Groundhoppers 1860 – Interview mit Präsident Robert Reisinger (Teil 2)

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Robert Reisinger stand der Fangruppe Groundhoppers 1860 Rede und Antwort. Am gestrigen Donnerstag erschien der erste Teil, heute präsentieren wir den zweiten Teil des Interviews.

Den ersten Teil findet Ihr hier:

https://loewenmagazin.de/groundhoppers-1860-interview-mit-praesident-robert-reisinger-teil-1/

Teil 2 des Interviews

Groundhoppers 1860: Eigentlich gesunder Menschenverstand, trotzdem ist der Kurs nicht mehr Geld auszugeben als man einnimmt und das dazugehörige Zitat der „schwäbischen Hausfrau“ Ziel vielerlei Anfeindungen und Spott. Auf den letzten beiden Mitgliederversammlungen wurde dieser Kurs, auch anhand Ihrer Wahlergebnisse deutlich sichtbar bestätigt. Im Stadion ist zumindest eine gefühlte Mehrheit für diesen Kurs, dagegen tobt in den sozialen Netzwerken ein oft schmutziger Disput zum eingeschlagenen Weg. Wie ist Ihre Wahrnehmung zum Stimmungsbild im Verein?

Robert Reisinger: Wenn ich bei den Spielen oder in Veranstaltungen im persönlichen Dialog mit Fans und Mitgliedern bin, erhalte ich für unseren Weg fast immer großen Zuspruch. Die Wahlergebnisse auf den Mitgliederversammlungen waren ebenfalls eindeutig. In der Welt des Internets geht es anonym zu. Nicht hinter jedem User muss auch eine einzelne reale Person oder gar ein Mitglied unseres Vereins stecken. Es wird viel Wind gemacht, der aber den virtuellen Raum nicht verlässt. Ich bin zuversichtlich, dass unsere Mitglieder sich weiterhin nicht von Falschmeldungen und Hassparolen in sozialen Medien anstecken lassen. Wir leben diesbezüglich auf der Welt gerade in schwierigen Zeiten. Nicht nur im Sport.

Groundhoppers 1860: Für uns unverständlich, aber deutlich zu beobachten: Gerade ältere Fans, die den TSV 1860 schon seit Jahrzehnten begleiten, sehen Ihren Sparkurs sehr kritisch. Dieser Personenkreis hat z.B. schon den Lizenzentzug 1982 mitgemacht.

Da geht es um übertriebene Erwartungshaltungen, geplatzte Träume und Enttäuschungen.“

Robert Reisinger: Da geht es um übertriebene Erwartungshaltungen, geplatzte Träume und Enttäuschungen. Dafür habe ich sogar ein gewisses Verständnis. Gerade diese Fans hatten mit dem Einstieg von Hasan Ismaik die Hoffnung verknüpft, innerhalb kürzester Zeit wieder an die großen Erfolge aus den 1960er Jahren anknüpfen zu können. Es ist anders gekommen. Sie wurden herb enttäuscht. Das wird unterschiedlich verarbeitet. Sich einzugestehen, dass möglicherweise mit den Träumen was nicht stimmte, fällt manchen schwer. Sie suchen Schuldige.

Groundhoppers 1860: Viele Anhänger reduzieren den TSV 1860 auf den Profifußball. Gerade dieser Umstand wurde z.B. dem sogenannten Team Profifußball bei der letzten Mitgliederversammlung zum Verhängnis. Für viele Abteilungen des e.V. wäre eine eigene Turnhalle mit dann wesentlich verbesserten Trainingsmöglichkeiten enorm wichtig. Sie haben auf der letzten Mitgliederversammlung eine solche neue Halle angekündigt. Wie ist hier der Sachstand?

Robert Reisinger: Zwei der zuletzt untersuchten Lagen haben sich bei der Detailprüfung als nicht geeignet erwiesen. Wir sind in engem Austausch mit der Stadt über weitere mögliche Standorte. Das ist ein Prozess, der seine Zeit braucht. Wir arbeiten hart daran. Aber auch hier gilt: Ich kann keine Standorte, die Gegenstand von Untersuchungen sind, bereits im Vorfeld öffentlich diskutieren. Das wäre absolut kontraproduktiv. Dafür bitte ich um Verständnis. Aber das Projekt wird klappen.

Groundhoppers 1860: Dazu kurz nachgefragt: Zu welcher Abteilung des e.V. haben sie eine besondere Bindung und können Sie uns auch erzählen, warum dies so ist?

Robert Reisinger: Ich habe keine Abteilung, zu der ich mich besonders hingezogen fühle, sondern versuche, verschiedenste Veranstaltungen, zu denen ich eingeladen werde, zu besuchen. Wir haben jetzt eine Kooperation mit einem Golfclub für die Golfabteilung unterzeichnet, da werde ich wohl neben dem Fußball jetzt öfter anzutreffen sein, weil ich selbst gern spiele.

