Psychologisch ungünstigster Zeitpunkt

Es hat sich im Laufe der Zeit eine Fußballfloskel entwickelt, die bereitwillig von jedem Kommentator verwendet wird, und die sicherlich bei der kommenden WM in Russland bei passender Gelegenheit Anwendung finden wird.

Immer dann, wenn ein Tor unmittelbar kurz vor der Halbzeit fällt, ist stets vom „psychologisch ungünstigsten Zeitpunkt“ die Rede.

Aber diese Sichtweise spielt in der heutigen Trainingslehre keine Rolle. Gelingt dem Gegner kurz vor dem Pausentee ein Treffer, ist das sicherlich sehr ärgerlich, aber in erster Linie deswegen, weil einfach jedes Gegentor ärgerlich ist. Gegentore in der 44. Minute sind sogar “erwünschter” als Gegentore spät in der 2. Halbzeit, weil man einfach nicht mehr so viel Zeit hat darauf zu reagieren. Es gibt also psychologisch gesehen keinen besonders schlechten Zeitpunkt für ein Gegentor.

Schnelle Tore im Relegationshinspiel

FC Fürstenfeldbruck gg. TSV 1860Gleiches gilt natürlich für die eigenen Treffer. Auch hier gibt es keinen psychologisch wertvollen Zeitpunkt für ein eigenes Tor. Einfach jedes Tor, das 1860 München im Laufe einer Begegnung erzielt, ist super. Gleichwohl gibt es Momente für erzielte Treffer, die vom Zeitpunkt her ungewöhnlich sind. Herausragendes Beispiel ist hier das Hinspiel in der Aufstiegsrelegation in Völklingen beim 1. FC Saarbrücken. Sowohl der erste Angriff in der 1. Halbzeit durch Sascha Mölders, als auch der erste Angriff in der 2. Halbzeit durch Nico Karger führten zu Torerfolgen. Das ist sehr wohl außergewöhnlich, da in der ersten Minute einer Halbzeit normalerweise keine Treffer fallen und ausgerechnet im wichtigsten Spiel der Saison schafften die Löwen dieses Kunststück gleich zweimal.

Frühe Tore bei Löwen-Heimspielen

Nico Andermatt

Die Löwen erzielten in der abgelaufenen Saison in der Regionalliga Bayern nicht nur in Völklingen Treffer zu ganz bestimmten Spielminuten, an denen man nicht unbedingt mit Toren rechnen konnte. Das Kunststück, dass gleich der erste Angriff mit einem Torerfolg gekrönt war, gelang nicht nur im wichtigen Relegationshinspiel, sondern gleich dreimal bei Heimspielen im Grünwalder Stadion. Am 15. Spieltag traf Nico Andermatt in der 1. Minute gegen den FC Pipinsried zur sehr frühen 1:0-Führung, ebenfalls Markus Ziereis am 31. Spieltag gegen den FC Unterföhring und auch Relegationsheld Sascha Mölders verewigte sich am 33. Spieltag gegen den VfB Eichstätt mit dem allerersten Angriff auf das Gehäuse des gegnerischen Torwarts.

Auswärts – Tore vor dem Pausenpfiff

Nico Karger

Auswärts dagegen sieht das Bild erstaunlicherweise anders aus. Hier war nicht die erste Minute in der 1. Halbzeit spielentscheidend, sondern zweimal die letzte Aktion unmittelbar vor dem Pausenpfiff. Ein gutes Beispiel ist Nico Karger. Am 5. Spieltag erzielte er in der 45.+3. Spielminute den so wichtigen Führungstreffer beim SV Schalding-Heining.

Und auch am 28. Spieltag war es Nico Karger vorbehalten, beim FC Ingolstadt 04 kurz vor der Pause mit der letzten Aktion noch den 1:1-Ausgleich zu markieren. Nur drei Minuten nach der Halbzeit erhöhte Simon Seferings dann auf das 1:2 in Ingolstadt und die Weichen in Richtung Relegation waren gestellt.

Wer Drama liebt … Tore kurz vor Abpfiff

Wer Drama liebt, ist bei Sechzig bekanntermaßen richtig aufgehoben und dies stellten die Löwen in den Heimspielen zu Genüge unter Beweis. Dreimal kam Sechzig kurz vor dem Abpfiff oder gar erst in der Nachspielzeit zum entscheidenden Siegtor. An einem sommerlichen Nachmittag am 4. Spieltag musste sogar ein gegnerischer Spieler von 1860 Rosenheim in der 89. Minute den Ball nach einer Ecke ins eigene Tor köpfen, damit Sechzig das Spiel noch gewinnen konnte. Kurioserweise erzielte im nächsten Heimspiel, das Geisterspiel gegen den Club, ein Abwehrspieler von den Franken kurz vor Abpfiff erneut per Eigentor das Siegtor für die Löwen, bevor Nico Karger in der Nachspielzeit noch den 5:3-Endstand herstellte.

Siegtor gegen Buchbach in der 94. Minute

Richtig dramatisch war es an einem Mittwochabend, am 22. Spieltag gegen den TSV Buchbach bei gefühlten -10 Grad Celsius. Die in den Medien hochgelobten FC Bayern Amateure hatten unmittelbar vor den Löwen ein Nachholspiel ausgetragen und lediglich Unentschieden gespielt. Das Endergebnis war beim Einlaufen bekannt, die Chance zum Ausbau der Tabellenführung war also da. Dieses Mal gelang es aber dem Gegner quasi mit dem Halbzeitpfiff, die Führung der Löwen noch auszugleichen. In der 2. Hälfte tat sich nicht viel und die Chance, den Vorsprung auf den ungeliebten Nachbarn zu vergrößern, schien ungenutzt zu verpuffen. Mit Beginn der Nachspielzeit stand das Grünwalder Stadion auf und feuerte das Team noch einmal frenetisch an. Und dann, nach einem Freistoß in der 90.+4. Spielminute, staubte Jan Mauersberger zum 2:1 ab und die Fans im GWS gingen durch die Decke.

Achtmal erzielten die Löwen in der Regionalliga Bayern gleich zu Beginn, kurz vor der Halbzeit oder erst in der Nachspielzeit einen Treffer. In all diesen acht Partien waren die sehr früh oder sehr spät erzielten Treffer außerordentlich wichtig, denn 1860 München holte aus diesen 8 Begegnungen die maximale Ausbeute von 24 Punkten. Hoffentlich können die Löwen auch in der 3. Liga diese wichtigen Treffer erzielen und den Klassenerhalt schnellst möglich klarmachen.

Auf Youtube ist ein Video mit allen Toren von den Löwen in der Regionalliga Bayern in chronologischer Reihenfolge erschienen. Das Löwenmagazin wünscht gute Unterhaltung.

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