Die Chance auf einen konstruktiven Diskurs hinter verschlossenen Türen hat der TSV 1860 München erneut verpasst. Im Hinblick auf die zukünftige Besetzung der Geschäftsführerposition hat sich die Gesellschafterseite überraschenderweise vorschnell geäußert. Gegenüber der AZ macht sich HAM International für den einstigen 1860-Geschäftsführer Robert Schäfer stark.

Daß Michael Scharold seinen Vertrag nicht verlängern wird, war wohl den Meisten beim TSV klar. Scharold leistete sicherlich einen wertvollen Beitrag in diversen Punkten, zeigte jedoch als Führungsperson deutliche Schwächen. Scharold zeigte wenig Kante. Er ließ sich von Gesellschafterseite extrem unter Druck setzen und begab sich damit immer wieder in Widersprüche. Er wollte es allen Seiten recht machen. In Sachen Fanklubbetreuung kam er keinen Schritt vorwärts und vermied die Konfrontation. In Sachen Löwenstüberl zogen sich Vertragsverhandlungen fast ein Jahr. Er behauptete vergangenes Jahr, er habe sich verrechnet. Dabei hatte man auf Wunsch von Ismaik das Gehalt von Gorenzel aufgestockt. Der Jordanier wollte die Kosten übernehmen, tat er aber nicht. Scharold übernahm die Verantwortung. Nur um Beispiele zu nennen. Am Ende entschied er sich vor allem für eines: nichts mehr zu sagen und unterzutauchen. Gesehen wurde er nur noch bei Sponsorenterminen oder bei einer Bürgerversammlung im Hinblick auf den Stadionausbau. Daß Scharold geht, ist eine logische Konsequenz. Mag sein, daß er viel geleistet hat. Selbstbewusst führen konnte er nicht.

Bleibt die Frage wer ihn beerbt. Daß in der Presse die Meldung durchgesickert ist, ist im Grunde egal. Einen richtigen Zeitpunkt gibt es nicht. Nicht bei Sechzig. Immer und immer wieder wird der 1860-Dampfer in unruhiges Fahrwasser geleitet. Dem kann man entgegensteuern, wenn man die großen Wellen nicht befeuert. Die Presse lechzt nach Gerüchten und Spekulationen. Feuer frei für Mutaz Sabbagh, der im Auftrag von Ismaik wohl der Abendzeitung gesagt haben soll, dass sich Ismaik für Robert Schäfer stark macht. „Ich hoffe, Robert Schäfer kommt wieder, denn er hat in den letzten Jahren in Dresden und Düsseldorf viel gelernt und Erfahrungen gesammelt“, soll Hasan Ismaik gesagt haben und weiter: „Meiner Meinung nach ist der Weg für Schäfer frei, weil er die Löwen in seinem Herzen trägt.“ Einen direkten Kontakt zu Ismaik hat die Presse in der Regel nicht. Und so ist es schwer, Ismaik ein Zitat in den Mund zu legen. Es ist vielmehr eine wohl durchdachte Aussage von HAM International. Aber warum befürworten die Vertreter von HAM nun Robert Schäfer? Schwer zu sagen.

Schäfer war bereits Geschäftsführer bei den Löwen. Von 2010 bis 2013. Er gilt als vehementer Befürworter von 50+1. „Es muss das Ziel eines jeden Vereins sein, die Selbstständigkeit zu erhalten, statt sich zu verkaufen“, sagte er gegenüber dem Kicker im Jahr 2018. Das Engagement von Ismaik bei den Löwen sehe er als wesentlichen Grund für den Absturz des TSV 1860 München: „Das Problem waren die ständigen Strategiewechsel. Diese basierten letztlich auch auf den Emotionen des Investors. Wenn der Investor nach einem halben Jahr das Gefühl hatte, die Strategie ändern zu müssen, wurden dafür direkt neue Leute geholt, und alles wurde umgeworfen. Ein neuer Trainer, eine neue sportliche Führung, neue Spieler. Nichts konnte sich entwickeln. Es führte am Ende zum Chaos und 2017 zum Abstieg in die Viertklassigkeit.“ Ihn möchte also Ismaik als Geschäftsführer zurück. Warum auch immer …

(Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Vervielfältigung, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Löwenmagazins.)