Groundhoppers 1860: Nochmal zurück auf Ihre Kritiker. Besonders ein Vorwurf gegen Sie wird immer wieder in bestimmten Foren erhoben. Sie hätten in Ihrer Funktion als Verwaltungsrat dem totalen finanziellen Crashkurs unter Cassalette/Ismaik, der in der Saison 2016/17 zu einem schier unglaublichen Verlust von ca. 22 Mio € führte, nicht verhindert und sogar zugestimmt. Diesen Vorwurf erhob u.a. Ex-Präsident Cassalette in einem Interview in einem großen Internetblog. Was sagen Sie, wenn dieser Vorwurf erhoben wird?

„… Entscheidungen werden alle im Beirat gefällt. Dort spielt die Musik.“

Robert Reisinger: Dass diese Kritiker die Satzung nicht lesen oder verstehen können. Der Verwaltungsrat des Vereins hat für die Geschäftstätigkeit der KGaA, außer bei der Bestellung des Geschäftsführers, keinerlei Zustimmungs- oder Einspruchsrecht, sondern ist ausschließlich beratend tätig. Die Entscheidungen werden alle im Beirat gefällt. Dort spielt die Musik. Herr Cassalette hat als Grund für seinen Rücktritt vom Präsidentenamt nach dem Abstieg unter anderem das fehlende Vertrauen des Verwaltungsrates in seine Person angeführt; es kann sich jeder ausmalen, warum das Verhältnis gestört war. Auch die Vizepräsidenten Heinz Schmidt und Hans Sitzberger sind damals nur unzureichend informiert worden und wurden vor vollendete Tatsachen gestellt. Eine richtige Teamarbeit, eine gemeinsame Beratung, wie wir es jetzt im Präsidium handhaben, fand nie statt.

Groundhoppers 1860: Athanasios Stimoniaris ist in der letzten Zeit, besonders nach seiner Präsidenschaftskandidatur, in der Öffentlichkeit sehr präsent. Wie sehen Sie Ihr Verhältnis zu Ihrem Mitbewerber?

Robert Reisinger: Während unserer gemeinsamen Zeit im Aufsichtsrat der KGaA hatte ich ein sachliches Verhältnis zu Herrn Stimoniaris. Ob ein Investorenvertreter den gemeinnützigen Verein führen sollte, ist ein Thema für den Verwaltungsrat. Alles Weitere entscheiden die Vereinsmitglieder auf der Mitgliederversammlung.

Groundhoppers 1860: Dazu eine Nachfrage: Wir sehen seinen Rücktritt als Verwaltungsrat nach weniger als sechs Monaten sehr kritisch, da damit das Wählervotum der Mitgliederversammlung aus dem Jahr 2017 quasi mit Füßen getreten wurde. Inoffiziell heißt es immer wieder, Athanasios Stimoniaris war aufgrund seiner beruflichen Verpflichtungen bei keiner einzigen Sitzung des Verwaltungsrates anwesend. Können Sie das bestätigen?

Robert Reisinger: In die Anwesenheit einzelner Verwaltungsräte bei den Sitzungen des Gremiums habe ich als Präsident keinen Einblick und es steht mir auch nicht zu, das zu beurteilen.

Groundhoppers 1860: Zur letzten Frage: Was uns natürlich sehr interessieren würde ist, ob Sie unsere Seite „Groundhoppers 1860“ schon vor diesem Interview gekannt haben und wenn ja, wie Ihr Eindruck von unserer Berichterstattung ist.

Robert Reisinger: Ja, das hab ich tatsächlich. Ich lese Eure Berichte immer wieder auf Facebook und finde sie unterhaltsam und informativ. Macht bitte weiter so – Ihr seid eine Bereicherung für die Löwenfanszene. 

Groundhoppers 1860: Herr Reisinger, vielen Dank für das Interview und für die Zeit, die Sie sich für uns genommen haben. Wir wünschen Ihnen für die Zukunft alles Gute, ein glückliches Händchen bei allen Entscheidungen rund um den TSV 1860 München und halten Sie unsere Löwen weiterhin auf Kurs!

(Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Vervielfältigung, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Löwenmagazins.)

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tomandcherry
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Diese Aussagen wird ihm eine (Achtung, Ironie!) „besonders wohlgesonnene Internet-Plattform“ garantiert wieder um die Ohren hauen.

Und die meinungsgleichen Follower werden „Kreuzigt ihn!“ in Verbindung mit „Ruinenanbeter“, „Oettinger“ und „Hauptsache Giasing, Oida“ krakeelen und ihren Hass in die große weite Internet-Welt hinausposaunen.

Es ist abstoßend und wird zunehmend gefährlicher, wenn einzelnen Menschen Dank ihrer größtenteils einseitigen und stark manipulativen Berichterstattung, die den Eindruck von seriösem Journalismus erwecken möchte, solche Massenaufwiegelung gelingt.

Obwohl ich keineswegs technikfeindlich eingestellt bin und das Internet praktisch täglich zur Informationsgewinnung nutze, vermeide ich sog. „soziale Medien“ weitestgehend.

Die Auswüchse werden für mich immer deutlicher erkennbar und die daraus erwachsenden Gefahren ebenso.

