Kurz vor der Jahreshauptversammlung betritt ein Mann die Bühne, von dem es viele nicht erwartet haben: Klaus Ruhdorfer. Ein Kommentar zum selbsternannten Mediator der Löwen.

Es ist ruhig beim TSV 1860 München. Zumindest in der Außendarstellung. Dass im Hintergrund ein paar Themen durchaus weiter köcheln, das wissen die Meisten. Oder ahnen es zumindest. Den Löwen gelang in ihrer Gesamtheit jedoch eine mediale Kehrtwende, die Hoffnung macht. Sowohl seitens des TSV 1860 e.V, seitens dem Gesellschafter Hasan Ismaik und seitens der TSV KGaA. Das wirft ein enorm positives Bild auf alle Verantwortlichen. Auf Präsident Robert Reisinger und seine Vize-Präsidenten, auf Gesellschafter Hasan Ismaik und auf die KGaA-Verantwortlichen.

Zwei Tage vor der Jahreshauptversammlung schreibt sich nun eine Person diesen Burgfrieden ganz offensiv auf die Fahne. Klaus Ruhdorfer, Gründer des Team Profifußballs und nun selbsternannter Mediator bei den Löwen. Er betont in seinem Interview mit der Süddeutschen Zeitung zwar, dass es “anmaßend” wäre, zu sagen, dass er “eine wesentliche Rolle gespielt hätte”. Sein ganzer Auftritt im Gespräch mit der überregionalen Zeitung spricht jedoch eine andere Sprache. Er habe seit seiner Niederlage von vor zwei Jahren daran gearbeitet, “nicht nur die Gesellschafter, sondern auch die verschiedenen Fanlager und Mitglieder hinter einer klaren Zielsetzung zu versammeln: Erfolg”.

Welche Taktik nutzte Ruhdorfer? “Ich habe einfach beiden Seiten immer wieder gesagt, dass das sofortige Eingehen auf irgendwelche Störfeuer nur zu einem Ping-Pong-Effekt führt. Eine gemeinsame Basis für eine strategische Zusammenarbeit wird so ad absurdum geführt”, so erklärt Ruhdorfer. Nun, das Prinzip der wechselseitigen medialen Darstellung wurde seit 2017 immer wieder von vielen verschiedenen Personen kritisiert und thematisiert. Ob gerade Ruhdorfer hier nun den durchbrechenden Erfolg erzielt hat, muss man schon kritisch hinterfragen.

Laut Ruhdorfer ist es sein Verdienst, dass Ismaik sich ausschließlich nur noch zu sportpolitischen Themen äußert. Das habe er Ismaik im November 2019 als “ehrlich gemeinte Empfehlung gegeben”. Das Gespräch fand im November statt. Im Dunstkreis der ARGE übrigens. Ob Ismaik auf Ruhdorfer gehört hat? Kurz nach diesem Gespräch wurde der Ton seitens Ismaik sogar rauher. Sollte 50+1 nicht zu seinen Lebzeiten fallen, würde er seine Kinder beauftragen, seine Ziele zu verfolgen, so der Gesellschafter. Die Ultras reagierten mit einem Spruchbanner: “Niemand ist größer als unser Verein. Auch nicht deine Kinder”. Daraufhin nannte Ismaik die Szene “schwach”, “unbeholfen und unfähig, etwas zu bewegen”. Auch der Vergleich der Fans mit der DDR war erst nach dem vermeintlichen Gespräch mit Ruhdorfer: “Die Bayern-Fans sind weltoffen, wollen weit hinaus. Unsere Fans sind verschlossen, leben in einem kleinen Kosmos und haben Angst vor Veränderungen. Es ist wie eine Münchner Mauer”. Auch vier Monate später trag Ismaik ins Fettnäpfchen, als er Verantwortlichen des FC Bayern seine Hochachtung und Respekt aussprach, weil sie Dietmar Hopp vehement verteidigten. Er hätte sich von der Vereinsführung “auch einmal gewünscht, dass sie ein deutliches Zeichen” setzen und sich von den “massiven und fortdauernden Beleidigungen gegen” seine Person endlich öffentlich distanzieren. Das sei nicht geschehen, weil Präsident Robert Reisinger sich wegducke.

