Es sind ungewöhnlich private Einblicke, die Hasan Ismaik den arabischen Medien gibt. Anlaß ist der Tod seines Vaters Hajj Abdullah Ismaik. Er verstarb am Samstag.

Hasan Ismaik und der TSV 1860 München – es ist eine Geschichte voller Mißverständnisse. Eine zehnjährige Phase in der Geschichte des Münchner Traditionsklubs, die mehr Fragen aufwirft, als beantwortet. Verbunden mit Ereignissen, die sich vor allem um Geld, um Investoren, um 50+1, um Merchandising und vieles mehr drehen. Auch die Frage, woher das Geld kommt. Interessant ist jedoch vor allem auch der menschliche Aspekt. Wer ist der Mensch Ismaik?

Mit 14 Jahren floh Hasan Ismaik aus der Golfregion. Auslöser war der schwelende Konflikt zwischen dem Irak und den USA. Das war bislang bekannt. Das Löwenmagazin mutmaßte in einem Artikel über Ismaiks gemeinnützige Stiftung, dem ” Qalqilya-Rat”, dass Ismaiks Familie ursprünglich aus der palästinensischen Stadt Qalqilya kam und dann floh. Denn 1967 wurde die Stadt von der israelischen Armee erobert und die Bevölkerung vertrieben.

Nun bestätigt Ismaik in einem Artikel diese These. Für uns äußerst überraschend. Sein Vater sei weit weg von Qalqilya, seiner Heimatstadt, gestorben, so der Gesellschafter des TSV 1860 München. 1967 sei sein Vater aus Palästina geflohen. Eben aus dieser Stadt Qalqilya, die eine bewegte Geschichte im Konflikt zwischen Israel und Palästina hat. Zuerst nach Jordanien, später reiste er weiter in den Jemen, dann nach Libyen und schließlich nach Saudi-Arabien. Dort ging übrigens Hasan Ismaik zur Schule. Auf seinen eigenen Beinen, so betont der Sohn des verstorbenen Hajj Abdullah Ismaik, sei sein Vater in die Golfregion. Denn nach seiner Beinamputation aufgrund von Diabetes saß Ismaiks Vater später dann bis zu seinem Lebensende im Rollstuhl.

Sein Leben lang war Ismaiks Vater willenstark, energisch, ritterlich, beharrlich in seiner Arbeit. Er war Liebhaber der i’tikaf, einer frommen Übung im Islam, bei dem sich Gläubige für mehrere Tage und Nächte zum Gebet oder zur Andacht in die Moschee zurück ziehen. Das erzählt Ismaik in einem arabischen Artikel recht ausführlich und mit emotionaler Note. Den Glauben übertrug er auf seine Söhne. Hasan Ismaik erinnert sich an seine Jugend – die Gemeinschaft zwischen ihm und seinem Vater war eine der schönsten Dinge in seinem Leben. Gott habe ihn mit der großen Gnade geehrt, dass er seinen Vater in seinen letzten Lebensjahren zu sich holen konnte. Sein Vater war in seinen letzten Jahren auch gern gesehener Gast in der gemeinnützigen Stiftung Ismaiks, die eben genau dieser Stadt Qalqilya gewidmet ist. Dem nun bestätigten palästinensischen Ursprung der Familie Ismaik. So schließt sich der Kreis.

Wer das Investment ausblendet und auf den Mensch Ismaik sieht, dem offenbart sich eine faszinierende Persönlichkeit mit einer bewegten Familiengeschichte. Die für einen Europäer auch Einblicke in die komplexen Strukturen der arabischen Welt ermöglichen kann. Als Fan fragt man sich durchaus, wie sehr sich das Konstrukt von HAM International Limited inklusive dem Auftreten bei der TSV München von 1860 GmbH & Co KGaA mit dem Bild von Ismaik in der arabischen Welt deckt. Vielleicht tatsächlich weiterhin ein großes Mißverständnis zwischen den Löwen und dem Investor. Das es vielleicht zu überwinden gilt.

Titelbild: Bild von Dimitris Vetsikas auf Pixabay

(Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Vervielfältigung, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Löwenmagazins.)
0 0 votes
Article Rating
Subscribe
Benachrichtige mich zu:
guest
0 Comments
Inline Feedbacks
View all comments