Von Thomas Brandl

Die Zeiten der Naturtribünen sind gottlob nach einem Jahr schon wieder vorüber, wobei insbesondere das Auswärtsspiel beim FC Pipinsried einen unvergesslichen Ehrenplatz in der langen Geschichte des TSV 1860 München einnimmt. Es sind nur noch wenige Tage und Sechzig wird auf die große Bühne des Profifußballs zurückkehren. Am 1. Spieltag der neuen Saison gastieren die Löwen dann gleich bei unseren Freunden auf dem 285 Meter hohen Betzenberg. Zahlreiche Sechzgerfans werden sich in die Pfalz begeben und die Roten Teufel aus Kaiserslautern haben bis jetzt mehr als 11.000 Dauerkarten abgesetzt.

Spielort am 1.Spieltag: Der Betze

Es ist vorstellbar, dass 30.000 Fans diese Partie im Fritz-Walter-Stadion sehen werden und für eine beeindruckende Atmosphäre sorgen werden, die eigentlich bundesligawürdig ist. Aber auch so weht ein Hauch von Bundesliga durch die kommende Saison, weil Ende Juli in der 3. Liga insgesamt 10 ehemalige Bundesligisten an den Start gehen werden.

Die DFL beschloss zur Saison 2008/09 mit der 3. Liga eine eingleisige Profiliga einzuführen, um eine höhere Leistungsdichte nach der 2. Bundesliga zu gewährleisten. Teilnehmer an der 3. Liga im Gründungsjahr waren die vier Zweitligaabsteiger der Saison 2007/08 (Kickers Offenbach, Erzgebirge Aue, SC Paderborn 07, Carl Zeiss Jena), sowie die Dritt- bis Zehntplatzierten der beiden Regionalliga-Staffeln. Heftiger Streit entbrannte im Vorfeld um die Teilnahme von zweiten Mannschaften der Erst- und Zweitligisten. Nachdem die U23-Mannschaften der Profivereine aus Gründen der Wettbewerbsverzerrung und niedriger Zuschauerzahlen zunächst nicht an der neu geschaffenen Liga teilnehmen sollten, wurde ein Kompromiss dahingehend ausgearbeitet, dass zunächst lediglich vier Zweitvertretungen in der 3. Liga spielen dürfen. Mit dem Abstieg von Werder Bremen II in der abgelaufenen Saison wird erstmals seit Beginn der 3. Liga keine Zweitvertretung im Klassement vertreten sein.

Altes Logo der 3. Liga bis 2014

In der 3. Liga gilt eine besondere U23-Regelung. Die Mannschaften sind verpflichtet, zu jedem Spiel mindestens vier Spieler auf dem Spielberichtsbogen anzuführen, die für eine DFB-Auswahlmannschaft spielberechtigt wären und am 1. Juli der jeweiligen Spielzeit das 23. Lebensjahr noch nicht vollendet haben. Weitere Auflagen in der 3. Liga sind, dass die Stadien eine Mindestkapazität von 10.000 Plätzen haben und mindestens 2.000 Sitzplätze aufweisen. Von diesen Sitzplätzen wiederum muss mindestens ein Drittel überdacht sein. Es verwundert auf dem ersten Blick, aber es zeigt eindrucksvoll, wie dominant Fußball in Deutschland ist. Die 3. Liga ist seit ihrer ersten Saison umsatzstärker als die erstklassigen deutschen Ligen in allen anderen Sportarten. Weder die easyCredit Basketball-Bundesliga, noch die Deutsche Eishockey Liga, noch die Handball-Bundesliga können es mit der 3. Liga im Fußball aufnehmen.

Eine der verrücktesten Geschichten in der 3. Liga schrieb zweifelsohne der Sportclub aus Paderborn. Wie bereits im Jahr 2008 landeten die Ostwestfalen nach dem letzten Spieltag der Saison 2016/17 mit dem FSV Mainz II und dem FSV Frankfurt auf den Abstiegsrängen. Aber da die Löwen gleichzeitig von der 2. Bundesliga direkt in die Regionalliga Bayern zwangsabgestiegen waren, war der SC Paderborn 07 nun der große Nutznießer aus dem Drama um die Löwen. Die Paderborner behielten wegen dem Löwenunglück ihren Startplatz in der 3.Liga, doch das war beileibe noch nicht alles. Völlig unerwartet gelang in der abgelaufenen Saison hinter dem 1. FC Magdeburg der überraschende Aufstieg in die 2. Bundesliga. Die Fans des Sportclubs wussten, bei wem sie sich zu bedanken hatten, und während den ausgiebigen Aufstiegsfeiern in der Paderborner Innenstadt war immer wieder ein ganz bestimmter Sprechchor zu hören: „Ohne Sechzig wären wir gar nicht hier“.

Der Zuschauerrekord in der 3. Liga datiert aus der allerersten Drittligasaison, als 50.059 Zuschauer das Spiel zwischen Fortuna Düsseldorf und Werder Bremen II sahen, in dem die Fortunen den Aufstieg in die 2. Bundesliga klarmachten. Den Minusrekord mit lediglich 164 Zuschauern „schafften“ im Jahr 2013 die Hachinger beim Gastspiel bei Borussia Dortmund II. Das wildeste Holzhackerspiel ereignete sich im Jahr 2011, als der Schiedsrichter beim Spiel Carl Zeiss Jena gegen SV Sandhausen insgesamt elf gelbe Karten und eine rote Karte verteilen musste.

Uneingeschränkt drittligatauglich: Stadion an der Grünwalder Straße

Einen interessanten Rekord in der 3. Liga halten der MSV Duisburg und der FC Erzgebirge Aue. Die Zebras in der Saison 2014/15 und die Veilchen aus Sachsen in der Saison 2015/16 sind die einzigen Mannschaften bislang, die in einer Drittligasaison kein Spiel im eigenen Stadion verloren haben. In dieser Rubrik müssen sich auch die Löwen in der Saison 2018/19 etablieren und das Grünwalder Stadion zum uneinnehmbaren Bollwerk machen. Viel Erfolg! 

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