Am heutigen 27. Januar 2021 jährt sich zum 76. Mal der Tag der Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz. Der Deutsche Fußball-Bund erinnert mit seinen Profi-Fußballklubs in “Demut und Respekt” an die Opfer, Überlebenden und ihre Familien.

In diesem Jahr gedenkt die Fußballfamilie in Deutschland besonders den Menschen, die aufgrund ihrer sexuellen und geschlechtlichen Identität verfolgt und getötet wurden. Als Abartige und Homosexuelle stigmatisiert wurden sie zum Feindbild der Nationalsozialisten. Sie mussten den “Rosa Winkel” tragen und wurden damit auf die unterste Stufe in der Lagerhierarchie gestellt. Einige von ihnen wurden Opfer perverser medizinischer Versuche. Teilweise wurden sie aufgrund ihrer sexuellen Orientierung in die härtesten Arbeitskommandos eingeteilt oder von anderen Häftlingen gepeinigt.

Der Deutsche Fußball-Bund bekennt sich am heutigen Tag noch einmal bewusst zu den Menschenrechten sowie die damit verbundene Freiheit im Hinblick auf sexuelle und geschlechtliche Identität.

“Es gehört zu den unumstößlichen Menschenrechten, die eigene sexuelle und geschlechtliche Identität frei leben zu können. Dennoch stößt diese Selbstverständlichkeit auch in Teams, Stadien und Kurven immer noch auf Widerstände bei Spieler*innen, Trainer*innen, Funktionär*innen und Zuschauer*innen. Deutsche Nationalspieler rieten ihren männlichen Kollegen davon ab, sich zu outen. Vereine waren gegen das Aufhängen von Regenbogenfahnen, die Signatur der LGBTIQ+-Bewegung. Und sind Schmähungen wie “Schiri, du schwule Sau” wirklich aus den Kurven verschwunden?

In dieser homosexuellen feindlichen Gemengelage sind Fußballpersönlichkeiten wie Marcus Urban, Thomas Hitzlsperger und wenige andere, die ihr Queersein offen kommunizierten, beispielgebende Persönlichkeiten für den Sport und die Zivilgesellschaft. Sie haben mit den Queer-Fanklubs dazu beigetragen, dass sexuelle Vielfalt zunehmend enttabuisiert und ein wertschätzender Dialog möglich wurde. Und sie haben sich um die Humanisierung der Fußballfamilie und der Gesellschaft verdient gemacht.

Die Selbstverständlichkeit, die sexuelle und geschlechtliche Identität als ein unabdingbares Menschenrecht zu leben und den Dialog darüber im Fußball zu vertiefen und zu verstetigen, auch das bedeutet “Erziehung nach Auschwitz”. Diese Lektion ist immer wieder neu zu lernen. Es ist die Botschaft der Überlebenden der Konzentrationslager zum “17. Erinnerungstag im deutschen Fußball” an den Spieltagen um den heutigen 27. Januar 2021.

Das respektvolle Gedenken an die Menschen, die in ihrer Seele verletzt, die gequält und ermordet wurden, ist jedoch nur dann glaubwürdig, wenn die Fußballfamilie mit klugen, kreativen und empathischen Aktionen den daraus zwingend notwendigen gesellschaftlichen Emanzipationsprozess vorantreibt. Das “Spiel aller Spiele” öffnet mit seiner ihm innewohnenden friedensfördernden Kraft auch hier den Horizont.”

Weitere Informationen und Links

Mehr Informationen zur Initiative Erinnerungstag im Deutschen Fußball unter https://www.niewieder.info/

Die offizielle Pressemeldung des Deutschen Fußball-Bundes zum heutigen Tag unter https://www.dfb.de/news/detail/fussball-begeht-17-erinnerungstag-an-auschwitz-befreiung-223367/

Einzigartiges Exponat: Das Meistertrikot von Max Girgulski aus dem Jahr 1936 ist im DFM zu sehen. Seine Geschichte ist Teil der digitalen Ausstellung zum Holocaust-Gedenktag.

Holocaust-Gedenktag – Deutsches Fußballmuseum zeigt digitale Wanderausstellung unter https://fussballmuseum.pageflow.io/im-abseits-judische-schicksale-im-deutschen-fussball#283103

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