Unseren heutigen „IBAS“ kennt wohl jeder, der zumindest ansatzweise Interesse am TSV 1860 München hat. Umso mehr freut es uns, dass sich der Hubert Pöllmann extra für das Löwenmagazin Zeit genommen hat. Auch wenn sein Name in aller Munde ist, heißt das noch lange nicht, dass man den Menschen dahinter auch kennt. Es ist uns eine Ehre, Euch den Hubert heute etwas näher bringen zu dürfen. Wie ist er ein Sechzger geworden? Was hat ihn dazu bewogen, Filme über den TSV 1860 München und seine Fans zu machen?

Der weiß-blaue Erfolgsfan?!

„1860 hat sich in ganz Bayern, auch durch den Pokalsieg 1964 und die Europacup-Finalteilnahme 1965 gegen West Ham, viele Fans erworben. Sie sind bis heute geblieben….“ Eine Aussage des Meister-Löwen Peter Grosser auf die Frage, welchen Stellenwert die Meisterschaft 1966 für die Löwen hatte (Quelle: www.tsv1860.de/Blick_zurück1965/1966). Einer dieser Fans ist Hubert Pöllmann. Als Bub spielte der gebürtige Kelheimer selber Fußball. Heranwachsende suchen naturgemäß nach Idolen, zu denen sie aufschauen, an denen sie sich orientieren können. Die Fußballbundesliga, als höchste deutsche Spielklasse, war gerade neu gegründet und der TSV 1860 München schloss – als eines von 16 Gründungsmitgliedern – die Saison auf dem 7. Tabellenplatz ab. Im DFB-Pokal sorgten die Löwen um den fliegenden Torwart mit der Schirmmütze Radi Radenkovic für Furore. Über Borussia Dortmund, den 1. FC Kaiserslautern, den 1. FC Saarbrücken und Hamburg Altona 93 zogen die Schützlinge des damaligen Trainers Max Merkel ins Finale ein, wo sie im Stuttgarter Neckarstadion auf die Eintracht aus Frankfurt trafen. 45.000 Zuschauer im Stadion und ein Vielfaches mehr an den Fernsehgeräten sahen am 13.06.1964 die Tore von Wilfried Kohlhars und Rudolf Brunnenmeier. Deutscher Pokalsieger 1964, der TSV 1860 München. Für den damals Zwölfjährigen, selbst im weiß-blauen Dress des SC Kelheim aktiv, war es damit naheliegend, dem erfolgreichen, wie sympathischen Verein aus München seine ganze Aufmerksamkeit zu schenken. So richtig begeistern für die Löwen konnte sich der Bub aus Kelheim, als seine Idole beim TSV 1860 München in der darauffolgenden Saison auf internationalem Parket Fußballgrößen wie den FC Porto, Legia Warschau, den AC Turin aus dem Wettbewerb geworfen haben und nur in Wembley im Finale mit 0:2 gegen West Ham United gescheitert waren. In der Liga beendeten die Merkel-Kicker mit sechs Punkten Rückstand auf Platz vier liegend die Saison. Ja und dann kam die Deutsche Meisterschaft im darauffolgenden Jahr 1966. „Wenn man es genau nimmt, bin ich ein Erfolgsfan“, so die augenzwinkernde Selbsteinschätzung von Hubert Pöllmann.

Selbstloser Filmemacher, der am Ende nur eines im Sinn hat

In den Siebzigern studierte Hubert Pöllmann an der Uni Erlangen-Nürnberg. In dieser Zeit wurde in seiner Heimatstadt Kelheim der Rhein-Main-Donau-Kanal geplant und gebaut. Für Hubert Pöllmann war das die Initialzündung für sein späteres Filmschaffen. Er wollte das Altmühltal noch unversehrt abfilmen. Aus dieser Idee entwickelte sich 1984 der Dokumentarspielfilm „Der Lokalpatriot“. Der Film wurde auf den Hofer Filmtagen gezeigt und bekam später das Prädikat „wertvoll“. In den Neunzigern wurde Hubert Pöllmann das Produzentenstipendium in Geiselgasteig zugesprochen. Sein erster Film über die Löwen hieß „Männer am Wochenende“ und handelte von einem Fan des TSV 1860 München wie er lebt und leidet. Sein letzter Film „Ein Leben ohne 60 ist möglich, aber wozu?“ dürfte noch vielen weiß-blauen Anhängern in guter Erinnerung sein. Sein neuestes Werk ist bereits abgefilmt und geschnitten. Sämtliche Vorführungstermine mussten aber wegen des aktuellen Corona-Lockdowns auf unbestimmte Zeit verschoben werden. Für den Hubert kein Problem, „es ist wie es ist“, und es trübt merklich sein Feuer nicht, das in ihm für Sechzig und seine Filmleidenschaft lodert. Zu Hubert Pöllmann als Filmemacher und sein neuestes Werk im Speziellen wird es hier im Löwenmagazin extra einen Bericht geben. Die Art und Weise, wie der Hubert über den neuen Film und das Projekt drum herum spricht, macht in jedem Fall neugierig. Und es zeigt vor allem eines. Hubert Pöllmann geht es nicht um sich, keine Sekunde, es geht nur um Sechzig München und seine Fans. „Was erwartest Du von der Veröffentlichung Deines neuen Films?“. Die Frage kam von unserer Präsidentin, die neben mir saß und den Hubert zu seinem Filmprojekt interviewte. „Ich will, dass Sechzig aufsteigt“, so die vom gegenüber sitzenden Hubert Pöllmann, wie ein PingPong-Ball über den Tisch returnierte Antwort. Noch während die Tami postwendend einwandte, „nein, nein, Du hast mich nicht verstanden“, wurde mir klar, der meinte das genau so, wie er es gesagt hat. Dem Hubert geht es nicht um den eigenen Ruhm. „Ich bin nicht wichtig“. Seine Filme sieht er als sein Geschenk für seine Leidenschaft, Münchens große Liebe.