Dann kam Corona und wirbelte vieles durcheinander. Im Sommer wurde das sogenannte nachhaltige Finanzpaket verabschiedet. Ismaiks Dolmetscher Mutaz Sabbagh hatte im Sommer dem Löwenmagazin noch ein Interview mit Ismaik versprochen. Das Versprechen nahm er dann zurück und erklärte: “Das Ganze ist darauf aufgebaut, dass nur die KGaA nach außen kommuniziert, wofür sie ja auch da ist! Das ist gut für den Verein und auch für das Umfeld, aber nicht so gut für die Journalisten. Positiv ist, dass bislang alle Journalisten, mit denen ich im Kontakt stehe, die Kommunikation über die KGaA im Interesse des Verein akzeptieren. Ich hoffe, dass Sie das auch tun”. Während dieser Phase änderte sich die mediale Außendarstellung seitens Ismaik und nicht früher. Aufmunternde Worte an die Mannschaft, viele Bilder vom Training, Durchhalteparolen nach Niederlagen und eben keine klubpolitischen Äußerungen. Auch keine Interviews mehr seitens Ismaik. Ob das nun dem Mediator Ruhdorfer zu verdanken ist, weil er 10 Monate zuvor mit Ismaik gesprochen hatte?

Ruhdorfer hatte nach dem Gespräch mit Ismaik im November, das damals seitens der ARGE organisiert worden war, keinen direkten Kontakt mehr. Sondern lediglich “regelmäßige Gespräche mit seinem Bruder und weiteren Vertrauenspersonen”.

Außerdem Gespräche mit den Ultras, deren Anführer signalisiert hätten, dass “auch bei den Ultras Interesse an sportlichem Erfolg” bestünde. Ob sich Ruhdorfer einen Gefallen tut, öffentlich zu äußern wie die Ultras denken? Wohl eher nicht.

Auch einen deutlichen Seitenhieb in Richtung Jahreshauptversammlung macht Ruhdorfer. Es herrsche unter Mitgliedern und Fans eine Politikverdrossenheit, so der selbsternannte Mediator. Diejenigen Mitglieder, die zur Mitgliederversammlung gingen, wären nicht deckungsgleich mit den über 20.000 Mitgliedern, die der Verein hat. Auf den größten Teil, die zur Mitgliederversammlung gingen, würde PRO1860 mit einer geschickten PR-Strategie entsprechend einwirken. Das ist kein gutes Bild, das Ruhdorfer von der Jahreshauptversammlung und den dortigen anwesenden Mitgliedern hat.

Der Zeitpunkt des Interviews ist durchaus fragwürdig. Nein, Klaus Ruhdorfer tritt nicht als Kandidat für den Verwaltungsrat an. Für einen Außenstehenden sieht es jedoch durchaus nach einer Art Positionierung aus. Dann fragt man sich allerdings wofür? Als Mediator sei es für ihn zuletzt hilfreich gewesen, dass er nicht als Interessenvertreter von Ismaik oder dem Verein wahrgenommen wird. Ein Amt im Verwaltungsrat, im Präsidium oder auch im Aufsichtsrat entfällt damit. Aber warum dann dieser durchaus martialische Auftritt in der Süddeutschen Zeitung?

Was den Löwen leider immer wieder geschadet hat, sind die Gschaftlhuber, die zwar kein Amt innehaben, aber ständig betriebsam sind und gleichzeitig nach Bestätigung suchen. Unabhängig davon, ob er die Arbeit als Mediator nun nur selbst so wahrnimmt oder auch von anderen so wahrgenommen wird: es hätte ihm gut zu Gesicht gestanden, nicht darüber zu sprechen. Momentan steht hinter der Person Ruhdorfer jedenfalls ein immenses Fragezeichen, auch nach den Beweggründen für den öffentlichen Auftritt. Den Gesellschaftern und der TSV 1860 KGaA hat er in jedem Fall einen Bärendienst erwiesen.