Ein amtierender Präsident der US of A macht es im Großen vor und Blogbetreiber mit ihrem „Qualitätsjournalismus“ eifern ihm nach und sorgen für bösartige Stimmung zwischen eigentlich dem gleichen Verein zugewandten Fans.

Ein Wahnsinn ist das.

Löwe
Leser

Wegen der Turnhallen-Diskussion:

Da stehe ich zu 100% zu Robert Reisinger! Nicht gefallen haben mir aber die Aussagen von Frau Dietl bei der Mitgliederversammlung, die aktiv für Stimmen geworben hat mit Aussagen, die wohl nicht ganz richtig waren.

Sportfan
Gast
Sportfan

eine Frage hätte ich noch gestellt. Was in der Vergangenheit ist vorgefallen, dass der Blogger so vehement auf den besten Präsidenten der jüngsten Vergangenheit so einschlägt ? Gibt es eine Erklärung für so ein Verhalten ?

LandshutLion
Gast
LandshutLion

Ich hab mal folgendes gehört: RR war von 2009 – 2012 Abteilungsleiter der Fußballabteilung. Griss wollte dort in der 3. oder 4. Mannschaft spielen, wurde aber wohl nicht genommen / aussortiert. Und der Schuldige daran ist (zumindes nach OGs Meinung) RR.

Serkan
Leser

Das kann ich mir nicht vorstellen. Das ist sicher ein Hoax. Man sollte nicht alles glauben was erzählt wird.

anteater
Leser

„Da geht es um übertriebene Erwartungshaltungen“

Oh ja. Eine Art häufige Löwenkrankheit.

„Ob ein Investorenvertreter den gemeinnützigen Verein führen sollte, ist ein Thema für den Verwaltungsrat.“

Investorenvertreter vs. gemeinnütziger Verein. Da habe ich keine weiteren Fragen. Es gäbe für Herrn Stimoniaris auch Ämter in der KGaA. Die sind aber wahrscheinlich weniger lukrativ als seine Anstellung bei MAN. Und eine Präsidentschaft wäre auch eine Ehrenamt, wobei ich persönlich bei einem Investorenvertreter stets die Befürchtung hätte, dass er dann doch vom Investor bezahlt wird.

„In die Anwesenheit einzelner Verwaltungsräte bei den Sitzungen des Gremiums habe ich als Präsident keinen Einblick und es steht mir auch nicht zu, das zu beurteilen.“

Hier, finde ich, zeigt sich besonders deutlich Herrn Reisingers Nüchternheit. Diese ist höchst bemerkenswert, gerade bei so (für uns) emotionalen Themen wie Sechzig.

Loewen1860
Leser

Danke für den 2. Teil. Hab schon sehnlichst darauf gewartet. Sehr sachlich geführt. Ein Präsi, mit dem ich mich identifizieren kann. TOPP

Bluemuckl
Leser

Sehr guter zweiter Teil, danke an die Groundhoppers, das Löwenmagazin und auch an Robert Reisinger.

Ich befürchte jedoch, dass gerade die Aussagen zur Turnhalle wieder für einen (unberechtigten) Shitstorm sorgen werden.

Ich bin immer wieder positiv von Robert Reisingers ruhiger, besonnener Sicht auf die Dinge überrascht. Wir hatten lange nicht mehr so einen geeigneten Präsidenten.

Flo1860
Gast
Flo1860

Wäre für mich mal wieder völlig unbegreiflich, sowas ging noch nie von Heute auf Morgen und braucht Zeit.
Das ein Präsident eines Vereines nicht täglich Wasserstandsmeldungen gibt und auf Facebook über den Standort diskutiert ist doch völlig klar.

Nicht dass das jemand falsch versteht, bin voll bei dir Bluemuckl.

Aber ein „Shitstorm“ wegen der Turnhalle, aufgrund von Reisingers Aussagen dazu wäre für mich mal wieder absolut unverstänlich und komplett sinnlos.

Sollte in zwei Jahren immer noch nichts passiert sein, kann man natürlich dann mal mit Kritik kommen.
(Wird aber mMn. nicht passieren).

Baum
Leser

Ansich ist es auch völlig egal was er zum Thema Turnhalle gesagt hat. Einen Shitstorm gibt es sowieso, egal was er sagt. Manche „Medien“ haben die sachliche Ebene längst verlassen und befinden sich seither im „Dauerfeuermodus“. Wenn der Präsident meint, das man das „aushalten“ muss, dann ist das wohl so. Ich bin anderer Meinung.

anteater
Leser

„Ich bin immer wieder positiv von Robert Reisingers ruhiger, besonnener Sicht auf die Dinge überrascht. Wir hatten lange nicht mehr so einen geeigneten Präsidenten.“

Genau mein Gedanke! Immer wieder!

Deshalb umso unverständlicher, dass manche Leute in Kommentarspalten des Boulevards oder in asozialen Medien ihn als Selbstdarsteller hinstellen wollen. Gerade das ist er ja nicht mit seiner Sachlichkeit und Zurückhaltung.