Am kommenden Samstag startet die 3. Liga in die neue Saison. Bei den Buchmachern und unter den Trainern der 3. Liga werden die Münchner Löwen als Mitfavorit auf den Aufstieg gehandelt. Ausschlaggebend für diese optimistische Einschätzung ist die zurückliegende Saison. Mit Sascha Mölders stellte 1860 München nicht nur den besten Mittelstürmer, sondern erzielte darüber hinaus auch die meisten Tore von allen Mannschaften.

Saisonstart mit Rudelbildung im Grünwalder Stadion

Zur Saisoneröffnung kommt es im Grünwalder Stadion gleich am ersten Spieltag zu einem richtigen Härtetest. Mit den Würzburger Kickers treffen die Löwen auf einen Gegner, gegen den sie im Ligabetrieb bislang nur ein einziges Mal gewonnen haben. Ausgerechnet in der Katastrophensaison 2016/17 gelang am 25. Spieltag in der Allianz Arena vor 22.600 Zuschauern ein Heimsieg. Die übrige Bilanz ist mit vier Niederlagen und einem Unentschieden mehr als ausbaufähig. Besondere Erwähnung verdient an dieser Stelle Gästetorwart Hendrik Bonmann, der am Samstag an seine alte Wirkungsstätte zurückkehrt und der sich in seinen drei Jahren bei den Löwen einen tadellosen Ruf erarbeitet hat.

Fußball-Club Würzburger Kicker e.V.

Die Hoffnungen, die vor dem 1. Spieltag der Saison 2016/17 geschürt worden waren, beruhten auf Hasan Ismaik. Anders als in den fünf Jahren zuvor investierte Ismaik in einem nie gekannten Ausmaß. Namhafte Spieler stellten sich im Sommer 2016 an der Grünwalder Straße vor, allen voran das Löwenurgestein Stefan Aigner, der bei Eintracht Frankfurt erfolgreich in der Bundesliga gespielt hatte. Neben Aigner verstärkte als nächster Großkaräter Ivica Olic das Team. Mit Karim Matmour holte 1860 München einen Spieler mit internationaler Erfahrung, der bei der Weltmeisterschaft in Südafrika alle drei Vorrundenspiele für Algerien bestritten hatte. Doch das war noch längst nicht alles. Mit Lucas Ribamar und Victor Andrade wurden gleich zwei Brasilianer verpflichtet.

Die hohen Erwartungen zu keinem Zeitpunkt erfüllt

Im Ligabetrieb lief es dann für die teuer zusammengekaufte Löwenmannschaft überhaupt nicht nach Plan. Die Folge davon waren die Entlassungen von Trainer Kosta Runjaic und Geschäftsführer Thomas Eichin. Auf Runjaic folgte Vitor Pereira, der mit seinem legendären Ausruf „We go to the top“ auf der Empore des Hacker-Pschorr-Bräuhauses für immer in Erinnerung bleiben wird. Doch nicht nur ein neuer Trainer wurde in der Winterpause geholt. Um die Mannschaft zu verstärken, die Weihnachten 2016 auf einem enttäuschenden 14. Tabellenplatz verbrachte, griff Hasan Ismaik ein weiteres Mal tief in die Schatulle. Es wurden in der Winterpause fünf Spieler aus fünf verschiedenen Ländern verpflichtet: Christian Gytkjaer (Dänemark), Abdoulaye Ba (Senegal), Agbenyenu Lumor (Ghana), Minervino da Silva Amilton (Brasilien) und Frank Boya (Kamerun). Frank Boya sollte für 1860 München kein einziges Spiel absolvieren.

hristian Gytkjaer (Dänemark), Abdoulaye Ba (Senegal)
Christian Gytkjaer (Dänemark), Abdoulaye Ba (Senegal) (c) imago/MIS