Mehr Informationen

Ein Artikel über das Interview findet ihr im Löwenmagazin hier: Klaus Ruhdorfer – der Mediator zwischen den Gesellschaftern und den Fanlagern beim TSV 1860

Das Original-Interview der Süddeutschen Zeitung findet ihr als SZPlus-Abo hier: https://www.sueddeutsche.de/sport/1860-ruhdorfer-jahreshauptversammlung-1.5446489?reduced=true

(Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck und Vervielfältigung, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Löwenmagazins.)
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da-bianga
da-bianga(@dabianga)
1 Monat her

Er schreibt es ich auf die Fahne, aber eigentlich war’s ja ich. 😂 

United Sixties
United Sixties (@guest_60998)
Gast
1 Monat her

Dazu könnte man noch die ein oder andere Anekdote beitragen, da ich sowohl Ruhdorfer und auch T. Hirschberger schon weit vor Ihrem Antritt als sog. „TEAM Profi“ 2018 öfter sprechen durfte. Löblich ist gewiss eine Art Hintergrundkontakte als und mit Unternehmern für Sechzig und der HAM- Seite, nur die Verknüpfung mit Schnell und Co. bei der unsäglichen Arge-Vorstandschaft und diesen unerträglichen Vertretern von HI in München verbietet die eigentliche Intuition für seine nun angedeutete „Mediation“.
Sie haben es selbst 2018 zur VR- Wahl vergeigt und setzen jetzt auf die Zukunft mit HAM und hier bleibt das Ziel ein neues Stadion statt die vollkommene Unterstützung zum Städt. Stadionausbau in Giasing.
Hier trennt sich weiter klar das politische Lager, statt vielmehr zu verbinden! Leider

harie
harie (@guest_60940)
Gast
1 Monat her

Weder den Verein noch den Ismaik interessiert was der Klaus sagt.
Und damit ist das Thema eigentlich auch schon erledigt.

serkan
serkan(@serkan)
Leser
1 Monat her

Guter Kommentar, vor allem das Herausstellen der zeitlichen Abfolge. Dass sich der noch vor 2 Jahren als “Aggressive Leader” eines völlig verqueren “Team Profifußball” auftretende Ruhdorfer in aller Bescheidenheit selbst zum Mediator ernennt und damit 2 Tage vor einer Mitgliederversammlung auf die Bühne springt, wirkt mehr als schräg. Die SZ als kritikloser Steigbügelhalter noch mehr.

hheinz
hheinz(@hheinz)
Leser
1 Monat her

Gestern noch quasi ein Advertorial, heute eine messerscharfe Analyse oder wegen mir ein (sehr guter) Kommentar. Der Artikel gestern hat (mir) ein bisschen weh getan, aber so schaut ausgewogene Berichterstattung ja eigentlich aus.
Vielen Dank.

Und was die Beweggründe betrifft. Es ist nur ein Bauchgefühl aber Robert Reisinger wird nicht ewig Präsident des e.V. bleiben.

alexk
alexk (@guest_60915)
Gast
1 Monat her

Noch ein“ Gschaftlhuber“ der sich
für etwas Besonderes hält…haben wir ja Einige;)

anteater
anteater(@anteater)
Leser
1 Monat her

Und ich hatte innerlich Herrn Ismaik dafür gelobt, dass er von alleine darauf kam, dass seine öffentlichen unklugen Kommentare ihm nur selbst schaden. Dabei war es unser neuer Heilsbringer, der es ihm verständlich machte…

Der Herr Mediator ist vielleicht etwas anmaßend.

Last edited 1 Monat her by anteater
Snoopy.
Snoopy.(@snoopy)
1 Monat her

das sofortige Eingehen auf irgendwelche Störfeuer nur zu einem Ping-Pong-Effekt führt

Hab ich was nicht mitbekommen?