In guten wie in schlechten Zeiten

Aber ja, der Hubert ist ja nicht nur ein Filmemacher. Er ist vor allem auch ein leidenschaftlicher Löwenanhänger und das seit Beginn der ersten Erfolge Mitte der sechziger Jahre. Ein Löwe der ersten Stunde sozusagen. Seit 1982 ist er auch Mitglied beim TSV 1860 München. Schuld daran war der Lizenzentzug Anfang der Achtziger unter der Präsidentschaft eines Erich Riedl. Rudi Völler verließ damals die Löwen als Schützenkönig der 2. Bundesliga (37 Tore) in Richtung Werder Bremen. Die Münchner fanden sich in der Bayernliga wieder. In guten wie in schlechten Zeiten. Ein für den TSV 1860 München typisches Fan-Verhalten, um das der Verein heute noch weit über die Landesgrenzen hinaus beneidet wird. Eines seiner größten Erlebnisse mit den Löwen hatte der Hubert zu dieser Zeit bereits hinter sich. Es war der für ihn heute noch unvergessene Aufstieg in die 1. Bundesliga am Ende der Saison 1976/77. Der TSV 1860 München wurde Vizemeister der 2. Bundesliga-Süd. Es ging gegen die Arminia aus Bielefeld in die Relegation. Nach einem 0:4 im Hinspiel schien bereits alles verloren. Anton Nachreiner, Hans Haunstein, Jimmy Hartwig und Georg Metzger egalisierten aber vor 60.000 Zuschauern im Münchner Olympiastadion das Hinspielergebnis. Ein weiteres Relegationsspiel musste also die Entscheidung bringen. Wiederum vor 60.000 Zuschauern kam es in Frankfurt zum Showdown. Am Ende jubelten die Löwen und tausende mitgereiste Fans. Jimmy Hartwig und Georg Metzger schossen die Münchner zurück in Liga 1. In den darauffolgenden Jahren, vor dem Absturz in die Bayernliga, pendelten die Löwen zwischen dem ersten und zweiten Oberhaus des deutschen Profifußballs, genauso wie zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Irgendwie typisch für das damalige Sechzig.

Typisch Sechzig

Als irgendwie typisch für Sechzig bezeichnet Hubert auch die Zeremonie um sein 25-jähriges Dienstjubiläum. Da kann er sich noch genau dran erinnern. Der Rahmen, die Halbzeitpause während eines Spiels der zweiten Mannschaft in der Stadiongaststätte unter der Haupttribüne des Grünwalder Stadions. Während einige Stadionbesucher gerade aus der gaststätteneigenen Befreiungshalle drängten, drückt ihm die Fanbeauftragte die Urkunde in die Hand. Was solls, der Hubert kann da heute noch drüber schmunzeln. Ähnlich bizarr empfand er den ersten Auftritt vom späteren Präsidenten Karl-Heinz Wildmoser. Der Großgastronom mit patriarchischen Zügen platzte damals unvermittelt in eine Delegiertenversammlung, bei der auch Hubert Pöllmann zugegen war. In fast schon brachialer Trump-Manier und für alle im Saal hörbar, forderte Wildmoser einen seiner zwei Bodyguards auf, den Sitzungsverlauf zu beeinflussen. „Sog moi dea da vorn, dass i ned ewig Zeit hob“. „Die da vorn“ war die damalige Präsidentin Lilo Knecht. Von der hatte Hubert Pöllmann im Übrigen auch mal einen persönlichen Anruf erhalten. Sein erster Film über die Löwen war veröffentlicht und so glaubte die damalige Präsidentin, einen „großen Filmemacher“ als Sponsor für den TSV 1860 München gewinnen zu können. Es dauerte eine Weile, bis Hubert überhaupt verstanden hatte, was die Präsidentin von ihm wollte, einem Filmemacher, dessen Projekte über Spenden finanziert wurden. In diese Reihe bizarrer Begegnungen passt auch die Veranstaltung bei der damaligen Vorstellung des Portugiesen Vitor Pereira als neuen Cheftrainer der Münchner Löwen. An die Veranstaltung im Hacker-Pschorr Bräuhaus auf der Theresienhöhe kann sich Hubert Pöllmann noch gut erinnern. Ganz besonders an diesen einen Satz des so verheißungsvoll angepriesenen Trainers mit internationaler Reputation – „We go to the top“. Auch irgendwie typisch für Sechzig.

