Nachdem am 24. Juli 2019 die Vollversammlung des Stadtrats beschlossen hatte, dass die Erhöhung der Kapazität des Städtischen Stadions an der Grünwalder Straße baurechtlich weiter geprüft werden soll, hat das Referat für Bildung und Sport die Anwohner, Vereine und die beiden Bezirksausschüsse (Untergiesing-Harlaching und Obergiesing) zu einer Informationsveranstaltung zum Stand der Planungen zum Umbau des Grünwalder Stadions eingeladen.

Bericht von: Reinhard Friedl

Ca. 120 Personen waren gegen 19.00 Uhr zu der Veranstaltung erschienen. Darunter zahlreiche Vertreter aus den städtischen Referaten, der Polizei, den Bezirksausschüssen und den Vereinen. Bei den Vertretern der Vereine fiel auf, dass es im Grunde nicht um das Städtische Stadion an der Grünwalder Straße geht, sondern um das Sechzger Stadion. Denn von Seiten des FC Bayern war nur der Leiter des Bayern Campus (im Münchner Norden), Herr Sauer, mit einem Begleiter anwesend. Türkgücü war nur mit der Geschäftsführer Robert Hettich Max Kothny (Spielbetrieb / Ticketing /Merchandising) vertreten. Hingegen vom TSV 1860 München, sowohl von der KGaA der Geschäftsführer Herr Scharold und der Fan-Beauftragte Sebastian Weber, als auch vom e.V. der Vizepräsident Hans Sitzberger und mehrere Verwaltungsbeiräte, sowie der Fußballabteilungsleiter Roman Beer. Auch Vertreter von „Sechzig im Sechzger“ und der „Freunde des Sechzger Stadions“ waren in den ersten Reihen zu finden. Es waren auch Pressevertreter, die ebenso über den aktuellen Stand informiert wurden, interessierte Zuhörer. Knapp die Hälfte der Teilnehmer dürften Anwohner des Stadions gewesen sein.

Um 19.08 Uhr eröffnete der Moderator, Herr Weinkopf von Citycom Büro für Stadtentwicklung, die Veranstaltung und stellte die wichtigsten Personen der anwesenden Stadtreferate, Polizei und den Vereinen vor.

Kurze einleitende Worte kamen von der Gastgeberin, der Leiterin des Referates für Bildung und Sport, Frau Beatrix Zurek, sowie von den Bezirksausschuss-Vorsitzenden Frau Dullinger-Oßwald (BA 17 Obergiesing-Fasanengarten) und Herrn Baumgärtner (BA 18 Untergiesing-Harlaching).

Frau Zurek bot einen kurzen Überblick über die Geschichte des Grünwalder Stadions. Sie stellte besonders hervor, dass das Grünwalder Stadion bereits seit 1911 am jetzigen Standort steht.

Nun bat der Moderator die Vereinsvertreter kurz zu erläutern, warum das Grünwalder Stadion für ihren Verein wichtig ist. Kurze Statements gaben der Geschäftsführer Herr Scharold, der Leiter des Bayern Campus Herr Sauer sowie Herr Kothny von Türkgücü ab. Herr Scharold betonte, dass der TSV 1860 München nach schwierigen Jahren vor 2 ½ Jahren wieder in seine Heimat zurückgekehrt ist und sich dort sehr wohl fühlt. Eine Ertüchtigung des Stadions, zumindest damit es Zweitliga-tauglich wird, ist für 1860 ein entscheidendes Kriterium. Allerdings stellte er in Frage, ob bei einem weiteren Aufstieg in die Erste Liga ein Verbleib im Grünwalder Stadion machbar ist.

Nach den Vereinsvertretern war nun die Polizei dran. Der Vertreter der Polizeiinspektion 23 konnte eine gute Sicherheitslage bestätigen. Er erklärte das Konzept der Polizeieinsätze an Spieltagen und hatte speziell für die 60er Fans nur lobende Worte in seinem Vortrag. „Im eigenen Wohnzimmer sind die Fans sehr brav“ war einer seiner Sätze.