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KlausTSV
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War nicht gestern Aufsichtsratssitzung?
Wenn ja – hat noch keiner berichtet oder etwas durchsickern lassen.
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Faktenchecker
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Die hat HI platzen lassen um damit mal wieder die Kaderplanung zu sabotieren! Die Geschäftsführung wartet vergeblich auf belastbare Zahlen und Fakten. Dreckschw…elendige, allen voran sein Statthalter Saki

Alexander Schlegel
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Abgesehen davon, dass ich auch überhaupt nicht nachvollziehen kann, warum die Investorenseite auf einmal wieder Robert Schäfer haben will (aber was kann man von der Seite überhaupt nachvollziehen), hat sich Schäfer seinerzeit um die Vertragsverlängerung des hoch angesehenen und verdienten Trainer Friedhelm Funkel unsterblich blamiert und musste deswegen gehen. Keiner hat verstanden, was ihn damals geritten hat sich gegen Funkel zu stellen.

Hier ist ein ganz guter Artikel zum Thema „viel gelernt und weiter entwickelt“:
https://www.wz.de/sport/fussball/fortuna-duesseldorf/das-steckt-hinter-der-trennung-von-fortuna-duesseldorf-und-robert-schaefer_aid-38088311

HHeinz
Leser

Friedhelm Funkel ist inzwischen beurlaubt worden. Ich glaube dass Robert Schäfer schon damals erkannt hat dass es der beste Zeitpunkt für beide Seiten gewesen wäre.
Friedhelm Funkel wäre als Held gegangen und der Verein hätte in Ruhe einen Nachfolger für einen damals schon 64-jährigen Trainer suchen können. Wenn man sich abzeichnende Probleme nur aufschiebt dann ist man kein guter Geschäftsführer (Vorstandsvorsitzender).
Völlig misslungen ist damals natürlich die Verkündung mit einem weinenden Funkel und einem völlig bedröppelt drein schauenden Robert Schäfer. Diese Situation hätte man unbedingt vermeiden müssen.
Als Fußballfan hat mich die Geschichte damals emotional trotzdem sehr angesprochen.

Alexander Schlegel
Leser

Jeder Trainer wird irgendwann mal beurlaubt, wenn es nicht klappt. Und Funkel war immer ein sehr entgegenkommender Trainer, der das Geschäft genau kannte und nie mehr als Einjahresverträge abschloss, der noch dazu in dem Fall nur für die 1. Bundesliga Gültigkeit hatte. Und das bei einer Mannschaft, die er erst vor dem Abstieg in der 2. Liga rettete, mit der das Jahr darauf auch noch aufstieg und im ersten Jahr zu Ende der Vorrunde einen Sieg nach dem anderen einfuhr. Und maßgeblich ist doch nicht die aktuelle Saison, sondern die Rückrunde der letzten Saison. Und da hat Düsseldorf überragende 26 Punkte geholt und war 9. in der Rückrundentabelle.

Jetzt vom Ende her ausgerechnet dem eitlen Schäfer so eine weise Voraussicht anzudichten, halte ich schon für sehr ambitioniert. Und was alte Trainer und ihre Abgänge angeht:
1. Hat Funkel sicherlich nicht das Trainergeschäft innerhalb von ein paar Wochen verlernt. Düsseldorf hat halt wie viele Aufsteiger den Aderlass der ersten Saison nicht verkraftet. Ist doch immer so, dass dann die Talente weggehen und plötzlich die Balance nicht mehr stimmt. Schlagen die Neuzugänge nicht ein, kanns schnell nach unten gehen.
2. Alter schützt doch vor Erfolg nicht. Da gibt es weitaus ältere Trainer, die auch im Rentenalter noch erstklassige Arbeit ablieferten. Schau Dir doch mal Manu ohne Ferguson an, ein einziges Trauerspiel. Und einem gewissen Jupp Heynckes konnte man an anderer Stelle auch immer wieder noch gut gebrauchen.