Schmerzhafter Ausverkauf

Das seiner Meinung nach schlimmste Ereignis war für Hubert Pöllmann der Abstieg 2004 aus der 1. Bundesliga. Es war der Beginn des Ausverkaufs vieler gut ausgebildeter Eigengewächse. Ein scheibchenweiser Tod, wie es Hubert Pöllmann selber ausdrückt. Zum damaligen Zeitpunkt prominentester Abgang war Benjamin Lauth. Die damals 22-jährige Nachwuchshoffnung des TSV 1860 München war damals schon im Kader der deutschen Nationalmannschaft. Mit einem spektakulären Fallrückzieher erzielte der Haushamer im Nationaldress das Tor des Jahres 2002. Für den Hamburger SV Grund genug, 4,1 Mio hinzublättern. Zur gleichen Zeit schlich sich der ebenfalls bei den Junglöwen ausgebildete Andreas Görlitz in die gegenüberliegende Wohnsiedlung, wo der rot weiße Weltverein heute noch residiert. In den folgenden Jahren ließ der Ausbildungsverein TSV 1860 München weiter Federn. Noch heute könnte sich der Hubert über all die Abgänge gut ausgebildeter Spieler aufregen. Patrick Milchraum, Nicky Adler, Daniel Baier, Marcel Schäfer, Timo Gebhart, Julian Baumgartlinger, Fabian Johnsen, Kevin Volland, Sven und Lars Bender sind dabei nur eine Auswahl. „Allein der Blick in die Zeitung, in der gefühlt jeden zweiten Tag eine Hiobsbotschaft über einen neuerlichen Abgang eines Talents zu lesen war, schmerzte“, so die rückblickende Erinnerung vom Hubert. Seiner Meinung nach war dieser scheibchenweise Verkauf der ungeschliffenen Kronjuwelen schlimmer als der Doppelabstieg 2016/17.

„Jeder hat seinen eigenen Blick auf Sechzig“

Hubert Pöllmann kennt den Löwenkosmos seit den erfolgreichen sechziger Jahren. Aufgrund seiner Filmemacherei über die Löwen ist er nicht nur bei den Fans, sondern auch bei den Offiziellen des TSV 1860 München bestens bekannt. Rund um die Löwen hat er die Höhen, genauso wie die Tiefen, fast schon hautnah miterlebt. Hat er Spieler, Trainer und Präsidenten kommen und gehen sehen. Wenn es nach ihm geht, darf Sechzig nie wieder in die Steinzeit zurück fallen. Er sieht den aktuell eingeschlagenen Weg als den richtigen an. Michael Köllner ist in seinen Augen ein „super Trainer, und wenn ich mir die Präsidenten der vergangenen Jahre so anschaue, dann ist Robert Reisinger das Beste, was dem TSV 1860 München passieren konnte“. „Ich habe die Meistermannschaft live spielen sehen. Ich kann mich an die Vergleiche 1966 im Europapokal der Landesmeister gegen Real Madrid noch gut erinnern. Das Hinspiel im damaligen Achtelfinale haben wir mit 1:0 zuhause gewonnen. In Madrid sind wir dann mit 3:1 ausgeschieden, unter anderem, weil dem Radi ein Fehler unterlaufen ist. Schön, dass wir diese Zeit erlebt haben, aber das kann man den Jungen nicht vorwerfen. Jeder hat seinen eigenen Blick auf Sechzig.“

Wahre und große Worte eines bescheidenen Löwen. Danke für die Einblicke lieber Hubert. Wir sind gespannt auf Deinen neuen Film. Ein Projekt, im Grunde vergleichbar mit dem Löwenmagazin. „Von Fans, für Fans“.

Der Trailer zum Film: Pöllmanns Film „Was wäre 60 ohne seine Fans?“

(Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Vervielfältigung, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Löwenmagazins.)
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jürgen
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jürgen (@jr1860)
2 Monate her

das macht Lust auf den neuen Film 😀

jürgen
Leser
jürgen (@jr1860)
2 Monate her
Reply to  jürgen

Beim Buidl ganz oben war noch der Autodandler am Grünspitz 😉
lang, lang ists her…

jürgen
Leser
jürgen (@jr1860)
2 Monate her
Reply to  blau91

😂👍 früher hat man die Autos angeschaut, wenns grad a bissl fad war, jetzt schaut man den Madln nach 😎😄

… aber hast Recht, der Grünspitz ist so viel besser und bleibt hoffentlich so. Ein zwangloser Ort um sich zu treffen, ein kulturelles Zentrum von Giesing 👍