Der Leiter des Baureferates, Herr Langer, erläuterte nun, dass kurz vor Weihnachten die „Bauvoranfrage“ im „Bauvorbescheid-Verfahren“ eingereicht wurde. Er bat Herrn Schöner von Albert Speer und Partner, die bereits die Machbarkeitsstudie erstellt hatten und nun in die weitere Planung involviert sind, die Umbaupläne vorzustellen.

Die maximale Zuschauerzahl stieg geringfügig von 18.060 auf 18.105 Zuschauer. Es kommt zu einem Rückbau der „Stehhalle“, damit alle Bereiche unter dem Tribünendach Platz finden. Das Spielfeld wird etwas nach Norden (also in Richtung „Stehhalle“) verschoben. Im Bereich der „Stehhalle“ wird eine „Hospitalityebene“ mit einigen Logen und Verköstigungsmöglichkeiten Einzug halten. Dadurch werden die Sitzplätze von derzeit 4.503 auf 3.309 Plätze reduziert.

Die Haupttribüne wird erweitert und so angelegt, dass keine Stützpfeiler mehr die Sicht behindern. Ebenso werden die Pressevertreter und die Fernsehsender dort ihren Platz haben. Durch die Erweiterung der Südtribüne werden die bisherigen 1.250 Sitzplätze auf 4.154 Plätze erhöht. Dies geht zu Lasten der Westkurve wo bisher 8.800 Stehplätze sind und künftig nur noch 7.700 Stehplätze unter dem künftigen Dach Platz finden werden. Der jetzige Block F (Stehplatzbereich) wird in die Südtribüne mit Sitzplätzen eingegliedert.

Der jetzige Gästebereich, die Ostkurve an der Grünwalder Straße, erhält einen neuen Oberrang mit Sitzplätzen. Der untere Rang hat weiterhin Stehplätze und der neue Oberrang die Sitzplätze. Aus derzeitigen 1.546 Stehplätzen werden 2.974 Steh- und Sitzplätze. Für Gästefans sind ca 1.900 Plätze vorgesehen. Dies bedeutet, dass künftig in der Ostkurve Heim- und Gästefans zu finden sein werden und daher Trennungen der Bereiche vorgenommen werden müssen. Und hier zeigten die Planungen bei den Einlassbereichen Schwächen, die mit Sicherheit abgeändert werden müssen.

Der derzeitige Einlass für die Gästefans an der „Ostkurve“ im Bereich Grünwalder/Volckmerstraße soll nun für Heim-Fans als Eingang „Ost II“ benützt werden und den Einlass für die Südtribüne (bisherige Haupttribüne) und den Heimbereich auf der Osttribüne darstellen. Dafür wird der Gästeeinlass für die Osttribüne in Richtung Einlass für die „Stehhalle“ verlegt. Dass nun eine problemlose Trennung der Fan-Lager von der U-Bahnstation Wettersteinplatz zum Eingang ins Stadion nicht mehr gewährleistet ist, wird eine Überarbeitung der Planungen nötig machen. Man wollte die Zuschauereingänge von der Volckmerstraße (hinter der bisherigen Haupttribüne) nicht mehr haben, damit wohl die Anwohner hier von „Zuschauerverkehr“ verschont bleiben. Allerdings wird dies nicht umsetzbar sein.

Die bisherige Dachhöhe der „Stehhalle“ (Nordtribüne) stellt die Obergrenze für die neue Überdachung der Westkurve und Ostkurve, sowie der Südtribüne dar.

Zum Abschluss der Vorträge der beteiligten Planer stellte Herr Rehn vom Referat für Stadtplanung und Bauordnung (LBK) den nächsten Schritt für die geplanten Umbauarbeiten vor.

