Am kommenden Wochenende nimmt die 3. Liga ihren Spielbetrieb wieder auf. Die Saison wird mit Anpfiff des 1. Spieltages von den Einschränkungen und Auflagen geprägt sein, welche durch Covid-19 verursacht wurden. Dass dies keine normale Drittligasaison werden wird, steht außer Frage. Ohne Fans in den Stadien ist Fußball nur ein ganz normales Spiel.

Die Münchner Löwen werden am ersten Spieltag auswärts im Nordwesten beim SV Meppen antreten. Auch heute noch zaubert der Vereinsnamen „Meppen“ bei vielen Löwenfans mittleren Alters umgehend ein glückliches Lächeln ins Gesicht.  Am 11. Juni 1994 schafften die Löwen unter Trainer Werner Lorant am letzten Spieltag im Emsland den nicht für möglich gehaltenen Durchmarsch von der Bayernliga in die Bundesliga. Das entscheidende Tor in der dritten Minute durch Peter Pacult wird für alle Zeiten einer der größten Höhepunkte in der langen Historie von 1860 München sind.

Das Löwenmagazin hat sich im Vorfeld der neuen Saison mit Christoph L. von den Laxtener Jungs, einem engagierten Fanclub des SV Meppen, nicht nur über das berühmte Spiel von damals unterhalten, sondern auch über die kommende Saison, die sportlichen Erwartungen und generell über Profifußball in Zeiten einer Pandemie.

Fanclub des SV Meppen: Die Laxtener Jungs

Hallo Christoph, ich grüße Dich. Vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst mit dem Löwenmagazin ein wenig über das kommende Punktspiel zwischen dem SV Meppen und 1860 München zu plaudern. Meine erste Frage, ich muss sie einfach gleich zu Beginn stellen, warst Du an jenem für uns so denkwürdigen 11. Juni 1994 im Emslandstadion?

Laxtener Jungs: Hallo Thomas, danke für deine Einladung zu diesem Interview. Ich war bei dem Spiel daheim in Lingen. Das sind ca. 20 KM von Meppen entfernt. Zu dem Zeitpunkt war ich 11 Jahre alt und meine Eltern meinten, es wäre besser, daheim zu bleiben. Leider.

In der abgelaufenen Saison schnupperten die Löwen, aber auch der SV Meppen, immer wieder an den Aufstiegsplätzen zur 2. Bundesliga. Letztendlich hat es aber bei beiden nicht gereicht. Nach dem letzten Spieltag stand Sechzig auf Platz 8 und der SV Meppen aufgrund des besseren Torverhältnisses auf Platz 7. Ohne Fans im Rücken riss bei 1860 München die beeindruckende Erfolgsserie im Grünwalder Stadion. Die verlorengegangenen Heimspiele nach dem Lockdown gegen die unmittelbare Konkurrenz aus Würzburg, Rostock und Ingolstadt haben uns den Aufstieg gekostet.
Wie bewerten die Laxtener Jungs die abgelaufene und durch Corona stark beeinflusste Drittligasaison? War es richtig nach 12 Wochen pandemiebedingter Zwangspause mit Geisterspielen fortzufahren oder wäre ein kompletter Abbruch wie in Holland oder Frankreich die bessere Alternative gewesen?
Und wie seht Ihr den Profifußball jetzt inmitten einer Pandemie?

Laxtener Jungs: Puh. Das war echt eine komische Sache. Wir waren auf Platz 4 und hatten gute Chancen unseren Traum zu erfüllen.

Ich persönlich finde es komplett richtig, dass die Saison zu Ende gespielt wurde. Denn was wäre gewesen, wenn die Tabelle einfach so gewertet worden wäre? Ich denke, es wären einige Diskussionen geführt worden. Sowohl im Auf- wie auch im Abstieg.
Momentan finde ich den Fußball an sich irgendwie komisch. Dinge, die sonst alltäglich waren, fehlen. Das Stadionbier, die Bratwurst oder einfach das einfache Diskutieren, ob es ein Freistoß war oder nicht. Im TV ist es etwas komplett anderes. Davon lebt der Fußball in den unteren Ligen.

Ich freue mich trotzdem für jedes Team, dass die Möglichkeit hat, vor Zuschauern zu spielen. Auch wenn es eine Art von Wettbewerbsverzerrung sein mag, muss man es auch gönnen können. Und wenn man bedenkt, wie Vereine z.B. aus dem Osten betteln mussten, dass zumindest trainiert werden durfte, können diese nun froh sein, dass Zuschauer kommen dürfen.

