Die Corona-Pandemie ist derzeit zurecht das alles beherrschende Thema. Seit dieser Woche hat Deutschland wegen der ansteigenden Infektionszahlen die Jalousien wieder herunter gefahren. Die sozialen Kontakte sind bis auf ein Minimum heruntergefahren. Der Wanderzirkus Profifußball geht aber weiter. Als Sechzger-Fans dürfen wir uns auch im November über Spiele des TSV 1860 München freuen. Aber freuen wir uns wirklich auf das nächste Spiel? Passt doch alles, in der kalten Jahreszeit friert man ohnehin nicht gerne im Stadion? Gemütlich auf der Couch im Warmen den Löwen bei den Spielen zusehen. Was will man mehr? Ja gut, ohne Stimmung im Stadion kommt das Spiel auch längst nicht so emotional im Fernsehen rüber, wie man es eigentlich gewohnt ist. Aber man hört jetzt die Anweisungen des Trainers und der Spieler. Wenn sich jemand weh getan hat, schallt ein eindringlicher Schmerzensschrei durchs gähnend leere Rund. Das hat doch auch was, oder? Und überhaupt, mit den Geisterspielen hat man doch erst gesehen, was das Grünwalder Stadion, die Kultstätte der Sechzger auf Giesings Höhen, wirklich ist. Genau, ein grausiges, kaputtsaniertes, altes Stadion. Eine hässliche Betonschüssel, die nicht einmal rund ist.

Ein Löwe am Abgrund, oder Niko Wiendl in ….ja wo warst Du da eigentlich? Sieht toll aus.

Es geht auch ohne Fußball

Wie kann man so etwas über das altehrwürdige Stadion an der Grünwalder Straße, einem geschichtsträchtigen Fußballtempel, behaupten? Das ist nichts anderes als Frevel denen gegenüber, die in diesem Stadion ihre Knochen hingehalten haben, um Erfolge zu feiern, auf die wir Fans heute noch stolz sind und in unseren Kurvenliedern lauthals besingen. Dabei ist es bei Leibe nicht nur das Grünwalder Stadion. Jedes Fußballstadion ist im Grunde hässlich ohne seine Fans. Was macht ein Stadion aus? Was macht einen Verein aus? Es sind seine Fans. Wir reden hier nicht von Fußballkonsumenten, die sich eine Schüssel Nüsse auf den Tisch und einen Kasten Bier kalt gestellt haben, um sich auf die anstehende Champions-League-Partie zu freuen. Im Falle des Grünwalder Stadions sind es die Fans, denen es um nichts geringeres geht, als das Lebensgefühl TSV 1860 München. Nur mit Fans ist ein Stadion wirklich schön. Nur mit Fans ist ein Verein wirklich groß. Einer von diesen Fans ist Niko Wiendl. Und dabei hatte er lange Zeit mit Fußball so gar nichts am Hut. Man muss auch nicht selbst gekickt haben, oder an Vaters Hand ins Stadion gezerrt worden sein. Sechzig München ist viel mehr als nur 90 Minuten Fußball, Wochenende für Wochenende. Den Niko hat Fußball eigentlich nie so richtig interessiert. Selbst konnte er aufgrund seiner körperlichen Versehrtheit diese Sportart nicht betreiben. Zumindest einen emotionalen Zugang fand er zum Fußball erst mit der Weltmeisterschaft 2006 im eigenen Land. Es war faszinierend, was dieser Sport bewegen konnte, wie er Menschen in unserem Land zusammengebracht hat, die sich vorher gar nicht gekannt haben. Eine Weltmeisterschaft „bei Freunden zu Hause“. Das war sein Ding. Das war Niko´s Ding.

Niko Wiendl mitten im Löwenkosmos. Neben ihm ein unrasierter Herr namens… wie heißt der Typ noch gleich?

Freundschaft fürs Leben

Mit den Eindrücken der Weltmeisterschaft im eigenen Land, den vielen öffentlichen Events, der Etablierung des „Public-Viewing“, nahm der Niko gerne das Angebot seines Betreuers in der „Pfennig-Parade“ an, selber mal ins Stadion zu gehen. Wie sollte es anders sein, als dass sein Betreuer ein tief Blauer war und das erste Spiel, das Niko im Stadion verfolgen durfte, eines der Münchner Löwen war. Angefixt von diesem Erlebnis wollte der Niko wieder ins Stadion zu den Löwen. Was für eine Stimmung auf den Rängen. So richtig infiziert von dem Löwen-Gen wurde der Niko aber erst, als er auch andere Löwenanhänger kennen und schätzen lernte. Einer der ersten war der Fischl Willi. Niko kann sich noch gut an die erste Begegnung mit dem Parade-Fan der Münchner Löwen erinnern. „I muaß no zum Friseur bevor des Spui o geht“, waren die Worte vom Willi, die sich beim Niko bis heute noch ins Gedächtnis eingebrannt haben. Neugierig geworden ließ sich der Niko in der Folge auf den Löwenkosmos rund um Willi Fischl ein. Es entstanden Freundschaften, die bis heute noch unerschütterlich halten. Spieler, Trainer, Präsidenten sind gekommen und gegangen. Die Freundschaften unter den Fans haben gehalten.

Niko Wiendl und Willi Fischl im Löwen-Stüberl. Freunde fürs Leben.

Und so richtig zusammengeschweißt haben Erlebnisse, wie der Abstieg nach der Saison 2016/17. Für Niko ein einschneidendes Erlebnis, das ihn neben den neu gewonnenen Freunden auch an den Verein, den TSV 1860 München, gebunden hat. Seit der Regionalliga-Saison ist der Niko durchgehend stolzer Inhaber einer Dauerkarte. Gleichzeitig entschloss er sich auch, Mitglied im Verein zu werden. Die Rückkehr ins Grünwalder Stadion und die nahegelegenen Auswärtsfahrten, mit dem Höhepunkt in Pipinsried, war für Niko Wiendl und seine neugewonnenen Freunde der pure Genuss.

