15 Jahre ist es heute her, dass einer der schillerndsten Spieler vom TSV 1860 München verstorben ist. Rudolf „Rudi“ Brunnenmeier, der 1963 mit den Löwen Süddeutscher Meister wurde und 1964 Deutscher Pokalsieger. Im Jahr darauf holte Brunnenmeier in der Bundesliga die Torjägerkrone und seine Mannschaft stand im Finale um den Europapokal der Pokalsieger. 1966 folgte das Meisterstück in der Bundesliga. Wegen seiner Alkoholsucht und Schlägereien machte er abseits des Spielfeldes negative Schlagzeilen, das ihn seine Karriere kostete.

Bis heute ist Rudi Brunnenmeier bei den Fans unvergessen und auch das Löwenmagazin will heute seiner gedenken und ihn für seine Leistungen würdigen.

Rudi-Bomber erreichte alles

Rudi BrunnenmeierSchon früh drehte sich für den 1941 im Münchner Vorort Olching geborenen Rudi alles um Fußball. Sein Talent erregte rasch Aufsehen. In einer einzigen Saison schoss er 87 von 107 Toren beim SC Olching. Rasch folgte ein Angebot des Münchner Traditionsvereins TSV 1860, für den Brunnenmeier ab 1960 spielte. Gegen 17.000 Mark Handgeld für fünf Jahre plus 400 Mark Grundgehalt monatlich plus 150 Mark Siegprämie und einen Halbtagsjob bei Coca-Cola heuerte Brunnenmeier bei den Löwen an.

Neben Petar Radenkovic wurde „Rudi-Bomber“, wie ihn die Münchner Presse betitelte, zum Shooting-Star der Löwen. Kernig, flink und schussgewaltig soll der Mittelstürmer gewesen sein, der seinen Fans legendäre Fußballmomente bescherte, wie beim 4:0-Sieg gegen Hannover 96 am 17. Oktober 1964. Brunnenmeier schoss dabei 3 Tore. 96-Torwart Podlasly klagte damals: „Da bin ich endlich einmal ohne Fehler und bekomme von Brunnenmeier solche Dinger. Es waren Raketen.“
Für den damaligen Bundesliga-Rekord, bei dem die Löwen 9:0 gegen den Karlsruher SC am 27. Februar 1965 gewannen, war Rudi Brunnenmeier mit seinen 5 Toren verantwortlich. Bereits nach 6 Minuten verwandelte er zweimal und leitete so den Niedergang der Gäste ein, die danach völlig neben sich standen. Diesen Rekord haben die Löwen bis heute in der Bundesliga nicht brechen können. Auch seine 66 Bundesliga-Tore für den TSV 1860 konnte kein Löwe hinterher übertreffen.

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Seinen Talent durfte Brunnenmeier auch in der Deutschen Nationalmannschaft bei fünf Einsätzen in den Jahren 1964/65 unter Beweis stellen, bei denen er drei Tore erzielte und das Deutsche Team gar als Kapitän anführte. Auch der AC Turin buhlte wochenlang um ihn, bereit das höchste Gehalt und Prämien zu zahlen. Er war ganz oben, auf dem Höhepunkt seiner Karriere und vernichtete sich selbst. So kam er im Sommer 1965 stark alkoholisiert nach Hause, als der Postbote ihm ein Eiltelegramm mit der Berufung in die B-Nationalmannschaft überreichte. Problem: Das Spiel gegen die Sowjetunion war schon am selben Abend und sein Flieger zum Spielort Köln ging in wenigen Minuten. Brunnenmeier bekam die Maschine und schlief nachmittags seinen Rausch im Hotel aus. Abends traf er gleich zweimal beim 3:0 gegen die UdSSR.

From Hero to Zero

Rudi Brunnenmeier
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Als er noch für Erfolge seiner Löwen sorgte, war Rudi, der gut aussah und gerne im Porsche vorfuhr, in ganz München beliebt. Ein gern gesehener Gast in Bars, Kneipen und Kasinos, der mit dem Geld nur so um sich schmiss. Dann ließ ihn seine Freundin Ingrid, der er einen Friseursalon bezahlt hatte, für einen Playboy sitzen. Die 4-jährige Beziehung und der Laden floppte, was blieben, waren die Schulden. Ab diesem Zeitpunkt ging es richtig bergab für Rudi. Auf dem Fußballfeld baute er wegen seiner Alkoholeskapaden leistungsmäßig ab. Aufgrund einer von ihm im Jahr 1963 angezettelten Wirtshausschlägerei musste Brunnenmeier in der Saison 1966/67 zwei Wochen aussetzen, weil er die Strafe in der Justizvollzugsanstalt Fürstenfeldbruck absitzen musste. Sein Bild in der Öffentlichkeit wandelte sich. Aus „Rudi-Bomber“ wurde „Skandal-Rudi“. 1968 verließ Brunnenmeier München. Bis 1980 tingelte er als Spieler durch die Schweiz, Österreich und Liechtenstein ohne nennenswerte Erfolge erzielt zu haben.

Ohne Fußball fand Brunnenmeier keinen Halt und stürzte gänzlich ab. Er wurde Manager der Nachtclubs „Pik Dame“ und „Dolly Bar“, war jedoch selbst sein bester Kunde und hatte falsche Freunde. Seine Ehefrau Monika verkaufte das gemeinsame Haus und brannte mit dem Erlös von 150 000 Mark durch. Sein letztes Geld verprasste er selber. Dies trieb den verarmten Lebemann zu kriminellen Taten, der wegen einer Trunkenheitsfahrt für sechs Monate ins Gefängnis musste und wegen Urkundenfälschung (er fälschte Versicherungsverträge, um an die Provisionen zu kommen) verurteilt wurde. Er arbeitete als Hilfsarbeiter auf dem Bau. Zweimal versuchte er sich als Brezenverkäufer in der Münchner Innenstadt. Jedes Mal scheiterte er. „Wäre ich 30 Jahre später auf die Welt gekommen“, sagte Brunnenmeier einst, „hätte ich Millionen auf dem Konto, aber man kann sich sein Leben nicht aussuchen.“

Letztendlich kehrte er nach Olching zurück und lebte völlig vereinsamt und von seiner Familie verstoßen in einer 35qm Sozialwohnung. An Ostern 2003 starb Brunnenmeier im Alter von 62 Jahren an Krebs und den Folgen seiner Alkoholsucht. Da für ihn in der Familiengrabstätte „kein Platz“ war, organisierte der damalige Löwen-Präsident Karl-Heinz Wildmoser das Grab auf dem Ostfriedhof – auf Kosten des Vereins. Tausende von Freunden, Bekannten und Anhängern der Löwen sowie seine Freunde aus der Meistermannschaft und auch Franz Beckenbauer erwiesen Brunnenmeier vor 15 Jahren auf dem Ostfriedhof die letzte Ehre.

Für die Löwen-Fans bleibt Rudi Brunnenmeier unvergessen und eine Legende.

(Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Vervielfältigung, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Löwenmagazins.)