Am 20.01.2020 wird im Amtsblatt der Landeshauptstadt München, sowie am 23.01.2020 in der Süddeutschen Zeitung und dem Münchner Merkur veröffentlicht, dass in der Zeit vom 24.01. bis 24.02.2020 in den Räumen der Lokalbaukommission in der Blumenstr. 19, Zimmer 438, die Pläne eingesehen werden können und Stellungnahmen hierzu abgegeben werden können. Dies erfolgt im Rahmen der Beteiligung der Öffentlichkeit, Nachbarbeteiligung gem. Art. 71 Satz 4 i.V.m. Art. 66a Abs. 1 BayBO.

Ab 20.20 Uhr hatten nun die Anwohner und Vertreter aus den Bezirksausschüssen Gelegenheit, das Wort zu ergreifen.

Als erstes gab ein Anwohner aus der Reichenhaller Straße seine Meinung ab. Er monierte die Einladungsverteilung und unterstellte der Stadt, dass diese die Veranstaltung geheim halten wollte. Er schilderte, dass an Spieltagen alles schlecht und nicht zumutbar ist. In die gleiche Kerbe schlug ein Anwohner aus der Martin-Luther-Straße und wurde anschließend von Frau Melanie Kieweg (Mitglied im Bezirksauschuss Untergiesing) bestätigt.

Eine Anwohnerin aus der Grünwalder Straße, die genau gegenüber dem Stadion wohnt, äußerte sich positiv zum Stadion. Ihr Anliegen war die Gestaltung der künftigen erhöhten Osttribüne.

Nach einigen Fragen und Redebeiträgen hatten wiederum Behördenvertreter die Möglichkeit auf das Vorgetragene einzugehen. Ob es um Lärmschutz oder Verkehrsaufkommen ging, war zu erkennen, dass seitens der Stadt alles versucht wird, bei den Planungen auf diese Dinge einzugehen.

Christian Jung von der Initiative rief in seinem Redebeitrag auf, gemein einen Dialog aufzunehmen und monierte, dass auf ein Gesprächsangebot an Gegner der Ausbaupläne keine Resonanz kam.

Ein Anwohner aus der Volckmerstraße (hinter der Haupttribüne) betonte vehement, dass sein Name (den er sowieso nicht sagte) und kein Bild von ihm veröffentlicht werden darf. Er monierte das Fehlen von WC-Anlagen im Außenbereich und schilderte Spaziergänge mit seinem Hund, wenn Fußballspiele aus sind.

Eine Anwohnerin aus der Martin-Luther-Straße beschwerte sich über die Trommeln. Der nächste Redner, ein Nachbar dieser Frau, fand das Trommeln ebenso als nicht zumutbar für die Anwohner.

Einer der Trommelgegner warf der Stadt München vor, dass diese ihre Hausordnung für das Stadion nicht durchsetze. Mechanische Lärmwerkzeuge sind laut Hausordnung im Stadion verboten. Frau Zurek betonte jedoch, dass Trommeln nicht zu diesen mechanischen Lärmwerkzeugen zählen.

Auch Herr Scharold wurde gebeten zum Lärm der Trommeln Stellung zu beziehen. Er machte deutlich, dass die Trommeln zur Fan-Kultur dazu gehören.

Frau Stephanie Dilba und Herr Roman Beer warben in ihren Redebeiträgen ebenso um Verständnis, das „Event Fußball“ im Grünwalder Stadion toleranter anzugehen.

Die Redebeiträge der Anwohner beendete der Herr, der bereits den ersten Beitrag „alles ist schlecht“ hatte und wiederholte seine Vorwürfe um 21.45 Uhr.

Die Schlussworte von der Gastgeberin Frau Zurek waren um 21.55 Uhr: „Wenn das Stadion fertig ist, wird es ein schickes Teil sein.“

Diesen Worten schließt sich der Verfasser dieser Zeilen an, auch wenn er auf eine Erhöhung der Zuschauerplätze gehofft hat, aber am gestrigen Abend eingesehen hat, dass dies mit Sicherheit am Standort Grünwalder Straße nicht gehen wird.

(Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Vervielfältigung, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Löwenmagazins.)
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