Am kommenden Samstag wird mit dem überraschend starken Halleschen FC ein Gegner in das Grünwalder Stadion einlaufen, gegen den der TSV 1860 München zuletzt in der 2. Bundesliga vor 26 Jahren Punktspiele ausgetragen hat. In der Saison 1991/92 galt es für den DFB, die neu hinzugekommenen Mannschaften aus der DDR im gesamtdeutschen Profifußball zu integrieren. Die 2. Bundesliga wurde aus diesem Grund in eine Staffel Nord und in eine Staffel Süd mit jeweils 12 Mannschaften aufgeteilt. Bis Mitte Dezember 1991 absolvierten die Mannschaften in der Staffel Süd insgesamt 22 reguläre Spieltage, danach wurden im Frühjahr 1992 die Mannschaften in eine Auf- bzw. Abstiegsrunde aufgesplittet. Die besten 6 Mannschaften der Staffel Süd spielten nach dem 22. Spieltag um den Aufstieg, während die untere Hälfte der Tabelle in der Abstiegsrunde zwei Direktabsteiger ermittelte und zusätzlich einen Relegationsteilnehmer. Durch diesen kurios anmutenden Spielmodus kam es dazu, dass 1860 München im Verlauf dieser Saison gegen den Halleschen FC (zu DDR-Zeiten SC Chemie Halle) am 8. Spieltag, am 19. Spieltag, am 25. Spieltag und schließlich noch einmal am 30. Spieltag antreten musste.

Die Mannschaft von Karsten Wettberg tat sich in der neugegründeten Staffel Süd von Anfang an schwer und die grenzenlose Aufstiegseuphorie nach dem historischen 2:1-Sieg im entscheidenen Relegationspiel gegen Borussia Neunkirchen wich einem grauen Ligaalltag. Beim ersten Aufeinandertreffen mit dem Gegner aus Halle am 8. Spieltag standen die Löwen lediglich auf Tabellenplatz 10 und die Gäste aus Sachsen-Anhalt auf Platz 9. Am 7. September 1991 liefen in der Startelf von 1860 München mit Rainer Berg, Thomas Miller und Reiner Maurer drei Abwehrspieler auf, die auch Jahre später in der Bundesliga das Löwentrikot tragen sollten. In der 19. Spielminute erzielte Dariusz Wosz, der ebenfalls noch in der Bundesliga beim VfL Bochum und Hertha BSC für Furore sorgen sollte, die Führung für die Gastgeber. Michael Hecht (kurz vor der Halbzeit) und Reiner Maurer (kurz nach der Pause) drehten erfreulicherweise das Spiel aus Löwensicht, aber dem Halleschen FC sollte im Verlauf der 2. Halbzeit noch der Ausgleich gelingen.

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Vor dem ersten Heimspiel gegen Halle am 19. Spieltag hatte sich die Ausgangslage für die Löwen sogar noch verschlimmert. Auf dem 11. Platz stehend war die Aufstiegsrunde in weite Ferne gerückt und da die erreichten Punkte aus den ersten 22 Spieltagen mit in die Abstiegsrunde genommen wurden, zählte jeder einzelne Punkt auf dem Habenkonto. Vor lediglich 7.500 Zuschauern im Grünwalder Stadion an einem Freitagabend gingen die Gäste aus Sachsen-Anhalt wie im Hinspiel mit 0:1 in Führung. Reiner Maurer erzielte auch im zweiten Punktspiel gegen Halle einen Treffer und das Spiel endete in Giesing mit einem glanzlosen Unentschieden. Nach dem 22. Spieltag belegten die Löwen weiterhin Platz 11 und mussten nun mit dem FSV Mainz, Halleschen FC, VfB Leipzig, SV Darmstadt und Rot-Weiß Erfurt in die Abstiegsrunde. Da der Rückstand von Rot-Weiß Erfurt auf die übrigen Mannschaften bereits erheblich angewachsen war, stand mit Rot-Weiß ein Absteiger praktisch schon vor Beginn der Abstiegsrunde fest. Gesucht wurde jetzt in der Abstiegsrunde noch der zweite Direktabsteiger und ein Relegationsteilnehmer.

Das dritte Punktspiel gegen den Halleschen FC wurde am 25. Spieltag im Grünwalder Stadion vor 14.000 Zuschauern angepfiffen und dieses Mal gewannen die Löwen mit 2:0. Die Torschützen waren Horst Schmidbauer und Frank Pingel. Dieser Sieg markierte die beste Phase in der Saison 1991/92. 1860 München stand nach diesem Heimsieg sogar auf Platz 1 in der Abstiegsrunde, drei Punkte vor Halle und vier Punkte vor einem Relegationsplatz. Zu damaliger Zeit gab es für einen Sieg „nur“ 2 Punkte, doch leider hielt dieses Zwischenhoch nicht bis zum Abschluss der Saison.

Am 30. April 1992 wurde im Kurt-Wabbel-Stadion zu Halle das vierte Saisonspiel zwischen Halle und Sechzig vor 6.500 Zuschauern angepfiffen, welches torlos endete. Der Vorsprung auf den zweiten Abstiegsplatz und den Relegationsplatz war in der Zwischenzeit geschmolzen. Noch hielt sich zwar 1860 München über dem Strich, aber nach dem 32. Spieltag in Leipzig fand sich Münchens große Liebe auf dem Relegationsplatz wieder. Der Hallesche FC war dagegen in einem dramatischen Finale direkt abgestiegen, aufgrund einer völlig überraschenden Heimniederlage am letzten Spieltag gegen das abgeschlagene Team von Rot-Weiß Erfurt.

Von der Staffel Süd kamen nun die Löwen in eine Relegationsgruppe gemeinsam mit Fortuna Köln (Staffel Nord) und dem TSV Havelse aus der Oberliga Nord. Der Sieger dieser Relegationsgruppe erhielt einen Startplatz für die 2. Liga in der Saison 1992/93 und es sollte Fortuna Köln werden. Ein 1:4 im Grünwalder Stadion gegen Köln brach den Löwen das Genick und nach nur einem Jahr Zugehörigkeit in der 2. Bundesliga war 1860 München erneut in den Amateurbereich abgestiegen.

 

Weitere Informationen zum Halleschen FC könnt Ihr im Gegnercheck nachlesen:

Gegner im Blickpunkt: Hallescher FC

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Leo
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Die frühen 90er…
… der Pulli des Sportreporters im Clip hat was 🙂