Am 7. Spieltag der 3. Liga steht für die Löwen das Auswärtsspiel mit der weitesten Anreise in dieser Saison auf dem Spielplan. Über 750 Kilometer beträgt die einfache Anreise von Giesing bis zum Ostseestadion in Rostock. In der momentanen Tabelle trennt den Tabellenvierter und den Tabellenelften aus dem hohen Norden lediglich ein Punkt.

Nachdem der TSV 1860 München die Leidenszeit in der Bayernliga endgültig abgeschüttelt hatte, standen ab der Saison 1993/94 regelmäßig Duelle mit dem letzten Meister aus der DDR-Oberliga auf dem Spieltableau. Fast auf den Tag genau vor 22 Jahren gastierten die Löwen am 20. September 1996 auswärts zu einem Bundesligaspiel beim F.C. Hansa Rostock. Damals wie heute wurde der 7. Spieltag ausgetragen und auch damals trennte beide Mannschaften vor dem Anpfiff nur ein Punkt in der Tabelle.

In der Saison 1996/97 konnte der sportliche Aufschwung, der unter Werner Lorant eingesetzt hatte, eindrucksvoll ausgebaut werden. Gelang in der Vorsaison bereits der Sprung in den UI-Cup, stand am Ende dieser Saison gar die Qualifikation für den UEFA-Cup. Großen Anteil an diesem Höhenflug hatte bei den Löwen das kreative Mittelfeld, das mit Spielern wie Peter Nowak, Horst Heldt und Abedi Pele glänzend besetzt war.

Vor 17.000 Zuschauern im Ostseestadion entwickelte sich an diesem Freitagabend eine packende Partie, die für das Publikum alle Facetten bereithielt. Nach einer ausgeglichenen Anfangsphase entschied Schiedsrichter Jürgen Aust in der 19. Spielminute nach einem Foul an Jonathan Akpoborie auf Strafstoß. Rainer Berg war bei dem platziert geschossenen Foulelfmeter von Stefan Beinlich chancenlos. Doch damit nicht genug, bereits 4 Minuten später erhöhten die Rostocker durch Stefan Studer auf 2:0 und es drohte ein schlimmer Abend für die Münchner Löwen in der Fremde zu werden. Aber Sechzig zeigte Moral und zwang die Rostocker vermehrt zu Fehlern. In der 36. Minute verschätzte sich Torwart Perry Bräutigam und Marco Walker gelang nach Zuspiel von Peter Nowak der wichtige Anschlusstreffer noch vor dem Halbzeitpfiff. Als bereits alle Beteiligten auf den Halbzeitpfiff des Schiedsrichters warteten, konnten die Löwen nach einem Fehlpass eines Rostocker Abwehrspielers im Aufbau die Situation blitzschnell verarbeiten und am Ende des Gegenstoßes bugsierte ein Spieler aus der Hansestadt den Ball zum 2:2-Ausgleich ins eigene Netz.

Einer der besten Löwen aller Zeiten: Peter Nowak

In der Halbzeitpause stellte Werner Lorant um und bewies zum wiederholten Male sein Gespür für die richtigen Entscheidungen. Holger Greilich hatte in der ersten Hälfte Probleme gehabt, den Wirkungskreis des nigerianischen Nationalspielers Akpoborie einzudämmen. Aus diesem Grund „kümmerte“ sich in den zweiten 45 Minuten Thomas Miller um Akpoborie. Auch in der zweiten Hälfte war dieses Bundesligaspiel intensiv und spannend, Hansa Rostock konnte sich weiterhin vereinzelt gute Gelegenheiten erarbeiten, aber von Jonathan Akpoborie war nach dem Wiederanpfiff nichts mehr zu sehen.

Einsatz und Leidenschaft in einer Person: Thomas Miller

Neben Thomas Miller wusste auch Horst Heldt in dieser Partie erneut zu überzeugen, der ein ums andere Mal gefährliche Angriffe für 1860 München einleiten konnte. In der 55. Minute spielte Peter Nowak dann den nächsten tödlichen Pass und Bernhard Winkler schloss zur Führung der Löwen ab. Sechzig München hatte auswärts einen 2:0-Rückstand gedreht. Die Spieler mit der Hansa Kogge auf der Brust setzten jetzt notgedrungen alles auf eine Karte, angetrieben durch Beinlich und Studer im Mittelfeld, und das Spiel mündete in seine umkämpfte Schlussphase. Dem eingewechselten Daniel Borimirov war es in der 90. Minute nach Zuspiel von Harald Cerny vorbehalten, mit dem vierten Löwentreffer an diesem Abend den viel umjubelten Schlusspunkt in dieser ansehnlichen Partie zu setzen.

Mit 3 Punkten im Gepäck reisten Mannschaft und Fans hochzufrieden wieder zurück in den Süden und im Fachmagazin Kicker wurde Thomas Miller zum Spieler der Partie gekürt.

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Boeser Zauberer Wurst
Leser

Das war eine geile Löwenzeit, aber momentan ist es auch nicht schlecht…