Faire Diskussionskultur Teil 2 – Das Angstargument

7

Tagtäglich sind wir Manipulationen ausgesetzt. Wenn wir ehrlich sind, müssen wir uns eingestehen, dass viele Menschen das durchaus auch wollen. Wenn auch oft unbewusst. Es scheint für den einen oder anderen im Leben leichter, wenn jemand kommt und ihm sagt was er kaufen, glauben, denken oder tun soll. Ein großer Teil der Menschen wartet darauf, dass jemand kommt und Entscheidungen abnimmt. Manipuliert werden wir immer.

Die große Frage ist nur, wohin die Manipulation führt und ob sie uns oder anderen schadet. Kaufe ich im Laden die Marke XY statt einem gleichwertigen günstigen Produkt, dann mag ich Opfer einer Manipulation geworden sein. Sie schadet mir jedoch nicht wirklich im großen Umfang. Ganz anders sieht es aus, wenn wir zum Beispiel in politischen Fragen manipuliert werden. Zum Beispiel neuen Gesetzen zustimmen, die unsere Rechte einschränken. Man muss also durchaus unterscheiden. Will mir jemand etwas verkaufen? Will mich jemand von seinem Glauben überzeugen, von dem er selbst überzeugt ist? Oder will er mir etwas andrehen, dass mir am Ende massiv schaden könnte?

Es gibt verschiedene Formen von sogenannten Scheinargumenten, die in Diskussionen und in der Berichterstattung dafür sorgen sollen, dass Menschen bewusst manipuliert werden. Im 2. Teil unserer Serie beschäftigen wir uns mit dem Angstargument.

Das Angstargument

Beispiel: „Wird das aktuelle Präsidium im Sommer 2019 wiedergewählt, dann sieht es düster mit dem TSV 1860 München aus. Es droht der Absturz in den Amateurfußball – ohnehin ein erklärtes Ziel des Präsidenten und seinen Gefolgsleuten. Fährt man den aktuellen Kurs weiter, dann ist ein Aufstieg ohnehin unmöglich.“

Wer so oder ähnlich argumentiert, nutzt das Argumentum ad metum – das Angstargument. Angst ist einer der stärksten Antriebsfedern des Menschen. Deshalb kann man sie sehr gut für sich instrumentalisieren. Gut kombinierbar ist sie mit den bereits angesprochenen Scheinargumenten, dem Mehrheitsargument oder dem Autoritätsargument. So kann man zum Beispiel die Angst verstärken in dem eine Autoritätsperson die Befürchtung teilt.

Es gibt Menschen, die werden von der Angst förmlich getrieben. In fast jeder Lebenslage werden sie ständig von Angst beherrscht. Und es gibt Menschen, die wahre Meister sind, sich Angst zunutze zu machen. Sie schüren Angst und bieten dann Lösungen, die in ihrem eigenen Sinne sind. Vor allem mit der Wiederholungsmethode wird die Angst gefestigt. Ständige tägliche Wiederholungen von Scheinargumenten sind ohnehin sehr beliebt, um die Manipulation zu festigen.

Ist die Angst real? Natürlich kann sie es sein. Dann sollte sie dazu dienen, um uns vor möglichen negativen Konsequenzen zu schützen. Damit wir Entscheidungen und Handlungen überdenken und gegebenenfalls in die Entwicklung von Strategien zur Minimierung der Risiken übergehen. Doch wird die Angst bewusst geschürt, um uns zu manipulieren, ist Vorsicht geboten. Deshalb sollte man die Angst hinterfragen. Wie wahrscheinlich ist das Droh-Szenario? Ein differenzierter und sachlicher Blick auf die Thematik hilft, um dem Angstargument entgegenzuwirken. Auffällig: Wer das Angstargument nutzt, kann oftmals gar nicht sachlich die Ängste begründen. Das ist aber zwingend notwendig.

Auch interessant

Teil 1: Das Mehrheitsargument und das Autoritätsargument

7
Hinterlasse einen Kommentar

Please Login to comment
avatar
  
smilewinklolsadballlionpretzelbeerstadiumlinkrollingheartzzzpolice
 
 
 
3 Comment threads
4 Thread replies
0 Followers
 
Most reacted comment
Hottest comment thread
6 Comment authors
Fränkischerlöwe78BluemucklAlexander SchlegelLoewenbubjürgen (jr1860) Recent comment authors

  Subscribe  
neuste älteste beste Bewertung
Benachrichtige mich zu:
Alexander Schlegel
Leser

Angst ist sicherlich ein starker Antrieb von Menschen etwas mit aller Macht glauben zu wollen. Bin mir allerdings in dem Fall nicht so ganz sicher, ob das die richtige Vokabel ist, mit der hier operiert wird und ob wirklich jemand „Angst“ in Zusammenhang mit einem Fußballverein entwickelt.