Na dieses geile Bild könnte gut das Cover einer noch geileren Rockband zieren. „Lions in blue“.

Eine Leidenschaft, der seine Großmutter nur Unverständnis entgegenbringen konnte. Niko’s Oma war schon von je her eine „Rote“. Sie beobachtete das Treiben ihres Enkels genau und war verwundert von seiner neu entfachten Leidenschaft. „Warum bist du so intensiv Sechzger?“ Eine Frage, die sie ganz bewusst genau so an ihren Enkel stellte, weil sie dieses Gefühl von ihrer eigenen roten Gesinnung so nicht kannte. „Oma, es sind die Leute, die Freunde, die ich kennenlernen durfte. Sechzig ist wie eine Familie“, so die überzeugende Antwort von Niko Wiendl an seine Oma. Noch Fragen? Der TSV 1860 München ist ein Verein zum Anfassen. Mit Christian Köppel, ehemaliger Spieler der Aufstiegsmannschaft der Münchener Löwen 2017/18, hat der Niko heute noch einen guten und aufrichtigen Kontakt.

Freundschaften, die keine Vereinsgrenzen kennen.

Was sind schon eine Schale voll Nüsse, ein Träger gut gekühltes Bier und ein Fußballspiel auf hohem Niveau, wenn du deine Leidenschaft nicht teilen kannst. Ein Spiel wird gewonnen, verloren, oder ohne Sieger entschieden, aber nach 90 Minuten, mit etwas Nachspielzeit, ist es immer vorbei. Bei einer Freundschaft ist das etwas völlig anderes. Die hält unter Umständen ein Leben lang. Freunde für´s Leben. Sechzig München macht es möglich.

(Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Vervielfältigung, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Löwenmagazins.)
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Leo
Leser
Leo (@leo1)
23 Tage her

Starke Geschichte von nem starken Löwen!

blue planet
Gast
blue planet (@guest_51877)
27 Tage her

Toll, wieder jemand aus dem Löwenkosmos näher kennenzulernen!

 blau91: Klasse Beschreibung der Stimmung im/ums Stadion

Snoopy.
Leser
Snoopy. (@snoopy)
28 Tage her

Schade, dass man hier unter der wiedermal gelungenen Vorstellung eines Löwen so eine Diskussion führt, ausgelöst von einem einzigen.

1860biszum Tode
Gast
1860biszum Tode (@guest_51865)
28 Tage her

Bleibt doch bitte sachlich und beleidigt Euch nicht untereinander. Blau weiße Liebe auf ganzer Linie.
Es grüßt Euch
Da Mich

jürgen
Leser
jürgen (@jr1860)
29 Tage her

Willkommen im Club, Niko 😀

Ich finde es immer wieder faszinierend, wie viele nette Leute durch die Löwen zusammen kommen. Echt fast eine Familie 🙂

Ein Spiel wird gewonnen, verloren, oder ohne Sieger entschieden, aber nach 90 Minuten, mit etwas Nachspielzeit, ist es immer vorbei. Bei einer Freundschaft ist das etwas völlig anderes. Die hält unter Umständen ein Leben lang. Freunde für´s Leben. Sechzig München macht es möglich.

… so soll es sein, so soll es bleiben

#ELiL

Schleimi
Gast
Schleimi (@guest_51857)
28 Tage her
Reply to  jürgen

„Ich finde es immer wieder faszinierend, wie viele nette Leute durch die Löwen zusammen kommen.“

Richtig, aber es gibt auch User wie Sie, die andere User hier bei uns im Löwenmagazin beleidigen.

…I bin da schleimi und do bin i dahoam!

ArikSteen
ArikSteen (@ariksteen)
28 Tage her
Reply to  Schleimi

Du bist ein absolut asozialer Volldepp, dem rein gar nichts daran liegt unsere Diskussionskultur wertzuschätzen. Ich werde deine Beiträge zukünftig nicht mehr freischalten. Da werde ich jetzt einfach von unserem virtuellen Hausrecht gebrauch machen. Irgendwann ist einfach auch die Toleranz-Grenze bei mir erreicht.

jürgen
Leser
jürgen (@jr1860)
28 Tage her
Reply to  ArikSteen

Sehr gut  ArikSteen
Hab eh keine gesteigerte Lust mich mit Typen wie @schleimi rumzuärgern. Da ignoriere ich diese lieber 🙂

Schleimi
Gast
Schleimi (@guest_51860)
28 Tage her
Reply to  ArikSteen

Schade, Herr Steen😢

ArikSteen
ArikSteen (@ariksteen)
28 Tage her
Reply to  Schleimi

Ja. Schade. Dass Fans ehrenamtlich solche schöne Artikel schreiben und Menschen wie du sie derart für sinnlosen Müll missbrauchen. Schade.

Schleimi
Gast
Schleimi (@guest_51862)
28 Tage her
Reply to  ArikSteen

Für mich war es das hier auf Ihrer „Löwen-Fan-Seite“!

Soviel zum Thema #gemeinsam

Als „asozialer Volldepp“ lass ich mich von Ihnen nicht bezeichnen und ziehe in Erwägung, rechtliche Schritte gegen Sie einzuleiten.🤓

Bine1860
Bine1860 (@bine1860)
28 Tage her
Reply to  Schleimi

Aber es stimmt doch! Und Gott sei Dank gibt’s dafür hier auch genügend posts von dir, die das belegen.