Es geht in der 3. Liga Schlag auf Schlag. Nur wenige Tage nach der äußerst nervenaufreibenden Abwehrschlacht in Rostock kommt es bereits am Mittwoch zur nächsten Partie. Hoffentlich wird dies das letzte Geisterspiel für Jahrzehnte sein, denn ohne Fans fehlt im Grünwalder Stadion einfach das Wichtigste.

Herzschlagrelegation gegen den 1. FC Saarbrücken

Der kommende Gegner löst beim Löwenanhang augenblicklich große Emotionen aus. Zu frisch sind noch die Erinnerungen an die spektakuläre und dramatische Aufstiegsrelegation im Jahr 2018. Mit Saarbrücken hatten die Löwen vor zwei Jahren den denkbar schwersten Gegner erwischt. Kein Team von den fast 100 Mannschaften aus den sechs Regionalligen hatte in der regulären Saison 2017/18 mehr Punkte als Saarbrücken geholt. Das Duell mit dem 1. FC Saarbrücken in all seiner Dramatik nimmt in der Historie von 1860 München einen Ehrenplatz ein, gleich neben dem Relegationsklassiker gegen Arminia Bielefeld aus den 70er Jahren. Das Löwenmagazin blickte im Sommer 2019 auf dieses denkwürdige Spiel auf Giesings Höhen zurück. 

Der Augenblick, als der Aufstieg wahr wurde: Sascha Mölders tritt zum entscheidenden Elfmeter an

Die Relegation im Jahr 2018 wird für immer in Erinnerung bleiben, aber noch ein weiteres Heimspiel gegen den 1. FC Saarbrücken hat eine gewisse Bedeutung erlangt. Leider waren die Konsequenzen aus diesem Spiel für die Löwen nicht schön. Nach dem Abstieg aus der Bundesliga im Jahr 2004 kehrten die Löwen übergangsweise in das Stadion an der Grünwalder Straße zurück. Doch nicht alle Heimspiele durften an der alten Spielstätte ausgetragen werden. Aus Sicherheitsgründen spielte Sechzig u.a. gegen den Karlsruher SC, Eintracht Frankfurt, Dynamo Dresden und dem FC Köln weiterhin im Olympiastadion. Die übertriebene Vorstellung, dass Auswärtsfans ein Fußballspiel zum Anlass nehmen, um Teile von München zu verwüsten, war schon damals verbreitet.

Der rabenschwarze Tag von Michal Kolomaznik

In der Saison 2004/05 lief es zunächst überhaupt nicht nach Plan. Insbesondere auswärts waren die Löwen viel zu harmlos. Nach dem 15. Spieltag reagierte Präsident Karl Auer und entließ den glücklosen Rudi Bommer. Ausschlaggebend für die Trainerentlassung war eine deprimierende 5:1-Auswärtsniederlage bei Alemannia Aachen. Nach diesem Spiel belegte 1860 München in der Tabelle Platz 8 und der Rückstand auf Tabellenplatz 3, der in dieser Saison noch zum direkten Aufstieg berechtigte, betrug 10 Punkte. Neuer Trainer wurde Rainer Maurer und im Frühjahr 2005 starteten die Löwen eine erfolgreiche Aufholjagd. Nach dem 26. Spieltag hatten die Löwen tatsächlich nach einem 1:1-Unentschieden im Karlsruher Wildparkstadion den so heißbegehrten dritten Aufstiegsplatz zurückerobert.

Vor Anpfiff des 29. Spieltages im Grünwalder Stadion stand 1860 München immer noch vor der Konkurrenz aus Frankfurt und Fürth auf einem Aufstiegsplatz. Die ersten beiden Aufstiegsplätze waren an den MSV Duisburg und an den 1. FC Köln vergeben. Deren Vorsprung war so groß, dass sie eigentlich schon als designierte Aufsteiger feststanden. 

1. FC Saarbrücken

Der 1. FC Saarbrücken befand sich vor Anpfiff des 29. Spieltages auf Tabellenplatz 13.  Lediglich einen Punkt Vorsprung hatten die Saarländer auf den ersten Abstiegsplatz, auf dem Rot-Weiss Essen stand. Vor 19.100 Zuschauern startete 1860 München das Spiel äußerst druckvoll. Bereits nach 25 Sekunden hatte Michal Kolomaznik die erste Großchance. Die Löwen hielten den Druck aufrecht und in der 4. Minute konnte Paul Agostino nach schöner Vorarbeit von Remo Meyer die frühe Führung erzielen. In einem tollen Fußballspiel drängte Sechzig auf das 2:0, was mit großer Wahrscheinlichkeit die Vorentscheidung gewesen wäre, aber dieses so wichtige Tor wollte einfach nicht fallen. Vor allem Kolomaznik dürfte dieses Spiel heute noch in seinen Alpträumen verfolgen. Bis zur 73. Spielminute kam der Tscheche insgesamt auf sechs Großchancen. Egal ob mit dem Fuß oder mit dem Kopf, entweder hatte der Torwart oder der Pfosten etwas dagegen. Es war zum Haare raufen, das erlösende 2:0 fiel nicht. Jeder im Stadion kannte natürlich die Fußballweisheit aus Herbergers Zeiten: „Wenn du vorne zu viele Chancen auslässt, dann bekommst du hinten irgendwann ein saublödes Gegentor.“

Sonntagsschuss kostet Aufstiegsplatz

Selten unterstrich diese alte Fußballregel ihre grausame Bedeutung eindrucksvoller als an diesem Tag. Der 1. FC Saarbrücken, der an diesem Tag praktisch chancenlos war, hatte in der 78. Minute einen Auswechselspieler mit Namen Örtülü gebracht. In der 89. Spielminute, Kolomaznik war kurz davor ausgewechselt worden, hatte Örtülü im Mittelfeld den Ball. Da er keine Anspielmöglichkeiten fand, zog er aus 25 Metern einfach mal ab. Der Ball schlug wie eine Granate hinter Timo Ochs im Netz ein und das Grünwalder Stadion war fassungslos. Örtülü riss sich das Trikot vom Leib und sprang euphorisiert vor dem Gästeblock auf den Zaun. Der Schiedsrichter ahndete das Ausziehen vom Trikot mit Gelb und den Sprung auf den Zaun ebenfalls. Das heißt, der Schiedsrichter zeigte dem Torschützen aufgrund seines ausgelassenen Torjubels die gelb-rote Karte. Da die Spielzeit fast schon abgelaufen war, spielte dies aber keine große Rolle mehr. Vor allem, weil Rodrigo Costa sich wegen Reklamierens ebenfalls noch eine rote Karte einhandeln sollte.

Somit endete das Spiel auch nach Anzahl der roten Karten 1:1-Unentschieden. Die Folge von diesem Heimspiel gegen Saarbrücken war, dass 1860 München den Aufstiegsplatz an Eintracht Frankfurt verlor und ihn nicht mehr wieder zurückerobern sollte. 

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