden kommen nicht überall gut an. Der neue Präsident sucht den Schulterschluß mit Gesellschafter und Kreditgeber Hasan Ismaik. Mayrhofer erinnert sich: “Wir haben alle Schritte mit ihm abgestimmt, viel telefoniert”. Mayrhofer begründet es: “Ich muss den Gesellschafter doch mitnehmen, auch wenn ich 50+1 im Nacken habe.” Mayrhofer will zeigen, dass er es ernst meint. Und feuert gleich mal den Trainer. Und so kommt es, dass Sechzig wieder einen neuen Trainer braucht. Es wird Friedhelm Funkel. Wunschkandidat von Geschäftsführer Robert Schäfer. Und auch Ismaik scheint zufrieden. Auch, wenn er sich damals wohl schon die große Lösung wünschte.

Da saß er dann – im wallend weißen Gewand

Gerhard Mayrhofer fliegt nach Abu Dhabi. Zum ersten Mal. “Da saß er dann. Wie man sich das halt so vorstellt, wie er da sitzt”, erzählt Mayrhofer. “Im wallend weißen Gewand.” Es sei ein gutes Gespräch gewesen. Natürlich sei es auch um Geld gegangen. Ismaik hätte genügend Geld, er wolle nur, dass man es richtig einsetze.

Als “ersten Akt einer vertrauensvollen Zusammenarbeit” entlässt der Präsident Geschäftsführer Robert Schäfer. Für Ismaik das letzte Relikt aus der Ära Schneider. Mayrhofer ist zu allem bereit, um die Basis mit Ismaik zu verbessern. Hauptsache am Ende steht der Erfolg.

Widerstand in den Reihen der Fans

Das stieß bei vielen Fans damals sauer auf, erkennt die Süddeutsche Zeitung. Probleme hat Mayrhofer vor allem mit PRO1860. Die Fanvereinigung wollte aus Sicht der Journalisten vor allem eines nicht: noch einmal einen solchen Patriarchen wie Wildmoser, der alles besser weiß. “Bei Sechzig gibt es so viele, die den Verein soo sehr lieben, dass sie ihn am liebsten erdrücken würden”, meint Mayrhofer spöttisch – nun gut acht Jahre danach. “Und da gehörte, glaube ich, der Bergmaier dazu.” Eben dieser Bergmaier, bei dem Mayrhofer sich anfänglich hatte vorstellen müssen. Und das, obwohl er überhaupt keine Position hatte im Verein, meint Journalist Schneider und fügt hinzu: “Zumindest keine offizielle. Herbert Bergmaier, der Münchner Zeitungsverleger.” Eine der einflussreichsten Personen, so die SZ in ihrem Podcast. Allerdings nicht beim Verein 1860, sondern eben bei PRO1860. Der Organisation, die Einfluss auf den Verwaltungsrat hat. Die Satzung sei so gestaltet worden, dass man ja nie wieder solche Verhältnisse wie bei Karl-Heinz Wildmoser habe, meint Mayrhofer. “Als Präsidium kannst du gar nichts entscheiden”, meint Mayrhofer. “Man muss alle mögliche Leute fragen und das halten die dann für demokratisch”, moniert er nun, Jahre später. “Ich bin ein überzeugter Demokrat, aber so kann ich keinen Fußballverein führen”.

PR-Gag mit dem Papst

Gerhard Mayrhofer kann nicht schalten und walten wie er möchte. Als Beispiel nennt er die Ernennung des Papstes zum Ehrenmitglied des TSV 1860 München. Man sei nach Rom gereist. Hätte Papst Franziskus getroffen. “Dann war der Ehrenmitglied. Und wir haben uns gedacht, jetzt haben wir was Gutes gemacht. Weit gefehlt. Nicht beim TSV 1860 München.” Denn das Präsidium wird vor den Ehrenrat zitiert. “Wenn sowas im Verein vorkommt, also ganz ehrlich”, meint Mayrhofer. “Daran kann man doch messen, was in dem Verein los ist.” Journalist Schäflein fügt hinzu, dass man ehrlich sein müsse. Es zeigt, dass Mayrhofer vom Vereinswesen tatsächlich keine Ahnung gehabt habe, denn eine Ehrenmitgliedschaft bekomme zum Einen nur derjenige, der sich für den Verein besonders verdient gemacht habe. Zum Anderen sei der Papst eine Figur, die extrem polarisiert. Für Mayrhofer sei es eben eine Marketinggeschichte gewesen. Ein PR-Gag, so der Journalist der SZ. Sonst nichts. Mayrhofer tritt auch noch mal kräftig nach. Es gäbe Kräfte, die eben nicht wollten, dass man nach oben komme. Man wolle ein System wie Wildmoser verhindern und sonst nichts. Diese Menschen gäbe es bei Sechzig und woanders nichts, so das Resümee des einstigen Präsidenten.

Gerhard Mayrhofer war sicher kein einfacher Charakter, sagen die Journalisten in ihrem Podcast. Er habe einen Studenten verklagt, weil dieser ihn einen “Trottel und Fuzzi” genannt habe. Daraufhin reagierten die Ultras mit Bannern. Und auch der Umgang mit der Presse war nicht einfach. Mayerhofer rief gerne mal in Redaktionen wegen Artikeln an, oder entzog bereits getätigten Interviews nachträglich das Recht zur Veröffentlichung.