Für die Würzburger Kickers hingegen begann die Saison 2016/17 erstaunlich gut. Nachdem die Kickers binnen zwei Jahre den Durchmarsch von der Regionalliga Süd in die 2. Bundesliga geschafft hatten, klopften sie nach dem 9. Spieltag in der Tabelle ganz oben an. Lediglich die Tordifferenz trennte sie von Tabellenplatz 3, aber der Höhenflug der Kickers endete an diesem Spieltag. Es setzte ein stetiger Abwärtstrend ein, der Würzburg immer weiter in den Tabellenkeller abrutschen ließ. Vor dem Heimspiel in Fröttmaning waren die Kickers bereits auf Platz 12 durchgereicht worden. Die aufgerüsteten Löwen hatten drei Spiele in Folge verloren und haderten weiterhin mit Platz 14. Nach der Auswärtsniederlage in Hannover nahm Vitor Pereira Relegationsheld Kai Bülow aus der Startelf und brachte Florian Neuhaus von Beginn an. Bei der zurückliegenden Europameisterschaft war Neuhaus von Nationaltrainer Jogi Löw nominiert gewesen, aber leider in keinem der vier Spiele eingesetzt worden.

Trügerischer Vorsprung auf den Relegationsplatz

Die Gäste aus Würzburg fanden in der Allianz Arena besser ins Spiel. Die Hausherren taten sich sehr schwer, leisteten sich zu viele einfache Fehler im Aufbauspiel. Sechzig fand gegen sicher stehende Unterfranken keine spielerische Lösung und suchte den Erfolg mittels Distanzschüssen. Kurz vor der Pause versuchten es Wittek, Boenisch und Uduokhai aus der Distanz, aber FWK-Keeper Wulnikowski entschärfte diese Gelegenheiten. Nach dem Seitenwechsel hatte Olic gleich eine gute Chance für die Löwen, aber danach plätscherte das Spiel wieder vor sich hin. Dies änderte sich aber schlagartig in der 67. Minute. Nach einer Flanke des eingewechselten Liendl stieg Abdoulaye Ba in die Höhe und traf per Kopf zur 1:0-Führung. Am Saisonende verließ Ba die Grünwalder Straße und spielte seitdem für Rayo Vallecano, Deportivo La Coruna, Dinamo Bukarest und aktuell für den portugiesischen Erstligisten Moreirense FC.

Abdoulaye Ba
Abdoulaye Ba (c) imago/MIS

Der Führungstreffer der Löwen holte das Heimspiel aus dem Tiefschlaf und binnen weniger Minuten kamen die Gäste zu mehreren guten Ausgleichsmöglichkeiten, die sie aber alle nicht nutzten. In dieser Drangphase konnten die Gäste nach einem Konter Stefan Aigner nur noch mit einem Foul im Strafraum stoppen. Michael Liendl erhöhte per Elfmeter auf 2:0. Nach dem Abstieg verließ auch Liendl die Löwen und wechselte nach Holland zu Twente Enschede. Nach nur einem Jahr wechselte er zurück in die österreichische Heimat zum Wolfsberger AC. Dort fand Liendl zu alter Stärke zurück und spielte in den letzten zwei Jahren mit dem Wolfsberger AC sogar in der Europa League.

Stefan Aigner, Michael Liendl (c) imago/MIS

Erst in der Nachspielzeit kamen die Würzburger Kickers zu einem Anschlusstreffer, der am Ausgang der Partie aber nichts mehr änderte. Durch diesen Heimsieg hatten die Löwen in der Tabelle Kaiserslautern überholt und Platz 13 erreicht. Der Vorsprung nach dem 25. Spieltag auf den Relegationsplatz (Arminia Bielefeld) betrug fünf Punkte und die bessere Tordifferenz. Aber es sollte anders kommen. Die Würzburger Kickers stiegen am Ende direkt in die 3. Liga ab und die Löwen nach der Relegation aufgrund der besonderen Umstände gar in die Regionalliga Süd.

Titelbild: (c) imago/MIS

(Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Vervielfältigung, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Löwenmagazins.)
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Loewenaufsteiger
Loewenaufsteiger (@loewenaufsteiger)
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Leser
14 Tage her

Ach, danke für diese Erinnerung – es war eine gute! Ich war damals auch in der AA und der Sieg hatte mich sehr gefreut. Man hat noch Hoffnung geschöpft. Tja…

Kleiner Fehler: 1860 ist nicht in die „Regionalliga Süd“ durchgereicht worden, sondern natürlich in die Regionalliga Bayern 😉