HHeinz
Leser

Das liest sich ja ganz nett aber die Realität hat Robert Schäfer nunmal recht gegeben. Robert Schäfer ist bei der Fortuna längst Geschichte, Funkel trotzdem nicht mehr Trainer und sportlich steht man unten drin.

Der Verein hat in Konsequenz sowohl einen guten Vorstandsvorsitzenden als auch einen guten Trainer verloren. Ich kann daran nichts Positives erkennen. Vielleicht hat Manu ja genau jetzt die Probleme weil sie es versäumt haben gut für die Zeit nach Ferguson zu planen?
Und Vergleiche mit dem FC Bayern hinken für mich sowieso, aber die Fortuna darf sich wohl geschmeichelt fühlen.

Du drehst es so hin als hätte ich geschrieben dass Funkel zu alt für den Trainerjob ist aber das habe ich gar nicht gemeint. Funkel hatte schon davor klar gemacht dass die Fortuna seine letzte Trainerstation sein wird. Er steht einfach am Ende seiner Trainerkarriere und dieser Zeitpunkt ist absolut selbstbestimmt.
Robert Schäfer wusste meiner Meinung nach dass die Fortuna einem Trainer noch nicht das Umfeld bieten kann indem man sorgenfrei arbeiten kann. Ein Trainerproblem hatte die Fortuna auch zuletzt nicht, nur haben sie jetzt eben keinen Vorstandsvorsitzenden mehr der das richtig analysieren kann.

Alexander Schlegel
Leser

Es geht mir nur darum in welcher Situation Schäfer wie gehandelt hat und da war es – zumindest in meinen Augen – kompletter Blödsinn. Und Fußball ist heutzutage ein absolutes Tagesgeschäft. Die Mannschaft funktionierte zu dem Zeitpunkt, hatte eine lange Erfolgsstrecke mit dem Trainer hinter sich, also warum ihn ablösen? Weil irgendwann die Perspektive nicht mehr stimmt mit Funkel? Dann darfst ja bald gar keinen Trainer mehr einstellen. Denn irgendwann funktioniert es bei keinem mehr. Und der Zeitpunkt war damals nicht im Ansatz gegeben. Und wie der von mir verlinkte Artikel ja auch beschreibt, haben ja tausend andere Dinge mit Schäfer auch nicht gestimmt. Und für mich war das während seiner Amtszeit hier ein absoluter Dampfplauderer, der sich wie das Fähnchen im Wind nach den jeweils aktuellen Machtverhältnissen drehte. Erst war er devot gegenüber Ismaik und nachdem er aus mir jetzt nicht mehr erinnerlichen Gründen bei dem in Ungnade fiel, wurde er plötzlich zum großen 50+1-Verfechter. Ne, ich werde in diesem Leben kein Schäfer-Fan mehr, tut mir leid. Das Einzige, was wirklich für ihn sprechen würde, wären seine Erfahrungen mit genau diesem Investor. Er wäre mit Sicherheit nicht überrascht, wenn wieder aus Abu Dhabi verwirrende Zeichen herübergesendet werden … wink

HHeinz
Leser

Nachdem mir Robert Schäfer sowieso zu teuer ist möchte ich ihn Dir gar nicht ans Herz legen und was Deine Beurteilung über seine Leistung bei uns betrifft möchte ich Dir auch gar nicht widersprechen.
Mir fehlt allerdings zumindest im Nachhinein ein wenig die Phantasie wie man es damals hätte besser machen können. Wenn sich ein Investor vor eine Kamera stellt und in das Mikrofon diktiert dass man 5 Jahre das alleinige Sagen haben möchte dann kann man als Geschäftsführer eigentlich nur verlieren.