Eine Vorhersage für eine neue Saison ist immer schwierig. Unter den aktuellen und sehr speziellen Bedingungen ist es wahrscheinlich sogar noch schwieriger als sonst. Was erhofft man sich trotz allem sportlich beim SV Meppen von der Saison 2020/21? Wie sehen bei Heimspielen des SV Meppen die coronabedingten Einschränkungen im Umfeld der Hänsch-Arena (früher Emslandstadion) aus?

Laxtener Jungs: Das ist echt schwierig. Zumal bei uns ein Trainerwechsel stattgefunden hat. Auf Christian Neidhart (nun Rot Weiß Essen) ist Thorsten Frings gekommen. Er tritt in Riesenfußstapfen. Zudem haben uns Leistungsträger, wie z.B. Deniz Undav (Royal Union Saint-Gilloise/Belgien) oder Marco Komenda (Holstein Kiel) verlassen. Natürlich sind auch neue gekommen, aber es wird echt schwer, diese zu ersetzen.  Ich selber hoffe, dass wir recht frühzeitig die Klasse halten. Alles andere ist ein Extra-Bonbon.

Gegner zum Saisonauftakt: SV Meppen

Zu den Einschränkungen kann man noch nicht so viel sagen. Stand jetzt wird vor leeren Rängen gespielt. (04.09.2020) Aber das kann sich echt jeden Tag ändern. Also Daumendrücken 😉

Die 3. Liga ist als Pleiteliga verschrien und in der Vergangenheit gingen mehrere Drittligisten insolvent (VfR Aalen, FSV Frankfurt, Rot-Weiß Erfurt, Chemnitzer FC). Aktuelles Beispiel ist die Planinsolvenz beim 1. FC Kaiserslautern. Es heißt, wer nicht auf schnellsten Weg in die 2. Bundesliga mit den üppigen Fernsehgeldern gelangt, wird langfristig in der 3.Liga wirtschaftlich ausbluten. Unterhaching versucht es wie Borussia Dortmund mit einem Gang an die Börse, um Gelder für den Aufstieg zu generieren. 1860 München hat sein bekanntlich schwieriges Verhältnis zu Investor Hasan Ismaik, der trotz allem immer wieder Darlehen in benötigte Genussscheine umwandelt. Welche wirtschaftlichen Konzepte verfolgt der SV Meppen, um in der 3. Liga bestehen zu können? Kann man in der 3. Liga nur mit Fremdkapital sportlichen Erfolg erzielen?

Laxtener Jungs: Wir geben nicht mehr Geld aus, als wir haben. Damit fahren wir recht gut. Zudem steht hinter der Mannschaft ein gelungenes und gutes Konzept. Zudem haben wir einen sehr guten Sportvorstand, der es versteht, Spieler vom Emsland zu überzeugen. Das ist oft für einige Spieler auch sehr entscheidend.

Ich denke, dass man auch ohne einen externen Sponsor Erfolg haben kann. Es ist schwer, aber es geht.Wenn ich Vereine wie KFC Uerdingen oder Rostock sehe, ist es ja nicht garantiert, dass Geld Tore schießt. Auf dem Platz muss ein TEAM stehen und keine Ansammlung von großen Namen. Das wird oft vergessen.

Wenn du natürlich alles auf eine Karte setzt, hast du Recht. 1-2 Jahre kannst du in dieser Liga überleben. Danach muss der Aufstieg kommen. Aber ich denke, da fahren unsere Verantwortlichen einen guten Weg.

Bei 1860 München ist die Stadionfrage seit dem Jahr 1995 ein Dauerbrenner und ewiger Zankapfel. Aktuell wäre das Grünwalder Stadion im Falle eines Aufstieges nicht für die 2. Bundesliga zugelassen, aber es laufen Planungen für eine umfangreiche Sanierung der Giesinger Spielstätte. Nicht alle Mannschaften der 3. Liga können in ihrem eigentlichen Stadion auflaufen. Der KFC Uerdingen spielt aktuell in Düsseldorf, der FC Saarbrücken muss nach Völklingen ausweichen und Türkgücü München spielt in der kommenden Saison sogar in zwei Stadien (Würzburg / Olympiastadion). Der SV Meppen hätte durchaus in der abgelaufenen Saison mit ein bisschen mehr Glück in die 2. Bundesliga aufsteigen können. Hättet Ihr im Aufstiegsfall im Emsland bleiben können oder wärt Ihr wie die oben genannten Vereine gezwungen, eine neue Heimspielstätte zu suchen?

Laxtener Jungs: Wir wären an der Lathener Strasse geblieben. Die Pläne für eine Sanierung lagen schon in der Schublade. Dort liegen sie noch immer. Man soll ja niemals Nie sagen (grinst).

