Der TSV 1860 München plant, trotz kritischer Stimmen, ein Testspiel gegen Newcastle United. Auch Bundesligist Mainz 05 plant ein Spiel gegen den englischen Klub. Die Fanszene wehrt sich und fordert eine Absage des Spiels.

Michael Köllner, Cheftrainer des TSV 1860 München, ist bekannt für klare gesellschaftliche und politische Aussagen. Immer wieder hat er sich bei verschiedenen Themen zu Wort gemeldet. Zum Ukraine-Krieg zum Beispiel, oder auch, wenn es ums Impfen oder Maßnahmen gegen COVID-19 geht. Selbst die Haftstrafe von Boris Becker hat er in einer Spieltags-Presserunde thematisiert.

Gegenüber dem Portal db24 verteidigt er ausgerechnet das Spiel gegen Newcastle United und meint, man müsse vorsichtig sein, eine moralische Diskussion zu führen. “Man kann bei jedem was finden”, so Köllner. “Wir haben in der Vergangenheit auch nicht alles richtig gemacht.” Der Cheftrainer der Löwen bezweifelt, ob es “uns zusteht, immer die Dinge zu bewerten”. Vor allem in Zeiten, wo man ganz andere Themen in Europa hätte.

Gegen Sportwashing - 1860 vs. Newcastle
Erster Protest der Löwenfans gegen das Spiel des TSV 1860 gegen Newcastle

Mainzer Fanszene mit klarer Botschaft

Auch der Bundesligist Mainz 05 plant ein Testspiel gegen Newcastle United. Und hat mittlerweile eine klare Botschaft aus der Fanszene bekommen. In einem offenen Brief erinnern die Supporters Mainz an das Leitbild von Mainz 05. Sie fordern die Vereinsführung auf, das Spiel gegen Newcastle abzusagen.

Die Stellungnahme der Supporters Mainz

Liebe 05er,

Mainz 05 hat sich in einem aufwändigen und intensiven Prozess ein Leitbild gegeben, in dem u.a. demokratische Werte und eine offensive Haltung gegen Ausgrenzung und Diskriminierung zentrale Elemente sind. Die Supporters Mainz tragen diese Werte uneingeschränkt mit. Das geplante Testspiel gegen Newcastle United im bevorstehenden Trainingslager nehmen wir zum Anlass, Mainz 05 an diese Werte seines Leitbildes zu erinnern.

Newcastle United wurde Ende 2021 von dem saudischen Staatsfonds PIF übernommen, dessen Vorsitzender der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman ist. Das Motiv hierfür dürfte weniger die Begeisterung für den Fußball oder die Identifikation mit dem Verein Newcastle United gewesen sein als das so genannte „Sportwashing“ – der Versuch, mit dem Einstieg in den internationalen Fußball das Image Saudi-Arabiens aufzupolieren.

Wir erinnern daran, dass Saudi-Arabien nicht nur eine absolute Monarchie ist, in der demokratische Teilhabe der Bürgerinnen und Bürger keinen Platz hat, sondern ein Land, in dem grundlegende Menschenrechte systematisch missachtet werden. Unterdrückung der Meinungs- und Religionsfreiheit, Verfolgung von Homosexuellen, Unterdrückung von Frauen, Anwendung der Prügel- und Todesstrafe sind Teil der dortigen Gesetze.

Newcastle United ist also nicht nur ein Fußball-Club, sondern ein Vehikel zur Durchsetzung der Interessen eines Regimes, das die Menschenrechte mit Füßen tritt und dessen Politik den Werten und dem Leitbild von Mainz 05 diametral entgegensteht.

In Zeiten, in denen sich autoritäre Staaten, Großkonzerne oder Milliardäre des internationalen Fußballs bemächtigen, um ihre Interessen zu durchzusetzen, ist eine Trennung von Fußball und Politik nicht mehr möglich.

Mit der Entscheidung, ein Testspiel gegen Newcastle United auszutragen, setzt Mainz 05 ein Zeichen, und zwar kein gutes: Von diesem Spiel geht das Signal aus, dass die Werte des Leitbildes nicht verbindlich sind, wenn es um die Wahl von Gegnern für Test- oder Freundschaftsspiele geht. Mit einem Spiel gegen Newcastle United bietet Mainz auch dem saudischen Regime aktiv eine Bühne und erkennt es damit mittelbar auch politisch an.

Wir fordern Mainz 05 auf: Zeigt Haltung! Lest Euer Leitbild! Sagt das Spiel gegen Newcastle United ab!

Supporters Mainz e.V., Juli 2022

Quelle: Supporters Mainz | Mainz 05 (supporters-mainz.de)


Mehr Informationen zur Thematik

Banner beim Testspiel: “1860 – Against Sportswashing – Scheiss auf die Scheichs!”

Sportswashing für Saudi-Arabien – der TSV 1860 gegen Newcastle United


Titelbild: Protest gegen Newcastle-Besitzer Saudi Arabien beim Premier League Spiel zwischen Newcastle Und Tottenham Hotspur. Der Journalist Jamal Khashoggi wurde im Auftrag von Saudi-Arabien in der Türkei ermordet.

(c) Stu Forster/Getty Images


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