Was mir allerdings sehr stark auffällt, wenn man beispielsweise den DB24-Blog betrachtet, ist, dass vom Betreiber wie seinen Meinungsführern im Kommentarbereich mit Feindbildern operiert wird, die völlig unkonkret und verzerrt sind. Es wird z. B. in den Kommentarspalten zumeist gar nicht konkret über einen Sachverhalt diskutiert, sondern nur mehr pauschaliert eine völlig lächerliche Figur vorgeführt. Das Urteil steht immer schon vor der ersten Zeile fest und wird sehr subtil von Herrn Griss Tag für Tag gefüttert. Ist Euch z. B. schon mal aufgefallen, dass er bei jedem Artikel über die Vereinsführung immer Bilder von Herrn Reisinger postet, in dem dieser entweder schief lächelt oder in irgend einer Form unnahbar wirkt? Das fällt ihm umso leichter, weil Herr Reisinger, obwohl er wahrlich kein schlecht aussehender Mann ist, dennoch auf Bildern immer etwas verkrampft und starr wirkt. Man merkt ihm an, dass er da nicht ganz frei ist. Und das nutzt dieser Blogger gnadenlos aus, zumal er in der Öffentlichkeitsarbeit auch die große Schwachstelle von Herrn Reisinger vermutet. Was sonst sollen diese dämlichen Artikel, in denen er sich darüber mokiert, wo Herr Reisinger mal wieder nicht erschienen ist und wo er angeblich wieder mal einem Interview aus dem Weg geht? Diese Artikel erscheinen viel zu oft, als dass man hier von einem Zufall sprechen kann. Zudem Herr Griss nie der Frage nachgeht, warum Herr Reisinger den einen Termin wahr nimmt oder andere wiederum nicht. Hier suggeriert er sehr bewusst, dass wir einen medienscheuen Intriganten als Präsidenten haben, der im Verborgenen agiert und den Verein in Wirklichkeit klein halten möchte. Und diese Artikel werden begierig aufgegriffen, sie fördern und formen permanent das Feindbild.

Loewenbub
Leser

zuerst einmal Hallo

ich bin der Neue. Hab vorher oft auf DB24 gelesen aber wurde mir immer mehr zu negativ und einsilbig. Möchte meinen ersten Beitrag auch nicht gleich politisch starten aber nachdem ich nun hier öfter still mitgelesen hab, werd ich mich auch mal öfters aktiv beteiligen.

Das Problem ist mMn schwierig zu erklären und zu lösen, aber mit Streit und vor allem mit Angst ist es nicht zu lösen.

anteater
Leser

Angst ist in den allermeisten heutigen Lebenslagen ein äußerst schlechter Berater. Wie Arik schon richtig anmerkt, wird diese gerne von Leuten mit zwielichtigen Absichten (z.B. Manipulation) geschürt, am häufigsten wohl in der Politik. Ein, wie ich finde, tolles und für uns hierzulande neutrales Beispiel wäre die von McCarthy in den USA seinerzeit geschürte Angst vor dem Kommunismus. Das heißt jetzt bitte nicht, dass ich Kommunismus gut heiße, aber die Angstmache von damals, ich glaube das war in den 1950er Jahren, die wirkt bis heute nach in der Gesellschaft dort.

Allerdings möchte ich die These in den Raum stellen, dass es tendenziell eher etwas für weniger ausgeprägte Charaktere, unsicherere Menschen ist, sich von Angst leiten bzw. in großem Maße beeinflussen zu lassen. Klar, sie kann bisweilen z.B. vor gefährlichem Übermut schützen, doch wer sich seiner selbst bewusst ist, seine Stärken und Schwächen (sowie die seiner Ideen) kennt, neigt eher zu Mut und ist weniger anfällig für Angsttreiberei. Angstgetriebene Menschen neigen wohl auch eher zum Mitläufertum denn zur Eigenständigkeit. Da ich kein Psychologe bin, kann ich nicht beurteilen, was da aus was resultiert und ob man, wenn man sehr angstanfällig ist, da etwas machen kann.

jürgen (jr1860)
Leser

So wie „die Russen kommen“
Ich bin immer wieder über mich selbst überrascht, wie tief das sitzt. Ist natürlich oft paradox wenn man mit Kollegen/Freunden aus der ehemaligen DDR zusammensitzt, die genau das gegenteilige Gefühl haben…

Bluemuckl
Leser

anteater
Leser

Guter Stichpunkt! Uns hat man in der Schule auch versucht, eine Angst vor dem Russen (ist das nur einer?) und eine Freundschaft zu den USA „nahezulegen“. Die Amis sind die Guten, die Russen die Bösen. Irgendwann wurde mein Horizont/Wissen weiter und ich dachte mir, dass da etwas faul sein muss, denn so etwas wie den Vietnamkrieg, so was machen doch keine Guten. Und spätestens mit der Bombardierung von Tripolis wurde ich dann quasi zum Außenseiter, weil man in der Klasse gar nicht verstehen konnte, dass ich mich darüber empört habe, dass dort Zivilisten bombardiert werden. Und ich traue mich fast wetten, dass die überwiegende Mehrheit meiner damaligen Mitschüler (damals umfasste das beide Geschlechter ^^) heute auch nicht viel differenzierter Denken. Aber woher soll es auch kommen. Zu wirklich kritischem, hinterfragendem Denken werden wir nicht wirklich erzogen und wie viele haben schon die Möglichkeit, so wie Du, mit Menschen von „drüben“ zusammenzusitzen und dann das Paradox zu bemerken? Eigentlich traurig für unsere angebliche Zivilisation. Tschuldigung, das führt hier alles schon wieder zu weit. Vielleicht erzählst Du mir auch mal mehr von früher an der Litfaßsäule… wink

Fränkischerlöwe78
Gast
Fränkischerlöwe78

Tripolis zeigt aber das man damals zu kurzfristig dachte wie in Syrien und heutigen Irak