Ich selber finde es schon komisch, ohne ein eigenes Stadion in der 3. Liga spielen zu dürfen. Bei Saarbrücken sehe ich es noch ein. Das Stadion ist im Bau und evtl. Anfang 2021 fertig. Wie lange baut Uerdingen schon? Und Türkgücü München? Haben die jemals den Gedanken gepflegt, eins zu bauen?

Viele Vereine geben viel Geld für den Neubau oder die Modernisierung aus und andere Vereine setzen sich schön ins gemachte Nest. Irgendwie komisch.

Im Sommer 2017 erlebte 1860 München nach der verlorenen Relegation gegen Jahn Regensburg eine Zeit mit gravierenden Veränderungen. Es folgte nicht nur der Abstieg aus der 2. Bundesliga, sondern mit einem Doppelabstieg gar der Absturz in den Amateurbereich der Regionalliga Bayern. 1860 München hatte in der Zweitligasaison 16/17 viele Sympathien verspielt. Bezeichnend dafür war, dass neutrale Fußballbeobachter in der Relegation den Gästen aus Regensburg die Daumen gedrückt haben. Vieles hat sich seitdem bei 1860 München geändert und es würde mich sehr interessieren, wie wird 1860 München im Jahr 2020 im Emsland wahrgenommen? Gilt 1860 München immer noch als unsympathisch oder hat sich das Erscheinungsbild von 1860 München im Nordwesten Deutschlands wieder zum Besseren gewandelt?

Laxtener Jungs: Ich verbinde 1860 nicht mit den Ereignissen aus der Relegation. Für mich ist 1860 noch immer ein großer Verein. Ich habe noch immer das Lied der Ran Fussballhits CD in den Ohren, wenn ich an die Löwen denke. „Wir sind stark wie noch nie, wir haben Löwenpower, uns zwingt keinen in die Knie“.

1860 wird zudem noch immer im Zusammenhang mit dem Aufstieg in Meppen im Jahre 1994 genannt. Ein Erlebnis für alle, die dabei waren. Das einzige, was den Ruf etwas beeinträchtigt ist Herr Ismaik. Ansonsten hat 1860 noch immer ein sehr positives Bild.

Auf eurer Facebook-Seite sieht man, dass Ihr ein sehr engagierter und reisefreudiger Fanclub seid. Bis jetzt war der SV Meppen seit dem Jahr 1993 insgesamt dreimal zu Gast auf Giesings Höhen. Das Zwischenresultat ist völlig ausgeglichen: 1x Heimsieg, 1x Unentschieden, 1x Auswärtssieg. Waren die Laxtener Jungs schon einmal auswärts im Grünwalder Stadion und falls ja, wie hat es euch bei uns gefallen?

Laxtener Jungs: Ja. Da waren wir. Im März 2019. Das war ein klasse Erlebnis. Vor allem die Party am Abend davor im Augustiner Keller. Also ich komme immer wieder gern nach München zu einem 1860-Spiel. Aber Ihr seid jeder Zeit herzlich willkommen im Emsland. Wir bieten zwar keinen Weltstadtcharme, aber dafür ländliche Gastfreundschaft und Herzlichkeit.

Lieber Christoph, es hat mir sehr viel Spaß gemacht dieses Interview mit einem Fan des SV Meppen zu führen. Ich wünsche mir, dass zum Rückrundenstart wieder Gästefans in den Stadien zugelassen sind und wir in einer Giesinger Kneipe vor Anpfiff des 20.Spieltages gemeinsam das eine oder andere Pils heben können. In den Farben getrennt, in der Sache vereint. Viel Erfolg in der kommenden Saison, vielleicht nicht gerade gegen uns, aber dafür umso mehr gegen Unterhaching und insbesondere gegen Bayern II.

Laxtener Jungs: Herzlichen Dank für die angenehme Zeit. Bleib gesund und für dein Team alles Gute!!

(Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Vervielfältigung, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Löwenmagazins.)
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Serkan
Leser
Serkan (@serkan)
1 Monat her

„Aktuell wäre das Grünwalder Stadion im Falle eines Aufstieges nicht für die 2. Bundesliga zugelassen…“ Das ist meines Wissens nach sachlich falsch. Eine einmalige Ausnahmegenehmigung wäre im Aufstiegsfall erteilt worden: https://www.sportbuzzer.de/artikel/1860-munchen-2-bundesliga-aufstieg-uerdingen-3-liga-grunwalder-stadion/ Vorausgesetzt, die Ausbaupläne der Stadt werden konkret.