Snoopy.
Leser

Für wen sich Ismaik auspricht oder nicht, ist im Grunde zweitrangig oder auf gut Deutsch: scheißegal. Seltsam ist allerdings, dass sich für jemanden ausspricht, der im Grunde von Haus aus schon gegen ihn arbeitet.

Aber das sind bis jetzt nur Namen, mehr nicht, keine Tinte (schon gar keien trockene) unter irgendeinem Stück Papier, dass als Vertrag herhalten könnte. Von daher: abwarten und Tee trinken.

Serkan
Leser

Wer als Gesellschafter zu diesem Zeitpunkt öffentlich in der Presse Namen diskutiert, ist doch nicht ernst zu nehmen. Sowas macht man höchstens, wenn man den Genannten in Wirklichkeit auf keinen Fall will wink

United Sixties
Leser

Wenn der Mehrheitsgesellschafter Namen in den Ring wirft hier ein Vorschlag mit massiver Erfahrung sowie klarer Haltung zu 50+1 :
https://de.wikipedia.org/wiki/Andreas_Rettig

https://www.kicker.de/744903/artikel

HHeinz
Leser

Robert Schäfer ist halt teuer und Herr Ismaik mag alles was in der KGaA hohe Kosten verursacht.
Aber er hat zweifelsohne natürlich auch Qualitäten.

Ich persönlich würde es besser finden wenn man mit einer einmalig verbesserten Finanzsituation (durch Ablösesummen) nicht schon wieder dauerhaft höhere Kosten produziert, aber Sechzig ist halt so. Allerdings war Michael Scharold auch kein Schnäppchen.

Siggi
Leser

Dass Robert Schäfer teuer oder teurer als Scharold sein soll, ist jetzt aber nur eine Vermutung, oder?

HHeinz
Leser

In der 1. Liga werden einfach nochmal andere Gehälter bezahlt. Das gilt für Spieler wie für Funktionäre, und er hat ja durchaus Erfolge vorzuweisen.

Löwin
Leser

Vielleicht wäre einfach ein komplett neuer das Beste und nicht einen der schon wieder einmal bei uns tätig war.
Jemand Neutrales.
Ich denk mir halt ein neuer bringt andere Ansichten mit sich, frischen Wind und vielleicht auch ein Ende des Kassetten denkens.
Ich frag mich halt was hat Herr Schäfer gemacht, dass ihn Ismanik plötzlich will und wenn Ismanik was will macht mir des Sorgen. 😅

heart lion heart

DaBrain1860
Leser

So hat der Scheich schon seinen zukünftigen Buhmann wink

Sechzig ist der geilste Club der Welt
Ohne Hasan

United Sixties
Leser

Fände es ebenfalls besser eine neutrale unvorbelastete Führungskraft mit Erfahrung im Fußballprofi-Finanzbereich einzustellen. Mit dem klaren Auftrag der weiteren Konsolidierung dieser überschuldeten KGaA und Zusammenwirken mit der Stadt als Stadiongeber als weitere Basis am marketingtechnisch besten Standort auf Giesings Höhen. Gorenzel und Köllner entwickeln ein aufstiegsfähiges Löwenteam und der nächste GF Finanzen eine solide Basis für dritte oder hoffentlich bald zweite Liga ( so schwer das bleibt in dieser Gesellschafterlage)

Siggi
Leser

Unvorbelastet ist Schäfer nicht, aber eine Führungskraft mit Erfahrung im Fußballprofi-Finanzbereich ist er gewiss. Er kennt Sechzig und wenn es tatsächlich Schäfer ist, der Scharold folgen wird, fände ich das gar nicht schlecht.
Wer weiß, vielleicht ist HAM nur deswegen für Schäfer, weil die hoffen, dass dann die e.V.-ler automatisch dagegen sind? lion