Seit dem Präsidium Reisinger sind diese Störfeuer, die in erster Linie vom Investor kamen, relativ selten mit “sofortigem Eingehen” beantwortet worden. Im Grunde gar nicht, sind ins Leere gelaufen. Damals kamen Forderungen ja auch auf, dass Reisinger sich dazu äußern sollte, es wurde kritisiert, dass er gar nichts sagt. So ganz bin ich mir nicht im Klaren, was oder wer mit diesem Ping-Pong-Spiel gemeint ist. Das gab es eher vor dem Präsidium Reisinger.

Welche PR-Strategie von Pro1860 meint dieser Mensch? Und wenn die Mitglieder, die zur MV gehen, nicht deckungsgleich mit der angeblichen Mehrheit (DB24 Umfrage-Ergebnisse?) sind, dann bleibt die Frage: warum gehen sie dann nicht zur Mitgliederversammlung und heben das Kärtchen an der zu ihrer Meinung passenden Stelle? Wundert nur, dass nicht gleich noch “Online-Wahl” oder “Brief-Wahl” gefordert wird.

Mich würde zudem eine Stellungnahme der “Ultras” interessieren, ob der Herr da auch wirklich so aktiv war, wie er es benennt. Für mich nichts weiter als einer, der meint, jetzt vor der MV noch mal Feuer legen zu müssen. Vielleicht fragt jemand mal am Sonntag das Präsdium zu dieser Person, die Aufgabe, die er sich selbst zugeteilt hat.

Der Kommentar an sich ist sehr gut geschrieben, auch von der zeitlichen Abfolge her.  👍 

Bine1860
Bine1860(@bine1860)
Reply to  Snoopy.
1 Monat her

Online- und Briefwahl wird so gut jedes Jahr und immer wieder gefordert und wurde schon öfters bei den MVs abgelehnt, auch morgen ist es mal wieder im Antrag eines einzelnen Bloggers auf der Tagesordnung

Snoopy.
Snoopy.(@snoopy)
Reply to  Bine1860
1 Monat her

schon öfters? Immer!
Dann hat der einzelne Blogger ja wieder die Möglichkeit zu berichten, wie sehr der TSV bzw. die Mitglieder hinter dem Mond leben, weil es das – so vermute ich – auch in Zukunft nicht geben wird und die Mehrheit der Mitglieder ausgeschlossen werden. Und somit nur ein paar wenige die Geschicke des Vereins leiten.

😉

Sechzgerflore
Sechzgerflore (@guest_60906)
Gast
1 Monat her

“martialische Auftritt”…also bitte.

Man kann es auch übertreiben. Ruhdorfer halt lediglich seine Meinung und Interpretationen aufgrund seiner Erfahrungen mit der SZ geteilt. Daran finde ich absolut nichts Verwerfliches. Im Gegenteil.
Mir als “Außenstehender” spricht er damit, subjektiv empfunden, teils sogar sehr wahre Worte aus.

Aber es ist mühselig hier, wie da, (OG) vernünftig mit den Leuten zu diskutieren und weil ich darauf heute keine Lust habe, lasse ich es bleiben, weil ich meinen Löwen heute drei Punkte wünsche.

Bine1860
Bine1860(@bine1860)
Reply to  Sechzgerflore
1 Monat her

Der sagt doch nicht seine Meinung und Interpretation sondern behauptet alles wäre sein Verdienst…

Sechzgerflore
Sechzgerflore (@guest_60936)
Gast
Reply to  Bine1860
1 Monat her

…wo steht das so wortwörtlich??

siggi
siggi(@gscheiderl)
Leser
1 Monat her

Klingt nach Überkompensation von Minderwertigkeitskomplexen.
Allerdings muss man sich auch fragen, welches Interesse die SZ verfolgt? Die hätten das Interview ja auch nächste Woche bringen können. Und wer ist da auf wen zugegangen? Markus Schäflein und Philipp Schneider (SZ) auf Ruhdorfer oder umgekehrt?

Last edited 1 Monat her by Siggi
aymen1860
aymen1860(@aymen1860)
Leser
Reply to  Siggi
1 Monat her

Die SZ ist auch nicht mehr die Zeitung, die sie Mal war….
Kritischen Journalismus findet man dort inzwischen nur noch zu gewissen Themen und von wenigen Redakteuren/innen.