Mit dem ICE von Hamburg-Altona bis München Hauptbahnhof in knappen sechs Stunden. In die U1 umsteigen von Hauptbahnhof bis Wettersteinplatz und schon ist der Sören, unser heutiger Parade-Sechzger, ganz nah am Epi-Zentrum des TSV 1860 München. Außenstehende mögen ihn ob der langen Anfahrt für verrückt halten, aber der Becher 1962 (sein Name beim Löwentippspiel) ist überzeugter Stadiongänger. Das „Sechzger ist für ihn der schönste Platz der Welt“. Man findet ihn dort bei Heimspielen in der Stehhalle.

Ein Hamburger, sieht man sofort.

Löwenfan ist Sören seit seinem zwölften Lebensjahr. Für ihn ist Sechzig der geilste Club der Welt, weil „er kompliziert und gleichzeitig unkompliziert ist, euphorisch und lethargisch, einst erfolgreich aber immer liebenswert“. Eine langjährige Ehe könnte man wohl kaum besser beschreiben. Der bei den „Elblöwen Hamburg“ organisierte Sören erinnert sich noch ganz genau an den 26. Januar 1980, als er an Vaters Hand im Bremer Weserstadion stand und sich bei sibirischen Temperaturen an einem vogelwilden Spiel der Bremer gegen den TSV 1860 München mit insgesamt 10 Treffern erwärmte. Wen es interessiert, der wirft hier einfach mal einen Blick zurück.

Wenn es aber darum geht, dem Ursprung der weiß-blauen Infektion von Sören im weit entfernten Hamburg-Altona auf den Grund zu gehen, dann muss der Blick noch einige Jahre weiter zurück schweifen. Wie bei vielen Löwenanhängern zeigte sich auch bei Sören der Papa verantwortlich für die Aufnahme des Filius ins Löwenrudel. Sören ist Fan und Mitglied beim TSV 1860 München, weil sein Vater am 03.06.1964 neben 15.000 anderen Fußballbegeisterten in der Adolf-Jäger-Kampfbahn (Hamburg-Altona) stand, um seinen Lieblingsverein, der Altona 93, im DFB-Halbfinale gegen die Münchner Löwen anzufeuern. Nach einem aufopferungsvollen Pokalkampf bis in die Verlängerung hinein war Sörens Vater zwar immer noch glühender Anhänger der Altona. Löwenmut und Kämpferherz der Gäste aus München hatten es ihm aber angetan. Der Ausgleich von Berti Kraus fünf Minuten vor Abpfiff retete die Löwen in die Verlängerung. In der Nachspielzeit setzten sich die Münchner mit Treffern von Otto Laudrup, Rudi Brunnenmeier und Jan Küppers am Ende deutlich durch und legten so den Grundstein für den zweiten DFB-Pokalsieg in der Vereinsgeschichte des TSV 1860 München. Wer sich an das Pokalfinale bei tropischen Temperaturen im Stuttgarter Neckar-Stadion gegen die Frankfurter Eintracht erinnern möchte – Bitte schön. Hintergrundinfos zum Spiel gibt es von den Pokalhelden obendrein. Es lohnt sich.

Nicht nur Sören würde sich für die Zukunft seiner Löwen ähnliche Erfolge wünschen. In jedem Fall will er seine große Liebe wieder in der 1. Bundesliga sehen. Und das, wenn es irgendwie möglich ist, im Sechzger Stadion auf Giesings Höhen. Das Lebensmotto von Sören:

Die Friedhöfe der Welt sind voll von Leuten, die sich für unentbehrlich hielten.

Seine berühmten letzten Worte:

„Leider ist die Anreise zu den Heimspielen von Hamburg immer sehr lang, aber watt mutt, datt mutt, wie die Nordlichter es zu sagen pflegen.“

Ja da hast Du Recht, Sören. Aber Du weißt auch, es lohnt sich jedes mal aufs Neue nach München-Giesing zu kommen. Hamburg-Altona bis München Hauptbahnhof in 5:55 Std. Wahre Liebe kennt nicht nur keine Liga, sondern auch keine Strecken. Lass von Dir hören, wenn Du wieder in München bist.

(Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Vervielfältigung, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Löwenmagazins.)
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Tami Tes
Tami Tes (@tamites)
2 Monate her

Da hatte ich gerade Gänsehaut beim lesen. Schöne Geschichte, toller Löwenfan 😊