Nach dem stimmungsvollen Flutlichtspiel im Grünwalder Stadion, welches gegen den FSV Zwickau den ersehnten ersten Dreier beschert hat, steht am kommenden Montag die Auswärtspartie beim SV Waldhof Mannheim auf dem Spielplan. Für viele Löwenfans übt diese Partie im Südwesten einen großen Reiz aus, aber leider hat der DFB genau dieses Auswärtsspiel auf den fanunfreundlichen Montag gelegt. Bis einschließlich der Saison 2021/22 werden Montagsspiele auch weiterhin zum festen Bestandteil der 3. Liga gehören.

SV Waldhof Mannheim – Ein alter Bekannter

Waldhof Mannheim war in der Oberliga Süd und zu Zeiten der Zweitklassigkeit in den 70er Jahren ein ständiger Konkurrent im Ligabetrieb. Der gemeinsame Weg beider Vereine endete nach 42 Punktspielen im Jahr 1994. Seitdem wurde zwischen den ehemaligen Dauerrivalen keine Partie mehr angepfiffen.

Am 18. Spieltag in der Saison 1975/76 reisten die Löwen in der Staffel Süd der 2. Bundesliga zum Auswärtsspiel nach Mannheim. Nach dem Abstieg aus der Bundesliga im Jahr 1970 war Jahr für Jahr stets das gleiche Saisonziel deklariert worden, aber der Wiederaufstieg in die Bundesliga ließ sich einfach nicht realisieren. Vor dem Anpfiff in Mannheim stand 1860 München auf Platz 4 der Tabelle, punktgleich mit den VfB Stuttgart, FC 08 Homburg und dem SV Röchling Völklingen. Der Abstand zur Tabellenspitze, die sich zu diesem Zeitpunkt der 1. FC Nürnberg und der 1. FC Saarbrücken teilten, betrug 4 Punkte. In Zeiten, als es für einen Sieg nur 2 Punkte gab, war dies bereits ein spürbarer Rückstand.

Sehnsucht nach der Bundesliga

Löwenrudel in der Saison 1975/76

Ein aus heutiger Sicht kurios anmutender Vorgang ist, dass sich der SV Waldhof Mannheim im Zeitraum von 1972 bis 1978 nach seinem damaligen Sponsor umbenannt hatte. Im Jahr 1972 hatte die Firma Chio Chips 190.000 DM dafür bezahlt, dass der Vereinsname in „Chio Waldhof 07“ abgeändert wurde. Waldhof Mannheim war der nicht der erste Verein, der zu Beginn der Kommerzialisierung im Fußball eine enge Kooperation mit einem Wirtschaftsunternehmen einging. Die erste Fußballmannschaft in Deutschland, die auf dem Trikot eine Werbung für eine Firma drucken ließ, war 1967 Wormatia Worms für die amerikanische Firma Caterpillar. Große Bekanntheit erreichte im Jahr 1973 Eintracht Braunschweig mit der umstrittenen Trikotwerbung für Jägermeister.

Sponsor und Namensgeber vom SV Chio Waldhof 07: Chio Chips

Vor 9.000 Zuschauern im Stadion am Alsenweg erwischten die Löwen an jenem 6. Dezember 1975 einen guten Start und gingen in der 14. Minute durch den gebürtigen Münchner Ferdinand Keller in Führung. Nachdem Keller bereits in der Abstiegssaison 1969/70 im Kader von 1860 München gestanden hatte, war er 1972 an die Grünwalder Straße zurückgekehrt und schnürte dort bis 1976 seine Fußballstiefel.

Ein richtiger Münchner ist ein Sechzger: Ferdinand Keller

In der 58. Minute baute der unvergessene Jimmy Hartwig die Löwenführung auf 0:2 aus. Mit 28 Toren für die Löwen, insbesondere mit seinen erzielten Treffern gegen Arminia Bielefeld in der legendären Aufstiegsrelegation im Jahr 1977, machte sich Hartwig bei 1860 München unsterblich. Die beiden Stürmer Keller und Hartwig hatten in ihrem späteren Karriereverlauf noch eine gemeinsame Station. Erst wechselte Ferdinand Keller im Jahr 1976 von den Löwen zum Hamburger Sportverein und zwei Jahre später folgte ihm Jimmy Hartwig nach. Dort erlebten sie die goldene Epoche des HSV, als dieser Dauergast in den Endspielen des Europacups war. Jimmy Hartwig stand im Jahr 1983 in Tokio sogar im Weltpokalfinale gegen Gremio Porto Alegre.

Beide Stürmer treffen, aber es reicht nicht zum Sieg

Nach 60 Minuten sah 1860 München beim SV Chio Waldhof 07 wie der sichere Sieger aus. Doch nicht umsonst besingen die Vorstadtkönige in der inoffiziellen Vereinshymne „Mit Leib und Seele“ einen ganz bestimmten Punkt, der Generationen von Löwenfans in den Wahnsinn treibt: „Du hast nicht jedes Mal gewonnen, auch wenn das Spiel gewonnen schien.“ Binnen 9 Minuten erzielte die Heimmannschaft zwischen der 63. und 72. Spielminute die nötigen zwei Tore zum Ausgleich. Letztendlich musste man sogar zufrieden sein, nicht auch noch verloren zu haben.

Die Löwen standen nach dem letzten Spieltag der Saison 75/76 weiterhin auf Platz 4 in der Tabelle, der Rückstand auf Aufsteiger Saarbrücken hatte sich auf 10 Punkte summiert.

Auch interessant

Gastbeitrag: Mannheim away – immer eine Reise wert!

(Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Vervielfältigung, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Löwenmagazins.)

neuste älteste beste Bewertung
Benachrichtige mich zu:
Tami Tes
Redakteur

Chio Waldhof… wie nett 😁
Cooler Bericht. Danke Tom… noch zwei Tage 💪🏼

BruckbergerLoewe
Leser

Passt auf Euch auf ! Mit den Steinewerfern ist nicht zu spassen.
Und parkt nicht mit 1860 Logo oder Münchner Kennzeichen in Stadionnähe wenn Euch Euer Auto was wert ist.

Tami Tes
Redakteur

Danke. Das machen wir nicht. Da wir schon in der Früh anreisen – keine Erkennungshinweise und nichts andere. Wird schon schief gehen.