Am Ende scheiterte Mayerhofer an Ismaik

Mayrhofer pokerte von Anfang an. Und setzte alles auf den Aufstieg. Und auf seinen vermeintlichen Verbündeten Hasan Ismaik. Deshalb legte sich Präsident Mayrhofer auch mit allen an. Doch dann merkt er plötzlich, so wirklich zuverlässig ist Ismaik nicht. “Der Herr Ismaik hat sich kontiunierlich als relativ destruktiver Teil geoutet.” Auch unter Mayrhofer wird das gleiche Prinzip klar, von dem auch Dieter Schneider erzählt, und es als “Zuckerbrot und Peitsche” betitelte. Mayrhofer spricht sogar von Schikane, wenn es um die Lizenz ging. Ismaik habe ihn um Aufschub gebeten. Der Gesellschafter aus Abu Dhabi habe Mayrhofer sogar gebeten, nach Frankfurt zur DFL zu fahren, um dort um Aufschub zu bitten. “Das hat mich sehr nachdenklich gestimmt.” Außerdem erkennt Mayrhofer, dass Ismaik gar nicht gewillt zu sein scheint, tatsächlich zu investieren. “Es war immer nur soviel, dass wir nicht völlig kaputt gehen. Aber das war keine Investition. Das war nur am Leben erhalten. Es ging nie darum, Sechzig in die Champions League zu bringen. Darum ging es nie. Das war nicht der Plan.”

Stattdessen bittet ihn Ismaik, seine Anteile für ihn zu verkaufen. Mayrhofer fängt an, Investoren zu suchen. Und er findet ihn auch: Felix Magath. Ismaik will ein bindendes Angebot. Mayrhofer erklärt Ismaik, dass das nicht geht. Weil die Investoren erst einmal geheim bleiben müssen und die Finanzen beim Klub prüfen wollen, bevor sie einsteigen. Ismaik bestand jedoch auf ein bindendes Angebot. Der Deal scheitert. Da war der Punkt bei Mayrhofer erreicht. Er tritt zurück.


Die bislang insgesamt sechs Folgen von INSIDE 1860 – Die Löwen, die Arena & das Geld findet ihr im Premium Abo von FYEO hier: https://www.fyeo.de/originals/inside-1860

(Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Vervielfältigung, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Löwenmagazins.)
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tomandcherry

Schon ein Wahnsinn, wenn man sich diese Historie nochmal in Erinnerung ruft.

Und es gibt nach wie vor “Experten” (bzw. solche, die sich dafür halten…), die glauben ernsthaft, dass RR und sein Team einen schlechten Job machen, den TSV 1860 “verzwergen”, einen “Giasinga Stadtteilverein in einer Ruine” etablieren und den Aufstieg in die 2. Liga mit aller Macht verhindern wollen…

Nach dem “Doppelabstieg” hatte ich zuerst das Gefühl, dass 60 sich auf längere Zeit in den Niederungen der RL Bayern einrichten wird.

Durch den sofortigen Aufstieg in die 3. Liga keimte wieder leichte Hoffnung auf. Von einer baldigen Rückkehr in die 2. Liga konnte ich damals jedoch noch nicht mal träumen.

Aktuell sind wir mit einem halben Fuß bereits auf dem besten Weg dorthin zurück, obwohl ich nicht zwingend den Aufstieg in dieser Saison erwarte. Sollte es nicht klappen, wäre ich trotzdem stolz und glücklich, was Michael Köllner und seine Truppe geschafft haben.

Das gibt enormes Selbstvertrauen und Zuversicht für die nächste Saison – unabhängig davon, ob wir Zweit- oder Drittligist sein werden.

United_Sixties

Ja der Motörgerd mit seinem Vize Erik Altmann aus der pro1860-Ecke hatten so einiges falsch eingeschätzt und mit den falschen Geheimmethoden ( zusammen mit Sigi Schneider im neuen VR) versucht den Hasan zu verarschen. Weder konnten sie HAM, noch die neue Mitgliedermehrheit , noch die Argerianer richtig einschätzen und mussten so schliesslich scheitern. Sogar Funkel wollte nach ein paar Monaten wieder schnellstens weg. Der größte Fehler war aus meiner Sicht die Entlassung von Florian Hinterberger als Sportdirektor auf Geheiß aus Abu Dhabi. Danach wurde es immer schlechter und schwieriger .

_Flin_

Der Teil mit dem Anteilsverkauf war mir neu. Spannend. Dann besteht ja noch Hoffnung.

juergen

Im Prinzip ja, aber ich weiss nicht ob der Magath besser gewesen wäre…

serkan

Das Zitat “Man muss alle mögliche Leute fragen und das halten die dann für demokratisch”, gefällt mir am besten. Das Wesen von Demokratie hat Mayerhofer damit sauber herausdestilliert.

Last edited 1 Jahr her by Serkan
leo1

Üüüüüüüüüüberflüssiger Präse

drew60

Womöglich wäre Herrn Mayerhofer ein demokratisches Delegierten System lieber gewesen dann hätte er schalten und walten können wie er wollte wie Wildmoser es damals konnte .

Last edited 1 Jahr her by drew60
Bine1860

Ein überzeugter Demokrat, der die demokratischen Strukturen kritisiert, jaja…